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Percy Jackson 01 - Diebe Im Olymp

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Percy Jackson 01 - Diebe Im Olymp
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»Sie sind nach Yancy gekommen, nur um mich zu unterrichten?«, fragte ich.

Chiron nickte. »Anfangs wusste ich nicht so recht, was ich von dir halten sollte. Wir haben deine Mutter informiert, ihr gesagt, dass wir dich im Auge behielten, für den Fall, dass du reif für Camp Half-Blood wärst. Aber du musstest noch so viel lernen. Immerhin bist du lebend hier angekommen und das ist immer der erste Test.«

»Grover«, sagte Mr D ungeduldig. »Spielst du, oder was?«

»Ja, Sir!« Zitternd ließ Grover sich auf dem vierten Stuhl nieder und ich verstand nicht, warum er solche Angst vor einem dicken kleinen Mann in einem Hawaiihemd mit Tigermuster hatte.

»Kannst du überhaupt Binokel spielen?« Mr D musterte mich misstrauisch.

»Ich fürchte, nein«, sagte ich.

»Ich fürchte, nein, Sir«, sagte er.

»Sir«, wiederholte ich. Der Campleiter gefiel mir immer weniger.

»Na«, sagte er. »Zusammen mit Gladiatorenkampf und Pacman gehört das zu den größten Spielen, die die Menschheit jemals erfunden hat. Ich hätte gedacht, dass jeder zivilisierte junge Mann die Regeln kennt.«

»Bestimmt kann der Junge die noch lernen«, sagte Chiron.

»Bitte«, sagte ich. »Wo bin ich hier? Was mache ich hier? Mr Brun… Chiron, warum sind Sie nach Yancy gekommen? Nur um mich zu unterrichten?«

Mr D schnaubte. »Das möchte ich auch gern mal wissen.«

Der Campleiter gab Karten aus. Grover zuckte jedes Mal zusammen, wenn eine vor ihm landete.

Chiron lächelte mich mitfühlend an, wie sonst im Lateinunterricht, als wolle er mir klarmachen, dass ich sein Spitzenschüler sei, egal wie meine Noten aussehen mochten. Er erwartete, dass ich die Antwort wusste.

»Percy«, sagte er. »Hat deine Mutter dir denn nichts gesagt?«

»Sie hat gesagt …« Ich musste an ihre traurigen Augen denken, die immer wieder aufs Meer hinausgeschaut hatten. »Sie hat gesagt, sie habe Angst gehabt, mich herzuschicken, obwohl mein Vater das so gewollt hatte. Sie hat gesagt, wenn ich erst einmal hier wäre, würde ich vermutlich nicht mehr wegkönnen. Sie wollte mich in ihrer Nähe behalten.«

»Typisch«, sagte Mr D. »So kommen sie dann meistens ums Leben. Junger Mann, meldest du oder nicht?«

»Was?«, fragte ich.

Ungeduldig erklärte er, wie beim Binokel gemeldet wird. Ich meldete.

»Ich fürchte, wir haben sehr viel zu erzählen«, sagte Chiron. »Unser üblicher Einführungsfilm wird wohl nicht ausreichen.«

»Einführungsfilm?«, fragte ich.

»Nein«, entschied Chiron. »Also, Percy. Du weißt jetzt, dass dein Freund Grover ein Satyr ist. Du weißt«, er zeigte auf das Horn im Schuhkarton, »dass du einen Minotaurus getötet hast. Was durchaus keine geringe Leistung ist, mein Junge. Was du vielleicht nicht weißt, ist, dass große Mächte in deinem Leben am Werk sind. Gottheiten – die Mächte, die du als griechische Götter kennst – sind überaus lebendig.«

Ich starrte die anderen am Tisch an.

Ich wartete darauf, dass irgendwer »nein« schrie. Aber alles, was passierte, war, dass Mr D brüllte: »Oh, mein Stich! Eine königliche Hochzeit!« Er kicherte, als er seine Punkte notierte.

»Mr D«, fragte Grover schüchtern, »wenn Sie die nicht essen wollen, kann ich dann Ihre Coladose haben?«

»Hä? Na, von mir aus.«

Grover biss eine tiefe Zacke in die leere Aluminiumdose und kaute mit trauriger Miene darauf herum.

»Halt mal«, sagte ich zu Chiron. »Sie wollen mir also weismachen, dass es Gott gibt.«

»Na ja«, sagte Chiron. »Gott, klarer Singular, einfach nur Gott. Das ist eine ganz andere Frage. Mit metaphysischen Dingen wollen wir uns hier nicht befassen.«

»Metaphysisch? Aber eben haben Sie doch …«

»Ja, Götter, Plural, also machtvolle Wesen, die die Kräfte der Natur und die menschlichen Bemühungen kontrollieren: die unsterblichen Götter des Olymps. Das ist eine viel kleinere Angelegenheit.«

»Kleiner!«

»Ja, um einiges. Es geht hier um die Gottheiten, über die wir im Lateinunterricht gesprochen haben.«

»Zeus«, sagte ich. »Hera. Apollo. Die meinen Sie also.«

Und da war er wieder – ferner Donner an einem wolkenlosen Tag.

»Junger Mann«, sagte Mr D. »Ich an deiner Stelle würde wirklich nicht so achtlos mit diesen Namen um mich werfen.«

»Aber das sind Geschichten«, sagte ich. »Das sind – Mythen, sie sollen Gewitter und die Jahreszeiten und so was erklären. Das haben die Leute geglaubt, bevor es Wissenschaft gab.«

»Wissenschaft«, schnaubte Mr D. »Sag mir doch mal, Perseus Jackson …«

Ich zuckte zusammen, als er meinen richtigen Namen nannte, den ich niemals irgendwem verraten hatte.

»… was werden die Leute in zweitausend Jahren wohl von deiner ›Wissenschaft‹ halten?« Mr D geriet in Fahrt. »Hmmm? Sie werden sie primitiven Hokuspokus nennen. Jawoll. Ach, ich liebe die Sterblichen – sie haben einfach kein Gefühl für die Zukunft. Sie glauben, dass sie soooo weit gekommen sind. Aber sind sie das, Chiron? Sieh dir diesen Knaben an und sag es mir!«

Ich fand Mr D nicht gerade sympathisch. Aber dass er mich als Sterblichen bezeichnete, schien anzudeuten, dass er … keiner war. Und das reichte, damit ich einen Kloß im Hals hatte und Grover pflichtbewusst in seine Karten starrte, auf seiner Blechdose herumkaute und den Mund hielt.

»Percy«, sagte Chiron. »Ob du es nun glaubst oder nicht, Tatsache ist, dass unsterblich eben unsterblich bedeutet. Kannst du dir für einen Moment vorstellen, niemals zu sterben? Niemals zu vergehen? Weiterzuexistieren, so wie du bist, für alle Zeit?«

Ich wollte schon antworten, so ganz locker, dass das doch recht nett klinge, aber Chirons Tonfall ließ mich zögern.

»Sie meinen, egal ob die Leute an Sie glauben oder nicht?«, fragte ich.

»Genau«, sagte Chiron. »Wenn du ein Gott wärst, wie würde es dir dann gefallen, als Mythos bezeichnet zu werden, als alte Geschichte, mit der Gewitter erklärt werden sollen? Und was, wenn ich dir jetzt erzählte, Percy Jackson, dass auch du irgendwann als Mythos bezeichnet werden wirst, der nur ersonnen wurde, um kleinen Jungen beizubringen, wie sie mit dem Verlust ihrer Mutter fertig werden können?«

Mein Herz hämmerte. Er wollte mich aus irgendeinem Grund wütend machen, aber das konnte ich nicht zulassen. Ich sagte: »Das würde mir nicht gefallen. Aber ich glaube nicht an Götter.«

»Dann fang lieber schnell damit an«, murmelte Mr D. »Ehe einer von ihnen dich einäschert.«

Grover sagte: »B-bitte, Sir. Er hat gerade erst seine Mutter verloren. Er steht unter Schock.«

»Und das ist sein Glück«, knurrte Mr D und spielte eine Karte aus. »Schlimm genug, dass ich auf diesen blöden Job angewiesen bin und mich mit Jungs rumschlagen muss, die nicht mal glauben.«

Er machte eine Handbewegung und ein Kelch tauchte über dem Tisch auf, als habe das Sonnenlicht sich kurz gekrümmt und aus Luft ein Glas gewebt. Der Kelch füllte sich ganz von selbst mit Rotwein.

Mir fiel das Kinn herunter, doch Chiron nahm kaum Notiz davon.

»Mr D«, mahnte er. »Die Vorschriften.«

Mr D schaute den Wein an und spielte den Überraschten.

»Meine Güte.« Er sah zum Himmel auf und brüllte: »Alte Gewohnheit! War nicht so gemeint!«

Noch mehr Donner.

Mr D machte eine weitere Handbewegung und der Wein verwandelte sich in eine neue Dose Cola light. Er seufzte traurig, öffnete die Dose und widmete sich wieder seinen Karten.

Chiron zwinkerte mir zu. »Mr D hat vor einiger Zeit seinen Vater beleidigt, als er sich in eine Waldnymphe verliebt hat, die für tabu erklärt worden war.«

»Eine Waldnymphe«, wiederholte ich und starrte noch immer die Coladose an, als sei sie aus dem Weltraum geplumpst.

»Ja«, gab Mr D zu. »Mein Vater findet es toll, mich zu bestrafen. Das erste Maclass="underline" Alkoholverbot. Grauenhaft. Entsetzliche zehn Jahre. Das zweite Mal – na, sie war wirklich eine Schönheit und ich konnte es einfach nicht lassen –, das zweite Mal hat er mich hergeschickt. Nach Half-Blood Hill. Sommercamp für Gören wie dich. Kannst einen guten Einfluss ausüben, hat er gesagt. Was für Jugendliche tun, statt sie zu ruinieren. Ha! Total unfair!«

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