Highway ins Dunkel. Stories
- Автор: Кунц Дин Рэй
- Год: 1997
- Язык: немецкий
- Жанр: Ужасы
Электронная книга - «Highway ins Dunkel. Stories». Краткое содержание книги:
Das Buch
Dean Koontz gilt als Meister hautnahen Horrors, und er versäumt es auch in seinen schaudererregenden Kurzgeschichten nicht, den Leser in eine eiskalte Welt puren Entsetzens zu entführen.
Namenlose Kreaturen, die einem notorischen Dieb das Fürchten lehren, mörderische Ratten, entkommen aus einem Versuchslabor, und Wesen aus anderen Welten erschüttern unser Vertrauen in das Erdendasein nachhaltig ...
Der Autor
Dean Koontz, 1946 in Bedford/Pennsylvania geboren, besuchte das Shippensburg State College und nahm 1966 eine Lehrerstelle in Appalachia an. Wenig später heiratete er und veröffentlichte seinen ersten Roman und einige Kurzgeschichten. 1976 zog er mit seiner Familie nach Orange County/Kalifornien. In mehr als 20 Jahren schrieb Koontz 55 Bücher, die in einer Weltauflage von 60 Millionen Exemplaren in 18 Ländern verbreitet ist.
Titel der Originalausgabe STRANGE HIGHWAYS STORY COLLECTION
»Chaos ist aber unvereinbar mit Liebe«, sagte Frank. »Liebe strebt nach Stabilität und Ordnung.«
»Wer braucht denn schon Liebe?« fragte Skagg, und das letzte Wort des Satzes spie er besonders höhnisch und haßerfüllt aus.
Frank seufzte. »Nun, ich für meine Person weiß die Liebe zu würdigen. Durch meinen intensiven Kontakt mit den Menschen wurde ich belehrt, wie wichtig die Liebe ist.«
»Belehrt? Die Menschen haben dich verdorben, korrumpiert!«
Frank nickte. »Es war mir klar, daß du es so sehen würdest. Das Traurige ist, daß ich dich zum Schutz der Liebe töten muß.«
Skagg war sichtlich amüsiert. »Mich töten? Soll das ein Witz sein? Du kannst mich genauso wenig töten wie ich dich. Wir sind beide unsterblich.«
»Du bist jung«, sagte Frank. »Sogar nach menschlichen Maßstäben bist du noch ein junger Mann, und nach unseren Maßstäben bist du ein Kleinkind. Ich würde sagen, daß ich mindestens dreihundert Jahre älter bin als du.«
»Und?«
»Es gibt Fähigkeiten, die wir erst in reifem Alter erwerben.«
»Welche denn?«
»Ich konnte vorhin beobachten, wie du deine genetische Plastizität zur Schau stellst. Aber das schwierigste Kunststück in punkto Zellkontrolle hast du mir nicht vorgeführt.«
»Und was soll das sein?«
»Die totale Auflösung in eine amorphe Masse, die trotz ihrer Gestaltlosigkeit ein einheitliches Wesen bleibt. Ich habe das vorhin gemacht, als ich meine Kleider abstreifte. Dieses Kunststück erfordert eiserne Disziplin, denn es führt an den Rand des Chaos: In Auflösung begriffen, muß man seine Identität wahren. Diese Selbstdisziplin fehlt dir, denn wenn du die totale Amorphie beherrschen würdest, hättest du zweifellos versucht, mich damit zu erschrecken. Aber deine rasanten Verwandlungen haben etwas Krankhaftes an sich. Du rammst jede Gestalt an, die dir gerade in den Sinn kommt, und dadurch beweist du einen kindischen Mangel an Disziplin.«
»Na und?« forderte Skagg ihn unerschrocken heraus. »Deine größere Erfahrung ändert nichts an der Tatsache, daß ich unbesiegbar und unsterblich bin. Die schlimmsten Wunden heilen bei mir in Sekundenschnelle. Gift ist völlig wirkungslos. Weder extreme Hitze noch arktische Kälte, weder Säure noch eine Explosion - eine nukleare vielleicht ausgenommen - kann mein Leben auch nur um eine Sekunde verkürzen.«
»Aber du bist ein Lebewesen mit einem Metabolismus«, erklärte Frank, »und du mußt auf irgendeine Weise atmen - in Menschengestalt durch die Lunge, in anderen Gestalten mit Hilfe anderer Organe. Du brauchst Sauerstoff, um am Leben zu bleiben.«
Skagg starrte ihn an, ohne die Drohung zu verstehen.
Im nächsten Moment gab Frank seine Menschengestalt wieder zugunsten eines völlig amorphen Zustands auf, breitete sich wie ein Riesenmanta in tropischen Meeren aus, warf sich vorwärts und umhüllte Skagg, paßte sich dessen Körper exakt an - jeder Vertiefung, jeder Falte, jeder Krümmung nach innen oder außen. Seine gallertartige Masse bedeckte jeden Millimeter von Skagg, verstopfte dessen Nase und Ohren, umschloß jedes Haar und schnitt auf diese Weise die Sauerstoffzufuhr ab.
In diesem Kokon gefangen, ließ Skagg fieberhaft Krallen, Hörner und Widerhaken aus verschiedenen Körperteilen hervorwachsen, in einem verzweifelten Versuch, das erstickende Gewebe zu zerfetzen. Doch das war unmöglich, denn kaum daß eine messerscharfe Klaue Franks Zellen geteilt hatte, verschmolzen diese wieder miteinander.
Skagg bildete an verschiedenen Stellen seines Körpers ein halbes Dutzend Münder, einige mit nadelspitzen Fangzähnen, andere mit Doppelreihen von Haizähnen, und alle rissen wütend am Fleisch seines Gegners. Doch Franks amorphes Gewebe floß in die Öffnungen, anstatt zurückzuweichen, und verstopfte sie; die gallertartige Masse überzog auch die Zähne, so daß sie ihre Schärfe einbüßten.
Skagg verwandelte sich in ein abstoßendes Insekt.
Frank paßte sich sofort dieser Form an.
Skagg ließ sich Flügel wachsen und suchte Rettung im Fliegen.
Frank paßte sich auch dieser Gestalt an, zwang ihn zu Boden und verweigerte ihm die Freiheit des Fliegens.
Draußen regierte in dieser Nacht das Chaos des Gewitters. In der Lagerhalle mit ihren ordentlichen Regalen und der Klimaanlage, die Luftfeuchtigkeit und Temperatur konstant hielt, herrschte Ordnung - abgesehen von Skagg. Doch Skaggs Chaos war jetzt von Franks undurchdringlicher Hülle fest umschlossen.
Diese Umklammerung war tödlich, doch Frank übte nicht nur die Funktion eines Henkers aus; er war zugleich auch Bruder und Priester: Sanft geleitete er Skagg aus dem Leben, und er verspürte dabei sogar ein gewisses Bedauern, obwohl es nicht so stark war wie seine Anteilnahme, wenn er Menschen durch Unfälle und Krankheiten leiden und sterben sah. Der Tod war immer ein unwillkommener Sohn des Chaos in einem Universum, das dringend der Ordnung bedurfte.
Eine Stunde lang kämpfte Skagg verbissen, zappelte und schlug um sich, mit zunehmend nachlassender Kraft. Ein Mensch hätte nicht so lange ohne Sauerstoff überleben können, aber Skagg war kein Mensch - er war gleichzeitig mehr und auch weniger als ein Mensch.
Frank war geduldig. Seine jahrhundertelange Anpassung an die Beschränkungen der menschlichen Natur - eine Anpassung, die er sich selbst auferlegte - hatte ihn extreme Geduld gelehrt. Auch als die irre Kreatur kein Lebenszeichen mehr von sich gab, hielt er sie sicherheitshalber eine weitere halbe Stunde gefangen. Skagg war so eingekapselt wie ein Gegenstand, der in Bronze getaucht wird, oder wie ein Einschluß im Bernstein.
Dann nahm Frank wieder menschliche Gestalt an.
Auch Karl Skaggs Leichnam sah wie der eines Menschen aus, denn das war die abschließende Metamorphose gewesen, der er sich in den letzten Sekunden seines qualvollen Erstickungstodes unterzogen hatte. Im Tod sah er so schwach und armselig wie jeder richtige Mensch aus.
Nachdem Frank sich angekleidet hatte, hüllte er Skaggs Körper in eine Plane, die er in der Lagerhalle gefunden hatte. Dieser Leichnam durfte nicht in die Hände eines Pathologen fallen, denn das fremdartige Gewebe würde die Menschen darauf aufmerksam machen, daß eine andere Spezies heimlich unter ihnen lebte. Er trug den toten Gestaltwandler durch die regnerische Nacht zu seinem Chevrolet.
Behutsam legte er Skagg in den Kofferraum.
Noch vor Morgengrauen hob er in den dunklen, mit Gestrüpp bewachsenen Hügeln am Rand des Los Angeles National Forest eine tiefe Grube aus. Südlich und westlich unter ihm schimmerten die gelben und rosafarbenen Lichter der Großstadt. Als er Skaggs Leichnam in die Erde senkte und die Grube zuschaufelte, weinte er.
Von diesem wilden Behelfsfriedhof fuhr er auf direktem Wege nach Hause, zu seinem gemütlichen Fünf-ZimmerBungalow. Murphy, sein Irish Setter, begrüßte ihn mit viel Schnuppern und Schwanzwedeln an der Tür. Seuss, seine Siamkatze, gab sich zunächst unnahbar, kam dann aber ebenfalls laut schnurrend an und wollte gestreichelt werden.
Obwohl die Nacht sehr anstrengend gewesen war, ging Frank nicht zu Bett, denn er brauchte niemals Schlaf. Aber er legte seine nassen Kleider ab, zog Pyjama und Morgenrock an, machte sich eine große Schüssel Popcorn, öffnete ein Bier und ließ sich mit Seuss und Murphy gemütlich auf dem Sofa nieder, um einen alten Frank-Capra-Film anzuschauen, den er schon mindestens zwanzigmal gesehen hatte, aber immer wieder genoß: James Stewart und Donna Reed in It’s a Wonderful Life.
Alle Freunde von Frank Shaw sagten, er habe eine harte Schale, aber das war nur ein Teil von dem, was sie über ihn erzählten. Sie sagten auch, daß in dieser harten Schale ein sehr weiches Herz schlug.
Aus dem Amerikanischen von Alexandra v. Reinhardt