Nie sollst Du vergessen
- Автор: Джордж Элизабет
- Серия: Inspector Lynley (de) #11
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Год: Goldmann Verlag
- Переводчик: Mechtild Sandberg-Ciletti
- Жанр: Полицейские детективы
Электронная книга - «Nie sollst Du vergessen». Краткое содержание книги:
Psychologische Raffinesse, präziser Spannungsaufbau und ein unfehlbarer Sinn für Dramatik charakterisieren die Kriminalromane der Amerikanerin Elizabeth George. Die Autorin, die den Anthony Award, den Agatha Award und den Grand Prix de Litérature Policière gewonnen hat, lebt in Huntington Beach, Kalifornien. Mehr Informationen zur Autorin unter www.ElizabethGeorgeOnline.com
»Daraus kann man etwas lernen«, meinte Barbara.
»Ja, nicht wahr?« Tief in Gedanken versunken, stand sie vor dem letzten Bild.
Barbara beugte sich in ihrem Sessel vor. Sie wollte Lynn Davies in die Gegenwart zurückholen. »Eugenie Davies hatte in Henley einen engen Freund, Mrs. Davies. Einen ehemaligen Major namens Ted Wiley. Er betreibt eine Buchhandlung gegenüber von ihrem Haus. Hat sie mal von ihm erzählt?«
Lynn Davies wandte sich vom Bild ihrer Tochter ab. »Ted Wiley? Nein. Ich kann mich nicht erinnern, dass sie jemals von einem Ted Wiley gesprochen hat.«
»Hat sie vielleicht sonstjemanden erwähnt, zu dem sie eine engere Beziehung hatte?«
Lynn Davies dachte nach. »Sie war sehr zurückhaltend, was persönliche Dinge betraf. Von Anfang an. Aber ich glaube - ich weiß nicht, ob das eine Hilfe ist, aber als wir das letzte Mal miteinander sprachen, also bevor ich sie anrief, um sie von Virginias Tod in Kenntnis zu setzen, da erwähnte sie… Also, ich weiß wirklich nicht, ob es etwas zu bedeuten hatte. Ich meine, ich weiß nicht, ob es bedeutete, dass sie eine engere Beziehung, wie Sie es nennen, aufgenommen hatte.«
»Was hat sie denn gesagt?«, fragte Barbara.
»Es war weniger das, was sie sagte, als wie sie es sagte. Es lag so eine Unbeschwertheit in ihrem Ton, die ich vorher nie bei ihr gehört hatte. Sie wollte wissen, ob ich glaubte, man könne dort Liebe finden, wo man sie nie erwartet hätte. Sie fragte mich, ob es meiner Meinung nach möglich sei, nach Jahren einen Menschen plötzlich in einem ganz anderen Licht zu sehen, und dass aus diesem neuen Blick auf den anderen Liebe entstehen könnte. Kann es sein, dass sie da von diesem Ted Wiley sprach? Könnte er der Mann sein, den sie seit Jahren gekannt, aber bis zu diesem Moment nie als Geliebten gesehen hatte?«
Barbara ließ sich das durch den Kopf gehen. Möglich war es, sicher. Aber so einfach hinzunehmen war es nicht: Der Ort, an dem Eugenie Davies sich zum Zeitpunkt ihres Todes aufgehalten, die Adresse, die sie bei sich gehabt hatte, ließen etwas anderes vermuten.
Sie sagte: »Hat sie je einen James Pitchford erwähnt?«
Lynn Davies schüttelte den Kopf.
»Und Pitchley? Oder vielleicht Pytches?«
»Nein, diese Namen sind nie gefallen. Aber so war sie: eine sehr verschlossene Frau.«
Eine sehr verschlossene Frau, die das Opfer eines Mörders geworden ist, dachte Barbara. Und sie fragte sich, ob nicht diese Neigung zur Verschlossenheit der Grund für ihre Ermordung gewesen war.
Chief Inspector Leach hörte schweigend zu, als ihm die Oberschwester der Intensivstation im Charing Cross Hospital das Schlimmste eröffnete. Keine Veränderung, das sagten die Ärzte immer, wenn sie die Verantwortung für einen Patienten an Gott, das Schicksal, die Natur oder die Zeit abgaben. Sie sagten es nicht, wenn ein Patient dem Tod ein Schnippchen geschlagen hatte, auch nur die kleinsten Fortschritte zum Besseren zeigte oder auf wundersame Weise genas.
Leach legte den Telefonhörer auf und wandte sich grübelnd von seinem Schreibtisch ab. Er dachte nicht nur über das Schicksal Malcolm Webberlys nach, er zerbrach sich auch den Kopf über seine eigenen Unzulänglichkeiten und darüber, wie sie seine Fähigkeit beeinflussten, mit den Irrungen und Wirrungen dieser Untersuchung umzugehen.
Er musste auf jeden Fall das Problem Esmé anpacken. Wie, das würde ihm schon noch einfallen, aber dass er es anpacken musste, lag auf der Hand. Denn wäre er nicht durch Esmés Befürchtungen bezüglich des neuen Freundes ihrer Mutter - ganz zu schweigen von seiner eigenen Reaktion darauf, dass Bridget Ersatz für ihn gefunden hatte - abgelenkt gewesen, so hätte er sich ganz bestimmt erinnert, dass J.W. Pitchley alias James Pitchford früher einmal Jimmy Pytches gewesen war, dessen Verwicklung in den Tod eines Säuglings in Tower Hamlets vor langer Zeit für alle Boulevardblätter Londons ein gefundenes Fressen gewesen war.
Nicht zum Zeitpunkt des Todes besagten Säuglings natürlich, der Fall hatte sich nach der Obduktion rasch geklärt; nein, Jahre später, als in Kensington wieder ein Kind gestorben war.
Als die Frau vom Yard dieses pikante Detail zum Besten gegeben hatte, war Leach schlagartig alles wieder eingefallen. Er versuchte sich einzureden, dass er die Information aus dem Speicher seines Gedächtnisses gelöscht hätte, weil sie nichts weiter gebracht hatte als einen Haufen Ärger für Pitchford während der Ermittlungen wegen des Tods der kleinen Davies. Tatsächlich jedoch hätte er sich daran erinnern müssen, und es war nur Bridget und ihrem neuen Freund und insbesondere der Sorge seiner Tochter wegen Bridgets Freund zuzuschreiben, dass ihm die Sache vorübergehend entfallen war. Aber er konnte sich nicht erlauben, irgendetwas zu diesem lang zurückliegenden Fall zu vergessen, weil es immer wahrscheinlicher wurde, dass es zwischen dem Fall von damals und dem von heute eine Verbindung gab, die so leicht nicht aus der Welt zu schaffen sein würde.
Ein Constable schaute kurz bei ihm herein und sagte: »Wir haben jetzt den Typen aus West Hampstead hier, mit dem Sie sprechen wollten, Sir. Sollen wir ihn in einen Vernehmungsraum bringen?«
»Ist er mit seinem Anwalt hier?«
»Was sonst? Der geht wahrscheinlich morgens nicht mal mehr auf die Toilette, ohne dass er vorher seinen Anwalt fragt, auf wie viel Blatt Klopapier er ein Anrecht hat.«
»Dann bringen Sie ihn in einen Vernehmungsraum«, sagte Leach. Er wollte Anwälten keinen Anlass geben, zu glauben, sie hätten es geschafft, ihn einzuschüchtern, aber genau das würde Pitchford-Pitchleys Anwalt sich vermutlich einbilden, wenn er ihn mit seinem Mandanten in sein Büro bat.
Er nahm sich ein paar Minuten Zeit, um mit einem Anruf Pitchleys Wagen freizugeben. Den Porsche noch länger unter Verschluss zu halten würde nichts bringen, und Leach war überzeugt, dass sie dank ihren Kenntnissen über Details aus James Pitchfords Vergangenheit stärkeren Druck auf den Mann ausüben konnte als mit der Beschlagnahmung des Wagens.
Nach dem Telefonat holte er sich einen Becher Kaffee und ging in das Vernehmungszimmer, wo Pitchley- Pitchford-Pytches - Leach begann ihn der Einfachheit halber im Stillen Mr. P zu nennen - und sein Anwalt, die bereits am Tisch Platz genommen hatten, ihn erwarteten. Azoff rauchte trotz des unübersehbaren Rauchverbotsschilds, seine Art, kundzutun, dass sie alle miteinander ihn mal könnten, und Mr. P fuhr sich unablässig mit beiden Händen durch die Haare, als wollte er seinem Hirn eine gründliche Massage verpassen.
»Ich habe meinem Mandanten geraten, keine Aussage zu machen«, begann Azoff ohne ein Wort der Begrüßung. »Obwohl er sich bisher in jeder Hinsicht kooperativ gezeigt hat, ist das von Ihnen in keiner Weise gewürdigt worden.«
»Gewürdigt?«, wiederholte Leach ungläubig. »Was glauben Sie eigentlich, wo wir hier sind, Mann? Wir ermitteln in einem Mordfall, und wenn wir die Hilfe Ihres Mandanten brauchen, dann bekommen wir sie auch, darauf können Sie sich verlassen.«
»Ich sehe keinen Anlass zu weiteren derartigen Treffen, wenn Sie keine konkreten Vorwürfe gegen ihn erheben«, konterte Azoff.
Woraufhin Mr. P den Kopf hob und ihn so wütend anstarrte, als wollte er sagen, was laberst du da für einen Mist, du Vollidiot? Leach gefiel das; ein Unschuldiger hätte seinen Anwalt sicher nicht mit diesem mörderischen Blick durchbohrt, nur weil der von »Vorwürfen« gesprochen hatte. Ein Unschuldiger hätte bestätigend genickt und den Bullen herausfordernd angesehen: Genau, schreiben Sie sich das gefälligst hinter die Ohren. Aber so reagierte Mr. P nicht, und das überzeugte Leach noch mehr, dass man den Mann zum Reden bringen musste. Er war sich nicht sicher, was sie dadurch gewinnen würden, aber einen Versuch, fand er, war es auf jeden Fall wert.