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Das Foucaultsche Pendel

Электронная книга - «Das Foucaultsche Pendel». Краткое содержание книги:

Seit die Menschen nicht mehr an Gott glauben, glauben sie nicht etwa an nichts mehr, sondern an alles. Alles, was existiert, ist Text, ist Begriff. Die Geschichte, das ist das Überlieferte, und das ist nichts anderes als Text. Die Begriffe verbinden sich per Analogie, ...denn wenn man Zusammenhänge finden will, findet man immer welche, Zusammenhänge zwischen allem und jedem, die Welt explodiert zu einem wirbelnden Netz von Verwandtschaften, in dem alles auf alles verweist und alles alles erklärt. So entsteht Ecos Großer Plan von einer Weltverschwörung, der, auf historischen Realitäten basierend, nichts anderes ist, als ein Fälschungssystem, das wahr ist, weil es auf Analogien basiert. Alles ist wahr, nur die Verknüpfungen nicht. Es gibt keine Wirklichkeit außer der, die zwischen Partnern per Konsens verabredet wird. Mit dieser Formel wären wir (fast!) bei bei Lyotard angelangt, jenem Vertreter der Postmoderne, ohne den Eco kaum zu verstehen ist.
Was ist der Große Plan des Romans denn anderes als das Erhabene, das nicht Darstellbare, aber Vorstellbare bei Lyotard? Die Idee vom unbeweglichen Punkt im Universum, an dem das Pendel aufgehängt ist? Oder jenes mystische Zentrum Agarttha? Den Verlust der Großen Erzählungen beklagt Eco nicht mehr. Vielmehr nutzt er die Möglichkeiten der Texte und erzählt mit den alten, großen Erzählungen neue Geschichten, Stories. Versucht Eco nicht auch, das narrative Wissen mit dem wissenschaftlichen zu verknüpfen, und ist es nicht zum Scheitern verurteilt, wie jeder Vereinheitlichungsversuch, schließlich werden sowohl Belpo als auch Casaubon verrückt? Schwindet sie nicht, die empirische Wirklichkeit? Zerstört Eco nicht den falschen Schein, der im Glauben an höhere Ursprünge und Zwecke, an eine Teleologie des Weltablaufs besteht, und (lässt er nicht) die empirische Welt als eine prinzipiell scheinhafte vor uns erstehen?
Belpo versucht indessen den ästhetischen Umgang mit der neuen Technologie, dem Computer, der ihn gar zum Schreiben bringt. Jene Technologie, die dem narrative Wissen den Todesstoß verpasst hat. Doch seine Texte sind nur als magnetische Spuren virtuell auf Diskette vorhanden. Die Auswirkungen der neuen Technologien (Computer, synthetisierte Bilder) sind der Gestalt, dass sie die traditionellen Dualismen des abendländischen Denkens sprengen und damit deren Kultur, für die diese Dualismen konstitutiv sind, verabschieden, wie Eco z.B. bei den grotesken, multimedialen, okkulten Zeremonien vorführt.
Eco parodiert die Denkweise der Hermeneutik (Okkultismus, Voodoo etc.) durch raffinierte scheinlogische Konstruktionen und wirft dabei alles durcheinander. Er gebiert sich radikal eklektizistisch. Das wäre gegen Lyotards Vorstellungen, aber der Eklektizismus, der herauskommt, erscheint so lächerlich wie Charles Moores Bau Piazza d`Italia in New Orleans. Das Ergebnis kann bei Ecos Denken nur als Parodie aufgefasst werden; die meisten Verrücktheiten des Romans sind schließlich hinterlistiges, intellektuelles Schelmentum!
Warum aber erzählt Eco die Geschichte der Templer in Westernmanier oder als Comic-Strip beim Whiskey in der Kneipe oder mit seiner Freundin im Bett? Etwa nur, um die nicht-Akademiker bei der (Lese)Stange zu halten? In den 60er Jahren und später waren jene Autoren, die sich in Kneipen und Betten bewegten und jeden modernen, elitären Anspruch von sich wiesen, Autoren wie Ferlinghetti, Ginsberg oder Jörg Fauser (mit seinem Roman Rohstoff), diejenigen, die man zuerst als postmodern bezeichnete. Ist Eco, wenn er auf diese Generation zurückverweist, wenn er, wie jene, auf Trivialmythen abhebt, von Casablanca bis zu Zitaten von Rockgruppen, nicht schon post-post-modern? Hat er die Postmoderne, die fortwährend ihre Moderne gebiert und umgekehrt, weil sie sich jeweils beinhalten, nicht schon hinter sich gelassen? Ist er nicht hochaktuell, wenn er vorführt, wie mit seiner Art der Wissenschaftsvermittlung umgegangen wird, nämlich dem Palavern über die Templer beim Knabbern im Bett? So, und nicht anders, wird heute Wissenschaft rezipiert! Es ist problematisch, den gesamten Roman mittels postmoderner Termini zu hinterfragen, doch ist sicher: Das Foucaultsche Pendel ist ein geistsprühender Krimi, ganz gleich welcher Blödsinn in manchen Rezensionen zu lesen war.
Matthias Kehle.
Die Originalausgabe erschien 1988 unter dem Titel Il pendolo di Foucault.
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Diese Wissenschaft, die nicht verlorengegangen ist, zumindest nicht in ihrem materiellen Teil, ist den religiösen Baumeistern von den Mönchen aus Citeaux beigebracht worden... Ihre Erben... kannte man im letzten Jahrhundert unter dem Namen »Compagnons du Tour de France«. An sie wandte sich Eiffel, um seinen Turm zu erbauen.

Louis Charpentier, Les mystères de la cathédrale de Chartres, Paris, Laffont, 1966, p. 55-56

  Wir hatten nun bald die ganze Neuzeit durchwühlt, als fleißige Maulwürfe, die sich durch die Erde graben, um den Planeten von unten auszuspähen. Aber es musste da noch etwas anderes geben, ein Unternehmen, das die Baconianer begonnen hatten und dessen Ergebnisse, dessen Etappen offen vor aller Augen lagen, ohne daß es jemand bemerkt hatte... Denn wer den Boden durchwühlt, nähert sich zwar den Tiefenschichten, doch die Kelten und Templer hatten sich nicht darauf beschränkt, Löcher zu graben, sie hatten auch ihre Akupunkturnadeln gerade zum Himmel empor gerichtet, als Antennen, um durch sie von einem Megalithen zum anderen zu kommunizieren und die Einflüsse der Gestirne zu empfangen...

Die Idee war Belbo in einer schlaflosen Nacht gekommen. Er war ans Fenster getreten und hatte in der Ferne, über den Dächern von Mailand, die Lichter des Fernsehturms gesehen, die große Antenne der Stadt. Eine moderate und vorsichtige Version des Turms von Babel. Und da hatte er kapiert.

»Der Eiffelturm!« sagte er am nächsten Morgen. »Wie konnten wir den bloß übersehen! Der metallene Megalith, der Menhir der Menhire der letzten Kelten, die höchste Hohle Nadel aller gotischen Nadeln und Fialen! Und wozu braucht Paris ein so unnützes Monument? Nun, es ist die Himmelssonde, die Antenne zum Empfang der Informationen von allen in die Kruste der Erde gesteckten hermetischen Akupunkturnadeln — von den Statuen der Osterinseln, von Machu Picchu in Peru, von der Freiheitsstatue in New York, die der Initiierte La Fayette gewollt hatte, vom Obelisken in Luxor, vom höchsten Turm in Tomar, vom Koloss von Rhodos, der weiterhin aus den Tiefen des Hafens sendet, wo ihn niemand mehr findet, von den Tempeln im brahmanischen Dschungel, von den Wachtürmen auf der Chinesischen Mauer, vom Gipfel von Ayers Rock in Australien, von den Fialen auf dem Straßburger Münster, an denen sich der Initiierte Goethe ergötzte, von den Gesichtern am Mount Rushmore (wie vieles hatte der Initiierte Hitchcock verstanden!), von der Antenne auf dem Empire State Building (und sagt ihr mir, auf welches Imperium diese Schöpfung amerikanischer Initiierter anspielt, wenn nicht auf das von Kaiser Rudolf in Prag!). Der Eiffelturm fängt Signale aus dem Untergrund auf und konfrontiert sie mit denen, die vom Himmel herabkommen. Und wer gab uns das erste beklemmende Filmbild vom Eiffelturm? René Clair in Paris qui dort, worin ein verrückter Doktor die Metropole mit unsichtbaren Strahlen in Schlaf versetzt, und nur acht Personen entgehen den Einflüssen aus dem Untergrund, indem sie auf die Turmspitze fliehen. René Clair, R. C.«

Die ganze Geschichte der Wissenschaft und der Technik musste neu gelesen werden, sogar der Wettlauf um die Vorherrschaft im Weltraum wurde nun verständlich, mit diesen wie verrückt um die Erde sausenden Satelliten, die nichts anderes tun als den Globus zu fotografieren, um darauf unsichtbare Spannungen zu identifizieren, unterseeische Flüsse, warme Luftströme. Und sie dann miteinander zu besprechen, mit dem Eiffelturm, mit Stonehenge…

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It is a remarkable coincidence that the 1623 Folio, known by the name of Shakespeare, contains exactly thirty-six plays.

(Es ist eine bemerkenswerte Koinzidenz, daß die Folio-Ausgabe von 1623, die unter dem Namen von Shakespeare bekannt ist, genau sechsunddreißig Stücke enthält.)

W. F. C. Wigston, Francis Bacon versus Phantom Captain Shakespeare: The Rosicrucian Mask, London, Kegan Paul, 1891, p. 353

  Wenn wir einander die Resultate unserer Fantastereien berichteten, schien uns — und sicher zu Recht —, daß wir mit unzulässigen Assoziationen und außergewöhnlichen Kurzschlussverbindungen operierten, denen Glauben zu schenken wir uns geschämt hätten, hätte man sie uns vorgehalten. Was uns ermunterte, war das gemeinsame Einverständnis — stillschweigend, wie es die Etikette der Ironie verlangt —, daß wir die Logik der anderen parodierten. Doch in den langen Zwischenzeiten, wenn jeder von uns Beweisstücke für die nächste Dreiersitzung sammelte, überzeugt, Mosaiksteinchen für die Parodie eines Mosaiks zu sammeln, gewöhnte sich unser Hirn allmählich daran, alles und jedes mit allem und jedem in Verbindung zu bringen, und um das automatisch tun zu können, musste es feste Gewohnheiten annehmen. Ich glaube, ab einem bestimmten Punkt macht es keinen Unterschied mehr, ob man sich daran gewöhnt, so zu tun, als ob man glaubte, oder ob man sich daran gewöhnt, wirklich zu glauben.

Es ist wie bei den Spionen. Sie schleichen sich in die gegnerischen Geheimdienste ein und gewöhnen sich daran, wie der Gegner zu denken; wenn sie überleben, so weil es ihnen gelungen ist, sich dem Gegner total anzupassen; kein Wunder also, daß sie nach einer Weile zur anderen Seite überlaufen, die nun ihre Seite geworden ist. Oder wie bei denen, die allein mit einem Hund leben. Sie reden den ganzen Tag lang mit ihm; zu Anfang bemühen sie sich, seine Logik zu verstehen, dann wollen sie, daß er ihre Logik versteht; zuerst finden sie ihn schüchtern, dann eifersüchtig, dann übelnehmerisch, und schließlich verbringen sie ihre Zeit damit, ihn zu piesacken und ihm Eifersuchtsszenen zu machen. Wenn sie sicher sind, daß er wie sie geworden ist, sind sie wie er geworden, und wenn sie stolz darauf sind, ihn vermenschlicht zu haben, haben sie sich de facto verhundet.

Vielleicht weil ich jeden Tag mit Lia und dem Kind in Berührung kam, war ich dem Spiel noch am wenigsten von uns Dreien verfallen. Ich war überzeugt, es zu beherrschen, ich fühlte mich, als schlüge ich immer noch das Agogõ während des rituellen Tanzes — du stehst auf Seiten derer, die Emotionen hervorrufen, nicht sie erleiden, sagte ich mir. Wie es bei Diotallevi war, wusste ich damals noch nicht, heute weiß ich es: Diotallevi gewöhnte seinen Körper daran, wie ein Diaboliker zu denken. Was Belbo anging, so identifizierte er sich mit dem Spiel auch auf der Bewusstseinsebene. Ich gewöhnte mich, Diotallevi zerstörte sich, Belbo bekehrte sich. Aber alle drei verloren wir langsam jene intellektuelle Klarheit, die uns erlaubt, das Ähnliche vom Identischen zu unterscheiden, die Metapher von der Sache zu trennen — jene geheimnisvolle, glänzende und wunderbare Eigenschaft, dank welcher wir sagen können, daß jemand »bestialisch« geworden ist, ohne dabei zu meinen, ihm seien tatsächlich Pranken und Hauer gewachsen, während ein Kranker das Wort »bestialisch« hört und sofort an ein bellendes oder rauchendes oder Feuer speiendes Untier denkt.

Was mit Diotallevi geschah, hätten wir sehen können, wären wir nicht so erregt gewesen. Ich würde sagen, angefangen hatte das Ganze, als der Sommer zu Ende ging. Diotallevi war magerer als gewöhnlich aus den Ferien zurückgekommen, aber es war nicht die nervöse Schlankheit dessen, der sich ein paar Wochen lang in den Bergen erholt hat. Sein zarter Albino-Teint hatte einen gelblichen Schimmer bekommen. Wenn wir es bemerkten, dachten wir wohl, er hätte die Ferien über seinen rabbinischen Schriftrollen brütend verbracht. Doch in Wahrheit dachten wir an ganz andere Dinge.

Denn in den folgenden Tagen gelang es uns, Stück für Stück auch die Gruppen außerhalb des Baconschen Flügels unterzubringen.

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