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Wer die Wahrheit sucht

Электронная книга - «Wer die Wahrheit sucht». Краткое содержание книги:

An einem frühen Dezembermorgen wird Guy Brouard — Millionär, Mäzen und Frauenheld — ermordet an einem Strand der englischen Kanalinsel Guernsey aufgefunden. Verdächtige und Motive gibt es mehr als genug. Nur die junge Amerikanerin China River hat keines. Doch alle Indizien weisen ausgerechnet auf sie. China hatte ihren Bruder aus Kalifornien nach Guernsey begleitet, um Guy Brouard die Architekturpläne für ein von ihm gestiftetes Museum zum Gedenken an die deutsche Besatzung der Insel im Zweiten Weltkrieg zu übergeben. Eine andere Verbindung existiert augenscheinlich nicht.
Simon St. James, engster Vertrauter von Chief Inspector Thomas Lynley, reist mit seiner Frau Deborah auf die winterliche Kanalinsel, um die Unschuld von China, einer alten Freundin Deborahs, nachzuweisen. Doch je tiefer sie in die verschworene Inselgemeinschaft eintauchen, desto mehr Personen entdecken sie, die dem wohltätigen Mitbürger Guy Brouard alles andere als freundschaftliche Gefühle entgegenbringen — und die auf irgendeine Weise in den Mord verstrickt sind: seine Exfrau, sein Sohn, seine Geliebte, seine Schwester, seine jugendlichen Schützlinge, der tragisch ausgebootete einheimische Architekt. Liegen die Motive in Brouards undurchsichtiger Vergangenheit? Oder reichen sie zurück bis in Guernseys wechselvolle Geschichte?
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Als er ins Hotel trat, hörte er jemanden seinen Namen rufen, und sah, dass die Rezeptionistin am Empfang ihm mit einem Zettel winkte.»Anruf aus London«, sagte sie, als sie ihm das Papier zusammen mit dem Zimmerschlüssel überreichte. Er sah, dass sie zur Kennzeichnung seines Freundes bei New Scotland Yard» Super Linley «auf den Zettel gekritzelt hatte. Lynley hätte das zweifellos trotz des falsch geschriebenen Namens amüsiert.»Er lässt Ihnen ausrichten, Sie sollen sich ein Handy anschaffen«, fügte sie vielsagend hinzu.

Oben in seinem Zimmer trat St. James an den Schreibtisch, aber er rief Lynley nicht gleich zurück, sondern tippte zuerst eine andere Nummer ein.

Jim Ward, sagte man ihm, als er mit Kalifornien verbunden war, sei gerade in einer Besprechung. Leider finde sie nicht im Büro statt, sondern im Ritz Carlton Hotel.»An der Küste«, erklärte ihm betont wichtig eine Frau, die sich mit den Worten» Southby, Strange, Willow und Ward. Crystal am Apparat«, gemeldet hatte.

«Sie sind alle nicht zu erreichen«, fügte sie hinzu.»Aber wenn Sie eine Nachricht hinterlassen wollen.«

St. James hatte nicht die Zeit, zu warten, bis die Nachricht den Architekten erreichte, er fragte deshalb die junge Frau, die etwas zu kauen schien, ob sie ihm helfen könne.

«Ich werde mich bemühen«, versicherte sie freundlich.»Ich studiere selbst Architektur.«

Er hatte Glück mit seiner Frage nach den Plänen, die Jim Ward nach Guernsey geschickt hatte. Es war noch nicht so lange her, dass die Dokumente das Architekturbüro verlassen hatten, und zufällig war Crystal persönlich für den Versand von Plänen zuständig. Da die Verfahrensweise in diesem Fall so ungewöhnlich gewesen war, erinnerte sie sich ganz genau und war gern bereit, ihm Auskunft zu geben. wenn er einen Moment am Apparat bleiben könne,»weil ich gerade jemanden in der anderen Leitung habe«.

Er wartete, und binnen kurzem meldete sie sich wieder. Normalerweise, erklärte sie ihm, wären die Pläne über Internet an einen Architekten in Übersee gegeben worden, der das Projekt dann an Ort und Stelle weitergeführt hätte. Aber in diesem Fall waren die Pläne lediglich Arbeitsproben von Mr. Ward gewesen, die Sache war also nicht eilig gewesen. Sie hatte sie verpackt» wie immer «und einem Anwalt übergeben, der vorbeigekommen war, um sie zu holen. So war es, wie sie hörte, zwischen Mr. Ward und dem Kunden in Übersee vereinbart gewesen.

«War das ein Mr. Kiefer?«, fragte St. James.»Mr. William Kiefer? War das der Mann, der die Pläne geholt hat?«

Crystal sagte, an den Namen könne sie sich nicht erinnern. Aber sie glaube nicht, dass es Kiefer gewesen sei. Obwohl. Augenblick mal. Nein, jetzt, wo sie darüber nachdenke. der Typ habe überhaupt keinen Namen genannt. Er hatte nur gesagt, er wolle die Pläne abholen, die nach Guernsey geschickt werden sollten, und sie hatte sie ihm daraufhin ausgehändigt.

«Sie sind doch angekommen?«, fragte sie mit einiger Besorgnis.

Natürlich.

Wie sie verpackt gewesen seien, wollte St. James wissen.

Ganz normal, antwortete sie. Eine große Versandröhre aus festem Karton.»Das Paket ist doch nicht unterwegs beschädigt worden?«, erkundigte sie sich mit gleicher Besorgnis.

St. James beruhigte sie, dankte ihr und beendete nachdenklich das Gespräch. Dann tippte er die nächste Nummer ein und hatte Glück, als er nach William Kiefer fragte. Keine dreißig Sekunden später hatte er den Anwalt am Apparat.

Der zog Crystals Darstellung in Zweifel. Er habe niemanden geschickt, die Pläne abzuholen, sagte er. Mr. Brouard habe ihm ausdrücklich erklärt, dass die Pläne vom Architekturbüro an die Kanzlei geliefert würden, sobald sie fertig seien. Dann sollte er die Kuriere in Marsch setzen, die sie nach Guernsey bringen sollten. Genauso sei es abgelaufen.

«Erinnern Sie sich zufällig an den Boten, der die Pläne bei Ihnen vorbeibrachte?«, fragte St. James.

«Ich habe ihn nicht zu Gesicht bekommen. Oder sie. Oder wer immer es war«, antwortete Kiefer.»Er — oder sie — hat die Pläne bei der Sekretärin abgegeben. Ich bekam sie, als ich vom Mittagessen zurückkam. Sie waren fertig verpackt und adressiert. Aber vielleicht weiß sie noch. Bleiben Sie dran, ja?«

Es dauerte gut eine Minute. St. James wurde in der Zeit von Neil Diamond berieselt, der die englische Sprache um grässlicher Reime willen misshandelte. Dann meldete sich eine Frau namens Cheryl Bennett.

Der Bote, der die Pläne vorbeigebracht hatte, sei ein Mann gewesen, sagte sie. Auf St. James' Frage, ob sie sich an etwas Besonderes erinnere, kicherte sie.»Ganz entschieden. Diese Typen sieht man in Orange County nur ganz selten.«

«Was für Typen?«

«Rastas. «Der Mann, der die Pläne gebracht hatte, sei so ein karibischer Typ gewesen.»Rastalocken bis zum Hintern. Sandalen, abgeschnittene Jeans und ein Hawaihemd. Ziemlich ausgeflippt für einen Architekten, fand ich. Aber vielleicht war er ja auch nur der Bürobote.«

Nein, den Namen wisse sie nicht, sagte sie zum Schluss. Sie hätten nicht miteinander gesprochen. Er habe Kopfhörer aufgehabt und Musik gehört. Er habe sie an Bob Marley erinnert.

St. James dankte ihr und machte Schluss.

Er trat zum Fenster mit der Aussicht auf St. Peter Port. Er ließ sich durch den Kopf gehen, was sie gesagt hatte und was das bedeuten konnte. Es gab nur eine mögliche Schlussfolgerung: Nichts, was sie bisher wussten, war so, wie es zu sein schien.

28

Simons Misstrauen reizte Deborah, und es reizte sie zusätzlich, dass er dieses Misstrauen wahrscheinlich damit rechtfertigte, dass sie mit dem Nazi-Ring nicht sofort zur Polizei gerannt war, wie er sich das vorgestellt hatte. Seine Zweifel hatten mit der realen Situation nichts zu tun. Tatsache war, dass Simon ihr misstraute, weil er ihr immer misstraute. Es war eine Reflexreaktion bei ihm, wann immer irgendetwas die Denkfähigkeit einer Erwachsenen von ihr forderte, derer er sie nicht für fähig zu halten schien. Diese Einstellung ihr gegenüber war der Fluch ihrer Beziehung. Das hatte sie davon, dass sie einen Mann geheiratet hatte, der früher einmal ihr gegenüber die Elternrolle eingenommen hatte. Er fiel zwar nicht immer in Momenten des Konflikts in diese Rolle zurück. Aber die Tatsache, dass er es überhaupt tat, ärgerte sie.

Sie schlug den Weg zu den Queen-Margaret-Apartments ein anstatt in der High Street zu bummeln oder den Hang zu den Candie Gardens hinaufzusteigen, zum Castle Cornet hinauszuwandern oder in den Schmuckgeschäften in der Commercial Arcade zu stöbern. Aber der Besuch in der Clifton Street war umsonst. Auf ihr Klopfen an der Tür von Wohnung B rührte sich nichts. Sie stieg die Treppe zum Marktviertel hinunter und redete sich ein, sie suche nicht nach China, und selbst wenn, sagte sie sich, was sei denn schon dabei. Sie waren alte Freundinnen, und China wartete gewiss auf tröstende Zusicherungen, dass die Situation, in die sie und ihr Bruder hineingeraten waren, bald geklärt würde.

Deborah wollte ihr diesen Trost geben. Es war das Mindeste, was sie tun konnte.

In den alten Markthallen am Fuß der Treppe war China nicht, auch nicht in dem Lebensmittelgeschäft, in dem Deborah schon mal auf sie und ihren Bruder gestoßen war. Erst als Deborah jeden Gedanken daran aufgegeben hatte, die Freundin zu finden, entdeckte sie diese rein zufällig oben in der Smith Street, als sie selbst, von der High Street kommend, in die Straße einbog.

Gerade hatte sie resigniert den Anstieg in Angriff genommen, um ins Hotel zurückzukehren, und hielt noch einmal kurz an, um einem

Händler eine Zeitung abzukaufen. Als sie ihr Portemonnaie wieder in ihre Umhängetasche schob, sah sie China auf halber Höhe aus einem Geschäft treten und zu dem Platz am Ende der Smith Street hinaufgehen, wo das Kriegerdenkmal stand.

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