Witiko
- Автор: Штифтер Адальберт
- Язык: немецкий
- Жанр: Классическая проза
Электронная книга - «Witiko». Краткое содержание книги:
An dem Brückentore harrete Otto, der Bischof von Prag, mit seinen Priestern, mit den Priestern der Burgflecken und den Jungfrauen des heiligen Georg, dann der Propst vom Wyšehrad mit seinen Priestern, dann die Äbte mit ihren Priestern, und dann die Herren des Hofes.
Da Wladislaw vor dem Bischofe angekommen war, stieg er von seinem Pferde. Der Bischof begrüßte ihn mit dem Zeichen des Segens, und er und die Priester und die Jungfrauen sprachen die Begrüßungsworte. Wladislaw antwortete dem Gebete mit der Kirchensprache, dann grüßte er den Bischof, und küßte seine Stirne. Dann bestieg er wieder sein Pferd, und zog im Geleite aller, die da waren, und in dem Geleite seines Heeres in die Stadt empor.
Da er zu den Trümmern der Kirche des heiligen Veit gekommen war, stieg er wieder von dem Pferde, kniete vor der Kirche nieder, und tat ein Gebet. Dann ritt er zu der Kirche der heiligen Jungfrau Maria, ging in dieselbe, und betete.
Hierauf ritt er gegen die Zinnen der Stadt. Dort standen alle Krieger, welche die Stadt verteidigt hatten. Als er zu ihnen gekommen war, stieg er von dem Pferde, schritt zu dem Baume, auf welchem das große Banner war, berührte den glatten Schaft, und rief: »So beginnt mein Befehl und meine Macht wieder über alle, die in Prag sind.«
Dann wendete er sich gegen die, welche neben dem Banner standen.
Da war Diepold, der Befehler der Verteidigung, und es waren alle Führer, und hinter ihnen alle Unterführer, und hinter diesen die Krieger. Die Herzogin stand unter den Führern.
Wladislaw verlangte sein Pferd.
Man führte es herzu, er bestieg es, und stellte sich mit ihm gegen die Männer. Dann zog er sein Schwert aus der Scheide, und begann mit demselben das Grüßen.
Er grüßte zuerst Diepold, indem er das Schwert tief senkte, dann grüßte er den alten Bolemil, der aufrecht da stand, er grüßte den alten Wšebor und den alten Preda, dann Lubomir und Diwiš, dann die Führer, dann die Herzogin Gertrud und Dimut, die neben der Herzogin stand, und dann weiter alle die Unterführer.
Die gegrüßt worden waren, dankten mit dem Schwerte.
Dann grüßte der Herzog mit seinem Schwerte weithin ausholend das ganze Heer der Verteidiger. Dann das Schwert in seiner Rechten haltend sprach er: »Männer, Freunde, Brüder, Kampfgenossen! Seid gegrüßet in dem Herrn. Wir sind wieder vereinigt. Gott hat alles gewendet. Kein Feind ist mehr vor der Stadt und in dem Lande, und es ruht der Kampf. Lob, Preis und Ehre allen, die dazu gewirkt haben. Ihr habt im Mute der Helden diese Stadt geschirmt, und mit Herzen der Männer ausgedauert. Lob und Dank euch allen. Lob und Dank denen, die Lob und Dank nicht mehr hören können, weil sie den Tod herrlicher Krieger gefunden haben; Lob und Dank denen, welche Wunden an ihrem Körper tragen, denen sie für das Recht entgegen gegangen sind; Lob und Dank auch dem edlen Herzoge Sobeslav, der diese Mauern so gefestigt hat, daß sie euch die Stadt verteidigen halfen; Lob und Dank allen Vorgängern, die den Schutz des Herzogstuhles gepflegt haben; Lob und Dank denen, welche aus dem ganzen Lande sich zu mir gesellt und die Macht so erhöht haben, daß die Feinde vor ihr flohen, und Lob und Dank denen, die dem Feinde den Mut genommen haben: das größte Lob und den größten Dank aber dem, ohne den alles vergeblich gewesen wäre, dem großen dem gerechten dem allmächtigen Gott. Ihr habt ihm schon gedankt, ich tat es auch schon, vereinigt werden wir ihm morgen danken, wenn das erste Licht scheint. Morgen kömmt der König Konrad, empfanget ihn als Gast, nicht als Hilfsgenossen; denn es ist keine Schlacht mehr. Er wird den Kirchenfesten beiwohnen, und dann in sein Land zurückkehren. Und nun noch einmaclass="underline" Gruß und Dank. Für heute abend lade ich alle Führer und Unterführer zum Mahle in die Hofburg. Albero, der Erzbischof von Trier, hat Wein und der König Konrad allen Bedarf in die Stadt geschickt. Teilt den Männern auf den Wällen aus und den Leuten in der Stadt, die Mangel haben. Nach der Kirchenfeier kommet morgen in den Saal der Hofburg, daß wir kurz einen kleinen Entgelt für alle die Mühe beraten. Ich gehe jetzt in mein Haus, geleitet mich, wenn es euch gefällt, und zum dritten Male: Gruß und Dank.«
»Gruß und Dank«, riefen alle Männer einstimmig, und schlugen an ihre Schwerter.
Der Herzog steckte sein Schwert in die Scheide, wendete sein Pferd, und begann mit seinem Geleite den Zug in die Hofburg. Die beiden Heere begleiteten ihn, wie der Raum es zuließ.
Da sie an dem Hofe angekommen waren, hingen an dem Tore Blumengewinde, und es standen schöngekleidete Jungfrauen mit Blumenkränzen und Blumensträußen vor dem Volke da, und Gras und Laub und Blumen bedeckten den Boden. Eine aus den Jungfrauen sprach zu dem Herzoge Wladislaw Begrüßungsworte, und reichte ihm einen Strauß.
Der Herzog nahm den Strauß, und dankte ihr.
Dann sangen alle Jungfrauen einen Begrüßungsgesang.
Der Herzog dankte gegen alle hin.
Da es stille geworden war, stieg er von seinem Pferde, ging zu der Herzogin, faßte sie an ihrer Hand, küßte sie auf die Stirn, und sprach: »Hocherlauchte und vielliebe Frau! Ich habe Euch auf den Mauern als Führer begrüßt, und begrüße Euch jetzt als Herzogin. Ich führe Euch von dem Kriegsplatze in Euer Haus, und seid bedankt für das, was ihr über Euer Geschlecht getan habt.«
Hierauf wendete er sich zu Diepold, schloß ihn in die Arme, und sprach: »Sei gegrüßt, mein lieber Bruder, gehe unter mein Dach ein.«
»Sei gegrüßt«, sagte er dann zu Bolemil, und nahm seine rechte Hand.
Dann reichte er die Hand an den Bischof und die Äbte, an Diwiš, Lubomir und an mehrere.
»Sei gegrüßt, Jungfrau«, sprach er zu Dimut, »du bist so tapfer als schön, wir sind in deiner Schuld, und Rowno wird dich nicht zu hart strafen.«
Die Führer des Heeres des Herzogs näherten sich denen der Verteidigungsscharen, reichten die Hände, und gaben Grüße.
»Du schöner Krieger«, sagte Welislaw zu Dimut, »du fängst ja die Pfeile der Feinde mit den Händen?«
»Durch das Wunder eines Heiligen, den ich nicht kenne«, sagte Dimut, »ist ein Pfeil ohne Schaden zwischen mein Panzerhemd und den Kleiderärmel gedrungen, und ich habe mir den Pfeil aufbewahrt.«
»Wenn ich ein hoher Mann dieses Reiches wäre«, antwortete Welislaw, »würde ich dich um den Pfeil bitten.«
»Und wenn du ein hoher Mann des Reiches wärest«, entgegnete Dimut, »würde ich dir den Pfeil nicht geben.«
Der Herzog aber führte nun die Herzogin im Geleite seines Bruders Diepold, der Führer, der Hofherren und der Frauen in den Herzogshof.
Die Jungfrauen erhoben wieder einen Gesang, welchen sie lieblich fortführten, da auch der Herzog nicht mehr unter ihnen war. Dann mischte sich eine Stimme von dem Volke bei, und wieder eine, und wieder eine, und endlich sangen die Krieger und das Volk jenen Gesang, welcher in dem ganzen Lande Böhmen bekannt und geliebt war.
Als der Gesang geendet war, harreten sie eine Weile, und sangen ihn dann noch einmal. Dann aber zerstreueten sich die Menschen nach allen Richtungen. Die Scharen des Herzoges Wladislaw wurden über die Brücke in den rechten Burgflecken geführt, um auf dem großen Marktplatze zwischen dem Burgflecken und dem Wyšehrad zu lagern. Von den Männern Diepolds wurden die ausgelesen, welche auf den Wacheplätzen und Spähetürmen sein mußten, die andern durften in ihre Lagerstellen und in ihre Ruhestellen gehen.
Als die Krieger Wladislaws auf dem großen Marktplatze angekommen waren, und sich einzurichten begannen, ritt Witiko mit Lambert Augustin und Urban und mit seinem Knechte Jakob im Geleite Wolfgangs von Ortau und seiner drei Freunde von ihnen weg zu den Waldleuten. Diese hatten ihre Lagerstelle noch auf dem Walle, wo sie die Mauern verteidiget hatten. Da sie die heran reitenden Männer sahen, stellten sie sich zusammen, und die auf dem Boden lagen, erhoben sich, und die, welche Witiko auf dem Berge Wysoka zu ihrem Führer erwählt hatten, und alle andern auch, die von dem Walde stammten, riefen ihm einen Gruß zu.