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Электронная книга - «Witiko». Краткое содержание книги:

An seinem monumentalen Werk über die Gründungsgeschichte des Königreiches Böhmen im 12. Jahrhundert arbeitete Stifter zehn Jahre lang wie »ein Pflugstier«. Durch den Romanhelden Witiko, der stellvertretend für den sittlich handelnden Menschen steht, wird das grandiose Historiengemälde zum Bildungsroman, als dessen Meister sich der Autor mit seinem ›Nachsommer‹ in die Literaturgeschichte eingeschrieben hatte.
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»Du wirst tun, was dir obliegt, mein Sohn Witiko«, sagte Wentila, »und du wirst klug und vorsichtig sein.«

»Ich werde tun, wie ich es nur immer als gut und recht einsehe«, entgegnete Witiko.

»Und Gott wird das Gute und Rechte schützen«, antwortete Wentila, »und nach dem Kriege werde ich mit der Base Hiltrut nach Pric kommen.«

»Ich werde euch von Landshut holen und nach Pric geleiten«, sagte Witiko.

»Bleibe jetzt eine Weile auf diesem Berge, mein Sohn«, sagte Wentila, »Agnes, die hohe Frau, ist gegen mich und dich gut gesinnt. Siehe nur, welch ein schönes Gemach mit den gepolsterten Gesiedeln und der Aussicht in das ganze Land sie mir gegeben hat. Ihr Sohn Heinrich hält seinen Hof in Wien, und um ihn sind die Herren der Kirche und die Männer des Rittertumes und der Künste, und befleißigen sich zierlicher Sitten. Du wirst zu ihm gehen, und wirst manches sehen, was dir gut ist.«

»Ich bleibe bei dir, und werde öfter nach Wien gehen«, antwortete Witiko, »es müßte nur sein, daß ich in unserem Lande nötig werde, dann reite ich schnell in dasselbe.«

»Es wird sich alles erweisen«, sagte Wentila. »Jetzt, Witiko, ruhe. Lasse dir deine Kammer zeigen, und wenn es dich gemahnt, dann komme wieder zu mir. Richte dich hier ein, und möge es dir gefallen.«

Sie stand bei diesen Worten auf, Witiko auch.

Er setzte seine Haube auf das Haupt, und befestigte sein Schwert an seiner Seite.

Dann machte sie ein Kreuz auf seine Stirne, und er küßte ihre beiden Hände.

Hierauf verabschiedeten sie sich. Witiko verließ die Stube, sie blieb in derselben zurück.

Als Witiko in das Vorgemach gekommen war, in welchem das Mädchen Lutgart saß, sah er auch einen Mann auf einem Stuhle sitzen. Es war der nämliche Mann, welcher ihn in das Gemach der spinnenden Mädchen geführt hatte.

Der Mann stand auf, und sagte: »Ich bin der Hausvogt der hocherhabenen Frau Markgräfin, Ezelin, und bin von der hohen Frau Markgräfin befohlen, Euch, edler Witiko, in Eure Herberge in dieser Burg zu geleiten.«

»So geleitet mich, edler Vogt Ezelin«, sagte Witiko.

Die zwei Männer verließen nun die Vorstube.

Der Vogt führte Witiko über eine Treppe empor in ein Gemach, an welchem noch eine zweite Stube war.

»Hier sollet Ihr mit Euerm Diener wohnen«, sagte er, »und der Speisemeister und der Gewandmeister und der Meier und der Marschalk sind angewiesen, Euch zu gehorchen, wie Ihr wünschet.«

»Ich danke Euch für Euer Geleite, edler Vogt«, sagte Witiko, ich bedarf zu dieser Zeit keines andern Dinges als der Stube.«

»So verabschiede ich mich«, sagte der Mann.

»Gehabt Euch wohl«, entgegnete Witiko.

Der Mann entfernte sich, und Witiko stand allein in dem Gemache.

Dasselbe war nicht groß, hatte weiße getünchte Wände, und es standen starke Geräte aus Eichenholz darinnen. Durch die zwei schmalen Fenster, welche spitzige Bögen hatten, sah Witiko auf einen Wald und dann auf ebenes Land, das gegen Morgen hin ging, und in welchem die Donau floß. Die zweite Stube war kleiner, war auch weiß, und hatte auch Eichengeräte.

Witiko verließ diese Herberge wieder, und ging in das Wartezimmer um Raimund. Raimund war nicht in dem Zimmer. Darauf ging Witiko in den Stall. In dem Stalle stand Raimund bei den Pferden. Witiko führte ihn in die Herberggemächer, und zeigte sie ihm. Dann sagte er: »Rüste dein Pferd, reite in die Stadt Wien hinab, und lasse unsere Habe in die Burg herauf bringen.«

Raimund schickte sich an, den Befehl Witikos zu vollführen. Er verließ das Zimmer, und nach einer halben Stunde ritt er in dem Walde des Berges hinunter.

Witiko aber blieb in seinem Gemache, ging an ein Fenster, und sah auf das Land Österreich hinab. Der Wald des Berges trug nicht wie die Wälder, die an den Ufern der jungen Moldau stehen, die dunkle Tanne, die grüne Buche, die leuchtende Birke, den langarmigen Ahorn, die Eibe, die Ulme, die Esche, die Erle und den zackigen Wacholder, sondern gleichartiges Laubwerk der Buche, Esche, Eibe, des Haselstrauches und das Dämmer der Föhre und andern Nadelgehölzes. In der Donau waren breite und gestreckte Inseln, welche Auwald trugen, und auf dem ebenen Lande war Auwald. Dem Kahlenberge gegenüber sah Witiko wieder einen Berg. Und von diesen zwei Bergen floß die Donau in der Ebene gegen das Land Ungarn hinaus.

Als es Mittag war, kam ein Mann, und führte Witiko in das Speisegemach. Dasselbe war ein Saal mit langen Tischen, Stühlen und Speisegeräten. In dem Saale waren Männer in schönen Gewändern. Sie waren die Mannen der Markgräfin. Sie gingen Witiko entgegen, und grüßten ihn, und er grüßte sie. Dann setzten sich alle an den Tisch, ein Priester sprach das Gebet, und es wurden ihnen gute Speisen und guter Wein aufgetragen.

Nach dem Essen ging Witiko wieder zu seiner Mutter, sie wandelten auf verschiedenen Wegen des Waldes, und saßen dann in Wentilas Stube.

Des Nachmittages kam Raimund aus Wien zurück, und ein Säumer brachte auf einem Saumtiere das Reiseeigentum Witikos. Dasselbe wurde in die Beherberggemächer gebracht, und dort geordnet.

Am andern Tage des frühen Morgens rüstete sich Witiko zum Ritte an den Hof des Markgrafen Heinrich. Er hatte sein Ledergewand an, und trug sein Petrusschwert an Sobeslaws Gürtel. Er ritt auf seinem eisengrauen Pferde den Weg zwischen dem Laubwerke des Berges hinunter. Raimund ritt in seinem Waldgewande hinter ihm. Sie kamen in das grüne Gefilde, und durch dasselbe bis zu der Freiung, und von da über die Brücke des Grabens in die Stadt.

Sie ritten an vielen Menschen und Dingen vorüber an das Haus, das der Markgraf baute, um mit Gertrud darin zu wohnen. Es war groß und gewaltig, und an manchen Teilen waren noch Gerüste. Man wies die Reiter in einen Hof. Dort standen Pferde und Knappen, Reiter stiegen auf oder stiegen ab, und Männer in Kriegesgewändern waren da. Witiko stieg von seinem eisengrauen Pferde, und gab die Zügel desselben in die Hände Raimunds. Er ging gegen eine Treppe, an welcher Männer in schönen Kleidern standen. Einer, der sehr langschnäblige purpurrote Schuhe, einen grauen Bart und graue Haare hatte, rief ihn an, und sprach: »Nun, du Ledermann, wohin gehst du?«

»Was frägst du?« entgegnete Witiko.

»Ich frage, weil ich frage«, sagte der Mann.

»Und ich gehe, weil ich gehe«, sagte Witiko.

»Und hast du ein Recht?« fragte der Mann.

»Und hast du ein Recht?« fragte Witiko.

»Wenn Thiemo von der Aue kein Recht hat, wer soll es denn haben?« fragte der Mann.

Die umher standen, lachten nach diesen Worten.

»Wenn du ein Recht hast«, sagte Witiko, »so wisse, daß ich zu Heinrich, dem erlauchten Markgrafen von Österreich, will.«

»Und will Heinrich, der erlauchte Markgraf von Österreich, auch, daß du zu ihm willst?« fragte der Mann.

»Das weiß ich nicht«, sagte Witiko, »und das werde ich erfahren, wenn er gefragt wird.«

»Und wer wird ihn fragen?« sagte der Mann.

»Wer Geleite zu ihm geben kann«, antwortete Witiko.

»Thiemo von der Aue kann Geleite geben«, sagte ein Mann, der ein dunkelgrünes Gewand und einen braunen Mantel hatte, »ich bin Marchard von Hintberg, und wenn du ein Anliegen hast, mein Kind, lasse deinen Namen sagen, der Markgraf wird dir behilflich sein, er ist gut.«

»Ich habe kein Anliegen«, antwortete Witiko, »ich will nur den erlauchten Markgrafen sehen, und ihm meine Ehrerbietung bezeigen. Ich bin in dem Zuge gewesen, als der erhabene König Konrad mit Wladislaw, dem Herzoge von Böhmen und Mähren, gegen Prag ging, um die Empörer zu besiegen, und der erlauchte Markgraf ist auch in dem Zuge gewesen.«

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