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Die Zwerge

Электронная книга - «Die Zwerge». Краткое содержание книги:

Tapfer bewachen die Zwerge des fünften Stammes den Steinernen Torweg, um das Geborgene Land, in dem Menschen, Zauberer und Elben in Frieden leben, vor den üblen Geschöpfen des Gottes Tion zu schützen. Doch eines Tages reicht die Kraft der Äxte nicht mehr aus: Orks und Oger stürmen in riesigen Horden das Tor. Das Tote Land drängt voran und bringt Siechtum und Tod über die tapferen Zwerge; wer auf seinem Boden stirbt, kehrt als untoter Sklave des Bösen zurück. Und zu allem gesellen sich die Albae, grausame Wesen voller Macht und Heimtücke. Der Steinerne Torweg fällt und mit ihm der letzte Zwerg aus dem Stamm der Fünften.
Tausend Sonnenzyklen später wehren sich die Menschen verzweifelt gegen die mörderischen Orks. Zwar haben die sechs großen Zauberer das Tote Land mithilfe von Magischen Schranken aufhalten können, aber unter den Herrschern des Geborgenen Landes befindet sich ein Verräter, und schon erobern Albae die Haine der Elben. In diesen unsicheren Zeiten macht sich der Zwerg Tungdil auf Geheiß des mächtigen Magiers Lot-Ionan, seines Ziehvaters, auf einen Botengang - der unversehens zu einem schicksalhaften Abenteuer auf Leben und Tod gerät...
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Als er hinabstieg, um zum Wirtshaus zurückzukehren, wo Bavragor und Boїndil hoffentlich auf ihn warteten, stellte er fest, dass er sich zu allem Überfluss auch noch in Mifurdania verlaufen hatte.

*

Tungdil kannte nicht einmal den Namen der Herberge, in die er die anderen beiden geschickt hatte. Das Tor bildete seinen einzigen Anhaltspunkt.

Sind wir durch das Nordtor gekommen oder durch ein anderes?

Brummelnd machte er sich auf die Suche und orientierte sich dabei an den nächstgelegenen Wachtürmen der Mauer, die gelegentlich zwischen den Dachgauben hindurchspitzten. Als er an einer dunklen Seitengasse vorbeischritt, hörte er plötzlich ein ersticktes Gurgeln.

Sofort blieb er stehen, nahm seine Waffe in beide Hände und betrat die Gasse. Vorsichtig schritt er um eine Biegung herum und sah eine hoch gewachsene, schlanke Gestalt; die Kleidung wurde von einem dunkelgrauen Umhang verdeckt.

Zu ihren Stiefeln lag der Dieb, der ihn bestohlen hatte. Aus einem Dutzend Stichwunden sickerte sein Blut auf das Kopfsteinpflaster; der Mann, der den Gauner zur Strecke gebracht hatte, wühlte neugierig in dem Rucksack herum.

Der Zwerg fühlte sich gar nicht wohl. Die Statur passte nicht zu einem Menschen, wohl aber zu einem Alb. Vraccas, stehe mir in dieser Prüfung bei, bat er leise.

Der neue Besitzer des Rucksacks schloss die Lasche, fasste den Trageriemen mit der Linken und barg ihn unter seinem Umhang, um ihn mitzunehmen, während der Dieb sich ächzend auf den Rücken wälzte und sich vor Schmerzen krümmte. Die Gestalt schlenderte die Gasse entlang, als wäre sie nicht für das Leid des Mannes verantwortlich.

»Verzeiht, aber das ist mein Rucksack«, rief Tungdil.

Der Mann wirbelte herum, der Mantel flatterte auf, sodass er zunächst nichts von dessen Gesicht erkannte, dann spürte er zwei harte Schläge gegen seine Brust. Die geworfenen Messer prallten von seinem dicht gewobenen Kettenhemd ab und fielen klirrend auf das Pflaster.

Während Tungdil sich noch von seiner Überraschung erholte, rannte der heimtückische Angreifer schon die Straße hinunter und verschwand um die nächste Biegung. Gegen die langen Beine kam er nicht an, und als er um die Ecke bog, sah er weit und breit nichts von dem Mörder.

Keuchend lehnte er sich an eine Wand, die im Schatten lag, und rang nach Atem. Das Glück lässt mich allzu oft im Stich. Habe ich Vraccas verärgert?

Da legte sich ein Arm von hinten um seinen Hals. Ein dünnes Messer funkelte vor seinen Augen und berührte seine ungeschützte Kehle.

»Es ist dein Rucksack, Zwerg? So musst du Tungdil sein«, sagte eine gedämpfte Stimme zu ihm. »Wir haben dich an einem ganz anderen Ort vermutet. Mein Freund ist ganz versessen darauf, dich zu finden, seit du in Grünhain warst und seine Gefährtin umbrachtest.«

Tungdil versuchte, den Arm zu heben, doch die Klinge drückte sich fester in sein Fleisch.

»Nein, halt still. Du wirst mir ein paar Fragen beantworten«, verlangte der Unbekannte.

»Nein«, widersprach Tungdil trotzig und war sich sicher, auf einen Alb Nôd’onns gestoßen zu sein.

»Nein? Wir werden sehen.« Der Angreifer schleifte ihn rückwärts zu einem Torbogen, der zu einem Hauseingang führte und unter dem es stockdunkel war. »Wohin wolltest du mit dem Artefakt?«

Der Zwerg schwieg starrköpfig.

»Möchtest du sterben?«

»Du tötest mich sowieso, Alb. Warum sollte ich dir über meine Mission berichten?«, erwiderte er.

»Weil ich dir einen schnellen Tod und kein qualvolles Ende versprechen würde«, lachte er. »Versuchen wir es ein weiteres Mal. Bist du allein unterwegs?«

Schritte näherten sich ihnen, das Klirren von Kettenhemden erklang. Zwei Personen liefen die Gasse entlang, und der Alb verstummte.

Das Schicksal musste einen grausamen Sinn für Scherze haben, denn es brachte Goїmgar und Boëndal dazu, in genau diesem heiklen Augenblick an dem schattigen Versteck vorbeizugehen.

Boëndal redete beschwichtigend auf den Edelsteinschleifer ein und erklärte, dass weder Boїndil noch Bavragor es wirklich ernst mit ihren Drohungen meinten und er ihn notfalls vor ihrem Übermut schützen würde. Dann waren sie um die nächste Biegung verschwunden.

»Also fünf«, raunte der Alb ihm ins Ohr. »Fünf Zwerge auf dem Weg wohin?«

»Dich und deinesgleichen samt eurem Meister aufzuhalten«, sagte Tungdil laut und entschloss sich, den Alb abzuschütteln. Er packte den Arm mit dem Messer und warf sich mit Schwung nach hinten, um seinen Angreifer gegen die Mauer zu rammen, doch sein Gegner wich aus, Tungdil prallte gegen die Steine und musste schwer gegen die Kraft der Messerhand kämpfen.

Der Lärm genügte, um die beiden Zwerge aufmerksam werden zu lassen. Eilig rannten sie herbei.

»Gelehrter? Bist du das?« Der Krieger stand breitbeinig vor der Nische, den Krähenschnabel bereit haltend. Goїmgar hielt Abstand und verschmolz mit seinem Schild.

Das Knie des Albs traf den Nasenschutz von Tungdils Helm. Das Metallstück drückte sich schmerzhaft gegen sein Riechorgan, und die Tränen schossen ihm aus den Augen. Er bekam noch einen Stich in den linken, ungeschützten Unterarm, ehe der Gegner alles daran setzte zu entkommen.

Der bleibt hier. Geistesgegenwärtig griff Tungdil nach dem Rucksack und erwischte die Lasche. Knurrend klammerte er sich daran fest und hackte nach der Hand des Albs.

Seine Axt schlug ins Leere. Der Räuber war ausgewichen, aber dafür schlitzte die Klinge den Rucksack auf, die Lasche riss, und Tungdil fiel zu Boden.

»Ich habe, was ich wollte.« Die Lage wurde dem Alb zu brenzlig, und so zog er die Flucht vor. Er wollte an dem Zwilling vorbeihuschen, aber der erfahrene Kämpfer Boëndal ließ sich von der angetäuschten Bewegung nicht übertölpeln und schlug zu. Die Spitze der verheerenden Axt perforierte die Lederrüstung und drang tief in den Körper ein.

Der Getroffene stolperte, fluchte unverständlich und geriet in einen einzelnen Sonnenstrahl, der aus seinen eben noch dunkelblauen Augen zwei schwarze Löcher machte.

Und noch Unheimlicheres geschah mit dem Alb. Dünne, feine Linien zeichneten sich auf seinem blassen Gesicht ab. Mit einem Mal waren sein Gesicht und der Hals übersät mit zackigen Linien, die wie Risse aussahen. Er presste die Hand auf die Wunde und rannte die Gasse entlang; der Rucksack hüpfte auf seinem Rücken auf und nieder.

»Dich kriege dich.« Der Zwilling wollte sich an seine Fersen heften, aber Tungdil rief ihn zurück.

»Nein, lass. Wir wissen nicht, ob er uns nicht am Ende in eine Falle locken will.«

»Aber er hat den Rucksack!«

Tungdil wischte sich das Blut unter der Nase weg. Stolz hob er das Stück Sigurdazienholz. »Nur das ist wichtig. Und ich habe es wieder.«

»Wie hast du es verloren, Gelehrter?«, wunderte sich Boëndal.

»Das erzähle ich euch unterwegs.« Er nickte Goїmgar zu. »Sei unbesorgt. Die anderen beiden Griesgrame werden dir nichts anhaben.«

»Ich habe wirklich gesagt, dass sie erst nach euch die Tür schließen sollen«, sagte er leise.

»Lass es gut sein«, meinte Tungdil, obwohl er sich nicht sicher war, dass er dem Gehörten Glauben schenken sollte. Er vertraute ihm nicht mehr und beschloss, ihn zu keiner Zeit mehr allein zu lassen, bis Goїmgar verstanden hatte, um was es bei ihrer Reise ging.

»Wir sollten den Gardisten Bescheid sagen, dass wenigstens ein Alb in den Mauern Mifurdanias sein Unwesen treibt«, sagte Boëndal. »Er wird einen Verrat planen, um die Einnahme der Stadt für die Orkhorden zu erleichtern.«

»Und er weiß, dass wir hier sind«, fügte Goїmgar zaudernd hinzu. »Werden sie uns nun jagen?«

»Das haben sie wohl schon die ganze Zeit über getan«, antwortete Tungdil ehrlich, »aber leider haben sie herausgefunden, wo wir sind. Wir müssen so schnell wie möglich in die Tunnel. Solange sie davon nichts erfahren, sind wir vor den Albae sicher.«

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