Der Krieg der Zwerge
- Автор: Хайц Маркус
- Серия: die zwerge #2
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Год: Piper Verlag GmbH
- ISBN: 3-492-70093-4
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Der Krieg der Zwerge». Краткое содержание книги:
»Wo bist du?« Narmora stand ratlos zwischen den eng aneinander gebauten Häusern und drehte sich auf der Stelle.
»Ehrenwerte Maga! Da seid Ihr ja!«, rief jemand erleichtert nach ihr. Ein erschöpfter Bote näherte sich ihr vom anderen Ende des Sträßchens. »Rodario der Unglaubliche sendet mich, damit Ihr zu ihm kommt und den Dritten beisteht. Sie werden ansonsten aufgerieben. Die Übermacht im Norden ist zu stark.«
»Es geht nicht«, verweigerte sie kalt ihren Beistand. »Die Avatare stehen kurz davor, ihren Plan in die Tat umzusetzen. Das Geborgene Land hat Vorrang vor dem Leben der Dritten, sag ihm das.«
Sie wandte sich um und rannte weiter, so schnell sie ihre langen Beine trugen. Nein, das Leben von Zwergentötern bedeutete ihr nichts. Ihr eigenes war in Gefahr. Ihr eigenes und das ihrer unschuldigen Tochter.
Tungdil handelte und vertraute dabei fest auf die Wirkung seines wundersamen Panzers.
Er sah die erste Kugel nahen und warf sich ihr in den Weg, Boëndal tat das Gleiche mit der zweiten.
Die Welt um ihn herum verschwand in heißem Weiß, es umloderte ihn, fast schien es durch die Sehschlitze dringen zu können, aber die Macht des Metalls und die Runen verhinderten, dass der glühende Hauch ihm das Augenlicht nahm.
Vraccas, ich bitte um die Kraft, es zu ertragen. Schneller als eine Axt den Arm eines Orks durchtrennte, stieg die Wärme in seinem Harnisch, sodass ihm der Schweiß über die Stirn lief, wo er beinahe sofort verdampfte. Dort, wo die Haare unter der Lederkappe hervorschauten und das Eisen des Helms berührten, stank es nach verbranntem Horn, wie er es vom Beschlagen der Pferde her kannte.
Das Ganze dauerte nicht länger als das aufbäumende Zischen einer glühenden Kohle, die ins Wasser fällt, doch für ihn währte es scheinbar ewig, bis er die Umgebung wieder erkannte.
Die Dritten um ihn herum lagen am Boden, einige der Pelze kokelten, aber niemand schien getötet worden zu sein.
»Ich schlage vor, wir erledigen ihn sofort, ehe er uns in unseren Rüstungen kocht wie Höhlenkrebse«, hustete Boëndal und klappte das Visier nach oben, um frische Luft zu schöpfen.
Sein Bruder befand sich bereits auf dem Weg ins Haus, er drosch zusammen mit den Dritten die letzten Wachen nieder und verschwand durch die Tür ins Innere. Tungdil und Boëndal folgten ihm, so schnell es ging. Die Verbesserungen ihrer Harnische machten die Krieger zwar beweglicher, doch das Gewicht blieb.
Sie setzten sich an die Spitze, erklommen die Treppe und hofften, den Avatar bald zu entdecken.
Der Avatar fand sie als Erster, wie sie an der heranwallenden Feuerwolke sahen.
Fauchend umspielte sie die drei Zwerge, jagte ihnen das Wasser aus allen Poren, aber sie vermochte es nicht, sie zu töten. Sie hörten ihn fluchen, dann sahen sie gerade noch den Zipfel einer Robe um die Ecke wischen.
»Er flüchtet!«, brüllte Ingrimmsch aufgebracht. »Ho! Und du willst ein Stück von einem Gott sein?« Er schleuderte ein Beil und nagelte das wehende Stück Stoff fest an den Schrank in der Ecke des Raumes.
»Du hast deine Waffe geworfen.« Boëndal lief an ihm vorbei, den Krähenschnabel zum Schlag ausholend, und bog um die Ecke.
Tungdil folgte auf dem Fuß. »Das kostet dich einen Sack Goldmünzen.«
»Nein. Ich habe zwei Waffen. Ich darf das!«, begehrte Boïndil auf und hetzte hinterher. »Lasst mir auch was von ihm übrig!«
Der fremde Magus, der ihnen nun in seiner Gestalt als schwarzhaariger Mann um die fünfzig Zyklen in einer schwarzen Robe gegenüberstand, wirbelte herum und richtete die Linke gegen Boëndal. Ein weißer Blitz zuckte aus seinem Mittelfinger und tanzte auf dem Metall herum.
»Sterbt endlich, Untergründige!« Er ließ den Strahl lange, sehr lange über die Rüstung lecken, denn anscheinend hatte er verstanden, dass die erhitzende Wirkung seiner Zauber den Zwergen mehr zu schaffen machte als die Kraft selbst.
Er behielt Recht.
Boëndals Finger öffneten sich langsam und widerwillig, die schwere Waffe fiel zu Boden. Beim nächsten Schritt knickte er zitternd ein und prallte hart auf den Marmor, ohne sich mit den Händen abzufangen. Entweder war er ohnmächtig geworden, oder...
»Was hast du mit meinem Bruder gemacht!?« Ingrimmsch warf sein zweites Beil, um den Avatar abzulenken, was ihm auch gelang. Der Strahl riss ab. Im Vorbeieilen packte er den Krähenschnabel und schwang ihn hoch über dem Kopf. »Du wirst sterben!«
Der Magus lenkte einen Blitz gegen Boïndil, vermochte jedoch auf die kurze Strecke nichts gegen ihn auszurichten.
Der Zwergenkrieger drehte sich mit einem zornerfüllten Schrei einmal um die eigene Achse und schlug dem überrumpelten Avatar den langen Dorn in den Bauch. Er führte den Hieb mit solcher Stärke, dass der Kopf der Waffe mehr als bis zur Hälfte in den Leib des Magus drang. Mit einem weiteren Schrei riss er den Krähenschnabel seitlich aus dem falschen Avatar.
Der Mann bekam keine Gelegenheit, noch etwas zu sagen, zu stöhnen oder irgendeinen Laut von sich zu geben. Aufgeschlitzt stürzte er auf die Platten, Blut und Gedärme quollen aus der Bauchwunde.
Tungdil kniete neben Boëndal nieder, aus dessen Helmschlitzen der Übelkeit erregende Gestank von verbrannter Haut drang, heißer Dampf und weißer Qualm schlugen ihm entgegen, als er das Visier öffnete. Er fächelte den Rauch weg, um einen bangen Blick auf den Zwerg zu werfen, und erschrak.
»Bei Vraccas!« Boëndals Gesicht bestand aus einer Vielzahl von gefüllten und geplatzten Brandblasen und war vollkommen unkenntlich, nur gekräuselte Reste kündeten von dem einst stattlichen Bartwuchs. Er brauchte nicht viel Vorstellungskraft, um zu verstehen, dass Boëndals ganzer Körper vermutlich so aussah. »Beweg dich nicht«, sagte er und erkannte am Zucken der wie roh aussehenden Lider, dass der Zwilling ihn verstand. »Sie werden dir Schnee bringen, um die Wunden zu kühlen.«
»Boëndal!«, sagte Ingrimmsch entsetzt, als er seinen Bruder sah. »Ich...«
»Geh«, kam es gequält zwischen den in Fetzen hängenden Lippen des Zwergs hervor. »Findet die anderen beiden. Aber begeht nicht den gleichen Fehler wie ich.« Er schluckte, wollte noch etwas sagen, schaffte es aber nicht.
»Weiter«, sagte Tungdil erbost. »Es bleibt noch einer für jeden.«
Boïndil erhob sich. »Ich nehme den Eoîl«, verkündete er seinen Anspruch.
Sie trabten durch den Palast und suchten den Durchgang, der sie in den zweithöchsten der sandfarbenen Türme brachte. Begleitet wurden sie von den verbliebenen dreißig Dritten; zwanzig Krieger waren gegen die Wachen im Garten gefallen oder durch die zweite magische Attacke des Avatars getötet worden.
Sie gelangten zügig vorwärts, doch weder der letzte gegnerische Magus noch der Eoîl oder deren Soldaten ließen sich blicken. Sie schienen Wichtigeres zu tun zu haben, als sich den Zwergen in den Weg zu stellen, und das wiederum beunruhigte die kleine Gruppe sehr.
Unvermittelt sprang die Gestalt eines Mannes vor ihnen auf den Gang, er war aus einem Seitenkorridor gekommen und hatte sich ihnen unbemerkt genähert. »Hab ich euch...«
»Stirb, Götterscherbe«, sagte Boïndil und holte aus, als er den Menschen trotz seines immer stärker werdenden Kampfwahns erkannte. »Der Schwätzer!« Er lenkte den Krähenschnabel gerade noch rechtzeitig aus seiner ursprünglichen Bahn, der Dorn fuhr in die Wand und sprengte ein Stück Marmor ab.
»Rodario? Was machst du hier?«, wollte Tungdil verwundert wissen. »Du solltest bei den Dritten bleiben und...«
Man sah dem Schauspieler an, dass er in den letzten Stunden einiges durchlitten hatte. Seine Robe wies etliche Schnitte und Blutflecken auf, die aber nicht von ihm stammten, sein Gesicht zierte ein blauer Fleck am rechten Jochbein, und er schwitzte furchtbar.