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Neues vom Hexer von Salem

Электронная книга - «Neues vom Hexer von Salem». Краткое содержание книги:

Er ist der Sohn eines mächtigen Magiers. Doch nicht nur die Hexerkräfte seines Vaters sind auf Robert Craven übergegangen. Auch der furchtbare Fluch der Großen Alten. Craven ist dem Tode geweiht. Es gibt nur einen Weg, den finsteren Göttern zu entkommen - die Magie eines uralten, sagenumwobenen Buches, in dem der Wahnsinn haust. Zusammen mit seinem Freund H. P. Lovecaft macht er sich auf die Suche nach dem Necronomicon. Doch alles scheint verloren, als die Großen Alten Macht über den Geist seines Vaters erlangen.
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Der Diener schien einen kurzen Moment zu überlegen, dann bat er mich mit einer Verbeugung, einzutreten. »Bitte, Mijnheer, wenn Sie einen Augenblick im Salon warten wollen. Mein Herr befindet sich zwar im Moment außer Haus, aber ich bin sicher, daß Ihnen die Herrin behilflich sein kann!«

Der Boden der Empfangshalle war mit wertvollen Teppichen ausgelegt, und die Möbel und Seidentapeten hätten dem Schloß jeden Herzogs zur Zierde gereicht. Doch auch der Duft der Rosen, die in allen möglichen Gefäßen herumstanden, konnten den Geruch nach Moder und Verwesung nicht überdecken, der mir aus jeder Ecke entgegenströmte. Ich kam mir vor wie in einem Museum, in dem man vor zwei oder drei Menschenaltern vergessen hatte, eine Putzfrau einzustellen.

Der Lakai führte mich in ein holzgetäfeltes Zimmer, von dessen Decke ein schwerer Lüster aus böhmischem Kristall hing. Obwohl sicher mehrere hundert Kerzen in ihm brannten, hatte ich das Gefühl, in eine schwarze Grube gefallen zu sein. Etwas Unsichtbares, Düsteres schien in der Luft zu hängen und die Helligkeit aufzusaugen. Auch das hochauflodernde Holzfeuer im Kamin vertrieb weder die Dunkelheit noch die Kälte, die meine Knochen schier zu Eis erstarren ließ.

Ich trat an den Kamin, um die Hände über den Flammen zu reiben, und überlegte bereits, wie ich mich so schnell wie möglich wieder aus diesem unheimlichen Haus entfernen konnte. Es war nicht gut, sich in einem Haus wie diesem lange aufzuhalten. Unwillkürlich mußte ich wieder an die sonderbare Reaktion des Kutschfahrers denken. Die Angst, die ich in seinen Augen gelesen hatte ...

Ich hörte die Tür gehen, drehte mich um und sah eine ältliche Matrone in großer Toilette hereinrauschen. Ihr Kleid war wohl das Teuerste an Garderobe, was ich bis zu dem Zeitpunkt gesehen hatte. Es wirkte nur um die vierzig Jahre hinter der Mode zurück und roch so muffig und scharf, als käme es direkt aus einer Manufaktur für Mottenkugeln. Nun - wenigstens paßte es zum Gesicht seiner Trägerin; oder dem, was unter den zahllosen Schichten von vor zwanzig Jahren eingetrockneter Schminke zu erkennen war. Gottlob war es nicht viel.

Hinter meiner Stirn begann eine Alarmglocke zu läuten. Dieses Haus war nicht nur alt. Irgend etwas stimmte hier nicht. Ich wußte noch nicht, was, aber ich spürte die Gefahr wie eine körperliche Berührung. Etwas schien mich zu belauern, etwas Großes, Mächtiges und Gefährliches.

Ich verbeugte mich, unterdrückte meine Abneigung gegen Mottenkugeln und führte die rechte Hand der Dame an meine Lippen, um sie zu küssen.

Es war, als hätte ich eine vom Nachtfrost erstarrte Schlange ergriffen. Oder eine Leiche.

Sie grüßte mich freundlich und lud mich ein, neben ihr auf dem Diwan Platz zu nehmen. »Frans sagte mir bereits, daß Sie einen Freund in dieser Straße aufsuchen wollen, ihn aber nicht finden«, sagte sie mit einer Stimme, die überraschend weich und geschmeidig klang. »Ich bin sicher, Ihnen helfen zu können, denn ich kenne alle Leute, die hier wohnen. Wie heißt denn Ihr Freund?«

»Er ist ein Ausländer und nennt sich ...«begann ich, sprach aber nicht weiter, als ich sah, daß meine Gastgeberin sich nicht einmal die Mühe machte, wenigstens so zu tun, als höre sie mir zu.

Im gleichen Augenblick sah ich im Licht der Kerzen einen Schatten auf mich zugleiten; schnell und mit einer kraftvollen, aggressiven Bewegung. Instinktiv sprang ich auf.

Die Bewegung rettete mir vermutlich das Leben, denn den Bruchteil einer Sekunde später krachte eine Keule auf die Stelle, an der ich eben noch gesessen hatte, zerfetzte den Stoff und riß einen armlangen Span aus der Diwanlehne.

Ich duckte mich, trat hastig einen Schritt zurück und hob kampfbereit die Hände.

Der vierschrötige Kerl, der mich angegriffen hatte, sprang erstaunlich leichtfüßig über den Diwan und stürmte mit erhobener Keule auf mich zu. Ich wich seinem Schlag aus, brachte ihn mit einem Fußfeger zu Fall und schlug ihm den Kristallknauf meines Stockdegens gegen die Schläfe.

Der Bursche sank mit einem erstickten Seufzer zu Boden, verdrehte die Augen und erschlaffte.

Aber der rasche Sieg brachte mir keine Atempause, denn schon hatte ich zwei weitere Kerle am Hals, die wie aus dem Nichts aufgetaucht waren. Auf ihren Gesichtern stand eine Mischung aus grimmiger Entschlossenheit und einer dämlichen Erheiterung geschrieben, die ich mir nicht erklären konnte.

Einen Augenblick glaubte ich es mit einem Banditenüberfall von außen zu tun zu haben. Doch ein Blick in das beinahe freudig erregte Gesicht der Matrone belehrte mich eines Besseren. Sie hatte ganz genau gewußt, welcher Art die Hilfe war, die sie mir angedeihen lassen wollte. Dieses Haus war eine Falle. Und ich war vermutlich nicht der erste, der durch seine Tür hinein, aber nicht mehr heraus kam.

Nun, was diesen Umstand anging, gedachte ich ihr und ihren Mordbuben eine Lektion zu erteilen.

Ich durchquerte mit einem mächtigen Satz den Raum und zog den Stockdegen. Die beiden Männer zögerten, als die Klinge im Licht des Lüsters aufblitzte. Dann sahen sie sich kurz an, trennten sich und kamen von zwei Seiten auf mich zu. Gleichzeitig stand der Kerl, den ich niedergeschlagen hatte, schon wieder auf und reihte sich in die Front meiner Gegner, ein, als sei nichts geschehen. Der Bursche mußte die Widerstandskraft eines Ochsen besitzen.

Einige Sekunden später hatten mich die Burschen bis an die Wand zurückgedrängt. Wenigstens nahmen sie an, daß es so war. Ich tat so, als wäre ich halb von Sinnen vor Angst, bewegte den Stockdegen mit kleinen, nervösen Rucken hin und her und suchte scheinbar verzweifelt nach einer Möglichkeit, zwischen den Kerlen durchzubrechen.

Einer von ihnen fiel auf die Finte herein, kam mit kampflustig erhobenen Händen näher und ging keuchend zu Boden, als ich mit dem Degen antäuschte und ihm gleichzeitig eine so schallende Ohrfeige versetzte, daß er meinen mußte, Big Ben in seinem Schädel schlagen zu hören.

Die beiden anderen blieben erschrocken stehen. Aber nur für einen Moment. Die Überraschung wich so schnell von ihren Zügen, wie sie gekommen war, und machte wieder dem dümmlichen, irritierten Lächeln Platz.

Ein höhnisches Kichern ertönte, und eine weitere Gestalt betrat den Raum.

Es war der verhutzelte Mann, der mir vor meinem Hotel den Weg zur Van Dengsterstraat gewiesen hatte. Sein Blick gefiel mir ganz und gar nicht. Es war genau die Art, in der ein Raubtier seine Beute anstarrt, die ihm nicht mehr entkommen kann. Sein Rattengesicht verzog sich zu einem zufriedenen Grinsen.

»Wir wollen und dürfen Sie nicht töten, Craven«, sagte er mit einem süffisanten Grinsen. »Doch es macht meinen Männern nichts aus, Sie zum Krüppel zu schlagen, wenn Sie sich uns nicht freiwillig ergeben und mit uns kommen!«

Und plötzlich war etwas in seinem Blick, was mich innerlich zu Eis erstarren ließ. Es war wie das düstere Etwas, das das Licht im Zimmer aufsaugte und Kälte verbreitete, ungreifbar und körperlos, aber deutlich zu spüren. Irgend etwas war plötzlich anders. Aus dem Spiel war Ernst geworden.

Und mit einem Male begriff ich, daß es unter Umständen hier nicht mehr um Leben und Tod, sondern um mehr ging ...

»Wer sind Sie und was wollen Sie von mir?« fragte ich ihn mit mehr lauter als fester Stimme.

Rattengesicht zuckte mit den Achseln. »Das geht Sie im Moment zwar noch nichts an«, sagte er, »aber vielleicht erzähle ich es Ihnen, wenn Sie Ihre Waffe wegwerfen und die Hände über den Kopf heben!«

»Wenn Sie mich wirklich so gut kennen, wie es scheint, dann sollten Sie wissen, daß ich das nicht tun werde. Was wollen Sie von mir? Ich kenne Sie nicht, und ich habe keinen Streit mit Ihnen.«

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