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Ferne Ufer: Roman (German Edition)

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Ferne Ufer: Roman (German Edition)
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»Ich bin gewiss nicht traurig, aber ich schäme mich ein wenig«, stellte Jamie fest, während er seine langen, schlanken Zehen in einen Seidenstrumpf zwängte. »Zumindest sollte ich das.«

»Warum?«

»Nun ja, ich bin hier sozusagen mit dir im Paradies bei Wein und Plätzchen, während Ian durch die Straßen irrt und sich um seinen Sohn sorgt.«

»Machst du dir auch Sorgen um den Jungen?«, fragte ich, während ich mich mit meinen Schnüren befasste.

Er runzelte ein wenig die Stirn und zog den anderen Strumpf an.

»Ich mache mir weniger Sorgen, als dass ich Angst habe, dass er nicht rechtzeitig vor morgen auftaucht.«

»Was passiert denn morgen?«, fragte ich, und erst dann fiel mir unsere Begegnung mit Sir Percival Turner wieder ein. »Oh, deine Reise nach Norden – sie war für morgen geplant?«

Er nickte. »Aye, morgen ist Neumond, und wir haben die Landung eines Schiffes in Mullin’s Cove verabredet. Ein Logger aus Frankreich mit einer Ladung Wein und Kambrik.«

»Und Sir Percival hat dich davor gewarnt, bei diesem Stelldichein aufzutauchen?«

»So scheint es. Ich kann nicht sagen, was vorgefallen ist, obwohl ich es vermutlich herausfinden werde. Könnte sein, dass ein Zolloffizier in der Gegend auf Inspektionsreise ist oder dass er von Vorgängen an der Küste erfahren hat, die zwar nichts mit uns zu tun haben, uns aber in die Quere kommen könnten.« Er zuckte mit den Schultern und befestigte sein letztes Strumpfband.

Dann legte er die gespreizten Hände mit den Handflächen nach oben auf die Knie und krümmte langsam die Finger. Die Linke ballte sich sofort zur Faust, kompakt und unkompliziert, ein stumpfer Gegenstand, bereit zum Kampf. Die Finger seiner rechten Hand bogen sich langsamer; der Mittelfinger war krumm und konnte sich nicht parallel mit dem Zeigefinger bewegen. Der Ringfinger krümmte sich gar nicht, sondern stand gerade ab und hielt den kleinen Finger in einem sperrigen Winkel neben sich fest.

Er richtete den Blick von seinen Händen auf mich und lächelte.

»Erinnerst du dich noch an die Nacht, als du mir die Hand gerichtet hast?«

»Manchmal in besonders schrecklichen Momenten.« Natürlich erinnerte ich mich an diese Nacht – es war unmöglich, sie zu vergessen. Wider jede Wahrscheinlichkeit hatte ich ihn aus dem Gefängnis von Wentworth und vor der Todesstrafe gerettet – aber nicht rechtzeitig, um zu verhindern, dass ihn Black Jack Randall grausam quälte und misshandelte.

Ich ergriff seine rechte Hand und legte sie mir auf das Knie. Er ließ sie dort liegen, warm, schwer, reglos, und ließ widerstandslos zu, dass ich jeden Finger einzeln untersuchte, indem ich sanft daran zog, um die Sehnen zu dehnen, und drehte, um die Beweglichkeit der Gelenke zu prüfen.

»Das war meine erste orthopädische Operation«, sagte ich ironisch.

»Hast du so etwas seitdem oft getan?«, fragte er neugierig und sah mich an.

»Ja. Ich bin Chirurgin – das ist eine Ärztin, die eine Ausbildung in allgemeiner Medizin durchlaufen hat, um sich dann zu spezialisieren.«

»Nun, speziell bist du ja immer schon gewesen«, sagte er grinsend. Seine verkrüppelten Finger glitten in meine Handfläche, und sein Daumen streichelte meine Fingerknöchel. »Was ist denn die Spezialität eines Chirurgen?«

Ich runzelte die Stirn und suchte nach der richtigen Formulierung. »Nun, ich kann es am besten so sagen – ein Chirurg versucht, die Heilung … mit einem Messer zu bewirken.«

Sein breiter Mund verzog sich bei dieser Vorstellung zu einem Lächeln.

»Das ist ja ein schöner Widerspruch, aber es passt zu dir, Sassenach.«

»Ach ja?«, sagte ich verblüfft.

Er nickte, ohne den Blick von meinem Gesicht abzuwenden. Ich konnte sehen, dass er mich genau betrachtete, und fragte mich befangen, wie ich wohl aussehen musste, errötet von seinen Liebkosungen, das Haar wild und zerzaust.

»Du hast noch nie hübscher ausgesehen, Sassenach«, sagte er, und sein Lächeln wurde breiter, während ich die Hand hob, um mir das Haar zu glätten. Er fing meine Hand ab und küsste sie sanft. »Lass doch deine Locken.« Er hielt meine Hände fest, während er mich betrachtete. »Nein, man könnte sagen, dass du selbst ein Messer bist. Eine klug konstruierte Umhüllung, wunderschön anzusehen, Sassenach«, er zeichnete meine Lippen mit dem Finger nach und löste ein Lächeln aus, »aber ein Kern aus geschmiedetem Stahl … und eine gefährlich scharfe Klinge, denke ich.«

»Gefährlich?«, sagte ich überrascht.

»Nicht herzlos, das meine ich nicht«, beruhigte er mich. Sein Blick ruhte auf meinem Gesicht, konzentriert und neugierig. Ein Lächeln huschte über seine Lippen. »Nein, niemals. Aber du kannst stark sein ohne Rücksicht auf Verluste, Sassenach, wenn es nicht anders geht.«

Ich lächelte mit einem Hauch von Ironie. »Das kann ich«, sagte ich.

»Ich habe das auch früher schon bei dir gesehen, aye?« Seine Stimme wurde sanfter, und seine Finger legten sich fester um meine Hand. »Aber jetzt glaube ich, dass es ausgeprägter ist als damals, als du jünger warst. Du hast es seitdem oft gebraucht, nicht wahr?«

Ich begriff ganz plötzlich, warum er so deutlich sah, was Frank schlicht gar nicht gesehen hatte.

»Du hast es auch«, sagte ich. »Und du hast es gebraucht. Oft.« Unbewusst berührten meine Finger die gezackte Narbe, die über seinen Mittelfinger lief und an seinen Gelenken zog.

Er nickte.

»Ich habe mich oft gefragt«, sagte er so leise, dass ich ihn kaum hören konnte. »Mich gefragt, ob es möglich ist, diese Schärfe zu benutzen und sie dann wieder sicher zu verwahren. Denn ich habe schon viele Männer dabei verhärten sehen, bis ihr Stahl zu stumpfem Eisen verkam. Und ich habe mich oft gefragt, war ich noch Herr meiner Seele, oder war ich zum Sklaven meiner eigenen Schärfe geworden.«

Er senkte den Blick auf unsere verschränkten Hände und fuhr fort: »Wieder und wieder habe ich gedacht, ich hätte meine Klinge zu oft gezogen und so viel Zeit im Dienst des Unfriedens zugebracht, dass ich nicht länger imstande bin, mit Menschen zu verkehren.«

Meine Lippen zuckten, weil es mich drängte, etwas zu sagen, doch stattdessen biss ich mir auf die Unterlippe. Er sah es und lächelte ein wenig ironisch.

»Ich habe nicht gedacht, dass ich je wieder im Bett einer Frau lachen würde, Sassenach«, sagte er. »Oder auch nur mit einer Frau zusammenkommen würde, es sei denn als Unmensch, blind vor Verlangen.« Seine Stimme nahm einen bitteren Unterton an.

Ich hob seine Hand und küsste die kleine Narbe auf ihrer Oberseite.

»Ich kann dich nicht als Unmenschen sehen«, sagte ich. Es sollte unbeschwert klingen, doch sein Gesicht wurde sanft, und er sah mich an und antwortete ernst.

»Das weiß ich, Sassenach. Und es ist die Tatsache, dass du es nicht sehen kannst, die mir Hoffnung gibt. Denn ich bin es … und ich weiß es … und doch vielleicht …« Er verstummte und beobachtete mich konzentriert.

»Du hast sie – diese Kraft. Du hast sie, und du hast deine Seele noch. Also kann auch die meine vielleicht gerettet werden.«

Ich hatte keine Ahnung, was ich darauf entgegnen sollte, und sagte eine Weile nichts, sondern hielt nur seine Hand und liebkoste die verdrehten Finger und die großen, harten Knöchel. Es war die Hand eines Kriegers – doch er war kein Krieger mehr.

Ich drehte die Hand um und legte sie mit der Handfläche nach oben auf mein Knie. Langsam zeichnete ich die tiefen Furchen und die Erhebungen nach und den kleinen Buchstaben »C« an seiner Daumenwurzel; die Brandmarke, die ihn als den Meinen kennzeichnete.

»Ich kannte einmal eine alte Dame in den Highlands, die gesagt hat, die Linien einer Hand sagen das Leben nicht voraus; sie spiegeln es wider.«

»Und ist das so?« Seine Finger zuckten sacht, doch seine Handfläche lag still und offen da.

»Ich weiß es nicht. Sie hat gesagt, man wird mit den Linien geboren – mit einem Leben –, doch dann ändern sich die Linien mit den Dingen, die man tut, und mit der Person, die man ist.« Ich hatte keine Ahnung vom Handlesen, doch ich konnte eine tiefe Linie sehen, die von seinem Handgelenk bis zur Mitte der Handfläche lief und sich mehrmals gabelte.

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