Drachenelfen. Die gefesselte Göttin
- Автор: Хеннен Бернхард
- Серия: Drachenelfen #3
- Год: 2013
- Язык: немецкий
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Drachenelfen. Die gefesselte Göttin». Краткое содержание книги:
Ob in den Ländern der Menschen oder in den magischen Wäldern Albenmarks, überall drohen seit Langem schwelende Konflikte offen auszubrechen. In ihrem Kampf um Macht schrecken Unsterbliche und Drachen nicht davor zurück, ihre besten Krieger, den Herrscher Aaron oder die Drachenelfen Nandalee und Gonvalon, für ihre Zwecke einzuspannen. Doch dann soll die gefesselte Göttin Nangogs erweckt werden – und mit ihr eine Magie, von der niemand weiß, was sie bewirken wird ...
Nandalee und Gonvalon, die Verwegensten unter den Drachenelfen, werden vor den Rat der mächtigen Himmelsschlangen gerufen, um nach dem Überfall auf die legendäre Blaue Halle Albenmarks einen ungeheuerlichen Racheakt vorzubereiten: Sie sollen die Menschen und ihre Götter an ihrer schwächsten Stelle, auf Nangog, treff en. Und so machen sie sich auf die gefährliche Reise, die gebannte Herrin dieser Welt, die gefesselte Göttin, zu befreien. Währenddessen versucht der Herrscher Aaron verzweifelt, dem Spiel aus Intrigen, Mord und Krieg an seinem Hof Diplomatie und Vernunft entgegenzusetzen. Aber wem wird in diesem Wettlauf um Macht der nächste, alles entscheidende Schachzug gelingen? Eines scheint klar – es sind die Elfen und Menschen, von denen die Zukunft aller abhängt!
»Einer der mächtigsten Glücksbringer, den du in der Stadt bekommen kannst. Er hilft auch gegen Zahnfäule, Gicht, das Frühlingsfieber und Schmerzen im Wochenbett.« Ihre Stimme sank zu einem Flüstern. »In dem Beutel ist Erde, auf die die Göttin Išta ihren Fuß gesetzt hat. Heiliger Boden! Streust du diese Erde über einen Acker, wird er im nächsten Jahr doppelt so viele Früchte tragen. Nur die Asche einer Braut der Himmlischen Hochzeit, die verbrannt wird, weil sie unfruchtbar blieb, besitzt noch mehr Zaubermacht.«
Talawain traute seinen Ohren nicht. Dieses Säckchen Dreck sollte Glück bringen? »Und wo werden diese Prinzessinnen verbrannt?«
»Auf einem Feld vor dem Haus des Himmels.« Sie sah ihn misstrauisch an. »Kein normaler Sterblicher weiß, wo das ist. Das kann dir jedes Kind sagen. Von wo kommst du, Fremder, dass dir solche Dinge nicht bekannt sind.«
»Aus Aram.«
»Ach so …« Sie rollte mit ihren wunderschönen Augen, als sei damit alles erklärt, da alle Bewohner Arams entsetzliche Narren waren.
»Was kostet mich dieser Glücksbringer?«
Sie sah ihn abschätzend an. »Eine Silbermünze«, sagte sie schließlich.
Ihm war nicht nach Feilschen zumute. Er griff in seinen Geldbeutel und holte das abgehackte Ende eines Silberbarrens hervor. Ein Stück, das fast so lang und dick wie das oberste Glied seines kleinen Fingers war. »Das muss genügen«, sagte Talawain in einem Tonfall, der keinen Zweifel daran ließ, dass er nicht weiter verhandeln würde.
Die Verkäuferin wog das Silberstück in der Hand. Dann nickte sie. »Du machst ein gutes Geschäft, Fremder aus Aram.«
Talawain ergriff ihre Hand, noch bevor sie das Silber in der Auslage verschwinden lassen konnte. »Und jetzt sagst du mir, was dem Knochenschnitzer geschehen ist. Wenn ich ohne eine gute Geschichte in mein Dorf zurückkehre, dann wird mein Bruder glauben, ich hätte nur sein Geld durchgebracht, statt meine Pflicht zu tun. Die Geschichte ist Teil unseres Geschäfts.«
»Es gibt Dinge, über die man besser nicht spricht, Fremder. Dunkle Dinge, die, wenn man mit Worten an ihnen rührt, noch weiter an Macht gewinnen und einem …«
Talawain hielt ihr mit der Linken den kleinen Lederbeutel hin. »Ich habe ja jetzt einen mächtigen Talisman. Also erzähle, mir wird schon nichts passieren!«
Sie blickte nervös die Gasse hinauf und dann zum Himmel, als fürchte sie, dass jeden Augenblick rächende Geister über sie herfallen könnten. »Zidanza hat die kleinen Götter erzürnt. Er hat immer nur Išta in Knochen geschnitzt. In großer Vollkommenheit! Seine Amulette und Reliefs und kleinen Statuen waren weit über die Grenzen unserer Stadt hinaus bekannt. Er konnte doppelt so viel für seine Arbeit verlangen wie andere Knochenschnitzer. Ein paar Tage vor seinem Tod kam ein reicher Karawanenführer aus Garagum und wollte eine Statue so groß wie seine Hand haben, die Russa, den Blitzeschleuderer, zeigt, einen Berggott aus seiner Heimat. Es gab einen lauten Streit in Zidanzas Werkstatt. Die Fenster standen offen, denn es war ein heißer Sommertag. Ohne zu lauschen, konnte ich bis hierher verstehen, was gesprochen wurde. Der Barbar bestand darauf, das Bildnis Russas zu bekommen. Er behauptete, der Gott selbst habe ihn geschickt, um eines der Wunderwerke des Meisters Zidanza zu holen, das in seinem Tempel einen Ehrenplatz erhalten solle. Der Fremde wollte mit einem faustgroßen Goldklumpen zahlen. Man stelle sich das einmal vor! So viel Gold! Ich hätte keinen Herzschlag gezögert, den Auftrag anzunehmen und alles andere stehen und liegen zu lassen. Nicht so Meister Zidanza. Er hat den Karawanenführer hinausgeworfen und laut verkündet, all seine Kunstfertigkeit gehöre allein Išta. Da hat ihn der Fremde verflucht! Seine Worte konnte ich nicht verstehen. Es muss die Sprache der Barbaren in Garagum gewesen sein, aber der Tonfall war eindeutig.«
Die Händlerin hatte nur im Flüsterton gesprochen. Jetzt blickte sie noch einmal die Straße hinauf. »Drei Tage lang geschah nichts, und ich dachte mir schon, dass Flüche, in denen die Namen anderer Götter ausgesprochen wurden, in der Stadt Ištas keine Macht hätten. Ich irrte mich.« Sie tastete nach einem Knochenamulett der Göttin, das sie um den Hals trug. »In der dritten Nacht nach dem Streit erwachte ich von schrecklichen Schreien. Ich schlafe hier im Laden, musst du wissen. Als ich die Tür aufmache, wurde ich fast geblendet. Ein gleißender, weißer Blitz fuhr aus dem Laden des Zidanza zum Himmel hinauf. Dann flackerten noch weitere Blitze in seinem Laden. Es hat ganz seltsam gerochen. Du kannst gerne die anderen Händler fragen. Alle haben es gesehen! Wir wagten uns erst in Zidanzas Laden, als ein Priester gekommen war.«
Jetzt schloss sich ihre Faust fest um ihr Amulett, und in ihren Augen spiegelte sich ein Grauen, als würde sie die Schrecken jener Nacht ein zweites Mal durchleben. »Dort im Laden war alles mit feinem, öligem Ruß bedeckt – Decke und Wände, die schönen Schnitzarbeiten, sein Werkzeug, einfach alles. Mitten im Raum lagen seine Sandalen. Sie waren ganz versengt und mit sehr feiner, weißer Asche bedeckt. Sein Schmuck lag neben den Schuhen. Der Priester fand auch drei Zähne in der Asche. Das war alles, was von Meister Zidanza geblieben war.« Sie schlug mit der Linken das Zeichen des schützenden Horns. »Statt ein reicher Mann zu werden, hat er seinen eigenen Tod heraufbeschworen.«
»Wann geschah das?«, fragte Talawain, obwohl er sich fast sicher war, welche Antwort er erhalten würde.
»Etwa zu der Zeit, als sich euer Unsterblicher, der Blutkönig, der unschuldige Frauen und Kinder ermorden lässt, auf der Ebene von Kush seinen Sieg gestohlen hat.«
Mit mulmigem Gefühl blickte Talawain über die Häuserdächer hinweg zur Zikkurat. Er war sich sicher, dass dies nicht das Werk irgendeines Berggottes war. Išta hatte Rowayn ermordet, ebenso wie Nyllan in Ugara und Kazumi, die sie in seinem Zelt im Heerlager auf der Hochebene von Kush angetroffen hatte. Sie hatte jeden getötet, der Umgang mit ihm gehabt hatte. Oder war es noch schlimmer? Hatten die Devanthar das Werk der Blauen Halle entdeckt und mit der Jagd auf die Elfenspitzel begonnen?
Talawain griff in seine Geldbörse und drückte der Händlerin ein paar Kupfermünzen in die Hand. »Das war wahrlich eine eindrucksvolle Geschichte. Damit kann ich nach Hause gehen. Aber sag, ist es möglich, einen Blick in Zidanzas Werkstatt zu werfen? Vielleicht hatte er die Arbeit für meinen Bruder ja schon abgeschlossen?«
»Du solltest dieses Haus besser nicht betreten. Ich sagte doch schon, etwas Dunkles ist dort geblieben. Der Geist von Zidanza … Auch wirst du nichts mehr finden. Priester sind gekommen und haben alle vollendeten Werke des Meisters zum höheren Lob der Göttin mit sich genommen. Sie sind an Tempel im ganzen Land verschenkt worden. Türen und Fenster sind mit heiligen Siegeln verschlossen. Wer sie zerbricht, ruft den Zorn der Göttin auf sich herab … Alles, was du dort noch finden kannst, ist dein Unglück.«
Die Worte hallten in ihm nach. Er sollte aufgeben. Nicht fern der Stadt lag ein großer Albenstern. In weniger als einer Stunde könnte er in Sicherheit sein. Wieder sah er zu der Zikkurat. Er war der Einzige, der Shayas Leben vielleicht retten könnte. Aber dazu musste er herausfinden, wo dieses verfluchte Kloster lag. Wenn es einen Hinweis auf das geheimnisumwobene Haus des Himmels gab, dann hier in Isatami, der Stadt der Tempel und Priester. Der Stadt, über die Išta selbst wachte. Aber wie könnte er hier überleben?
»Ich danke dir für deine Hilfe«, sagte er der Händlerin höflich.
»Meidet dieses Haus, Fremder!«, ermahnte sie ihn noch einmal. »Es ist ein verfluchter Ort. Wir alle hier leiden darunter, denn diese Gasse wird gemieden, seit Zidanza auf so ungewöhnliche Weise starb. Es kommen viel weniger Kunden. Wer es sich leisten kann, gibt seinen Laden auf und eröffnet ihn anderswo in der Stadt neu.«
»Tut mir leid«, murmelte Talawain und ging davon. Er hatte sich schon viel zu lange und intensiv mit der jungen Frau unterhalten. Sie würde ihn so schnell nicht vergessen, und das war genau das Gegenteil dessen, was er beabsichtigt hatte. Er musste unauffällig bleiben.