Cäsar Cascabel
- Автор: Верн Жюль Габриэль
- Язык: немецкий
- Жанр: Путешествия и география
Электронная книга - «Cäsar Cascabel». Краткое содержание книги:
Zum erstenmal in seinem Leben sollte Herr Cascabel, ein natürlicher und unversöhnlicher Feind Englands, den Faß auf englischen Boden setzen. Zum erstenmale sollte seine Sandale britische Erde berühren und sich mit dem angelsächsischen Staube beschmutzen! Möge der Leser uns diese emphatische Ausdrucksweise verzeihen! Aber es war dies ganz gewiß die Form, welche der fragliche Gedanke in jenem Gauklerhirn annehmen mußte, das so zäh an seinem längst gegenstandslos gewordenen patriotischen Hasse festhielt.
Zwar lag Kolumbia nicht in Europa. Es gehörte nicht zu jener Gruppe, welche England, Schottland und Irland unter der Bezeichnung Großbritannien bilden. Aber es war darum doch ebenso englisch wie Indien, Australien, Neuseeland, und dementsprechend Cäsar Cascabel zuwider.
Britisch-Kolumbia bildet eine der bedeutendsten Kolonien des britischen Reiches, indem es Neuschottland und die aus Ober- und Nieder-Kanada bestehende Dominion sowohl, als auch das der Hudsonbai-Gesellschaft überlassene ungeheure Territorium umfaßt. In der Breite reicht es von einem Weltmeer zum andern, von den Küsten des Stillen Oceans bis zu denen des Atlantischen. Im Süden stößt es an die Grenze der Vereinigten Staaten, die sich von Washington bis Maine hinzieht.
Es war also wirklich englischer Boden, über den der Weg nach Norden führte. Im ganzen genommen hatte man bloß gegen zweihundert Meilen zurückzulegen, um die südliche Spitze von Alaska, der russischen Besitzungen in Westamerika, zu erreichen. Nichtsdestoweniger waren zweihundert Meilen auf »diesem verhaßten Boden«, wenn sie für die an lange Pilgerreisen gewöhnte Belle-Roulotte auch nur eine Spazierfahrt bedeuteten, doch zweihundertmal zu viel, und Herr Cascabel gedachte sie in möglichst kurzer Zeit zu überstehen.
Von nun an machte man höchstens in den Speisestunden Halt. Es gab keine gymnastischen Künste, keine Tänze, keine Ringkämpfe mehr. Das angelsächsische Publikum mochte sehen, wie es ohne dieselben fertig wurde! Die Familie Cascabel empfand nichts als Verachtung für die mit dem Bilde der Königin versehenen Münzen. Ein Papierdollar war ihr lieber als eine silberne Krone oder ein goldenes Pfund.
Unter diesen Umständen wird man begreifen, daß die Belle-Roulotte den Städten und Dörfern auswich. Wenn die Jagd unterwegs die Verköstigung des Personals zu bestreiten vermochte, so brauchte man den Produzenten dieses abscheulichen Landes keine ihrer Produkte abzukaufen.
Man möge nicht wähnen, daß diese Haltung einer Art Affektation des Herrn Cascabel entsprang. Nein! sie war natürlich. Und der Philosoph, der sein Mißgeschick so gefaßt hingenommen, der nach dem Raube in der Sierra Nevada seine gute Laune wiedererlangt hatte, er wurde mürrisch und verstimmt von dem Augenblick an, wo er die Grenze BritischAmerikas überschritt. Er ging mit gesenktem Kopfe und verdrießlicher Miene, den Hut in die Stirne gedrückt, den harmlosen Reisenden, die seinen Weg kreuzten, wilde Blicke zuschleudernd. Die Lust zum Lachen war ihm vergangen, das sah man, als Xander sich vermittelst eines unzeitigen Scherzes eine derbe Zurechtweisung zuzog.
Der Junge ließ es sich nämlich an jenem Tage einfallen, eine Viertelmeile mit schrecklichen Verrenkungen und Grimassen rücklings vor dem Wagen einherzugehen.
Und als ihn sein Vater nach dem Beweggrunde dieser, zum mindesten sehr ermüdenden Art der Fortbewegung fragte, antwortete er augenzwinkernd:
»Wir machen doch eine Reise nach Rückwärts!«
Die Übrigen brachen ob dieser Erwiderung in Lachen aus, -sogar Clou, der dieselbe sehr amüsant fand.. wenn sie nicht etwa absolut dumm sei.
»Xander!« sagte Herr Cascabel in strengem Ton, indem er seine hochfahrendste Miene annahm, »wenn du dir nochmals Späße dieser Art zu einer Zeit erlaubst, wo wir nicht zum Scherzen aufgelegt sind, so werde ich dich gehörig an den Ohren ziehen!«
»Aber Vater.«
»Still!. Im Lande der English lacht man nicht.«
Und die Familie wagte in Gegenwart ihres strengen Oberhauptes nicht mehr den Mund zu öffnen, wenngleich sie nicht in ganz so hohem Maße antisächsisch gesinnt war, wie er.
Der Teil von Britisch-Kolumbia, welcher an das Küstengebiet des Stillen Oceans stößt, ist sehr abwechslungsreich. Im Osten von den Rocky Mountains begrenzt, deren Kette bis in die Polarregion hinausreicht, ist er im Westen an der tief ausgezackten, der norwegischen ähnlichen Bute-Küste von zahlreichen Fjords durchschnitten, welche eine Reihe hoher Gipfel pittoresk überragt. Dort erheben sich Piks, die in Europa, selbst in den Alpengegenden ihresgleichen suchen; Gletscher, welche die mächtigsten der Schweiz an Höhe und Ausdehnung weit zurücklassen. So Mount Hocker, der fünftausendachthundert Meter mißt -tausend Meter mehr als die höchste Kuppe des Mont Blanc -, so Mount Browne, der ebenfalls höher als jener Riese der Alpen ist.
Die von der Belle-Roulotte zwischen den östlichen und westlichen Höhenzügen eingehaltene Richtung führte durch ein breites und fruchtbares Tiefland, wo offene Ebenen mit herrlichen Wäldern abwechselten und der Fraserstrom, nach dem er etwa hundert Meilen weit von Süden nach Norden geflossen, sich in einen schmalen Meerarm zwischen der Bute-Küste, der Vancouver-Insel und dem von letzterer dominierten Archipel ergoß.
Diese Vancouver-Insel ist zweihundertfünfzig geographische Meilen lang und dreiundsechzig breit. Von den Portugiesen angekauft, wurde sie Gegenstand einer Besitzergreifung, die sie im Jahre 1789 in spanische Hände brachte. Zur Zeit, da sie noch Nutka hieß, dreimal von Vancouver durchforscht, trug sie den Namen des englischen Seefahrers sowohl, als den des Kapitäns Quadra, und ging schließlich gegen Ende des achtzehnten Jahrhunderts endgültig in großbritannischen Besitz über.
Ihre Hauptstadt ist gegenwärtig Viktoria und ihre bedeutendste Stadt ist Nanaimo. Ihre reichen, anfänglich durch die Agenten der Hudsonbai-Gesellschaft ausgebeuteten Steinkohlenlager lieferten einen der bedeutendsten Handelsartikel zwischen San Francisco und den verschiedenen Häfen der Westküste.
Ein wenig nördlich von der Vancouver-Insel erstreckt sich die Queen-Charlotte-Insel, die bedeutendste des gleichnamigen Archipels, welcher die englischen Besitzungen in jenen Gewässern vervollständigt.
Man wird unschwer erraten, daß Herr Cascabel ebensowenig daran dachte, die Inselhauptstadt zu besuchen, wie er Adelaide oder Melbourne in Australien, Madras oder Kalkutta in Indien besucht haben würde. Er verwendete seine ganze Sorge darauf, das Fraserthal so rasch hinauszueilen, wie sein Gespann es nur immer gestattete, und verkehrte ausschließlich mit den Urbewohnern des Landes.
Übrigens fand die kleine Truppe hier leicht das zu ihrer Nahrung erforderliche Wild. Die Gegend wimmelte von Damhirschen, Hafen, Rebhühnern; und wenigstens, sagte Herr Cascabel, diente es zur Erhaltung ehrlicher Wesen, dies Wild, das sein ältester Sohn mit sicherem und flinkem Blei erlegte!. Auch hatte es kein angelsächsisches Blut in den Adern und konnte anstandslos von Franzosen verzehrt werden!