Schamanenfeuer. Das Geheimnis von Tunguska.
- Автор: Andre Martina
- Язык: немецкий
- Жанр: Историческая проза
Электронная книга - «Schamanenfeuer. Das Geheimnis von Tunguska.». Краткое содержание книги:
Angewidert beobachtete Leonard, wie ein hoch dekorierter Offizier des Zarenregiments die Brust eines vielleicht fünfzehnjährigen Mädchens betatschte. Halbwegs kokett hatte sie auf seinem Schoß Platz genommen, die Brüste beinahe entblößt, und ungeniert seinen Mund geküsst, der sich unter einem gewaltigen Bart versteckte. Klaglos ließ sie es geschehen, dass dieser Kretin ihre weiße Pracht gänzlich zutage förderte und vor den Augen aller begann, an den rosigen Warzen zu saugen. Das Mädchen quietschte gekünstelt und stieß dann einen echten Schmerzensschrei aus, weil der unflätige Kerl sie gebissen hatte. Der Wirt schaute irritiert und kam an den Tisch, während das Mädchen, eine junge Tungusin, sich die rötliche Stelle oberhalb ihrer linken Brustwarze rieb. Niemand sagte etwas, am allerwenigsten Lobow, der stumm seinen Wodka genoss.
»Es kostet nicht viel, wenn du mit ihr aufs Zimmer gehst«, erklärte der Wirt. »Wenn du sie allerdings beißen oder schlagen willst, verlange ich ein paar Rubel mehr.«
»Wenn du mir zeigst, wo ich die Kleine ungestört vernaschen kann, nur zu.« Der Offizier mit den Orden am Revers stand auf und schlug die Hacken zusammen. »Meine Herren«, meinte er mit einem anzüglichen Grinsen, »Sie haben sicher nichts dagegen, wenn ich mich kurz ins Vergnügen stürze.«
Fassungslos beobachtete Leonard, wie er das halb nackte Mädchen die Treppe hinaufschob. Dann bemerkte er, wie es eine dürre, schwindsüchtig aussehende Hure vor allen Augen mit einem völlig betrunkenen Pelzjäger an der Bar auf einem Stuhl trieb.
»Ein teuflischer Ort«, flüsterte Weinberg, der nur an seinem Wodka nippte.
»Ein teuflischer Ort für ein teuflisches Experiment«, fügte Pjotr leise hinzu.«
30.
Juni 2008, Tunguska - Transsibirien
Wie die anderen auch stapfte Bashtiri im Lichtkegel der Taschenlampen die Straße entlang. Flankiert von seinen verbliebenen Bodyguards, Jurij, Mischa und Fjodor, hätte er sich eigentlich sicher fühlen können. Trotzdem beschlich ihn ein ungutes Gefühl. Mehr als sechzig Kilometer mussten sie zu Fuß zurückzulegen, um an ihr Ziel zu gelangen. Die Straße war durch den Gewitterguss am Nachmittag völlig durchweicht. Immer wieder versank er bis zum Knöchel im Schlamm.
Es herrschte eine gespenstische Stille. Rebrov, der Anführer von Le-benovs übrig gebliebener Truppe, darunter zwei Helikopterpiloten, ging voran. Die Maschinenpistole im Anschlag richtete er seinen missmutigen Blick nach vorne in den Kegel der LED-Leuchte. Nicht nur, dass Lebenov zu Tode gekommen war, auch seine eigene Truppe hatte sich bis auf drei Männer dezimiert.
Hinter ihnen gingen die drei Studenten. Antonov, der Butler, folgte zum Schluss. Er kam am schlechtesten von allen voran und wurde am meisten von den Mücken geplagt, die durch das Licht angezogen wurden.
Nach gut drei Stunden Marsch glaubte Sergej Bashtiri ein merkwürdiges Geräusch zu hören. Seltsamerweise schien er der Einzige zu sein, der das leise Gurgeln vernahm. Ein Blick zur Seite, bestätigte ihm, dass die übrigen Männer stur in die Nacht hinausstarrten. Als er sich umdrehte, war niemand mehr da, der ihm den Rücken hätte decken können.
»Rebrov!«, rief Bashtiri krächzend. Er vermisste seinen Butler. »Da stimmt was nicht. Antonov ist verschwunden.«
Akim Rebrov blieb abrupt stehen und leuchtete in die Dunkelheit. Tatsächlich fehlte von dem älteren Mann jede Spur.
»Sammeln!«, befahl Rebrov streng und schickte sich an, den Weg zurückzugehen. Wortlos folgten ihm zwei seiner Männer. Die Waffe im Anschlag richteten sie ihre volle Aufmerksamkeit auf die dicht bewaldete Umgebung. Bashtiris Leute sicherten den verbliebenen Trupp.
Es dauerte etwa zehn Minuten, bis Rebrov den Vermissten endlich fand. Hinter einem Gebüsch hatte der Butler sich offenbar erleichtern wollen und dabei einen Schwächeanfall erlitten. Bewusstlos lag er am Boden und rührte sich nicht. Rebrov prüfte seinen Puls und brachte ihn mit Hilfe eines zweiten Soldaten in eine stabile Seitenlage.
»Was machen wir jetzt?« Erregt wandte sich Bashtiri an seine Beschützer. »Wenn ihr auf ihn nicht aufpassen konntet, wie wollt ihr es bei mir fertigbringen?«
Rebrov schnaubte verärgert. »Der Mann ist nicht transportfähig«, stellte er nüchtern fest. »Schon gar nicht wird er laufen können.«
Bashtiri warf einen Blick auf Antonov und dann auf die Taschen, die er getragen hatte. »Wir müssen schnellstens nach Vanavara«, erklärte er düster. »Wenn wir nicht bald die Sicherheitskräfte informieren, wird
Aldanov auf Nimmerwiedersehen verschwunden sein. Und wer weiß, auf was für Gedanken er noch kommt? Immerhin ist er mit einem Helikopter von GazCom unterwegs und hat die Deutsche entführt.«
»Er hat sie entführt?« Rebrov sah ihn ungläubig an. Soweit er sich erinnern konnte, hatte man die deutsche Wissenschaftlerin und deren Kollegen am Nachmittag nach Vanavara ausgeflogen. Wusste der Teufel, wie sie später zurück ins Camp gelangt war, aber bestimmt nicht auf Aldanovs Betreiben - der hatte schließlich die ganze Zeit über angekettet in der Baracke gesessen.
Der Oligarch beantwortete seine Frage nicht. Mit einer knappen Kopfbewegung wies Bashtiri zwei seiner Beschützer an, dem Butler beizustehen. »Mischa und Fjodor sollen bei Antonov bleiben, bis wir Hilfe organisiert haben.« Aus seiner Tasche fischte er zwei Flaschen Wasser und gab sie an Fjodor weiter.
Rebrov überließ dem glatzköpfigen Bodyguard eine Maschinenpistole und zwei der Taschenlampen, dazu die Erste-Hilfe-Ausrüstung und eine leichte Decke.»Das müsste reichen«, bemerkte er abschließend. »In ein paar Stunden sind wir zurück.«
Bashtiri war nicht wohl bei dem Gedanken, dass man die drei Männer im Wald zurückließ. Nicht dass er Mitleid mit ihnen gehabt hätte. Soweit reichte seine Anteilnahme am Schicksal anderer nicht. Eher war es ein Gefühl der Schutzlosigkeit, das sich auf ihn selbst übertrug. Dabei verspürte er einen beklemmenden, merkwürdigen Druck in der Brust, der ihn schon im Camp des Öfteren heimgesucht hatte.
Schweigsam schritt die restliche Truppe voran. Der Wind rauschte durch die Bäume, deren Umrisse in der beginnenden Morgendämmerung nun deutlicher zu erkennen waren.
Nach einer Weile glaubte Bashtiri das Krächzen eines Raben zu hören. Es klang wie ein Zeichen. »Hört ihr das auch?« Er hob den Kopf und warf einen prüfenden Blick in die Baumwipfel.
»Was?« Rebrov sah ihn fragend an.
»Die Vögel!«
»Welche Vögel?« Der Söldner schien das Gekrächze tatsächlich nicht zu hören.