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Die Elfensteine von Shannara

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Die Elfensteine von Shannara
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Eventine Elessedil, der der Sicherheit des höherliegenden Tores entgegenritt, wurde das Pferd getötet, und der alte König stürzte. Die Dämonen sahen es. Mit gierigem Geheul rannten sie vorwärts. Sie hätten ihn getötet, wäre nicht Stee Jans gewesen. Er und der klägliche Rest seiner Leute sprangen den Ungeheuern in den Weg und griffen sie mit mächtigen Schwerthieben an. Hinter ihnen kam Eventine torkelnd auf die Beine; benommen und blutig geschlagen, doch am Leben. Rasch führte Kerrin die Leibgarde in die Nähe des Königs, und sie trugen ihn aus dem Schlachtgetümmel fort.

Die Soldaten der Freitruppe hielten noch einige Zeit länger aus, dann wurden auch sie überrannt. Die Dämonen drängten unaufhaltsam vor, schoben sich einfach an den Elfen vorbei, die versuchten, ihnen den Weg zu versperren. Angeführt wurde der Überfall von den beiden Unholden, die das Tor gesprengt hatten, und die nun alle niedertrampelten, die sich ihnen in den Weg stellten. Den Ellcrysstab hoch erhoben, rief Andor die Verteidiger der Stadt zusammen, mit ihm gemeinsam die Attacke der Dämonen abzuwehren. Doch zu gewaltig war der Ansturm. Amantar und Stee Jans kämpften, an die Mauern der Rampe zurückgedrängt um ihr Leben und vermochten nicht, den Elfenprinzen zu erreichen. Einen beängstigenden Moment lang stand Andor Elessedil praktisch allein vor dem Heer wütender Dämonen, das sich unaufhaltsam heranwälzte.

Doch nur einen Augenblick lang. Auf der Höhe des Tores zum sechsten Plateau pfiff Allanon Dayn vom Rand des Carolan herunter. Ohne ein Wort riß er dem verwundeten Himmelsreiter die Zügel seines Vogels aus der Hand und sprang auf den Rücken des gigantischen Rock. Im nächsten Moment schwebte er abwärts, während seine schwarzen Gewänder sich um ihn bauschten wie Segel. Dancer schrie einmal laut auf, dann stieß er mit reißenden Krallen und hackendem Schnabel herab, mitten unter die Dämonen, die Andor bedrohten. Kreischend stürzten die schwarzen Gestalten auseinander. Blaues Feuer raste zuckend aus den Fingern des Druiden, und die Rampe vor ihm verwandelte sich in ein Flammenmeer. Mit rascher Hand zog er den erstaunten Andor zu sich hinauf, gab Dancer einen scharfen Befehl, und sogleich hob sich der Rock wieder in die Lüfte; unten gewannen gerade die letzten Verteidiger die Sicherheit der sechsten Rampe, und das Tor fiel hinter ihnen zu.

Noch einige Sekunden lang loderte das Feuer des Druiden, dann erstarb es zuckend. Wutentbrannt jagten die Dämonen den fliehenden Verteidigern nach. Doch inzwischen hatte man die Zwergenpioniere oben auf der Höhe alarmiert. Winden und Flaschenzüge begannen sich zu drehen, und die Ketten um die Stützpfeiler der Rampe strafften sich. Gleich würden Broworks schlau verborgene Fallen zuschnappen. Knirschend, krachend lösten sich die schon geschwächten Stützpfeiler unter dem Elfitch, von den Ketten herausgezogen. Rüttelnd und schwankend senkte sich die Rampe unterhalb der sechsten Stufe und splitterte. Dämonen, die sich auf ihr befanden, verschwanden in einer riesigen Wolke von Staub und Trümmern. Gellende Schreie erfüllten die Luft, und von der großen unteren Rampe war nichts mehr zu sehen.

Als der Staub sich gelegt hatte, war der Elfitch vom Tor der sechsten Rampe bis hinunter zur vierten nur noch ein wüster Haufen von Geröll und zersplitterten Holzbalken. Die Leichen zahlloser Dämonen, verzerrt und zerfetzt, lagen überall. Die, die überlebt hatten, wichen bis zum Fuß der Felswand zurück, wobei sie Mühe hatten, dem Hagel von Felsbrocken und Geröll zu entgehen, der sich über sie ergoß. Sie zogen sich in die Wälder zurück.

An diesem Tag griffen die Dämonen nicht wieder an.

Eventine Elessedil, der eine Kopfwunde davongetragen hatte und dazu eine Anzahl kleinerer Verletzungen, wurde vom Schlachtfeld auf der Höhe des Elfitch in die Stille und Abgeschiedenheit seines Hauses getragen. Der getreue Gael säuberte und verband die Wunden und half seinem König ins Bett. Danach ließ man den König der Elfen allein, um ihm Ruhe zu gönnen. Dardan und Rhoe bezogen Posten vor der Tür seines Schlafgemachs. Aber Eventine schlief nicht. Der Schlaf mied ihn. In den weichen Federkissen lag er und starrte tieftraurig vor sich hin. Verzweiflung überflutete ihn. Der Kampf war verloren, auch wenn die Freitruppe, die Zwerge und die Bergtrolle den Elfen mit großem Einsatz Beistand geleistet hatten. Alle Verteidigungsmaßnahmen hatten nichts geholfen. Einen Tag noch, vielleicht zwei, dann würden das sechste und das siebte Tor des Elfitch fallen, und die Dämonen würden die Höhe des Carolan erreichen. Das war dann das Ende. An Zahl hoffnungslos unterlegen, würden die Verteidiger schnell überrannt und vernichtet werden. Das Westland würde verlorengehen, die Elfen in alle vier Winde vertrieben werden.

Die innere Bedeutung dessen, was ihm das Herz bedrückte, quälte ihn tief. Wenn die Dämonen hier siegten, dann bedeutete das, daß Eventine Elessedil versagt hatte. Nicht nur seinem eigenen Volk gegenüber, sondern den Völkern der Vier Länder gegenüber — denn die Dämonen würden beim Westland nicht haltmachen, jetzt, da sie vom Fluch der Verfemung befreit waren. Und wie stand es um seine Vorfahren, die vor so vielen Jahrhunderten die Dämonen eingekerkert hatten, zu einer Zeit, die so fern war, daß sie ihm unvorstellbar blieb? Auch ihnen gegenüber würde er versagt haben. Sie hatten die Mauer der Verfemung geschaffen, doch ihre aufrechte Haltung hatten sie jenen anvertraut, die nach ihnen folgten; sie hatten sich darauf verlassen, daß die, die nach ihnen kamen, dafür sorgen würden, daß der Bannspruch seine Wirkung behielt. Doch im Laufe der Jahrhunderte, während der Umwälzungen, die die alte Welt vernichtet und zu einer Neugeburt der Rassen geführt hatten, hatte man den Bannspruch vergessen. Alle hatten ihn vergessen. Selbst die Erwählten hatten ihn nur als einen fernen Teil ihrer Geschichte angesehen, eine uralte Legende, die einem anderen Zeitalter angehörte, der Vergangenheit oder der Zukunft — niemals aber eigentlich der Gegenwart.

Die Kehle war ihm wie zugeschnürt. Wenn Arborlon fiel, wenn das Westland verloren war, dann würde das seine Niederlage sein. Seine! Seine durchdringenden blauen Augen wurden hart vor Zorn. Zweiundachtzig Jahre hatte er auf der Erde gelebt; mehr als fünfzig davon war er der Führer seines Volkes gewesen. Er hatte viel erreicht in dieser Zeit — und nun würde alles verlorengehen. Er dachte an Arion, seinen Erstgeborenen, seinen Sohn, der hätte leben sollen, um das weiterzuführen, wofür er so hart gearbeitet hatte, und er dachte auch an Kael Pindanon, den alten Waffengefährten, den treuen Freund. Er dachte an die Elfen, die bei der Verteidigung des Sarandanon und Arborlons gefallen waren. Für nichts waren sie gestorben.

Er schlüpfte tiefer unter die Decke seines Bettes, während er überlegte, welche Möglichkeiten noch geblieben waren, welche Taktik sich vielleicht noch anwenden ließ, auf welche Reserven man zurückgreifen konnte, wenn die Dämonen erneut angriffen. Die Gedanken jagten sich in seinem Kopf, und tief in seinem Inneren verspürte er ein Gefühl von Hoffnungslosigkeit. Es gab keine Rettung mehr.

Während er um Antworten auf die Fragen rang, die er sich selbst gestellt hatte, fiel ihm plötzlich Amberle ein. Der Gedanke an sie erschreckte ihn beinahe, und mit einem Ruck setzte er sich in seinem Bett auf. In den Verwirrungen der letzten Tage hatte er seine Enkelin vergessen, sie, die die letzte der Erwählten war, die, wie Allanon ihm gesagt hatte, die einzige Hoffnung seines Volkes war. Was, fragte er sich niedergeschlagen und voller Trauer, was war nur aus Amberle geworden?

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