Die Elfensteine von Shannara
- Автор: Брукс Терри
- Серия: Schwert von Shannara #2
- Год: 1986
- Язык: немецкий
- Переводчик: Mechtild Sandberg
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Elfensteine von Shannara». Краткое содержание книги:
Der Wandler stürzte sich plötzlich auf ihn. Seine Krallen rissen dem König Schultern und Seiten auf, daß das Blut aus den tiefen Wunden strömte. Mit dem Schwert holte er aus, das Ungeheuer zu treffen, doch es war zu spät. Schon hatte es ihn wieder aus den Klauen gelassen und war fort. Und wieder umkreiste der Dämon den König, lauernd wie eine Katze, die eine in die Enge getriebene Maus beobachtet. Diesmal muß ich flinker sein, sagte sich der alte König. Wieder sprang der Dämon zu, hoch, als wolle er ihm an die Brust, doch im letzten Moment tauchte er unter der Klinge des Schwertes hinweg und schlug seine Krallen in das linke Bein des Königs. Ein scharfer Schmerz, durchfuhr das Bein, und Eventine fiel auf die Knie. Es kostete ihn Mühe, aufrecht zu bleiben. Einen Moment lang verschwamm alles vor seinen Augen, dann wurde sein Blick wieder klar, und er zwang sich aufzustehen.
Vor ihm kauerte der Wandler. Als er sah, daß er auf den Beinen blieb, begann er von neuem, den König zu umkreisen. Blut rann an Eventines Körper herab, und er spürte, wie die Schwäche ihn zu übermannen drohte. Auch diesen Kampf würde er verlieren, dachte er verzweifelt, und er würde mit seinem Tod enden, wenn er nicht eine Möglichkeit fand, das Ungeheuer in die Defensive zu drängen. Schlingernd und schwankend umlauerte ihn der Dämon. Der König versuchte, ihn in eine Ecke zu treiben, doch er wich ihm auf tänzelnden, flinken Füßen aus, viel zu behende für den verletzten alten Mann. Eventine gab die Verfolgung auf; sie brachte ihm nichts ein. Unverwandt beobachtete er den Dämon, während dieser ihn weiterhin fauchend umrundete.
In einem verzweifelten Versuch, doch noch eine Wende herbeizuführen, tat der Elfenkönig so, als stolpere er und geriete ins Schwanken. Schwer ließ er sich auf die Knie fallen. Schmerz durchzuckte ihn, doch die List wirkte. Des Glaubens, der alte Mann sei am Ende, stürzte der Wandler sich auf ihn. Diesmal aber erwartete Eventine ihn. Die Klinge des Schwertes traf das Ungeheuer in die Brust, bohrte sich tief durch Knochen und Muskeln. Kreischend vor Schmerz schlug der Dämon dem Elfenkönig Krallen und Zähne ins Fleisch, dann riß er sich los. Blut strömte aus der Wunde, ein grünlich-roter Schleim, der den geschmeidigen schwarzen Körper befleckte.
Von Angesicht zu Angesicht kauerten sie einander gegenüber, der Elfenkönig und der Dämon, beide verletzt, beide darauf lauernd, daß der andere sich zu einer Unvorsichtigkeit würde hinreißen lassen. Wieder begann der Dämon um den König herumzutänzeln, zog blutige Kreise auf dem Fußboden. Eventine Elessedil nahm seine ganze Kraft zusammen, während er sich drehte, der Bewegung des Dämons zu folgen. Er war von Blut besudelt, und seine Kräfte verließen ihn zusehends. Brennende Schmerzen quälten seinen mißhandelten Körper. Er wußte, daß er nur noch einige wenige Minuten aushalten konnte.
Plötzlich sprang ihm der Wandler an die Kehle. Es geschah so rasch, daß der König nicht die Zeit hatte, mehr zu tun, als mit erhobenen Armen zurückzutaumeln. Der Dämon umkrallte seinen Hals und riß ihn zu Boden, um mit scharfen Zähnen und Krallen über ihn herzufallen. Eventine schrie auf vor Schmerz, als die Klauen ihm die Brust aufrissen und die reißenden Zähne sich in seinen Unterarm bohrten.
In diesem Augenblick flog das Portal des Herrenhauses auf. Die Schlösser sprangen klirrend auf, die beiden Türflügel wurden aus den Angeln gerissen. Laute Rufe schallten durch den dunklen Vorraum, der sich jetzt rasch mit bewaffneten Männern füllte. Umfangen von Schleiern des Schmerzes und der Angst schrie Eventine auf. Es war jemand da! Es war jemand gekommen!
Mit gellendem Geschrei sprang der Wandler vom Körper des gestürzten Königs auf. In diesem Augenblick war sein Hals ungeschützt. Eventine riß das Schwert in die Höhe, die Klinge blitzte auf. Das Kreischen des Dämonen verstummte abrupt, als das Ungeheuer, den Kopf fast vom Körper getrennt, zur Seite stürzte. Augenblicklich umringten es die Retter des Königs, und die Klingen ihrer Schwerter bohrten sich tief in seinen Körper.
Der Wandler erzitterte unter der Wucht der Hiebe und Stiche und starb.
Taumelnd kam Eventine Elessedil auf die Füße, das Schwert noch immer fest in der Hand. Die blauen Augen blickten hart und starr. Ein Gefühl völliger Benommenheit umhüllte ihn, als er sich umdrehte und sah, daß Andor ihm die Arme entgegenstreckte. Dann brach der König der Elfen zusammen, und die Nacht schloß sich über ihm.
43
Wie die Botin des Todes kam sie den Menschen entgegen, höher gewachsen selbst als Allanon, das lange graue Haar von Nachtschatten durchwirkt. Lose fließende schwarze Gewänder umhüllten ihre schlanke Gestalt und belebten das tiefe Schweigen des Turms mit einem Rascheln von Seide. Sie war schön, ihr Gesicht zart und fein geschnitten, die Haut so bleich, daß sie beinahe ätherisch wirkte. Sie hatte etwas Zeitloses, als sei sie ein Wesen, das immer gewesen war und immer sein würde. Die Holzmännchen wichen zurück, als sie sich näherte, und sie schritt zwischen ihnen hindurch, ohne ihnen einen Blick zu gönnen. Ihre seltsamen, tief violetten Augen ließen die drei nicht los, die wie versteinert standen. Klein und zerbrechlich waren ihre Hände, die sich den drei Menschen entgegenstreckten. Ihre Finger krümmten sich, als wolle sie sie an sich ziehen. »Mallenroh!« flüsterte Hebel ein zweites Mal, erregte Erwartung in der Stimme. Sie blieb stehen. Die vollendet geschnittenen Züge zeigten keinen Ausdruck, als sie auf den alten Mann hinunterblickte. Dann wandte sie sich Eretria zu und schließlich Wil. Dem war so kalt, daß er am ganzen Leib zitterte.
»Ich bin Mallenroh«, sagte sie, und ihre Stimme war leise und fern. »Warum seid ihr hier?«
Keiner sagte etwas; sie hielten nur ihre Blicke unverwandt auf sie gerichtet. Sie wartete, dann hob sie ihre bleiche Hand.
»Die Senke ist verbotenes Gebiet. Kein Mensch darf sich da hineinwagen. Die Senke ist mein Reich, und in diesem Reich habe ich die Macht über Leben und Tod aller Lebewesen. Jenen, die meinen Gefallen finden, gewähre ich das Leben. Den anderen aber gebe ich den Tod. So ist es immer gewesen. Und so wird es immer sein.«
Wieder wanderte ihr Blick von einem zum anderen, und sie betrachtete jeden der drei mit strenger Aufmerksamkeit. Schließlich blieb ihr Blick auf Hebel ruhen.
»Wer bist du, alter Mann? Warum bist du in die Senke gekommen?«
Hebel schluckte. »Ich habe — ich habe Euch gesucht.« Seine Worte überschlugen sich. »Ich habe Euch etwas mitgebracht, Mallenroh.«
Die bleiche Hand streckte sich aus.
»Was hast du mir mitgebracht?«
Hebel nahm seinen Sack von der Schulter, öffnete ihn und kramte suchend darin herum. Gleich darauf entnahm er ihm eine glänzend polierte Holzfigur, eine kleine Statuette, die aus einem Stück Eichenholz geschnitzt war. Es war Mallenroh, so vollendet getroffen, daß es schien, als sei sie aus dem Schnitzwerk heraus ins Leben getreten. Sie nahm dem alten Mann die kleine Figur ab und betrachtete sie eingehend, während ihre schlanken Finger langsam über das glänzende Holz glitten.
»Hübsch«, sagte sie schließlich.
»Das seid Ihr«, erklärte Hebel hastig.
Sie sah ihn wieder an, und Wil war das, was er da erblickte, nicht geheuer. Das Lächeln, mit dem sie den alten Mann musterte, war dünn und kalt.
»Ich kenne dich«, sagte sie und schwieg dann, während ihre violetten Augen wieder sein verwittertes altes Gesicht musterten. »Vor langer Zeit war es, am Rande der Senke, als du noch jung warst. Eine Nacht habe ich dir gegeben…«
»Ich habe Euch nie vergessen«, flüsterte Hebel und wies rasch auf die Holzfigur. »Ich konnte mich noch genau erinnern, wie Ihr aussaht.«
Zu Hebels Füßen drückte sich Drifter auf den steinernen Boden des Turms nieder und winselte. Doch der alte Mann beachtete ihn nicht. Er hatte sich völlig in den Augen der Hexe verloren. Diese schüttelte den Kopf mit dem prachtvollen langen Haar.
»Es war eine Laune, du Törichter«, flüsterte sie.