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Mary Poppins [с иллюстрациями]

Электронная книга - «Mary Poppins [с иллюстрациями]». Краткое содержание книги:

P. L. TRAVERS MARY POPPINS BUCHGEMEINSCHAFTS-AUSGABE Titel des Originals: Mary Poppins Berechtigte Übertragung aus dem Amerikanischen von Elisabeth Kessel Illustrationen von Emanuela Delignon
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»Aber, Mary, ist das eine Freude!« rief sie, und das Nasenreiben begann von neuem. »Ihr werdet schön frieren!« Überrascht blickte sie auf die dünnen Kleider. »Warte, ich hole schnell Mäntel für euch. Wir haben ein paar Eisbärenfelle hängen. Und ihr wollt sicher gern etwas Warmes essen, einen Teller Transuppe, nicht wahr, meine Lieben?«

»Ich fürchte, wir können uns nicht länger aufhalten«, unterbrach sie Mary Poppins schnell. »Wir reisen um die Welt und schauten nur für einen Augenblick herein — aber trotzdem, vielen Dank. Vielleicht ein andermal!«

Und mit einer leichten Handbewegung drehte sie den Kompaß und sagte: »Süd!«

Jane und Michael kam es vor, als wirbelte die ganze Welt im Kreis herum wie der Kompaß, sie aber stünden unbeweglich im Mittelpunkt. So wird einem zumute, wenn ein Karussellbesitzer sich den Spaß macht und einen in den Motorraum seines Karussells mitnimmt, während sich draußen alles dreht.

Während die Welt um sie herumwirbelte, spürten sie, wie ihnen wärmer und wärmer wurde, und als sich das Tempo verlangsamte und wieder Ruhe eintrat, da standen sie vor einem Palmenwäldchen. Die Sonne schien heiß, und ringsumher breitete sich goldener und silberner Sand aus, der unter ihren Füßen wie Feuer brannte.

Unter den Palmen saßen ein Mann und eine Frau, beide schwarz von Kopf bis Fuß und nur wenig bekleidet. Aber zum Ausgleich trugen sie viele, viele Glasperlen — einige baumelten ihnen von einer großen Federkrone herab um den Kopf, andere hingen an ihren Ohren, ein oder zwei sogar an ihrer Nase. Glasperlen-schnüre schlangen sich um ihren Hals und lagen, zu Gürteln geflochten, um ihre Hüften. Auf dem Schoß der Negerdame saß ein

Baby, das hatte überhaupt nichts am Leibe. Es lachte die Kinder an, als seine Mutter zu sprechen begann.

»Ah, wir dich schon lang erwarten, Mary Poppins«, sagte sie lächelnd. »Du bringen Kinder in meine kleine Haus, sie gleich sollen haben ein Stück Melone. Aber das sein schrecklich weiße Babys. Du sie müssen anstreichen ein bißchen mit schwarzes Schuhpaste. Kommen mit jetzt. Ihr sein sehr willkommen!« Und sie lachte laut und froh und stand auf und wollte sie zu einer kleinen Palmhütte führen.

Jane und Michael hatten Lust, ihr zu folgen, aber Mary Poppins hielt sie zurück.

»Wir haben leider keine Zeit, hier zu bleiben. Schauten nur herein, als wir vorbeikamen, versteht ihr? Wir müssen noch um die ganze Welt —«, sagte sie zur Erklärung, und die beiden schwarzen Leute schlugen vor Erstaunen die Hände zusammen.

»Ihr haben aber eine Reise vor, o Mary Poppins!« sagte der Mann. Er lachte, rieb sich mit dem Ende seiner großen Keule die Backe und blickte sie aus schwarzen Funkelaugen an.

»Um die ganze Welt? Mein, aber das sein besser als arbeiten, was?« sagte seine Frau. Auch sie lachte, als sei das ganze Leben ein riesiger Spaß, und während sie noch lachte, drehte Mary Poppins den Kompaß und sagte laut und entschieden: »Ost!«

Wieder fing die Welt an herumzuwirbeln, und auf einmal — den erstaunten Kindern schien es nur ein Augenblick — waren die Palmen verschwunden. Als das Gewirbel aufgehört hatte, befanden sie sich in einer Straße, an der fremdartige Häuschen standen. Sie sahen aus, als ob sie aus Papier wären, und die geschweiften Dächer waren mit Glöckchen behängt, die leise im Wind läuteten. Über die Häuser breiteten Mandel- und Pflaumenbäume ihre Zweige, die sich unter leuchtenden Blüten bogen. Auf der Straße lustwandelten Menschen in seltsam geblümten Gewändern. Es war ein sehr heiterer und friedlicher Anblick.

»Ich glaube, wir sind in China«, flüsterte Jane Michael zu.

»Ja, ich glaub es bestimmt!« fuhr sie fort, als jetzt in einem der kleinen Papierhäuser die Tür aufging, aus der ein alter Mann herauskam. Der war wunderlich angetan mit einem steifen Kimono aus Goldbrokat und seidenen Hosen, die an den Knöcheln ein goldener Ring zusammenhielt. Seine Schuhe waren an den Spitzen schwungvoll nach oben gebogen. Von seinem Kopf hing ein langer, grauer Zopf fast bis zu den Knien herab und von seinen Lippen ein langer Bart, der bis zum Gürtel reichte.

Als der alte Herr Mary Poppins und die Kinder stehen sah, verbeugte er sich tief bis zum Boden. Jane und Michael sahen überrascht, wie Mary Poppins sich ebenso tief verneigte, so daß die Margeriten auf ihrem Hut die Erde berührten.

»Wo bleiben eure Manieren?« zischte Mary Poppins und sah aus dieser ungewöhnlichen Stellung zu ihnen auf. Sie sagte es in einem Ton, daß es Jane und Michael ratsam schien, sich auch zu verbeugen, und selbst die Zwillinge neigten die Stirn bis an den Rand des Kinderwagens.

Der alte Herr richtete sich feierlich auf und begann zu sprechen:

»Hochzuverehrende Mary aus dem Hause der Poppins. Laß dich herab, auf mein unwürdiges Haus das Licht deiner trefflichen Gunst auszustrahlen. Und, ich flehe dich an, führe zu seinem öden Herd auch deine vornehmen Reisegefährten.« Er machte noch eine Verbeugung und winkte mit der Hand nach seinem Hause hin.

Jane und Michael hatten noch nie eine so seltsame und wundervolle Ansprache gehört und waren sehr verdutzt. Aber noch größer war ihr Erstaunen, als Mary Poppins die Einladung mit der gleichen Feierlichkeit beantwortete.

»Gütiger Herr«, fing sie an, »es erfüllt uns mit tiefem Bedauern, daß wir, die unscheinbarsten deiner Bekannten, deine großmütige und königliche Einladung ausschlagen müssen. Das Lämmchen geht nicht widerspenstiger fort von der Mutter noch das Vöglein vom Nest, als wir uns von deiner strahlenden Gegenwart losreißen. Aber, edler und hochzupreisender Herr, wir sind auf einer Reise um die Welt begriffen, und unser Besuch deiner ehrenwerten Stadt kann leider nur ganz vorübergehend sein. Er-laube daher, daß wir Unwürdigen ohne jede weitere Förmlichkeit von dir scheiden.«

Der Mandarin, denn das war der Mann in der Tat, neigte den Kopf und schickte sich zu einer weiteren kunstvollen Verbeugung an, da setzte Mary Poppins ganz schnell den Kompaß wieder in Bewegung.

»West!« sagte sie energisch.

Rundum drehte sich die Welt, bis Jane und Michael ganz schwindlig waren. Und als es wieder ruhig wurde, eilten sie mit Mary Poppins durch große Fichtenwälder auf eine Lichtung zu, auf der rund um ein riesiges Feuer mehrere Zelte aufgeschlagen waren. Im Feuerschein huschten dunkle Gestalten hin und her. Sie waren mit Federn geschmückt und trugen ein loses Hemd zu fransenbesetzten Hasenfellhosen. Eine dieser Gestalten trennte sich von den übrigen und kam geschwind auf Mary Poppins und die Kinder zu.

»Morgenstern-Mary«, sagte er. »Ich grüße dich!« Und er beugte sich über sie und legte seine Stirn an die ihre. Dann wandte er sich den vier Kindern zu und machte es bei ihnen ebenso.

»Mein Wigwam erwartet euch«, fuhr er mit ernster, freundlicher Stimme fort. »Wir braten gerade ein Renntier zum Abendessen.«

»Häuptling Sonne-am-Mittag«, antwortete Mary Poppins, »wir sind nur zu kurzem Besuch gekommen — tatsächlich, wir kamen sozusagen, um Abschied zu nehmen. Wir sind rund um die Welt gereist, und dies ist der letzte Hafen, den wir anlaufen.«

»Ha? Ist das so?« fragte der Häuptling und sah sehr interessiert aus. »Ich habe oft daran gedacht, so etwas selbst zu tun. Aber sicher könnt ihr ein bißchen bei uns bleiben, wenigstens so lang, bis dieser junge Mann« (er nickte Michael zu) »seine Kraft mit meinem Ur-Ur-Urenkel >Schnell-wie-der-Wind< gemessen hat!« Der Häuptling klatschte in die Hände.

»Hei-ho-hi!« rief er laut, und von den Zelten rannte ein kleiner Indianerbub auf ihn zu. Er trat sofort zu Michael und gab ihm einen leichten Schlag auf die Schulter.

»Du bist dran!« rief er und lief davon wie ein Hase.

Das war zuviel für Michael. Mit einem Satz war er hinter ihm her, und Jane hinter ihnen beiden. Die drei rannten zwischen den Bäumen umher, umkreisten immer wieder eine riesige Fichte, immer ihrem Anführer >Schnell-wie-der-Wind< nach, der immerzu lachte und immer außer Reichweite blieb. Jane blieb erschöpft zurück, aber Michael packte jetzt die Wut, er biß die Zähne zusammen und flog laut schreiend hinter >Schnell-wie-der-Wind< her, entschlossen, sich nicht von einem Indianerjungen schlagen zu lassen.

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