Paganinis Fluch
- Автор: Кеплер Ларс
- Год: 2011
- Язык: немецкий
- Переводчик: Paul Berf
- Жанр: Прочая древняя литература
Электронная книга - «Paganinis Fluch». Краткое содержание книги:
»Ich denke mir, dass sich die Schlinge um seinen Hals zuzog«, antwortete sie leise.
»Und wie kam die Schlinge um seinen Hals?«
»Ich weiß nicht … vielleicht brauchte sie Hilfe«, meinte sie fragend.
»Was meinen Sie mit Hilfe?«
Ihre Augen rollten nach hinten, und Joona dachte schon, dass sie ohnmächtig werden würde, aber dann stützte sie sich mit der Hand an der Wand ab und begegnete von Neuem seinem Blick.
»Man findet überall hilfsbereite Menschen«, sagte sie schwach.
Spende Boerse
8
Åhlén
Das Schwimmbad des Landespolizeiamts ist still und leer, hinter der Glaswand ist es ruhig, und in der Cafeteria sitzen keine Gäste. Das Wasser in dem großen blauen Becken ist fast spiegelglatt. Das Licht der Unterwasserlampen, die das Becken von unten beleuchten, schaukelt langsam auf Wänden und Decke. Joona Linna schwimmt eine Bahn nach der anderen, hält sein Tempo und kontrolliert den Rhythmus seiner Atemzüge.
Er schwimmt, während verschiedene Erinnerungen durch sein Bewusstsein taumeln, zum Beispiel Disas Gesicht, als sie meinte, ihre Zähne würden kribbeln, wenn sie ihn sehe.
Joona erreicht den Beckenrand, wendet unter Wasser und stößt sich mit den Beinen ab. Es ist ihm nicht bewusst, dass er schneller schwimmt, als er sich in Gedanken plötzlich in Carl Palmcronas Wohnung in der Grevgatan befindet. Erneut betrachtet er den hängenden Körper, die Urinpfütze, die Fliegen im Gesicht. Der Tote hatte Mantel und Schuhe angehabt, sich aber trotzdem die Zeit genommen, Musik anzustellen.
Das Ganze hatte Joona das Gefühl einer zugleich geplanten und spontanen Tat vermittelt, eine bei Selbstmord keineswegs ungewöhnliche Mischung.
Er schwimmt schneller, wendet, erhöht weiter die Schlagzahl und lässt innerlich Revue passieren, wie er durch Palmcronas Flur geht und nach dem Klingeln die Tür öffnete, woraufhin er die hoch aufgeschossene Frau mit den großen Händen erblickt, die hinter der Tür im Dämmerlicht des Treppenabsatzes steht.
Joona macht am Beckenrand heftig atmend Pause und legt seine Arme auf das Plastikgitter, das die Überlaufrinne abdeckt. Seine Atemzüge beruhigen sich schnell, aber die Schwere in den Schultermuskeln, die von der Milchsäure kommt, nimmt noch zu. Eine Gruppe von Polizisten in Trainingsanzügen betritt das Schwimmbad. Die Beamten haben zwei Rettungspuppen, eine Kinder- und eine Übergewichtpuppe, dabei.
»Sterben ist kein Albtraum«, hatte die große Frau gesagt und dabei gelächelt.
Seltsam gestresst steigt Joona aus dem Becken. Er weiß nicht, was es ist, aber Carl Palmcronas Tod lässt ihm keine Ruhe. Aus irgendeinem Grund sieht er immer noch den leeren, hellen Raum vor sich. Hört die ruhige Geigenmusik in Kombination mit dem trägen Surren der Fliegen.
Joona weiß genau, dass es sich um einen Selbstmord handelt, und versucht sich zu sagen, dass der Fall nichts für die Landeskripo ist. Trotzdem würde er nur zu gern zum Fundort eilen und ihn sich noch einmal ansehen, ihn untersuchen, jedes Zimmer durchgehen und überprüfen, ob er etwas übersehen hat.
Während seines Gesprächs mit der Haushälterin hatte er gedacht, sie wäre verwirrt, dass sich der Schock wie dichter Nebel um sie gelegt, sie konfus und verdächtig gemacht hätte, weshalb sie ihm so eigenartig und unzusammenhängend geantwortet hatte. Doch jetzt versucht Joona, die Sache genau umgekehrt zu sehen. Vielleicht war sie ja gar nicht verwirrt, gar nicht geschockt, sondern hatte seine Fragen möglichst konkret beantwortet. Wenn das zutreffen sollte, behauptete die Haushälterin, Edith Schwartz, dass jemand Carl Palmcrona bei der Schlinge geholfen hatte, dass es helfende Hände, hilfsbereite Menschen gegeben hatte. Wenn es so war, dann erzählte sie, dass sein Tod kein selbst verschuldetes Ereignis gewesen war, dass er seinen Tod nicht alleine herbeigeführt hatte.
Irgendetwas stimmt da nicht.
Er weiß, dass er recht hat, kann das Gefühl aber nicht greifen.
Joona betritt die Herrenumkleide, schließt seinen Schrank auf, holt das Handy heraus und ruft den Chef der Pathologie Nils Åhlén an.
»Ich bin noch nicht fertig«, lauten Åhléns erste Worte.
»Es geht um Palmcrona. Was ist dein erster Eindruck, auch wenn du …«
»Ich bin noch nicht fertig«, unterbricht Åhlén ihn.
»Auch wenn du noch nicht fertig bist.«
»Komm am Montag vorbei.«
»Ich komme jetzt«, erwidert Joona.
»Um fünf wollen meine Frau und ich uns eine Couch ansehen.«
»Ich bin in fünfundzwanzig Minuten bei dir.« Joona beendet das Gespräch, bevor Åhlén Zeit hat zu wiederholen, dass er noch nicht fertig ist.
Als Joona geduscht und sich umgezogen hat, hört er Stimmengewirr von lachenden und plappernden Kindern und begreift, dass bald die Schwimmschule im Landespolizeiamt beginnt.
Er überlegt, was es bedeutet, dass der Generaldirektor der Staatlichen Waffenkontrollbehörde erhängt aufgefunden wurde. Die Person, die letztlich alle wichtigen Entscheidungen über Herstellung und Ausfuhr von Kriegswaffen in Schweden trifft, ist tot.
Was ist, wenn ich mich irre, was ist, wenn er doch ermordet wurde?, fragt sich Joona. Ich muss mit Pollock sprechen, bevor ich zu Åhlén fahre, vielleicht sind er und Kofoed schon dazu gekommen, sich das Material von der Tatortuntersuchung anzusehen.
Joona geht mit großen Schritten durch den Korridor, läuft eine Treppe hinunter und ruft seine Assistentin Anja Larsson an, um sich zu erkundigen, ob Nathan Pollock im Haus ist.
Spende Boerse
9
Über Nahkampf
Joonas dichte Haare sind immer noch klatschnass, als er die Tür zu Saal 11 öffnet, wo Nathan Pollock vor einer exklusiven Gruppe von Männern und Frauen, die eine Spezialausbildung für den Einsatz bei Geiselnahmen absolvieren, eine Vorlesung hält.
An die Wand hinter Pollock ist mithilfe eines Notebooks eine anatomische Tafel vom menschlichen Körper projiziert worden. Auf einem Tisch liegen sieben verschiedene Handfeuerwaffen aufgereiht, angefangen bei einer kleinen silbrigen Sig Sauer P238 bis zu einem mattschwarzen Sturmgewehr der Marke Heckler & Koch mit einem 40-Millimeter-Granatwerfer.
Einer der jungen Polizisten steht vor Pollock, der ein Messer zieht, es verdeckt am Körper hält, nach vorn eilt, einen Schnitt an der Kehle des Polizisten andeutet und sich anschließend an die Gruppe wendet.
»Der Nachteil eines solchen Schnitts besteht darin, dass der Feind unter Umständen schreit, dass die Bewegungen seines Körpers nicht kontrolliert werden können und das Verbluten eine gewisse Zeit dauert, weil nur eine Arterie geöffnet wird«, erläutert Pollock.
Er tritt erneut zu dem jungen Polizisten und legt den Arm so um sein Gesicht, dass sich die Armbeuge um den Mund des Mannes schließt.
»Wenn ich dagegen so vorgehe, kann ich einen möglichen Schrei ersticken, den Kopf kontrollieren und beide Arterien mit einem einzigen Schnitt öffnen«, erklärt er.
Pollock lässt den jungen Polizisten los und sieht, dass Joona Linna an der Tür steht. Er muss hereingekommen sein, als er den Griff demonstriert hat. Der junge Polizist streicht sich über den Mund und kehrt zu seinem Platz zurück. Pollock lächelt breit und winkt Joona zu, weil er möchte, dass dieser nach vorne kommt, aber Joona schüttelt den Kopf.
»Ich müsste mal kurz mit dir reden, Nathan«, sagt er leise.
Einige Polizisten drehen sich um und sehen ihn an. Pollock geht zu ihm, und sie geben sich die Hand. Joonas Jackett ist von dem Wasser, das ihm in den Nacken gelaufen ist, dunkel verfärbt.
»Tommy Kofoed hat bei Palmcrona Fußabdrücke gesichert«, sagt Joona. »Ich muss wissen, ob er dabei etwas Unerwartetes gefunden hat.«
»Ich hätte nicht gedacht, dass es so eilig ist«, antwortet Nathan mit gedämpfter Stimme. »Wir haben natürlich alle Folienabdrücke fotografiert, sind aber noch nicht dazu gekommen, die Ergebnisse auszuwerten. Ich habe nicht den geringsten Überblick …«