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Ein Kampf um Rom

Электронная книга - «Ein Kampf um Rom». Краткое содержание книги:

Dahn erzählt vom Kampf und vom Untergang der Ostgoten in Italien nach dem Tode des großen Theoderich von Ravenna. Wir erleben das Ringen um die Macht, hören von den Ostgotenkönigen Witiches und Totila bis zu dem denkwürdigen letzten Kampf der Goten unter Teja am Vesuv.
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Doch desto größer», sprach er sich aufrichtend, «ist der Ruhm, hier, mitten im Römerland, Germanen ein Reich zu bauen und zu erhalten.

Und welcher Zauber liegt auf deinem Vaterland, Valeria. Es ist das unsre auch geworden! Wie frohlockte mein Herz, als mich wieder Oliver und Lorbeer begrüßten und des Himmels tiefes, tiefes Blau. Und ich fühlte klar: wenn mein edles Volk sich siegreich erhält in diesem edlen Land, dann wird die Menschheit ihr edelstes Gebilde hier erstehen sehn. »

Valeria drückte dem Begeisterten die Hand.

«Und was hast du ausgerichtet?» fragte Cassiodor.

«Viel! - Alles! Ich traf am Hofe des Merowingen Childibert Gesandte von Byzanz, die ihn schon halb gewonnen, als sein Bundesgenosse in Italien einzufallen. Die Götter - vergib mir, frommer Vater -, der Himmel war mit mir und meinen Worten. Es gelang, ihn umzustimmen. Schlimmstenfalls ruhen seine Waffen ganz. Hoffentlich sendet er uns ein Heer zu Hilfe.»

«Wo ließest du Julius?»

«Ich geleitete ihn bis in seine schöne Heimatstadt Avenio. Dort ließ ich ihn unter blühenden Mandelbäumen und Oleandern. Dort wandelt er, fast nie mehr den Platon, meist den Augustinus in der Hand und träumt und träumt vom ewigen Völkerfrieden, vom höchsten Gut und von dem Staate Gottes! Wohl ist es schön in jenen grünen Tälern: - doch neid' ich ihm die Muße nicht. Das Höchste ist das Volk, das Vaterland! Und mich verlangt's, für dieses Volk der Goten zu kämpfen und zu ringen. Überall, wo ich des Rückwegs kam, trieb ich die Männer zu den Waffen an. Schon drei starke Scharen traf ich auf dem Wege nach Ravenna. Ich selber führe eine vierte dem wackern König zu. Dann geht es endlich vorwärts gegen diese Griechen, und dann: Rache für Neapolis!» Und mit blitzenden Augen hob er den Speer - er war sehr schön zu schauen.

Entzückt warf sich Valeria an seine Brust. »O sieh, Cassiodor, das ist meine Welt! meine Freude! mein Himmel! Mannesmut und Waffenglanz und Volkesliebe und diese Seele in Lieb' und Haß bewegt - füllt das die Menschenbrust nicht aus?»

«Jawohclass="underline" im Glück und in der Jugend! Es ist der Schmerz, der uns zum Himmel führt.»

«Mein frommer Vater», sagte Totila, mit der Linken Valeria an sich drückend, mit der Rechten an seine Schulter rührend, «schlecht steht mir an, mit dir, dem Altern, Weisern, Besseren zu streiten. Aber anders ist mein Herz geartet. Wenn ich je zweifeln könnte an eines gütigen Gottes Walten, so ist es, wann ich Schmerz und unverschuldet Leiden sehe. Als ich der edeln Miriam Auge brechen sah, da fragte mein verzweifelnd Herz: <lebt denn kein Gott?>

Im Glück, im Sonnenschein fühl' ich den Gott, und seine Gnade wird mir offenbar. Er will gewiß der Menschen Glück und Freude: - der Schmerz ist sein heiliges Geheimnis - ich vertraue: dereinst wird uns auch dieses Rätsel klar. Einstweilen aber laß uns auf der Erde freudig das Unsere tun und keinen Schatten uns allzulang verdunkeln.

In diesem Glauben, Valeria, laß uns scheiden. Denn ich muß sofort zu König Witichis mit meinen Reitern.»

«Du gehst von mir? Schon wieder? Wann, wo werd' ich dich wiedersehn?»

«Ich seh' dich wieder, nimm mein Wort zum Pfand!

Ich weiß, es kommt der Tag, da ich mit vollem Recht dich aus diesen ernsten Mauern führen darf ins sonnige Leben. Laß dich indes nicht allzusehr verdüstern. Es kommt der Tag des Sieges und des Glücks: und mich erhebt's, daß ich zugleich das Schwert für mein Volk und meine Liebe führe.»

Inzwischen war der Pförtner mit einem Schreiben an Cassiodor wiedergekommen.

«Auch ich muß dich verlassen, Valeria», sprach der.

«Rusticiana, des Boethius Witwe, ruft mich dringend an ihr Sterbebett: sie will ihr Herz erleichtern von alter Schuld. Ich gehe nach Tifernum.»

«Dahin führt auch unser Weg, du ziehst mit mir, Cassiodor. Leb' wohl, Valeria!»

Nach kurzem Abschied sah die Jungfrau den Geliebten gehn. Sie bestieg ein Türmchen der Gartenmauer und sah ihm nach.

Sie sah, wie er in voller Rüstung sich in den Sattel schwang, sie sah mit freudigen Augen seine Reiter hinter ihm traben. Hell blitzten ihre Helme im Abendlicht, die blaue Fahne flatterte lustig im Winde: alles war voll Leben, Kraft und Jugend.

Sie sah dem Zuge nach, lang und sehnend.

Aber als er fern und ferner sich hinzog, da wich der frohe Mut, den sein Erscheinen gebracht, wieder von ihr. Bange Ahnungen stiegen in ihr auf, und unwillkürlich sprachen sich ihre Gefühle aus in den Worten ihres Homeros:

«Siehest du nicht, wie schön von Gestalt, wie stattlich Achilleus? Dennoch harrt auch seiner der Tod und das dunkle Verhängnis, Wann auch ihm in des Kampfes Gewühl das Leben entschwindet. Ob ihn ein Pfeil von der Sehne dahinstreckt, oder ein Wurfspeer.»

Und schmerzlich seufzend schritt die Jungfrau aus dem rasch sich verdunkelnden Garten in die dumpfen Mauern zurück.

Viertes Kapitel

Inzwischen hatte König Witichis in seinem Waffenplatz Ravenna jede Kunst und Tätigkeit eines erfahrenen Kriegsmannes entfaltet.

Während jede Woche, ja jeden Tag vor und in der Stadt größere und kleinere Scharen von den gotischen Heeren eintrafen, die der Verrat Theodahads an die Grenzen gesendet hatte, arbeitete der König unablässig daran, das ganze große Heer, das allmählich bis auf einhundertfünfzig Tausendschaften gebracht werden sollte, auszurüsten, zu waffnen, zu gliedern und zu üben.

Denn die Regierung Theoderichs war eine äußerst friedliche gewesen: nur die Besatzungen der Grenzprovinzen, kleine Truppenmassen, hatten mit Gepiden, Bulgaren und Awaren zu tun gehabt, und in den mehr als dreißig Jahren der Ruhe waren die kriegerischen Ordnungen eingerostet.

Da hatte der tüchtige König, von seinen Freunden und Feldherren eifrig unterstützt, Arbeit vollauf. Die Arsenale und Werften wurden geleert, in Ravenna ungeheure Vorratsspeicher angelegt und zwischen der dreifachen Umwallung der Stadt endlose Reihen von Werkstätten für Waffenschmiede aller Art aufgeschlagen, die Tag und Nacht unablässig zu arbeiten hatten, den Forderungen des kampfbegierigen Königs, des massenhaft anschwellenden Heeres zu genügen. Ganz Ravenna ward ein Kriegslager. Man hörte nichts als die Hammerschläge der Schmiede, das Wiehern der Rosse, den Sturmruf und Waffenlärm der sich übenden Heerscharen.

In diesem Getöse, in dieser rastlosen Tätigkeit betäubte Witichis, so gut es gehen wollte, den Schmerz seiner Seele, und begierig sah er dem Tag entgegen, da er sein schönes Heer zum Angriff gegen den Feind führen könne. Doch hatte er bei allem Drange, im Kampfgewühl sich selber zu verlieren, seiner Königspflicht nicht vergessen und durch Herzog Guntharis und Hildebad ein Friedensanerbieten an Belisar gesendet mit den mäßigsten Vorschlägen.

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