Mary Poppins [с иллюстрациями]
- Автор: Трэверс Памела Линдон
- Язык: немецкий
- Жанр: Сказки народов мира
Электронная книга - «Mary Poppins [с иллюстрациями]». Краткое содержание книги:
>Jetzt — Eins!< rief der König.
>Zwei!<
>Drei!<
Dann ertönte schrill das Pfeifensignal.
Die Rote Kuh holte einmal tief Atem und setzte an zu einem gewaltigen Sprung. Die Erde blieb unter ihr zurück. Sie sah, wie die Gestalten des Königs und der Hofschranzen kleiner und kleiner wurden, bis sie zuletzt ganz verschwanden. Sie selber schoß in den Himmel hinauf. Die Sterne wirbelten um sie herum wie goldene Teller, und geblendet von einem scharfen Licht, fühlte sie auf einmal die kalten Mondstrahlen auf ihrer Haut. Sie schloß die Augen, während sie über den Mond hinwegflog, und als der verwirrende Glanz hinter ihr lag und sie den Kopf zur Erde niederbeugte, spürte sie, wie der Stern von ihrem Horn glitt. Laut aufrauschend flog er davon und rollte die Milchstraße hinunter. Und ihr war, als ginge von ihm, während er in der Dunkelheit verschwand, ein herrlich klingender Ton aus, der in den Lüften widerhallte.
Kurz darauf war die Rote Kuh wieder auf der Erde gelandet. Zu ihrer Überraschung stellte sie fest, daß sie nicht im Garten des Königs stand, sondern auf ihrer alten Löwenzahnwiese.
Und das Tanzen hatte aufgehört! Ihre Füße waren so ruhig, als wären sie aus Stein, und sie wandelte gelassen einher wie jede andere ehrbare Kuh. Geruhsam und friedlich bewegte sie sich über die Wiese und köpfte auf dem Weg zum Roten Kalb ihre golden leuchtenden Soldaten.
>Schön, daß du wieder da bist!< rief das Rote Kalb. >Ich war so allein!<
Die Rote Kuh gab ihm einen Kuß und begann behaglich zu fressen. Dies war die erste richtige Mahlzeit seit einer Woche. Und als ihr Hunger endlich gestillt war, hatte sie ganze Regimenter aufgefressen. Danach ging es ihr wieder besser. Sie begann auch bald wieder ihr Leben so zu führen wie bisher. Anfangs genoß sie den stillen, regelmäßigen Tageslauf und war froh, daß sie frühstücken konnte, ohne zu tanzen, daß sie sich ins Gras legen und des Nachts schlafen konnte, anstatt bis in den Morgen vor dem Mond zu scharwenzeln. Aber nach einer Weile fühlte sie sich unbehaglich und unzufrieden. Ihre Löwenzahnwiese und ihr Rotes Kalb waren ja ganz schön, aber sie sehnte sich nach etwas anderem und kam nicht darauf, was es war. Schließlich wurde ihr klar, daß sie ihren Stern vermißte. Sie war so ans Tanzen und an das glückliche Gefühl gewöhnt, das der Stern in ihr erweckt hatte, daß sie sich nach dem Matrosentanz sehnte und danach, ihren Stern wieder am Horn zu tragen.
Sie grämte sich und verlor den Appetit, ihre Laune war abscheulich. Und oft genug brach sie ohne jeden ersichtlichen Grund in Tränen aus. Schließlich kam sie zu meiner Mutter und erzählte ihr die ganze Geschichte und fragte sie um ihren Rat.
>Lieber Himmel !< sagte meine Mutter zu ihr. >Du glaubst doch nicht, meine Liebe, daß nur einmal ein Stern vom Himmel gefallen ist! Wie ich höre, fallen jede Nacht wer weiß wieviel Sterne. Aber sie fallen natürlich auf die verschiedensten Plätze. Du kannst nicht erwarten, daß in einem Leben zwei Sterne auf die gleiche Wiese fallen.<
>Du glaubst also — wenn ich ein Stückchen umherwandere.. .?< begann die Rote Kuh, und ein glückliches, begieriges Leuchten erwachte in ihren Augen.
>Ich an deiner Stelle — ich würde mir einen Stern suchen gehen<, sagte meine Mutter.
>Das mach ich<, sagte die Rote Kuh freudig, >das mach ich bestimmte«
Mary Poppins verstummte.
»Und deshalb, glaube ich, kam sie den Kirschbaumweg entlang«, flüsterte Jane andächtig.
»Ja«, wisperte Michael, »sie suchte nach ihrem Stern.«
Mit einem kleinen Ruck richtete sich Mary Poppins auf. Der verträumte Blick war aus ihren Augen verschwunden (und die Regungslosigkeit aus ihren Gliedern).
»Komm sofort vom Fenster herunter, mein Junge!« sagte sie barsch. »Ich werde Licht machen.« Und sie eilte zum Treppenabsatz, wo sich der Schalter befand.
»Michael«, flüsterte Jane vorsichtig. »Sieh noch einmal hinaus und schau nach, ob die Kuh noch da ist.«
Geschwind spähte Michael in die wachsende Dunkelheit.
»Schnell!« sagte Jane. »Kannst du sie sehen?«
»Nei—ein«, sagte Michael und starrte hinaus. »Keinen Schimmer von ihr. Sie ist fort.«
»Ich hoffe nur, daß sie ihn findet!« sagte Jane und stellte sich vor, wie die Rote Kuh durch die Welt wanderte und nach einem Stern suchte, den sie sich ans Horn stecken könnte.
»Ich auch!« sagte Michael. Da hörte er Mary Poppins zurückkommen und machte rasch den Vorhang zu.
6. Kapitel. Ein schlimmer Dienstag
Nicht lange danach erwachte Michael eines Morgens mit einem ganz merkwürdigen Gefühl. Gleich, als er die Augen aufschlug, wußte er, daß irgend etwas nicht stimmte, aber er fand nicht heraus, was es eigentlich war.
»Was ist heute, Mary Poppins?« fragte er und schob die Bettdecke fort.
»Dienstag«, antwortete Mary Poppins. »Geh und laß dir das Bad einlaufen. — Beeil dich!« setzte sie hinzu, als er keine Anstalten traf, aufzustehen. Er drehte sich um und zog sich die Bettdecke über den Kopf. Und das sonderbare Gefühl nahm zu.
»Was habe ich gesagt?« sagte Mary Poppins in dem kalten, bestimmten Ton, der immer ein Warnsignal war.
Michael wußte jetzt, was mit ihm los war. Er wußte, daß ihn etwas zwang, unartig zu sein.
»Ich mag nicht«, sagte er langsam. Seine Stimme klang dumpf unter der Bettdecke hervor,
Mary Poppins zog ihm die Decke weg und sah auf ihn herunter.
»Ich mag nicht!«
Er wartete gespannt, was sie tun würde, und war überrascht, als sie wortlos ins Badezimmer ging und selber den Hahn aufdrehte. Er nahm sein Handtuch und ging, als sie herauskam, hinein. Und zum erstenmal in seinem Leben badete Michael allein.
Er wußte nun, daß er in Ungnade gefallen war, und unterließ es daher, sich hinter den Ohren zu waschen.
»Soll ich das Wasser auslassen?« fragte er so patzig wie möglich.
Es kam keine Antwort.
»Dann eben nicht!« sagte Michael, und der heiße, schwere Druck auf seinem Herzen verstärkte sich und wurde immer schwerer. »Mir soll's gleich sein.«
Danach zog er sich an, nahm aber seine besten Sachen, die, wie er genau wußte, nur für sonntags da waren. Und dann ging er hinunter und bumste dabei mit dem Fuß ans Treppengeländer — etwas, was er auch nicht durfte, weil es alle Leute im Haus aus dem Schlaf weckte. Auf der Treppe begegnete er Ellen, dem Zimmermädchen, und stieß ihr im Vorbeigehen die Heißwasserkanne aus der Hand.
»Du bist ein Schussel!« sagte Ellen und bückte sich, um das Wasser aufzuwischen. »Das war das Rasierwasser für deinen Vater.«
»Ich hab's mit Absicht getan!« sagte Michael seelenruhig.
Ellens rotes Gesicht wurde ganz weiß vor Überraschung.
»Auch noch mit Absicht? — Dann bist du ein ganz abscheulicher Bengel, und ich werd's deiner Mama sagen.«
»Sag's doch!« sagte Michael und ging weiter die Treppe hinunter.
Ja, so fing's an, und den ganzen Tag ging's dann so weiter. Das heiße, schwere Gefühl inwendig ließ ihn die ärgsten Sachen anstellen, und sobald er eine Untat verübt hatte, fühlte er sich richtig glücklich und froh und zu einem neuen Streich aufgelegt.
In der Küche bearbeitete Mistreß Brill einen Kuchenteig.
»Halt, junger Mann«, sagte sie, »du kannst die Schüssel noch nicht auskratzen, soweit ist es noch nicht.«
Da schob Michael den Fuß vor und gab Mistreß Brill ordentlich eins gegen das Schienbein, so daß sie den Teigroller fallen ließ und laut aufjammerte.
»Du hast Mistreß Brill mit dem Fuß gestoßen? Unsere gute Mistreß Brill? Ich schäm mich für dich!« sagte seine Mutter später, als Mistreß Brill ihr alles haarklein erzählt hatte. »Gleich bittest du sie schön um Verzeihung! Sag, es tut dir sehr leid, Michael.«
»Es tut mir gar nicht leid. Froh bin ich. Warum hat sie auch so dicke Beine!« Und ehe die Mutter ihn am Schlafittchen packen konnte, rannte er über die Küchentreppe in den Garten. Dort stolperte er durchaus nicht zufällig über Robertson Ay, der mitten in der schönsten Alpenflora in tiefem Schlaf lag. Robertson Ay nahm es sehr übel.