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Der Krieg der Zwerge

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Der Krieg der Zwerge
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Sie erreichten den Eingang zum Palast, ohne dass sich ihnen ein einziger Krieger in den Weg stellte.

Ich verstehe das nicht. Niemand will uns aufhalten. Oder erwartet uns dahinter die große Überraschung? Tungdil würdigte das Haupttor keines Blickes. Es wäre Unsinn, es mit Gewalt aufbrechen zu wollen, und darüber zu steigen wäre Selbstmord.

Die Schutzvorrichtungen gegen unliebsame Besucher funktionierten noch immer, und das bedeutete, dass jeder, der versuchte, über die Steine zu klettern, oben an der Spitze in einem unsichtbaren Band aus Magie hängen blieb wie eine Fliege im Spinnennetz. Die ausgeblichenen, gut sichtbaren Knochen derer, die es versucht hatten, brachten selbst die so von sich überzeugten Krieger der Dritten zur Einsicht.

Tungdil führte sie zur Nebengasse und weiter zur geheimen Pforte, die ihnen Furgas gewiesen hatte; dort wiederholte er die Formel mit der gleichen Betonung, die Ondori gewählt hatte. Dieses Mal gehorchte die Wand und schwang zurück, aber schon zischte ein Pfeil hindurch und drang dem neben Tungdil stehenden Dritten in die Schulter.

»Es wäre auch zu leicht gewesen«, brummelte Boëndal und presste sich an die Wand, um nicht als Nächster getroffen zu werden.

»Eine Herausforderung, mehr nicht«, gab Boïndil heiter zurück. »Hoffentlich warten hinter dem Schützen ein paar echte Kämpfer, denen ich meine Beile zeigen kann.«

Einer der Dritten legte vier Schilde übereinander, band sie mit einem Gürtel zusammen und machte sich bereit, durch den schmalen Durchgang zu schreiten. Hinter ihm stellten sich weitere auf, die sich in der gleichen Weise präparierten und auf der anderen Seite einen sicheren Pfeilfang für die Nachkommenden bilden wollten.

Sie handelten eigenständig, keiner fragte Tungdil danach, was sie unternehmen sollten. Wahrscheinlich würden sie Anweisungen von ihm auch nicht entgegennehmen, sondern setzten das in die Tat um, was ihnen Lorimbas aufgetragen hatte: alles zu tun, damit die drei Zwerge die Avatare erreichen und sie töten konnten.

»Bereit?«, fragte einer der Tätowierten Tungdil, der ihm mit einem Nicken antwortete. »Los.«

Sie stürmten hinein. Das Sirren von Pfeilen erklang, aber die dicken Platten hielten den Spitzen stand. Hinter ihrem Schutz aus Schilden drangen die Zwerge in den Garten vor, in dem sie von den Soldaten erwartet wurden.

Die Tücher mit den Sehschlitzen vor den Augen halfen gegen die Helligkeit, die zudem nicht mehr die gleiche Intensität besaß wie bei dem ersten Zusammentreffen. Die Zauberkraft, die in den Mondsteinen steckte, ließ aus unerfindlichen Gründen nach.

Die Dritten näherten sich den Schützen, um den Zweikampf zu eröffnen. Schon bald stellte sich heraus, dass ebenbürtige Gegner aufeinander trafen. Für einen gefallenen Soldaten rückten zwei in die Lücke nach, sie wehrten sich verbissen und mit dem Mut der Verzweiflung gegen die Zwerge und ihr weiteres Vordringen in den Palast.

»Da!«, machte sie Ingrimmsch auf den zweithöchsten Turm aufmerksam. »Was ist das?« Er deutete auf das schwache Leuchten, das von der Spitze ausging. Genaueres sahen sie nicht, weil sie im Dunst verschwunden blieb, doch der Schein drang deutlich durch die Schwaden. »Sind die Avatare da oben? Was machen sie da?«

»Einer zumindest ist hier«, sagte eine Männerstimme vom Balkon herab. Sie wandten sich um und erkannten eine Lichtgestalt. Sie hob die Hände, und zwei gelbliche Flammenkugeln leuchteten vor ihr auf. »Und dieser Avatar wird euch Störenfriede vernichten. Ihr werdet nicht dafür sorgen, dass das Böse im Geborgenen Land bestehen bleibt.«

Die brennenden Sphären flogen heran und jagten mitten in den Pulk der Dritten.

*

Narmora gelangte über eine Leiter rasch auf die Mauer. Die Verteidiger warfen die Steine zu ungestüm nach ihr und erwischten sie nicht. Oben angekommen, nahm sie die Waffen von ihrem Gürtel. Eine davon sah aus, als wären zwei gebogene Sichelenden rechts und links an ein kurzes Mittelstück angesetzt worden. Die andere verfügte über gerade Klingen; die Schneiden waren auf den Innen- und Außenseiten geschliffen, ein korbartiger Metallschutz barg ihre Finger vor gegnerischen Attacken.

Sie brachte sich mit einem Sprung von der Zinne zwischen die Linien der Soldaten, unter denen sie schrecklich wütete. Nach dem ständigen Umgang mit Magie genoss sie es, endlich wieder zu kämpfen, wie ihre Mutter es sie gelehrt hatte.

Das Albaeblut in ihr verschaffte sich Bahn. Sie tauchte weg, schlug zu, schien für die Gegner an vielen Stellen gleichzeitig zu sein und bemerkte dabei mit Genugtuung, dass die Albae in ihrer Nähe über ihre Art zu kämpfen verwundert waren.

Die Zwerge brauchten etwas länger, bis sie auf den Wehrgängen angelangten. Sie bewegten sich langsamer und wurden damit zu einfacheren Zielen für die geworfenen Steine, aber sie gaben nicht auf und stürzten sich mutig ins Gefecht.

Doch die fremden Soldaten stellten sich auf die Kampfweise der Albae und der Zwerge ein und behaupteten sich hervorragend. Was zuerst nach einem schnellen Sieg ausgesehen hatte, verwandelte sich in ein übles Gefecht. Narmora griff nun doch auf Magie zurück, um den Verteidigern auf diese Weise Verluste zu bescheren.

Dabei blieb sie wachsam, rechnete stets damit, dass einer der Avatare erschien und sie attackierte. Aber sie ließen sich nicht blicken.

Der Nebel des Morgens wurde von einem eisigen Wind davongeweht. Als sie zur Palastanlage schaute, entdeckte sie auf einem der sandfarbenen Türme zwei schimmernde Gestalten, die sich auf dem breiten Balkon aufhielten.

Verfluchte Avatare! Sie führen etwas im Schilde! Sie wehrte das herannahende Schwert eines Angreifers mit der Linken ab und verletzte damit einen anderen gegnerischen Soldaten, ehe sie ihm die beiden scharfen Enden ihrer Waffe in den Bauch stach und ihm das Leben nahm, als wäre es das Einfachste von der Welt. »Xamtys!«, schrie sie hinüber zur Königin und deutete mit der bluttriefenden Klinge auf den Turm. »Kommt ihr allein zurecht? Ich muss nachsehen, was sie treiben!«

Die Zwergenkönigin zerschmetterte einem Krieger die Kniescheibe, und als er schreiend umkippte, traf ihn im Sturz ihre gezackte Keule gegen die rechte Schädelseite. Abrupt erstarb sein Schrei, und er kippte vom Wehrgang in die Tiefe. »Es ist ein bisschen mehr Arbeit, als wir dachten, aber Vraccas ist mit uns!«, gab sie zurück und winkte auffordernd. »Geht nur, ehrenwerte Maga. Wir schaffen es.«

Narmora machte einen Satz, drückte sich aus dem Sprung vom Brustharnisch eines Gegners ab, katapultierte ihn rücklings in die Waffen seiner Freunde und flog über die Köpfe der überraschten Feinde zur Treppe, die nach unten und in die Straßen Poristas führte.

Das ungute Gefühl, das sie verspürte, seit sie das Land betreten hatte, auf dem sich Magiefelder befanden, hatte sich verstärkt und wurde nun greifbar.

Etwas sog an ihr, schien nach dem verborgenen Malachit zu greifen, den sie eingebettet in ihrem Leib neben dem Herzen trug und der ihr Kraft verlieh. Schon allein deshalb, weil der Eoîl ihr Geheimnis erkennen und anderen verraten könnte, musste er sterben. Sie wollte sich nicht auf einen Streit mit Furgas und den Zwergen einlassen, die sicherlich fordern würden, dass sie den Splitter herausriss.

Das werden sie nicht erleben. Sie lief immer schneller durch die menschenleeren Gassen.

»Du darfst es nicht zulassen«, sagte Nudin, der plötzlich neben ihr herlief. »Du würdest alles verlieren, sogar dein Leben.«

Sie geriet ins Straucheln, wurde langsamer. »Du...?«

»Nein, nicht stehen bleiben, Narmora!«, bat er sie inständig. »Beeile dich. Sie werden bald damit beginnen. Bedenke, du bist zum Teil eine Albin, du gehörst zur Hälfte dem, was sie böse nennen, und diese Hälfte wird sicherlich vernichtet, wenn sie ihren Zauber sprechen. Ich wäre wieder allein. Die schöne Macht würde niemandem etwas nutzen.« Er veränderte sich, wurde durchsichtig und verschwand.

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