Witiko
- Автор: Штифтер Адальберт
- Язык: немецкий
- Жанр: Классическая проза
Электронная книга - «Witiko». Краткое содержание книги:
Eine von den zwei jungen Frauen erhob sich von ihrem Sitze, und ging aus dem Gemache.
»Du beurlaubest uns, erlauchte Frau«, sagte Wentila, »und wir entfernen uns.«
Sie stand von ihrem Sitze auf, und Witiko stand auch auf.
Er sprach, da er stand: »Nehmet noch einmal den Dank für die gute Aufnahme, hocherlauchte Frau, und den für die Gewährung der Beherbergung, ich werde ihrer in Gemeinschaft mit meiner Mutter pflegen, und mich bestreben, sie zu verdienen.«
»Genieße mit deiner Mutter«, sagte Agnes, »wie es ist, wenn Eltern und Kinder einig sind.«
Die junge Frau, welche aus dem Gemache gegangen war, kam wieder zurück.
»Du hast deinen Auftrag vollbracht, Hecila«, sagte Agnes. »Es ist geschehen«, antwortete die Frau. »Nun, so wollen wir, die wir zurück bleiben, wieder an die Arbeit
gehen, und sie zu fördern suchen«, sagte Agnes. »Gehabe dich wohl, hohe Frau«, sagte Wentila. »Du auch«, entgegnete Agnes. Wentila und Witiko neigten sich vor Agnes, und verließen das
Gemach. Sie gingen durch die Stube, in welcher die jungen Mädchen
spannen, und als sie draußen waren, setzte Witiko die Lederhaube wieder auf sein Haupt. Wentila geleitete Witiko durch einen Teil des Ganges, und führte
ihn zu einer Tür. Sie öffnete dieselbe, und sie traten in ein
Gemach, in welchem ein Mädchen saß, und nähte. Das Mädchen stand auf, da die Mutter und der Sohn herein kamen.
»Sei gegrüßt, Lutgart«, sagte Witiko. »Seid gegrüßt, hoher Herr«, antwortete das Mädchen. Es ging zu einer Tür, und öffnete sie in eine zweite Stube. »Sorge, daß wir nicht gestört werden«, sagte Wentila. »Ich werde es tun, hochverehrte Frau«, antwortete das
Mädchen.
Wentila führte Witiko in die zweite Stube, und das Mädchen schloß hinter ihnen die Tür. »Lege deine Haube auf diesen Tisch, Witiko, und lege dein
Schwert dazu«, sagte Wentila.
Witiko nahm seine Haube von dem Haupte, und legte sie auf den Tisch. Dann lösete er sein Schwert ab, und legte es zu der Haube.
Hierauf sagte er: »Sei mir nun erst recht gegrüßt, meine liebe ehrwürdige Mutter.«
»Sei mir gegrüßt, mein guter Sohn des guten Wok«, antwortete Wentila.
Sie nahm ihn mit beiden Händen an dem Haupte, und küßte ihn auf die Stirne.
Dann streichelte sie mit den Händen seine Wangen.
»Setze dich zu mir auf eine dieser Bänke«, sagte sie darauf, »und genießen wir die Einigkeit, wie die Frau Markgräfin gesprochen hat.«
Sie setzte sich auf eine gepolsterte Bank, und Witiko setzte sich zur ihr.
Er nahm ihre Hand, und drückte seine Lippen ehrerbietig darauf.
Sie sah ihn freundlich an, und sprach: »Wo hat dich denn mein Bote getroffen?«
»Er ist nach Pric zu mir gekommen«, antwortete Witiko.
»Als ich dir durch Smitan auf deine Botschaft zurück hatte sagen lassen, daß ich dir eine Kammer in Landshut richten werde«, sagte Wentila, »ritt Gerhard, der Marschalk Ottos, des Bischofes von Freising, nach Landshut, und meldete mir, daß mich Agnes, die verwitwete Markgräfin von Österreich, zu sich auf den Kahlenberg entbietet, weil ein Geschwader des Bischofes nach Wien geht, das mich geleiten würde. Ich willigte ein, und schickte dir gleich den alten Michael mit der Nachricht zu.«
»Er ist über Plan nach Pric geritten«, sagte Witiko, »ich mußte nur vorher den Bischof Zdik nach Passau geleiten.«
»Und auf einem Schiffe bist du von Passau nach Wien gefahren?« fragte Wentila.
»Auf einem Schiffe«, antwortete Witiko.
»Ich habe dich lange nicht gesehen«, sagte Wentila.
»Es werden jetzt bald vier Jahre, seit ich von Passau über den Wald geritten bin«, entgegnete Witiko.
»Vier Jahre sind eine lange Zeit«, sagte Wentila.
»Mutter«, antwortete Witiko, »ich mußte manche Tage harren, ob sich etwas ereigne, daran ich mitwirken könnte, und ob ich auch etwas zu vollbringen vermöchte, zu dir kommen zu können; aber endlich wollte ich dich wieder sehen, und mit dir über verschiedene Dinge sprechen. Ich habe dir in manchen Zeiten Nachrichten geschickt.«
»Ich habe sie empfangen, und habe dir Nachrichten zurück geschickt«, sagte Wentila. »Und in dem Kleide bist du zu mir gekommen, in dem du von mir weg geritten bist.«
»Ich habe das Kleid deinetwillen angelegt«, entgegnete Witiko, »und auch eines andern Menschen willen, von dem ich dir später sagen werde.«
»Du bist viel stärker geworden, Witiko«, sagte Wentila.
»Ich habe es nicht beachtet«, antwortete Witiko.
»Auch deine Wangen sind röter geworden«, sagte Wentila.
»Das kann von den freien Lüften herrühren«, entgegnete Witiko.
»Gott im Himmel wird dir ferner noch Gedeihen geben«, sprach Wentila. »Witiko, sage, befolgst du die Lehren der heiligen Kirche?«
»Ich suche nach dem zu leben, wie mich der ehrwürdige Vater Benno angeleitet hat«, entgegnete Witiko.
»Dann wirst du gottgefällig leben wie er«, sagte Wentila. »Bist du gütig und freundlich gegen alle Menschen, auch gegen die Geringen?«
»Ich liebe die Menschen, und strebe, gegen sie gut zu sein«, antwortete Witiko.
»So ist dein Vater Wok gewesen und dein Großvater Witek«, sprach Wentila. »Der ehrwürdige Vater Benno sagt, daß das recht gewesen ist, was du getan hast, Witiko.«
»Sagst du das auch, Mutter?« fragte Witiko.
»Benno weiß es besser«, antwortete Wentila, »und ich sage, es wird schon recht sein.«
»Da ist auch der hochehrwürdige Silvester«, sagte Witiko, »welcher Abt in dem Kloster an der Sazawa gewesen ist, dann erwählter Bischof von Prag wurde, wegen Ungerechtigkeit zurückgetreten ist, und jetzt wieder in dem Kloster an der Sazawa wohnt. Er sagt, daß man nur das Gute tun soll, und alles andere ist damit verbunden. Er lobt nicht alles, was ich getan habe. Ich möchte unter allen, die ich kenne, zuerst dir, Mutter, Genüge tun, und dann Benno und Silvester, und dann noch einem Menschen.«
»Witiko, öffne mir dein ganzes Gemüt«, sagte Wentila.
»Ich bin lange in Plan gewesen«, antwortete Witiko.
»Ich weiß es«, entgegnete Wentila.
»Dort sind die Gründe Waldland«, sagte Witiko. »Von dem Walde sind Gerölle, Grobsand und Steinmehl in unsern Äckern. Aber Martin und Raimund und Lucia bewirtschaften mit Taglöhnern das kleine Anwesen gut. Das Haus ist nicht schadhaft, und liegt handsam in dem Walde.«
»Du hast dort Arbeiten wie ein Knecht verrichtet«, sagte Wentila. »Florian, den mir Mathias geschickt hat, ist ein guter Bote gewesen.«
»Ich habe geholfen, und es ist mir dabei gut geworden«, sagte Witiko.
»Und in Pric hast du auch geholfen«, sagte Wentila.
»Pric hat einen besseren Boden, und es wird noch immer besser werden«, antwortete Witiko. »Kuto ist ein treuer Diener, er versteht die Pflege, und ist gelassen und sparsam. Kan und Peko und Mira und Glota dienen ihm gerne. Die Brücke ist fertig geworden, das Dach ist verbessert, und die zwei Kühe sind von dem Fichtelberge gekommen.«
»Es ist gut, Witiko«, sagte Wentila, »deine Vorfahrer haben kleine Besitzungen gehabt, sind für sie sorgsam gewesen, und haben auch gerne selber die Hände angelegt.«
»Im Wangetschlage ist der harte Boden doch gedeihlich, und wird gut gehalten«, sagte Witiko. »Das Häuschen bedarf noch lange keiner Ausbesserung, und die Wiesenmauer hat Jakob aus Steinen gelegt. Huldrik wacht auch über die Tiere, und sucht überall nachzuhelfen.«