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Einsteins Erben (Phantastische Bibliothek) [сборник]

Электронная книга - «Einsteins Erben (Phantastische Bibliothek) [сборник]». Краткое содержание книги:

Lange bevor Cyberspace und virtuelle Welten zu einem festen Bestandteil der allgemeinen Diskussion wurden, hat sich Herbert W. Franke (geb. 1927), theoretischer Physiker, Kybernetikfachmann, Pionier der Computerkunst und Science-fiction-Autor, in seinen wissenschaftlichen und belletristischen Arbeiten mit diesen Themen auseinandergesetzt. Mit Einsteins Erben liegen drei der erfolgreichsten Bücher von H. W. Franke wieder vor: In seinem Roman Zone Null entwirft er in Form eines spannenden Expeditionsberichts das Bild einer computerisierten Zivilisation, deren Angehörige, aller materiellen Sorgen enthoben, sich ganz dem widmen können, was sie interessiert: der Forschung, der Kunst, dem Spiel. Aber ist solch ein technisches Paradies ein erstrebenswertes menschliches Ziel? In Ypsilon minus zeigt Franke eine totalitäre Technokratie, in der elektronische Überwachungsanlagen die absolute Kontrolle aller Menschen ermöglichen. Beides, totale Freiheit und totale Kontrolle, sind Extremfälle der technischen Entwicklung. Sind warnende Beispiele für falsche zivilisatorische Entwicklungen. Probleme und ihre Lösung bilden auch den Kern des Erzählbandes Einsteins Erben: Informationsexplosion, Überbevölkerung, Umweltverschmutzung, die Anwendung von Kybernetik und Biotechnik sind die Themen dieser Erzählungen, die »an wissenschaftlicher Phantastik und spannendem Aufbau nicht zu wünschen übriglassen« (Neue Zürcher Zeitung).
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»Ist es der Heliumanstieg?«

Die Reaktion auf diese Frage entsprach einem Lächeln. »Traust du der Unfehlbarkeit unseres Computers noch immer nicht?«

»Was ist es also?«

»Der Aufstand im Herrera-Distrikt.«

Lester blickte hinaus in den Raum, wo sich zwischen unzähligen leuchtenden Punkten auch das Pentagramm der fünf Sonnen abzeichnete. Dort hatte sich das Volk erhoben – eine primitive, den Menschen nahe verwandte Rasse, über sieben Planeten verteilt – das bedeutete Plan 3780:

Das alles war festgelegt, jede Möglichkeit war berücksichtigt, das feedback war eingeschaltet. Mit unfehlbarer Sicherheit wurde das Ziel angesteuert. Freilich: Es kostete ein wenig Zeit.

»Es ist nicht die Zeit«, meinte Jonathan. »Zeit haben wir genug. Es ist die Ursache: Wie konnte es zu einem Aufstand kommen? Alles war geplant: Der Widerstand der Tradition, die Dummheit, die Gewinnsucht. Selbst die spontane Kurzschlußhandlung. Die religiösen Hemmungen, die der Vereinigung entgegengewirkt hätten, sind beseitigt worden. Die Führungskräfte wurden systematisch auf unsere Linie geführt. Durch biochemische Wirkstoffe im Trinkwasser haben wir die Risikofreude angehoben, um Bereitschaft für einen politischen Umschwung zu wecken, und so weiter und so weiter. Alles verlief wie vorausgesehen, jeder sah ein, daß die materielle Not schwinden, der Raum der persönlichen Freiheit wachsen würde. Dem Zusammenschluß stand nichts im Wege. Er hätte kommen müssen. Der Aufstand steht außerhalb der Regel.«

»Ich verstehe«, sagte Lester. »Ein Fehler in der Kalkulation.« Jonathan reagierte scharf: »Kein Fehler. Es gibt keine Fehler in der Kalkulation.«

»Was dann?«

»Eben das möchte ich wissen.«

Lester verfolgte die stummen Fragen seines Chefs: Sabotage? Unbekannte Mächte? Mangelhafte Information?

»Aber die Sache läßt sich doch leicht reparieren. Der Herrera-Distrikt ist klein und unwichtig. Was spielt die geringe Verzögerung für ein Rolle?«

»Der Herrera-Distrikt ist unwichtig – das stimmt. Der ganze Fall wäre unwichtig – wenn es ein Einzelfall wäre.«

»Hatten wir in der letzten Zeit ungewöhnlich viele Aufstände?«

»Auch ein einziger kann zu viel sein. Es gab aber noch einige andere. Und es gab Novas, Kriege, Seuchen, grundlos, unvorhergesehen.«

»Was können wir tun?«

»Ich habe noch keinen Plan. Und ich habe zu wenig Material für den Computer. Trotzdem muß etwas geschehen. Diese Dinge sind ein Makel in unserem System. Sie stehen außerhalb der Kontrolle. Sie könnten unsere Autorität untergraben, unsere Bemühungen stören. Wir müssen sie in den Griff bekommen. Wie? Wir werden sehen. Ich schlage vor, daß du den Fall bearbeitest. Sieh dich auf Herrera um!«

»Über das Kommunikationsnetz?«

»Nein, persönlich. Ich möchte kein Aufsehen riskieren. Deine Untersuchung muß völlig unauffällig erfolgen. Laß dich duplizieren, damit du die Regierungsgeschäfte weiterhin wahrnehmen kannst.« Dann fügte er eine ungewöhnliche Formel hinzu. Er sagte: »Viel Glück!«

Die Unruhen hatten auf dem Planeten Gamma begonnen, und dorthin wurden Lesters Daten geleitet. Die Reintegration erfolgte innerhalb weniger Minuten. Nach einer kurzen Beratung mit dem Vertreter der Weltregierung ließ er sich die wichtigsten Daten einspeichern: Sprache, Sitten, einige typische Verhaltensweisen. Besondere Schutzmaßnahmen waren nicht nötig, da jederzeit neue Duplikate produziert werden konnten.

Trotzdem fühlte er sich unsicher, als er sich das erste Mal unter das Volk mischte. Zwar brauchte er keine Angst haben, sich zu verraten, denn dank seiner Programmierung reagierte er absolut normgerecht. Gerade diese ihm unbekannten Reaktionen, die er gleichsam an sich selbst entdeckte, bereiteten ihm Unbehagen. Das, was er fühlte und spürte, wenn er den Einheimischen entgegentrat, diese unausgeglichenen Impulse, die fast barbarische Spontaneität mancher Regungen, war schwer zu ertragen, und er merkte schon jetzt, daß er alle Konzentration, deren er fähig war, aufbieten müßte, wenn er dieses Abenteuer erfolgreich bestehen wollte.

Die lokale Regierung hatte bereits jene Maßnahmen ergriffen, die ihr von der Zentrale nahegelegt worden waren. Lester begegnete einigen getarnten Psychologen, die das mit den Aufständischen sympathisierende Volk langsam auf den Gegenschlag vorbereiten sollten. Er traf auch einen Rechercheur, der die Wertvorstellungen testen sollte, vor allem jene der anonymen Leitpersonen dieser bunt gemischten Gesellschaft, und Lester hatte Mühe, sich ihm zu entziehen, ohne sich zu erkennen zu geben.

Der Gang der Geschehnisse, die zum Aufstand geführt hatten, war bekannt. Als der Zusammenschluß der Regierungen verkündet werden sollte, hatten sich an den Straßenecken Gruppen gebildet, der normale Fluß des Verkehrs war empfindlich gestört worden, und die Oberhäupter der Regierungen waren zu spät eingetroffen. Am Hauptplatz aber hatten sich unglaubliche Mengen von Kindern versammelt, die die Worte aus den Lautsprechern mit ihren schwermütigen, seltsam rhythmisierten Liedern störten. Als sich der Beginn der Feierlichkeit verzögerte, wuchs die Unruhe immer weiter – Jugendliche in den hinteren Reihen stießen und drängten, schoben den Polizeikordon am vorderen Rand des abgesperrten Versammlungsfeldes zurück, immer mehr von ihnen schlüpften hindurch, kletterten auf Denkmäler und Fahnenstangen, rissen die Lautsprecher herunter, so daß der Gesang alles andere übertönte, und überfluteten schließlich das Podium, auf dem der Festakt ablaufen sollte. Auf ähnliche Weise, ohne direkte Gewalt, passiv, fast spielerisch, wurde auch ein weiterer Versuch, die neue Regierung zu etablieren, abgeschlagen, und als das schließlich unter Ausschluß der Öffentlichkeit geschehen sollte, weiteten sich die Sabotagemaßnahmen auch auf Einrichtungen der öffentlichen Ordnung aus: Die Untergrundbahn wurde aufgehalten, der Sender belagert, die Ordnungstruppen am Ausfahren gehindert.

Alle diese Handlungen trafen genau die empfindlichen Stellen der Organisation, und sie verliefen so, daß man keine Schuldigen herausfinden konnte: Stets waren es große Mengen von Menschen, die im einzelnen nichts Strafbares taten – sie standen nur herum, sangen und gafften. Sicher ließ sich das unterbinden. Wo aber war die Organisation? Wo war der Kopf des Widerstands? Das war das Problem, das Lester zu lösen trachtete. Aber erst ein Zufall brachte ihn seinem Ziel näher.

In der Hoffnung, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen, betrat er eines jener Lokale, in dem die Einheimischen Tee zu trinken pflegten. Sie tranken oft Tee. Durch einen dämmrigen Raum, in dem nur wenige Personen saßen, kam er auf eine Terrasse voll mit bunten Stühlen, und fast alle besetzt. Unten strömte ein Fluß ganz langsam dahin, Blumen hingen an den Mauern herab, die den Hof nach drei Seiten begrenzten. Aus einem Lautsprecher kam leise Musik.

Lester fand einen Tisch mit zwei Männern, einem älteren und einem jüngeren, und einer Frau, an dem noch ein Platz frei war. Sie hatten die Kindergesichter dieser Rasse, ihre großen Augen, ihre kurzen Nasen. Sie trugen bunte Umhänge, handbestickt, und schienen zu dösen. Er grüßte, und sie luden ihn ein, sich zu setzen. Er bestellte Tee und trank die heiße Flüssigkeit in kleinen Schlucken.

Es war behaglich hier. Er fühlte es mit dem geborgten Empfinden dieser Leute, und er genoß es, obwohl er sich des Widerspruchs bewußt war: denn das trübe Wasser, das dort unten vorbeirann, war nicht sterilisiert und sicher ein Herd für Bakterien. Aus der Tasse, die er zum Mund führte, hatten offenbar schon andere getrunken, und der Wind, der manchmal einen faulen Geruch von Abwasser heraufhob, war kühl und zweifellos ungesund.

»Ein schöner Abend«, sagte er, ohne sich an jemanden Bestimmten zu wenden. An den freundlichen Mienen der anderen merkte er, daß sie ihm zustimmten. »Und eine schöne Stadt«, fügte er hinzu. »Ich komme von Beta. Bin auf Geschäftsreise.« Der ältere Mann nickte ihm freundlich zu, doch niemand antwortete.

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