Emil und die drei Zwillinge
- Автор: Кестнер Эрих
- Язык: немецкий
- Жанр: Детская проза
Электронная книга - «Emil und die drei Zwillinge». Краткое содержание книги:
"Kann man denn mit einem Handelsdampfer segeln?" fragte Dienstag.
"Das nun gerade nicht", sagte der Pikkolo. "Aber mein Onkel hat auch noch ein feines Segelboot. Er ist ein famoser alter Knabe."
Darüber freuten sie sich, und dann trabten sie an Land und stellten den kleinen Schmauch der Großmutter vor. Die freute sich mit ihnen. Aber erst, nachdem sich alle gut abgetrocknet hatten.
Gustav blickte den Pikkolo vergnügt an und sagte, während er sich mächtig frottierte: "Ich verstehe nur eins nicht."
"Was denn?" fragte Hans Schmauch und schaute zu dem großen Gustav hinauf.
Gustav blickte kopfschüttelnd zu ihm hinunter und meinte: "Ich verstehe nur nicht, daß mir früher einmal deine Anzüge gepaßt haben sollen."
Sechstes Kapitel
Gustav und die Physik
Es folgte eine Kette glücklicher Tage. Und die Sonne schien, als betrachte sie die Ostsee durch ein Brennglas. Der Professor und seine Sommergäste wurden rot wie die Krebse und später braun wie die Mulatten. Nur Pony Hütchen blieb dauernd rot und schälte sich wie eine Zwiebel. Die Großmutter beschmierte den Rücken der jungen Dame in einem fort mit Vaseline, Nußöl, Lanolin und Sonnenbrandcreme. Es half alles nichts.
Frühmorgens, wenn die Großmutter Pony weckte und sagte: "Aufstehen, Gräfin! Die Sonne scheint", dann hätte Pony am liebsten geheult.
"Warum regnet es denn noch immer nicht?" fragte sie verzweifelt.
Doch die Jungen, die waren von dem schönen Wetter schwer begeistert. Meistens waren sie im Wasser oder irgendwo am Strand. Oder sie gingen zum Hafen, der rechts von der Brücke lag, bewunderten das Segelboot des Kapitäns Schmauch - es hieß ‘Kunigunde IV’ - und freuten sich auf den nächsten freien Tag ihres Freundes,
des Pikkolos, weil er dann mit ihnen segeln wollte.
Oder Gustav fuhr per Motorrad in die Heide hinaus. Mit einem der Freunde auf dem Gepäckrost. Er setzte den Beifahrer im Forsthaus oder am Kohlenmeiler ab. Dann fuhr er nach Korlsbüttel zurück und holte den Nächsten. Und er machte die Fuhre so oft, bis sie alle beisammen waren.
Einmal ließ sich sogar die Großmutter von ihm nach dem Forsthaus fahren. Als sie draußen abstieg, sagte sie: "Es war großartig. Ich habe meinen Beruf verfehlt. Ich hätte Rennfahrer werden müssen. Und keine Großmutter."
Manchmal schrieben sie Briefe nach Hause. Manchmal erhielten sie Post. Manchmal wurden sie von dem Justizrat photographiert. Und im nächsten Brief schickten sie die Abzüge der Photos heim.
Oder sie gingen in den Wald und brachten große Sträuße mit.
Emil kannte fast alle Pflanzen und nannte ihnen die Besonderheiten und die Namen. Vom Wollgras bis zur Eberesche, vom Sauerampfer bis zu den Schmetterlingsblütlern, vom Moos und seiner geheimnisvollen Fortpflanzung bis zum Knabenkraut, - alles erzählte er ihnen, so gut er’s wußte.
Daraufhin fuhr der Justizrat nach Rostock und besorgte in der Universitätsbuchhandlung ein botanisches Lehrbuch und einen Leitfaden zur Pflanzenbestimmung.
Doch ausgerechnet seit diesem Tag interessierte sich niemand mehr für Blumen, Gräser und Sträucher. Außer Emil.
"Drucksachen machen mich nervös", erklärte Gustav, der Motorradmeister.
Eines Tages erhielt die Großmutter einen Brief aus Neustadt.
Es war ein langer Brief. Sie las ihn zweimal. Dann steckte sie ihn in ihren Pompadour und sagte zu sich: "Aha."
Doch zu Emil sagte sie nichts. Wenigstens vorläufig nicht.
Als sie mittags in der Veranda saßen und sich’s schmecken ließen, meinte der Justizrat: "Falls es den verehrten Anwesenden nicht allzu unangenehm ist, möchte ich vorschlagen, daß wir heute abend ins Strandhotel gehen und uns die dortigen Darbietungen zu Gemüte führen."
Die Jungen hätten am liebsten den Nachtisch stehen- und liegenlassen. Obwohl es sich um Weingelee handelte.
Und Weingelee war eine Spezialität von Klotilde Schlips!
Na, sie aßen den Nachtisch trotz alledem. Dann aber rannten sie im Dauerlauf zum Strandhotel. Während sie vor dem Hoteleingang herumstanden und beratschlagten, wer von ihnen hineingehen und mit dem Pikkolo reden sollte, erschien Pony Hütchen auf der Bildfläche.
"Nanu, wie kommst denn du hierher?" fragte Gustav.
"Auf zwei Beinen", erklärte Pony. "Im übrigen will ich für heute abend einen Tisch bestellen. Oder habt ihr etwas dagegen?"
Es erhob sich kein Widerspruch.
Pony ging in das Hotel hinein.
Der Herr Geschäftsführer kam auf sie zu. "Womit kann ich Ihnen dienen, gnädiges Fräulein?"
"Ich möchte den Pikkolo sprechen."
"Schmauch ist im Speisesaal", sagte der Herr Geschäftsführer, drehte ihr den Rücken und verschwand im Schreibzimmer.
Pony fand den Speisesaal! Und sie fand Hans Schmauch, den Pikkolo. Er balancierte gerade einen Berg Teller übers Parkett und meinte: "Moment, Pony. Stehe sofort zu Diensten."
Sie wartete.
Er kam eilends zurück und fragte: "Was darf s denn sein?"
"Ich möchte für heute abend einen Tisch bestellen."
"Für wieviel Personen?"
"Moment. Ich muß mal nachrechnen. Also für den Justizrat, seine Frau, die Großmutter, mich, Klotilde Schlips und drei Jungens, das sind ... "
"Acht Personen", erklärte der Pikkolo. "Ist gemacht.
Möglichst weit vorn. - Vielleicht kommt mein Onkel, der Kapitän, auch her. Den müßt ihr kennenlernen."
Pony gab Hans Schmauch die Hand und sagte: "Also einen Tisch für neun Personen."
Der Pikkolo machte eine Verbeugung. "Die Vorstellung beginnt kurz nach acht Uhr."
"Das macht nichts", erwiderte Pony. "Wir kommen trotzdem!"
Nach dem Abendessen zogen sich sämtliche Bewohner der Villa Seeseite so fein wie möglich an und spazierten feierlich zum Strandhotel. Der Tisch, den Hans Schmauch reserviert hatte, stand in der ersten Tischreihe, ganz vorn an der Bühne.
Der Justizrat bestellte für die Erwachsenen Wein. Die Kinder bekamen Orangeade.
Die Vorstellung hatte noch nicht begonnen, obwohl es acht Uhr war. Die Kapelle spielte bekannte Konzertstücke, eins nach dem andern, und der Saal füllte sich mit vergnügten Kurgästen, bis schließlich kein Tisch mehr frei war.
Vorm Hotel hatten sich zahlreiche Einwohner aus Korlsbüttel eingefunden. Sie blickten neugierig durch die Hotelfenster und wollten gratis zuschauen. Doch da kamen ein Kellner und der Pikkolo angerückt und zogen die Vorhänge zu. Der Pikkolo war übrigens nicht sehr gründlich. Die Portieren, die er schloß, ließen breite Spalten offen.
"Das ist nett von ihm", sagte Emil. "Nun können die Leute draußen doch noch ein bißchen was sehen."
"Hans Schmauch, der Menschenfreund", meinte der Professor"
Sein Vater, der Justizrat, klopfte Gustav auf die Schulter.
"Seit wann bist du denn so fleißig, daß du mit Büchern ins Varieté gehst?"
Gustav wurde rot. "Es ist ein englisches Wörterbuch", erklärte er.
"Willst du hier Vokabeln pauken?"
Gustav schüttelte den Kopf. "In den Ferien? Das fehlte noch!"
Pony lachte. "Er will sich bestimmt mit den zwei akrobatischen Zwillingen unterhalten."
"Will ich auch", meinte Gustav. "Die Jungens heißen Byron.
Sind also Engländer. Na, und wenn sie mir etwas antworten, was ich nicht kapiere, schlage ich einfach im Wörterbuch nach."
"Auf diese Unterhaltung bin ich gespannt", sagte die Großmutter. Sie hatte ein schwarzes Taftkleid an und sah pompös aus.
Dann tauchte noch ein Gast auf. Ein großer, behäbiger Mann.
Er trug eine blaue Schiffermütze und einen blauen Anzug, blieb auf dem Parkett stehen und schaute sich suchend um.
Plötzlich kam der Pikkolo angefegt, sprach mit dem Mann, führte ihn an Haberlands Tisch und sagte: "Darf ich den Herrschaften meinen Onkel vorstellen? Herr Kapitän Schmauch." Dann ging Hans wieder fort.