Schamanenfeuer. Das Geheimnis von Tunguska.
- Автор: Andre Martina
- Язык: немецкий
- Жанр: Историческая проза
Электронная книга - «Schamanenfeuer. Das Geheimnis von Tunguska.». Краткое содержание книги:
Pokrovskij sah den Oligarchen aus schmalen Lidern an. »Machen Sie sich keine Sorgen, Sergej Sergejewitsch«, bemerkte er mit einem ironischen Unterton in der Stimme. »Wenn wir Aldanov erst gefasst haben, wird sich für unseren Präsidenten so manches Geheimnis lüften, sicher nicht nur das von Tunguska.«
Die letzten Worte des Offiziers versetzte Bashtiri einigermaßen in Unruhe.
Während Pokrovskij mit seinen Begleitern einen Besuch im Dorf der Ewenken ankündigte, um die Einwohner zu verhören, mietete Bashtiri noch vor Einbruch der Dunkelheit für sich und seine Sicherheitsbegleiter die einzig wirklich komfortable Hotelsuite des Ortes. Nach einer weiteren Schmerztablette, die seine verletzten Finger betäuben sollte, wanderte er rastlos auf und ab. Was konnte er unternehmen, damit der FSB Aldanov nicht lebend erwischte? Die Sache mit der Explosion von Tunguska und der merkwürdigen Gabe der tungusischen Schamanen waren ihm ziemlich gleichgültig. Ganz und gar nicht gleichgültig erschien ihm jedoch die Tatsache, dass Aldanov bestens über ihn und seine geschäftlichen Verbindungen in Tschetschenien informiert war.
Er schrak regelrecht zusammen, als das Mobiltelefon die Schicksalsmelodie plärrte und Fjodor den Anruf entgegen nahm.
»Es ist Doktor Parlowa«, erklärte der Bodyguard tonlos und hielt ihm das Telefon entgegen. »Sie sagt, es sei dringend.«
Aufgeregt berichtete Doktor Parlowa von ihrem Erlebnis in der Filiale einer europäischen Bank in Krasnojarsk. Erst kurz zuvor hatte sie aus den Medien erfahren, was inzwischen im Camp geschehen war.
»Es war Doktor Vanderberg, da bin ich mir sicher. Sie hat ihr Äußeres vollkommen verändert«, berichtete sie stockend. »Sie sieht aus wie Marilyn Monroe, aber ich habe sie trotzdem erkannt. Sie hat telefoniert und sprach Deutsch. Als sie mich gesehen hat, ist sie davongelaufen. Ich bin ihr unbemerkt bis in den Bahnhof gefolgt. Sie hatte einen großen, dunkelhaarigen Mann an ihrer Seite. Außerdem begleitete die beiden dieser Hund, der aussieht wie ein Wolf.«
»Und wo wollten die beiden hin?« Diese Frage erschien Bashtiri weit wichtiger als alles andere.
»Sie standen am Schalter für den Nachtzug nach Moskau.«
»Dann sind sie knapp drei Tage unterwegs«, murmelte Bashtiri mehr zu sich selbst. »Danke, Elena, es war gut, dass Sie sich gemeldet haben. Ich möchte Sie bitten, mit niemandem über Ihre Beobachtung zu sprechen. Vor einer Stunde ist ein Untersuchungsteam des FSB hier in Vanavara eingetroffen. Ich werde den zuständigen Oberst persönlich unterrichten.«
Bashtiri kniff die Lippen zusammen und grübelte noch einen Moment, nachdem die Ärztin aufgelegt hatte. Also steckte die Wissenschaftlerin mit Aldanov unter einer Decke. Vermutlich würde sie den Ewenken bei einem Verhör entlasten, etwas, das er ganz und gar nicht hinnehmen konnte.
»Fjodor«, sagte er so leise, als ob er befürchtete, abgehört zu werden. »Stell eine sichere Leitung zu meinem Büro in Moskau her und finde heraus, wann der Achtuhrzug aus Krasnojarsk dort eintrifft. Jurij, Mischa, macht alles klar für unsere Abreise. Während ich nach Moskau fliege, kümmert ihr euch um die beiden Ausreißer.« Ein boshaftes Grinsen flog über seine Lippen. »Wir werden unserem Gaunerpärchen einen gebührenden Empfang bereiten, und zwar noch bevor der FSB Wind von der Sache bekommt.«
Im Bahnhof von Krasnojarsk wimmelte es von Polizisten. »Das schaffen wir nie«, flüsterte Viktoria, als Leonid zielstrebig auf den Fahrkartenschalter zuhielt. Svetlana hatte sich bereits vor dem Bahnhof verabschiedet. Sie wollte nicht Gefahr laufen, mit den beiden zusammen in eine Passkontrolle zu geraten, wie sie in der Russischen Föderation allzeit üblich sein konnte. Das Aufkommen von Uniformierten erschien Leonid weit stärker als bei gewöhnlichen Sicherheitskontrollen.
Viktoria blieb das Herz stehen, als ein dickbäuchiger Polizist Leo-nid am Ärmel festhielt.
»Auf dem Bahnhofsgelände müssen Sie den Hund anleinen«, raunte er mürrisch. Ajaci knurrte leise, als der Mann ihn eingehend begutachtete. »Noch dazu, weil es ein Laika ist. Die Touristen könnten denken, es handelt sich um einen Wolf.«
»Geht in Ordnung, Kapitan.« Leonid bedachte den Offizier mit einem militärischen Gruß.
Viktoria glaubte für einen Moment zu ersticken vor Angst - auch als der Mann längst weitergegangen war.
Leonid entledigte sich seiner gestreiften Krawatte und machte eine Leine daraus, die er Ajaci mit ein paar beruhigenden Worten um den Hals legte. Ajaci wehrte sich, indem er daran zerrte und sich unentwegt schüttelte. Doch Leonid blieb standhaft. Er kniete sich zu dem Hund hinunter und flüsterte ihm etwas ins Ohr. Danach beruhigte sich das Tier erstaunlicherweise.
»Was hast du ihm gesagt?« Viktoria sah Leonid verblüfft an, während die beiden sich an einer Menschenschlange anstellten, um Fahrkarten nach Moskau zu kaufen.
»Ich habe ihm angedroht, dass ich ihn bei Svetlana lasse, wenn er nicht gehorcht.«
»Das würdest du nicht, oder?«
»Nein.« Leonid schüttelte schmunzelnd den Kopf. »Er gehört zu mir, wie mein Herzschlag. Er ist meine Zwillingsseele. Jeder Schamane hat ein Tier, mit dem er sich tief verbunden fühlt. Taichin hat ihn mir als Welpen geschenkt, nachdem ich aus Tschetschenien zurückgekehrt war. Er sagte, er sei mein Bruder. Solange er lebt, würde ich auch leben.«
»Hunde leben aber nicht besonders lange.« Viktoria rückte ein Stück in der Schlange vor.
»Schamanen gewöhnlich auch nicht«, erwiderte er trocken.
»Aber du bist doch gar kein richtiger Schamane, oder habe ich da etwas falsch verstanden?«
»Nein, und einer der Gründe ist, dass ich mindestens so alt wie mein Großonkel werden möchte.«
Die Frau am Schalter verlangte tatsächlich ihre Pässe. Viktorias Hände zitterten, als sie ihr Svetlanas Pass vor die Nase legte. Die Frau achtete jedoch gar nicht auf das Dokument. Sie stempelte routinemäßig die Fahrkarten ab und hämmerte mit ihren rot lackierten Fingernägeln auf die Computertastatur ein. Dann gab sie Viktoria den Pass zusammen mit einem Faltplan zurück, bei dem man die einzelnen Stationen entnehmen konnte.
In einem kleinen Laden erstand Viktoria für sich und Leonid Zahnbürsten und Waschzeug, dazu drei Dosen Hundefutter für Ajaci.
Leonid neckte sie grinsend, als sie den Bahnsteig erreichten. »Man merkt, dass du aus Deutschland stammst.«,
»Was willst du damit sagen?«
»So wie es mir scheint, bist du ziemlich durchorganisiert und überlässt nichts dem Zufall.«
»Ist das ein Fehler?«
»Im Prinzip nicht - wenn du nicht etwas vergessen hättest.«
»Was denn?«
Mit einem triumphierenden Lächeln hob er seine Hand und präsentierte ihr einen Dosenöffner.