Die Saat des goldenen Löwen. Das Lied von Eis und Feuer 04
- Автор: Мартин Джордж Рэймонд Ричард
- Серия: Das Lied von Eis und Feuer #2
- Год: 2000
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Helweg
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saat des goldenen Löwen. Das Lied von Eis und Feuer 04». Краткое содержание книги:
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»Dieses Mädchen soll einmal Eure Königin werden«, schalt der Gnom Joffrey. »Habt Ihr denn gar keinen Respekt vor ihrer Ehre?«
»Ich bestrafe sie.«
»Für welches Verbrechen? Sie hat nicht mit ihrem Bruder in der Schlacht gekämpft.«
»In ihr fließt das Blut eines Wolfes.«
»Und in Euch wohnt der Verstand einer Gans.«
»So dürft Ihr nicht mit mir reden. Der König kann tun, was er will.«
»Aerys Targaryen hat getan, was er wollte. Hat Euch Eure Mutter nicht erzählt, was mit ihm geschehen ist?«
Ser Boros räusperte sich laut. »Niemand bedroht Seine Gnaden in Gegenwart der Königsgarde.«
Tyrion Lennister zog eine Augenbraue hoch. »Ich bedrohe den König nicht, Ser, ich belehre meinen Neffen. Bronn, Timett, wenn Ser Boros das nächste Mal den Mund aufreißt, bringt ihn um.« Der Zwerg lächelte. »Das war eine Drohung, Ser. Erkennt Ihr den Unterschied?«
Ser Boros wurde dunkelrot. »Die Königin wird davon erfahren! «
»Ohne Zweifel. Und warum sollen wir warten? Joffrey, sollen wir Eure Mutter rufen?«
Das Gesicht des Königs lief rot an.
»Keine Antwort, Euer Gnaden?«, fuhr sein Onkel fort. »Gut. Lernt, Eure Ohren mehr und Euren Mund weniger zu benutzen, sonst wird Eure Herrschaft kürzer dauern, als ich an Körpergröße messe. Mutwillige Brutalität ist nicht die Art, mit der Ihr die Liebe Eures Volkes gewinnt … oder die Eurer Königin.«
»Furcht ist besser als Liebe, sagt Mutter.« Joffrey zeigte auf Sansa. »Sie fürchtet mich.«
Der Gnom seufzte. »Ja, das sehe ich. Schade, dass Stannis und Renly nicht ebenfalls zwölfjährige Mädchen sind. Bronn, Timett, nehmt sie mit.«
Sansa bewegte sich wie in einem Traum. Sie dachte, die Männer des Gnoms würden sie zu ihrem Zimmer in Maegors Feste zurückbringen, doch stattdessen wurde sie zum Turm der Hand geführt. Seit dem Tag, an dem ihr Vater in Ungnade gefallen war, hatte sie ihn nicht mehr betreten, und als sie jetzt die Treppe hinaufstieg, wurde ihr fast schwarz vor Augen.
Ein paar Dienstmädchen nahmen sich ihrer an und murmelten tröstende Worte, damit sie zu zittern aufhörte. Eines zog ihr die Überreste des Kleides und der Unterwäsche aus, ein Zweites badete sie und wusch ihr den klebrigen Saft vom Gesicht und aus dem Haar. Während man sie mit Seife abschrubbte und ihr Wasser über den Kopf goss, sah sie ständig nur die Gesichter des Hofes vor sich. Ritter schwören, die Schwachen zu verteidigen, Frauen zu beschützen und für das Recht zu kämpfen, und keiner von ihnen hat auch nur einen Finger gerührt. Allein Ser Dontos hatte versucht, ihr zu helfen, und der war kein Ritter mehr, genauso wie der Gnom oder der Bluthund … der Bluthund hasste Ritter … Ich hasse sie auch, dachte Sansa. Sie alle waren keine echten Ritter, keiner von ihnen.
Nachdem sie wieder sauber war, kam der rundliche rotblonde Maester Frenken zu ihr. Er bat sie, sich bäuchlings auf die Matratze zu legen, während er Salbe auf die hässlichen roten Striemen strich, die die Rückseite ihrer Beine bedeckten. Danach goss er ihr einen Becher Traumwein ein, den er mit Honig mischte, damit er angenehmer schmeckte. »Schlaft ein wenig, Kind. Wenn Ihr erwacht, erscheint Euch das alles wie ein böser Traum.«
Nein, bestimmt nicht, du dummer Mann. Trotzdem trank sie den Traumwein und schlief.
Es war dunkel, als sie erwachte und nicht recht wusste, wo sie sich befand. Das Zimmer erschien ihr gleichzeitig vertraut und fremd. Beim Aufstehen verspürte sie einen stechenden Schmerz in den Beinen, und damit kehrte auch die Erinnerung zurück. Tränen stiegen ihr in die Augen. Jemand hatte einen Morgenmantel für sie neben das Bett gelegt. Sansa schlüpfte hinein und öffnete die Tür. Draußen stand eine Frau mit hartem Gesicht, lederartiger brauner Haut und drei Ketten um den hageren Hals. Eine war aus Gold und eine aus Silber gefertigt, die letzte bestand aus menschlichen Ohren. »Was glaubt sie, wo sie hingehen will?«, fragte die Frau und lehnte sich auf ihren langen Speer.
»In den Götterhain.« Sie musste Ser Dontos finden und ihn bitten, sie jetzt nach Hause zu bringen, ehe es zu spät war.
»Das Halbmann sagt, du sollst nicht fortgehen«, erwiderte die Frau. »Bete hier, die Götter werden dir schon zuhören.«
Widerstandslos senkte Sansa den Blick und ging in das Zimmer zurück. Plötzlich begriff sie, weshalb dieser Ort ihr so vertraut war. Sie haben mich in Aryas altes Zimmer gesteckt. Hier hat Arya gewohnt, als Vater noch die Hand des Königs war. Alle ihre Sachen sind nicht mehr da, und die Möbel haben sie auch umgestellt, aber es ist dasselbe Zimmer …
Kurze Zeit später brachte ihr ein Dienstmädchen einen Teller mit Käse, Brot und Oliven sowie einen Krug kaltes Wasser. »Nimm es wieder mit«, forderte Sansa es auf, doch das Mädchen ließ das Essen auf dem Tisch stehen. Dann bemerkte Sansa, dass sie tatsächlich durstig war. Jeder Schritt fühlte sich an, als würden ihr Dolche in die Schenkel gebohrt, doch sie zwang sich, das Zimmer zu durchqueren. Sie trank zwei Becher Wasser und knabberte an einer Olive. Es klopfte.
Erschrocken fuhr sie zur Tür herum und strich die Falten ihrer Robe glatt. »Ja?«
Die Tür öffnete sich, und Tyrion Lennister trat ein. »Mylady. Ich hoffe, ich störe Euch nicht?«
»Bin ich Eure Gefangene?«
»Mein Gast.« Er trug seine Amtskette, die aus miteinander verbundenen goldenen Händen bestand. »Ich dachte, vielleicht könnten wir uns ein wenig unterhalten.«
»Wie Mylord befiehlt.« Sansa fiel es schwer, ihn nicht anzustarren; sein Gesicht war so hässlich, dass es sie mit eigentümlicher Faszination anzog.
»Waren Kleidung und Essen nach Eurem Geschmack?«, fragte er. »Falls es Euch an irgendetwas mangelt, so sagt es nur.«
»Ihr seid zu freundlich. Und heute Morgen … es war sehr edel von Euch, mir zu helfen.«
»Ihr habt ein Recht zu erfahren, warum Joffrey so wütend war.« Der Zwerg stemmte sich auf den Sitzplatz in der Fensterbank und machte es sich bequem. »Vor sechs Nächten hat Euer Bruder meinen Onkel Steffert überfallen, der mit seinem Heer nahe bei einem Dorf namens Ochsenfurt lagerte, keine drei Tage von Casterlystein entfernt. Eure Nordmannen haben einen triumphalen Sieg davongetragen. Erst heute Morgen ist die Nachricht eingetroffen.«
Robb wird euch alle umbringen, dachte sie frohlockend. »Das ist … schrecklich, Mylord. Mein Bruder ist ein gemeiner Verräter. «
Der Zwerg lächelte schwach. »Nun, er ist jedenfalls kein Speichellecker, so viel hat er deutlich gemacht.«
»Ser Lancel sagte, Robb hätte eine Armee von Wargen geführt …«
Der Gnom lachte verächtlich. »Ser Lancel ist ein Krieger, der am tapfersten mit dem Weinschlauch ringt, der kann einen Warg nicht von einer Warze unterscheiden. Euer Bruder hatte seinen Schattenwolf bei sich, aber das war vermutlich auch schon alles. Die Nordmannen haben sich ins Lager meines Onkels geschlichen und die Leinen der Pferde durchgeschnitten, woraufhin Lord Stark seinen Wolf zwischen sie gehetzt hat. Sogar die schlachterprobten Streitrosse sind wild geworden. Ritter wurden in ihren Pavillons zu Tode getrampelt, und der Pöbel erwachte und hat die Waffen beiseitegeworfen, damit er schneller rennen konnte. Ser Steffert wurde getötet, während er hinter seinem Pferd herlief. Lord Rickard Karstark hat ihm mit einer Lanze die Brust durchbohrt. Ser Rubert Brax ist ebenfalls tot, und auch Ser Lymond Vikary, Lord Rallenhall und Lord Jast. Ein weiteres halbes Hundert wurde gefangen genommen, darunter Jasts Söhne und mein Neffe Martyn Lennister. Die, die überlebt haben, haben diese wilden Märchen verbreitet, dass die Götter des Nordens an der Seite Eures Bruders marschieren.«
»Dann … dann war gar keine Zauberei im Spiel?«