Die Elfensteine von Shannara
- Автор: Брукс Терри
- Серия: Schwert von Shannara #2
- Год: 1986
- Язык: немецкий
- Переводчик: Mechtild Sandberg
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Elfensteine von Shannara». Краткое содержание книги:
Als der Mittag nahte, machte Andor sich auf die Suche nach Allanon. Er hoffte, der Druide könnte ihm eine Erklärung für das merkwürdige Verhalten der Dämonen geben. Allein erklomm er die Hänge des Kensrowe und wanderte zu dem Felsüberhang, wo Allanon einsam Wache hielt, halb verborgen im Schatten, während er den Blick über das Sarandanon schweifen ließ. Der Elfenprinz hatte seit dem vergangenen Tag, seit der Druide in diese Berge hinaufgestiegen war, nicht mehr mit Allanon gesprochen; niemand hatte ein Wort mit ihm gewechselt. Und in seiner Freude über den Sieg der Elfen hatte Andor kaum einen Gedanken an den Druiden verschwendet. Schließlich kam und ging Allanon stets, wie es ihm gefiel, und selten gab er eine Erklärung für sein Handeln. Jetzt aber, als Andor sich dem Druiden näherte, fragte er sich dennoch, warum Allanon gerade diesen Zeitpunkt gewählt hatte, um allein zu sein. Die Antwort auf diese Frage erhielt er, als der Druide sich nach ihm umwandte. Allanons Gesicht war aschfahl. Tief eingegrabene Linien durchzogen sein Gesicht, das schlaff und welk wirkte, und in den durchdringenden schwarzen Augen stand ein grüblerischer Ausdruck. Andor blieb wie angewurzelt stehen und starrte den Druiden entsetzt an.
Seine Bestürzung brachte ein schwaches Lächeln auf Allanons Lippen.
»Ist etwas mit Euch, Elfenprinz?«
Andor fuhr zusammen. »Nein, ich — es ist nur — Allanon, Ihr seht…«
Der Druide zuckte die Schultern.
»Für die Art und Weise, wie wir unsere Kräfte einsetzen, müssen wir einen Preis zahlen. Das ist eines der Naturgesetze, wenn wir es auch häufig außer acht lassen. Selbst ein Druide ist dem Willen der Natur unterworfen.« Er hielt einen Moment inne. »Versteht Ihr, was ich meine?«
Andor blickte ihn unsicher an.
»Diese Wirkung hat die Zauberkraft auf Euch?«
Allanon nickte. »Wer Zauberkraft einsetzt, dem wird Leben entzogen — ihm wird etwas von seiner Kraft und seinem Wesen genommen. Zum Teil kann es wiedergewonnen werden, aber die Erholung schreitet nur langsam voran. Und der Schmerz …«
Seine Stimme verklang, der Satz blieb unvollendet. Andor fröstelte plötzlich.
»Allanon, habt Ihr Eure Zauberkräfte verloren?«
Der Kopf unter der Kapuze hob sich.
»Die Zauberkraft geht nicht verloren, solange derjenige noch lebt, der sich ihrer bedient. Aber es gibt Grenzen, die nicht überschritten werden können, und die Grenzen werden mit dem Lauf der Jahre immer enger. Wir alle werden alt, Elfenprinz.«
»Auch Ihr?« fragte Andor leise.
Die schwarzen Augen waren verschleiert. Unvermittelt wechselte Allanon das Thema.
»Was führt Euch zu mir?«
Andor brauchte eine Zeitlang, um seine Gedanken wieder zu sammeln.
»Ich wollte Euch fragen, ob Ihr den Grund kennt, warum die Dämonen nicht angreifen.«
Der Druide wandte den Blick ab.
»Weil sie dazu noch nicht bereit sind.« Er schwieg einen Moment, dann richtete sich sein Blick wieder auf Andor. »Laßt Euch nicht in die Irre führen; sie werden kommen. Sie zögern den Angriff nur hinaus, doch hinter dieser Verzögerung steckt ein Sinn. Jener, der sie führt, jener, den sie den Dagda Mor nennen, tut nichts ohne Grund.« Er neigte sich leicht vornüber. »Laßt Euch dies durch den Kopf gehen: Der Dagda Mor befand sich nicht unter jenen, die uns gestern angriffen.«
Andor runzelte besorgt die Stirn.
»Wo war er dann?«
Allanon schüttelte den Kopf.
»Wir sollten eine andere Frage stellen: Wo ist er jetzt?« Einen Lidschlag lang blickte er Andor schweigend an, dann zog er seine schwarzen Gewänder fest um sich. »Ich habe mir überlegt, daß es klug wäre, Kundschafter nach Norden und nach Süden auszuschicken, um sicherzugehen, daß die Dämonen nicht die Absicht haben, uns von den Flügeln her in die Zange zu nehmen.«
Nach einer bedrückenden Zeit des Schweigens fragte Andor: »Ist die Zahl der Dämonen denn groß genug, um das zu tun?«
Allanons Lachen war spröde.
»Groß genug.« Der Druide wandte sich wieder ab. »Laßt mich jetzt allein, Elfenprinz.«
Von Zweifeln geplagt stieg Andor wieder aus dem Kensrowe-Gebirge herab. Nach seiner Rückkehr wurden Kundschafter ausgesandt, und das Heer wartete weiter. Der Morgen neigte sich zum Nachmittag, der Nachmittag zum Abend. Schwere Wolkenmassen wälzten sich über den dunkler werdenden Himmel, und die Nacht brach rasch herein.
Und noch immer kamen die Dämonen nicht.
Es ging auf Mitternacht zu, als der Angriff endlich losbrach. So plötzlich, daß die Wachtposten kaum Zeit hatten, Alarm zu schlagen, als die ersten Dämonen schon über sie herfielen. In gewaltigem Ansturm drängten sie durch den Engpaß des Baen Draw, Wogen schwarzer, mißgestalteter Körper, die aus den dunklen Hügeln im Norden herabströmten in das flackernde Licht der Feuer. Eines nach dem anderen erloschen die Feuer, erstickt von den Dämonen-Horden, die sich durch den Engpaß und über die Hänge des Kensrowe-Gebirges wälzten. Nun, da die Feuer erstorben und der Nachthimmel von den finsteren Wolken verdunkelt war, die von Osten her aufgezogen waren, lag das Gebiet um den Baen Draw in tiefe Finsternis gehüllt. Den Dämonen war diese Schwärze vertraut, sie hatten sich während der Zeit ihrer Einkerkerung hinter der Mauer der Verfemung an sie gewöhnt. Sie konnte ihnen nur dienlich sein. Elfen und Südländer waren beinahe wie blind in dieser Finsternis, die Dämonen jedoch sahen so scharf, als wäre es heller Tag. Mit schrillem Geheul der Siegesgewißheit griffen sie an.
Am oberen Ende des Engpasses, um Andor Elessedil und den leuchtend silberglänzenden Stab des Ellcrys geschart, begegnete eine Phalanx von Elfen dem Ansturm. Die Wucht des Angriffs schleuderte die Soldaten zurück, doch sie hielten die Linien. Hunderte dunkler Leiber rannten mit reißenden Klauen und Zähnen gegen sie an. Die Elfen kämpften mit wilder Entschlossenheit. Lanzen und Piken stachen blind in das Gewimmel vorwärtsdringender Dämonen, und Schmerzensschreie schallten gellend durch die Nacht. Doch die Dämonen ließen nicht locker, sammelten sich zu immer neuen Attacken, stürmten wie rasend auf die Elfen ein, um ihre Abwehrkette zu sprengen. Einige verzweifelte Minuten lang widerstanden die Elfen den wütenden Überfällen und hielten die Feinde zurück, die gegen sie anrannten. Doch die Dunkelheit verwirrte und behinderte sie. Und schließlich wurden sie überwältigt. Die Schlachtenreihen gerieten ins Wanken, wichen schrittweise zurück, fielen gänzlich auseinander. Sekunden später schafften die Dämonen den Durchbruch.
Das wäre das Ende gewesen, wäre nicht Allanon gewesen. Der Druide eilte zu den unteren Hängen des Kensrowe hinunter, wo die Bogenschützen in der Dunkelheit einen aussichtslosen Kampf gegen die anstürmenden Dämonen führten, und nahm dort eine Handvoll glitzernden Staubes aus einem kleinen Beutel, den er am Gürtel trug. Hoch schleuderte er den Staub in die Luft. Augenblicklich breitete er sich am Nachthimmel über den kämpfenden Elfen aus und erfüllte die Finsternis mit einem leuchtend weißen Licht, welches das Land heller als der Schein des Mondes beleuchtete.
Die Finsternis war vertrieben, die Dämonen konnten sich nicht mehr unter ihrem Mantel verstecken. Hinter der gesprengten Phalanx der Elfen erhob sich lautes Anfeuerungsgeschrei in die Luft. In die größte Lücke, dort, wo die dichteste Zusammenballung von Dämonen vorwärtsdrängte, ritten Stee Jans und die Männer der Freitruppe. Einem Eisenkeil gleich trieben sie die vorderste Front der Angreifer auseinander. Weniger als vierhundert waren ihrer jetzt, doch furchtlos preschten sie mitten unter die Dämonenhorde und drängten sie zurück zur Mündung des Baen Draw. Ihnen Beistand zu leisten, galoppierte die Elfen-Kavallerie heran, geführt von Kael Pindanon, der mit wehendem weißen Haar sein Pferd antrieb. Erbarmungslos stachen die Reiter mit ihren Lanzen auf die vorwärtsstürmenden Dämonen ein und warfen sie zurück.
An den Hängen des Kensrowe-Gebirges war es den Dämonen gelungen, die Reihe der Bogenschützen aufzubrechen, und nun strömten sie ins Sarandanon hinunter. Praktisch allein stellte sich Allanon ihnen in den Weg. Blaues Feuer züngelte aus seinen Händen. Von allen Seiten drangen sie auf ihn ein, und ihr rasendes Geheul widerhallte in der Nacht, als das Feuer sie zu Asche verbrannte. Der Druide hielt stand. Als der Dämonen allzu viele wurden, verwandelte er das ganze Land rundum in ein Flammenmeer. Er errichtete eine hohe Mauer blauen Feuers, die die tollwütigen Dämonen umschloß und deren Flammen alle vernichtete, die versuchten, dem Flammenmeer zu entkommen.