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Ein Kampf um Rom

Электронная книга - «Ein Kampf um Rom». Краткое содержание книги:

Dahn erzählt vom Kampf und vom Untergang der Ostgoten in Italien nach dem Tode des großen Theoderich von Ravenna. Wir erleben das Ringen um die Macht, hören von den Ostgotenkönigen Witiches und Totila bis zu dem denkwürdigen letzten Kampf der Goten unter Teja am Vesuv.
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Inzwischen hatte Cethegus die Wallzinne hier erreicht, er warf einen Blick in die Ebene: da sah er den König, in der weiten Ferne, unbeweglich, im Zentrum der gotischen Scharen stehen, auf dem rechten Tiberufer. Das störte und beunruhigte ihn. «Was hat er vor? Sollte er gelernt haben, daß der Feldherr nicht fechten soll? Komm, Gajus», rief er dem jungen Schützen zu, der ihm kühn gefolgt war, «deine jungen Augen sehen scharf, blick' mit mir über die Zinne hier - was treibt der König dort?» Und er beugte sich über die Brustwehr, Gajus folgte, eifrig spähend, seinem Beispiel.

«Jetzt, Gunthamund!» rief Haduswinth unten. Zwei Sehnen klangen, und die beiden Späher fuhren zurück.

Gajus stürzte, in die Stirn geschossen, nieder: und unter des Präfekten Helmdach zersplitterte klirrend ein Pfeil. Cethegus strich mit der Hand über die Stirn.

«Du lebst, mein Feldherr?» rief Piso, heranspringend.

«Ja, Freund. Es war sehr gut gezielt. Aber die Götter brauchen mich noch: nur die Haut ist geritzt», sprach Cethegus und schob den Helm zurecht.

Zwölftes Kapitel

Da flog Syphax die Mauertreppe hinauf. Streng hatte ihm sein Herr verboten, sich am Kampf zu beteiligen: «Die Barbaren sollen dich nicht töten und auch dich nicht erkennen, - du bist unersetzlich als Sklave Mataswinthens und Kundschafter des Königs Witichis», hatte Cethegus gesagt.

«Wehe, wehe», schrie er so überlaut, daß es seinem Herrn, auffiel, der des Mauren kluge Ruhe kannte, «welch ein Unglück!» - «Was ist geschehen?» - «Constantinus ist schwer verwundet. Er wollte einen Ausfall führen aus dem salarischen Tor und stieß sogleich auf die gotischen Sturmreihen. Ein Schleuderstein traf sein Gesicht. Mit Mühe rettete man ihn auf den Wall. Dort fing ich den Sinkenden auf: er ernannte den Präfekten zu seinem Vertreter. Hier ist sein Feldherrnstab.»

«Das ist nicht möglich!» schrie Bessas, der auf Syphax' Ferse folgte. Er hatte in Person selbst neue Verstärkungen verlangen wollen und kam eben recht, die Nachricht zu hören. «Oder er war schon sinnlos, als er's tat.»

«Hätte er dich bestellt, jedenfalls», sprach Cethegus, ruhig das Zepter ergreifend und dem schlauen Sklaven mit einem raschen Wink des Auges dankend. Mit einem wütenden Blicke sprang Bessas von der Brüstung und eilte davon. «Folg' ihm Syphax, und beacht' ihn wohl», flüsterte der Präfekt.

Da eilte ein isaurischer Söldner herbei: «Verstärkung, Präfekt, ans portuensische Tor. Herzog Guntharis hat zahllose Leitern angelegt.» Da sprengte Cabaol, der Führer der maurischen berittnen Schützen heran: «Constantinus ist tot. Vertritt du Constantinus.»

«Belisar vertret' ich», sprach Cethegus stolz: «fünfhundert Armenier ziehet ab vom appischen Tor und schickt sie ans portuensische Tor.»

«Hilfe, Hilfe ans appische Tor! Alle Verteidiger auf den Zinnen sind erschossen!» meldete ein persischer Reiter, «die Vorschanze ist halb verloren, vielleicht ist sie noch zu halten: aber schwer! Aber unmöglich wär's, sie wieder zu nehmen!»

Cethegus winkte seinem jungen Juriskonsulten, Salvius Julianus, jetzt seinem Kriegstribun: «Auf, mein Jurist: <beati possidentis>! - Nimm hundert Legionäre und halte die Schanze um jeden Preis, bis weitere Hilfe kommt.» -

Und er sah von der Mauerkrone wieder hinab. Unter seinen Füßen tobte das Gefecht, donnerte der Mauerbrecher Hildebrands. Aber ihn kümmerte mehr die rätselhafte Ruhe, in welcher der König im Hintergrund unbeweglich stand. «Was hat er nur vor?»

Da dröhnte von unten ein furchtbar krachender Stoß und lauter Siegesjubel der Barbaren: Cethegus brauchte nicht zu fragen: in drei Sprüngen war er unten.

«Das Tor ist eingestoßen!» riefen ihm entsetzt die Seinigen entgegen. «Ich weiß es: jetzt sind wir selbst der Riegel Roms.» Und den Schild fester andrückend, trat er hart an den rechten Torflügel, in dem in der Tat ein breiter Riß klaffte: und schon stieß der Widder an die splitternden Platten neben der Öffnung. «Noch ein solcher Stoß, und das Tor liegt ganz», sagte Gregor, der Byzantiner. «Richtig, deshalb darf es nicht mehr dazu kommen. Her zu mir, Gregor und Lucius: stellt euch, Milites! Die Speere gefällt! Fackeln und Brände! Zum Ausfall! Winke ich, so öffnet das Tor und werft Widder und Schirmdach und alles in den Graben.»

«Du bist sehr kühn, mein Feldherr!» rief Lucius Licinius, entzückt neben ihn springend.

«Ja, jetzt hat die Kühnheit Vernunft, mein Freund!»

Schon war die Kolonne gestellt, schon wollte der Präfekt das Schwert zum Zeichen des Angriffs erheben -: da erscholl vom Rücken her ein Lärm, größer selbst als der der stürmenden Goten. Wehegeschrei und Pferdegetrappel, - und Bessas drängte sich heran: er faßte den Arm des Präfekten: seine Stimme versagte.

«Was hemmst du mich in diesem Augenblick?» rief dieser und stieß ihn zurück. - «Belisars Truppen», stammelte entsetzt der Thraker, «stehen schwer geschlagen vor dem tiburtinischen Tor, - sie flehen um Einlaß, - wütende Goten hinter ihnen -Belisar ist in einen Hinterhalt gefallen: - er ist tot.»

«Belisar ist gefangen!» schrie ein Türmer vom tiburtinischen Tor, atemlos heraneilend. «Die Goten! Die Goten sind da! Sie stehn vor dem nomentanischen und vor dem tiburtinischen Tor!» scholl's aus der Tiefe der Straße. «Belisars Fahne ist genommen! Prokop verteidigt seine Leiche!» - «Laß das tiburtinische Tor öffnen, Präfekt!» drängte Bessas, «deine Isaurier stehen plötzlich dort. Wer hat sie dorthin geschickt?»

«Ich!» sagte Cethegus, überlegend.

«Sie woll'n nicht öffnen ohne deinen Befehl! Rette doch seine - Belisars - Leiche!»

Cethegus zauderte - er hielt das Schwert halb erhoben - er schwankte. «Die Leiche», dachte er,»rett' ich gern.«Da flog Syphax heran.»Nein, er lebt noch!» rief er seinem Herrn ins Ohr, «ich hab' ihn gesehen von der Zinne: er regt sich noch: aber er ist gleich gefangen: die gotischen Reiter brausen heran: -Totila, Teja, gleich sind sie bei ihm!»

«Gib Befehl, laß das tiburtiner Tor öffnen!» mahnte Bessas. Aber des Präfekten Auge blitzte: sein Antlitz überflog jener Ausdruck stolzer, kühner Entschlossenheit, der es mit dämonischer Schönheit verklären konnte. Er schlug mit dem Schwert an den zertrümmerten Torflügel vor sich: «Auf, zum Ausfall. Erst Rom: dann Belisar! Rom und Triumph!» Das Tor flog auf.

Die stürmenden Goten, schon des Sieges sicher, hätten alles eher erwartet als dies Wagnis der, wie sie wähnten, ganz verzagten Byzantiner. Sie waren ohne Fechtordnung um das Tor herum zerstreut, wurden völlig überrascht und durch den Anlauf der fest geschlossenen Reihe rasch in den hinter ihnen klaffenden Graben geworfen.

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