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READ-E-BOOK » Русская классическая проза » Verbrechen und Strafe (Schuld und Sühne)

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Verbrechen und Strafe (Schuld und Sühne)
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»An allem ist dieser Kuckuck schuld. Sie verstehen doch, wen ich meine: jene dort!« Und Katerina Iwanowna zeigte mit dem Kopf auf die Wirtin. »Schauen Sie sie an: sie glotzt mit den Augen und ahnt, daß wir von ihr sprechen, kann aber kein Wort verstehen und schaut darum so dumm. Pfui, wie eine Eule! Ha-ha-ha! ... Kchi-kchi-kchi! Und was will sie bloß mit ihrer Haube beweisen? Kchi-kchi-kchi! Haben Sie es schon bemerkt, sie will immer, daß alle glauben, sie protegiere mich und erweise mir durch ihre Anwesenheit eine Ehre. Ich hatte sie als eine anständige Person gebeten, bessere Leute einzuladen, und zwar die Bekannten des Verstorbenen; schauen Sie aber, wen sie hergebracht hat: lauter Hanswürste und Schmutzfinken! Sehen Sie nur diesen da mit dem Ausschlag im Gesicht an: der sieht doch genau aus wie Rotz auf zwei Beinen! Und diese Polen ... Ha-ha-ha! Kchi-kchi-kchi! Niemand, niemand hat sie hier je gesehen, auch ich habe sie nie gesehen; warum sind sie bloß gekommen, frage ich Sie? Sie sitzen so manierlich nebeneinander. – Panje, he!« schrie sie plötzlich einem von ihnen zu: »Haben Sie schon Pfannkuchen gehabt? Nehmen Sie noch! Trinken Sie Bier! Wollen Sie keinen Schnaps? – Schauen Sie nur: er ist aufgesprungen, er verbeugt sich, sehen Sie nur, sehen Sie nur: die Ärmsten sind wohl ganz ausgehungert! Macht nichts, sollen sie nur essen. Sie machen wenigstens keinen Lärm, aber ... aber ich fürchte wirklich für die silbernen Löffel der Wirtin! – Amalia Iwanowna!« wandte sie sich plötzlich fast laut an diese: »Wenn man Ihre Löffel stiehlt, so übernehme ich keine Verantwortung, das sage ich Ihnen im voraus! – Ha-ha-ha!« lachte sie, sich wieder an Raskolnikow wendend, wieder auf die Wirtin weisend und sich über den Witz freuend: »Sie hat es nicht verstanden, hat mich wieder nicht verstanden! Sie sitzt mit offenem Maul, schauen Sie nur: eine Eule, eine echte Eule, eine Eule mit neuen Bändern, ha-ha-ha!«

Ihr Lachen ging wieder in einen qualvollen Hustenanfall über, der an die fünf Minuten dauerte. Auf dem Taschentuche blieb etwas Blut zurück, Schweißtropfen traten ihr auf die Stirn. Sie zeigte das Blut schweigend Raskolnikow, holte kaum etwas Atem und fing sofort wieder an, ihm mit außerordentlicher Begeisterung zuzuflüstern, während sich an ihren Wangen rote Flecke zeigten:

»Sehen Sie, ich hatte ihr den, man kann wohl sagen, schwierigen Auftrag gegeben, jene Dame und ihre Tochter einzuladen, Sie verstehen doch, wen ich meine? Hier hätte sie in der delikatesten Weise, auf eine diplomatische Manier vorgehen müssen; sie machte es aber so, daß diese zugereiste dumme Gans, diese aufgeblasene Kreatur, diese Null aus der Provinz nur aus dem Grunde, weil sie eine Majorswitwe ist und hergekommen ist, um sich um eine Pension zu bemühen und sich bei den Behörden die Stiefel abläuft, weil sie sich mit ihren fünfundfünfzig Jahren schminkt und färbt (das weiß man ja) ... und eine solche Kreatur hat es nicht nur nicht für nötig befunden, zu erscheinen, sondern sich nicht einmal entschuldigen lassen, daß sie nicht kommen konnte, wie es in solchen Fällen die gewöhnlichste Höflichkeit verlangt! Ich kann gar nicht verstehen, warum auch Pjotr Petrowitsch nicht gekommen ist! Wo ist aber Ssonja? Wo ist sie hingegangen? Ah, da ist sie endlich! Ssonja, wo bist du gewesen? Es ist doch sonderbar, daß du selbst bei der Leichenfeier deines Vaters so unpünktlich bist. Rodion Romanowitsch, lassen Sie sie sich neben Sie setzen. Da ist ein Platz, Ssonjetschka ... nimm dir, was du willst. Nimm dir von der Fischsülze, die ist besser. Gleich bringt man Pfannkuchen. Hat man den Kindern etwas gegeben? Poljetschka, habt ihr dort von allem? Kchi-kchi-kchi! Nun, gut. Sei ein braves Kind, Lenja, und du, Kolja, strampele nicht mit den Beinen; sitz so, wie ein vornehmes Kind sitzen muß. Was sagst du, Ssonjetschka?«

Ssonja beeilte sich, ihr sofort die Entschuldigung Pjotr Petrowitschs zu übermitteln, und bemühte sich, recht laut zu sprechen, damit es alle hörten; dabei gebrauchte sie ausgewählt ehrerbietige Ausdrücke, die sie absichtlich Pjotr Petrowitsch zuschrieb und ausschmückte. Sie fügte hinzu, daß Pjotr Petrowitsch sie ganz besonders gebeten habe, mitzuteilen, daß er, sobald es ihm nur möglich sei, sofort herkommen werde, um mit ihr unter vier Augen von Geschäften zu sprechen und zu vereinbaren, was sich in der Zukunft tun und unternehmen ließe, und dergleichen.

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