Der Graf von Sainte-Hermine
- Автор: Дюма Александр
- Год: 2009
- Язык: немецкий
- Год: Blanvalet Verlag
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Der Graf von Sainte-Hermine». Краткое содержание книги:
Die Originalausgabe erschien 2005 unter dem Titel »Le Chevalier de Sainte-Hermine« bei Éditions Phébus, Paris.
»Aber wenn Sie nicht mehr da sein werden! Wenn Sie nicht mehr da sein werden!«, rief das Mädchen mit schmerzerfüllter Stimme. »Was wird dann aus mir? Oh, lieber will ich sterben!«
Auf diese Worte folgte ein heftiger Nervenzusammenbruch.
René wollte das Zimmer verlassen und Hilfe holen, doch Jane klammerte sich an ihn. »Lassen Sie mich nicht allein«, flehte sie, »ich will ja gerne sterben, aber ich will, dass Sie da sind.«
René setzte sich neben sie, nahm sie in die Arme und wiegte sie sanft, bis sie wieder bei Sinnen war.
Hélène und Sir James waren zu glücklich, um an andere zu denken, insbesondere wenn diese anderen nicht anwesend waren.
Bis um zwei Uhr morgens blieben René und Jane auf dem Balkon; jedermann im Haus war auf den Beinen, jedermann war mit den Hochzeitsvorbereitungen beschäftigt. Die drei Brüder hatten Bäume in voller Blüte gefällt, die sie zu einer Allee vom Haus bis zu der Kapelle aufgestellt hatten. Es sollte eine Überraschung für Hélène und Sir James sein, und deshalb errichteten sie ihr Kunstwerk zwischen zehn Uhr abends und drei Uhr morgens. Als Jane, auf Renés Arm gestützt, in ihr Zimmer zurückging, sah sie, wie der letzte Baum aufgestellt wurde.
»Die armen Blumen!«, sagte René. »Statt das ganze Frühjahr zu blühen, werden sie in drei Tagen tot sein!«
»Ich kenne jemanden, der länger als ein Frühjahr zu leben gehabt hätte«, flüsterte Jane, »und der vor ihnen tot sein wird.«
79
Die Hochzeit
Als René früh am nächsten Morgen Jane besuchen und sich nach ihrem Zustand erkundigen wollte, sah er Hélène den Flur entlanggehen und das Zimmer ihrer Schwester betreten.
Das gutherzige junge Mädchen hatte ein schlechtes Gewissen, weil es seine Schwester am Vortag etwas vernachlässigt hatte; nun wollte es sie bitten, ihm diese Nachlässigkeit zu verzeihen, die nicht etwa Kaltherzigkeit entsprang.
Der Tag war kaum angebrochen, und im ganzen Haus herrschte noch Stille, denn alle waren spät zu Bett gegangen.
Die zwei jungen Mädchen verbrachten mehr als eine halbe Stunde in enger schwesterlicher Umarmung.
René hörte, wie Hélène Janes Zimmer verließ. Daraufhin schlich er lautlos bis zu ihrer Zimmertür, und als er Jane drinnen schluchzen und leise seinen Namen wiederholen hörte, fragte er durch die Tür: »Kann ich Ihnen etwas bringen, darf ich eintreten?«
»O ja«, erwiderte Jane, »ja, ich muss Sie sehen, kommen Sie herein.«
Er trat ein.
Jane saß in ihrem Bett, in einen weiten Batistmorgenrock gekleidet, einen Beutel voller Rubine, Saphire und Smaragde halb auf ihren Schoß ausgeleert; sie wählte die größten und schönsten unter den Edelsteinen aus und steckte sie in einen kleinen parfümierten Beutel aus Saffianleder, der mit zwei Buchstaben bestickt war.
Diese zwei Buchstaben waren ein C und ein S.
»Kommen Sie«, sagte sie zu René, »setzten Sie sich zu mir.«
René trug einen Stuhl an das Kopfende ihres Betts.
»Meine Schwester ist eben gegangen«, sagte sie, »sie ist sehr glücklich; was sie bekümmert, ist nur, dass ich meine Tränen nicht verbergen konnte. Sie wollte von mir wissen, wann Sie abreisen werden; ich habe ihr gesagt, dass es morgen sein wird, denn morgen werden Sie Abschied von uns nehmen, nicht wahr?« Und bei diesen Worten versuchte sie ihre Stimme zu beherrschen.
»Sie baten mich, bis zum Tag nach der Hochzeit zu warten.«
»Und Sie waren so unendlich gütig zuzustimmen. Glauben Sie mir, ich bin Ihnen sehr dankbar, mein lieber René. Sie hat mich auch gefragt, ob sie Sie für einige Tage länger zurückzuhalten versuchen soll, aber ich habe ihr gesagt, dass Sie Ihre Entscheidung getroffen haben und dass die Sache endlich ein Ende haben muss.«
»Ein Ende haben muss, liebe Jane? Was verstehen Sie darunter?«
»Ich verstehe darunter, dass ich leide, dass ich Ihnen Leid bereite, dass unsere ganze Situation ausweglos ist und dass ein Aufschub Ihrer Abreise um drei oder fünf Tage nichts anderes bedeuten würde, als dass wir uns dann eben drei oder fünf Tage später trennen müssten. Einen Aufschub des Todes erbittet man nur, wenn man am Leben hängt.«
René seufzte tief und erwiderte nichts, denn er war der gleichen Ansicht wie Jane, doch ihn verwunderte ihr Mut, die Situation so unumwunden zu benennen.
Jane leerte den Rest der Juwelen auf ihr Bett und sortierte auch diese. Die Konzentration, mit der sie diese Arbeit verrichtete, die Sorgfalt, mit der sie die größten und schönsten Steine aussortierte, war so herzzerreißend, dass René nicht wagte, sie zu fragen, was sie mit diesen Edelsteinen zu tun gedenke.
Das Tageslicht drang nun in das Zimmer; im Haus wurden Schritte und Geräusche laut; Jane reichte René die Hand und bedeutete ihm, es sei an der Zeit, dass er in sein Zimmer zurückging.
René küsste die Hand, die Jane ihm reichte, und verließ das Zimmer. Seine Gemütsverfassung war kaum weniger kummervoll als die des jungen Mädchens.
In seinem Zimmer legte René seinen Morgenrock ab, zog sich an und ging hinunter.
Das Pferd, das Justin ohne Sattel und ohne Zaumzeug zu reiten pflegte, graste ungestört auf der Wiese vor dem Haus. René trat näher, hielt dem Pferd eine Handvoll Gras hin und pfiff leise.
Das Pferd fraß das Gras aus seiner Hand, und René nutzte diese Ablenkung, um ihm auf den Rücken zu springen.
Das Pferd tat einen gewaltigen Sprung; doch sobald sich Renés Schenkel um seine Seiten schlossen, war es in seiner Macht, und kein Aufbäumen und kein Bocken konnte seinen Reiter abschütteln.
Bis dahin hatte nur Justin dieses Pferd besteigen können, ohne abgeworfen zu werden, und deshalb hieß es »Unbezwingbarer«.
Ein Fenster wurde aufgerissen, und eine Stimme rief: »Um Himmels willen, René! Niemand wagt sich auf dieses Pferd, es wird Ihr Tod sein!«
Doch in kaum fünf Minuten war der Unbezwingbare bezwungen und fromm wie ein Lamm.
René wickelte sich eine Handvoll Haare der Mähne des Tiers um die Hand, die er als Zügel benutzte, und lenkte das Pferd unter Janes Fenster, wo er es zwang, trotz seiner Widerspenstigkeit in die Knie zu gehen; doch kaum ließ er die Mähne los, bäumte es sich auf und raste davon, René auf seinem Rücken; das Pferd folgte einem Pfad, der eine spitze Kehre machte, und an dieser Kehre traf es auf eine alte Negerin; René lenkte das Pferd mit Knie und Hand zur Seite, doch es gehorchte nicht schnell genug und berührte die alte Frau an der Schulter, so dass sie stürzte.
Sie schrie auf, doch René war bereits abgesprungen und half ihr auf die Beine.
Sie war nicht verletzt, und jemand anders als René hätte sich gar nicht um sie gekümmert, denn eine alte Negerin wird überall und besonders in Indien so gering geschätzt, dass jeder erstbeste Weiße sich berechtigt glaubt, sie niederzutrampeln; René in seiner Güte jedoch gab ihr einen der kleinen Goldbarren, die in Indien als mindere Währung verwendet werden; er war vielleicht fünfzehn bis zwanzig Francs wert. Die Negerin wollte ihm die Hände küssen.
Als er sah, dass sie unbeschwert gehen konnte und unverletzt war, pfiff er den Unbezwingbaren herbei, sprang ihm auf den Rücken und ritt zum Haus zurück.
Justin erwartete René, um ihn zu beglückwünschen. Er hatte mit angesehen, wie René das Pferd bestiegen und gezähmt hatte, das bisher niemand außer ihm hatte reiten können.
Sie plauderten noch, als die alte Frau, der René begegnet war, in den Hof kam und einige der Dienstboten etwas fragte. Nachdem sie geantwortet hatten, betrat sie das Haus und war nicht mehr zu sehen.
»Wer ist diese Frau?«, fragte René.
Justin zuckte die Schultern. »Das ist eine Hexe«, antwortete er. »Wer zum Teufel mag diese Giftmischerin herbestellt haben?« Dann sah er, dass René noch seine Morgenkleidung trug, indes Sir James in Galauniform die Treppe herunterkam. »Ich glaube, Sie werden sich verspäten, Monsieur René«, sagte Justin, »die Trauung ist für zehn Uhr vormittags angesetzt.«