Darwinia [de]
- Автор: Уилсон Роберт Чарльз
- Год: 2002
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- ISBN: 3-453-19659-7
- Переводчик: Hendrik P. Lickens
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Darwinia [de]». Краткое содержание книги:
»Sie haben das Kästchen schon lange nicht mehr berührt. Es ist über ein Jahr her.«
Mrs. Sanders-Moss schlug den Blick nieder. »Aber ich habe an Emily gedacht. Ich habe sie nicht vergessen.«
»Für Olivia ist dieses Kästchen wie ein Schrein. Sie verehrt es. Sie macht es auf, wenn Sie nicht da sind. Sie passt auf, dass der Staub sie nicht verrät. Sie betrachtet es als ihr Eigentum.«
»Olivia…«
»Sie findet, dass Sie Emily vernachlässigen.«
»Das ist nicht wahr!«
»Aber sie glaubt das.«
»Olivia hat das Kästchen an sich genommen?«
»Kein Diebstahl, so wie sie es sieht.«
»Bitte — Dr. Vale — wo ist das Kästchen? Ist es in Sicherheit?«
»Ganz und gar.«
»Wo?«
»Im Zimmer des Mädchens, hinter einem Schrank.« (Einen Moment lang sah Vale es vor seinem geistigen Auge, das hölzerne Kästchen sah aus wie ein winziger in uralte Leinenwäsche gewickelter Sarg. Vale roch Kampfer und Staub und einsamen Schmerz.)
»Ich habe ihr vertraut!«
»Sie hat Emily geliebt, Mrs. Sanders-Moss. Sehr sogar.« Vale holte tief und stockend Luft; kam allmählich wieder zu sich, die Gottheit zog sich in die Welt unter der Welt zurück. Die Erleichterung war köstlich. »Holen Sie sich, was Ihnen gehört. Aber seien Sie bitte nicht zu streng zu ihr.«
Mrs. Sanders-Moss blickte ihn an, ihre Miene zeugte von einer erfreulichen Portion Ehrfurcht.
Sie dankte ihm überschwänglich. Ein Honorar wies er zurück. Ihr zögerndes Lächeln und ihre in den Grundfesten erschütterte Haltung waren ermutigend und wirklich sehr vielversprechend. Aber man wusste natürlich nie…
Als sie samt ihrem Schirm gegangen war, öffnete er eine Flasche Brandy und zog sich damit ins Obergeschoss zurück. Der Regen prasselte ans überfrorene Fenster, die Gaslampen waren voll aufgedreht und das einzige Buch im Zimmer war ein ramponierter Schundroman, His Mistress’ Petticoat.
Seiner äußeren Erscheinung war kaum anzumerken, was die Manifestation der Gottheit in ihm angerichtet hatte. Innerlich war er erschöpft, beinahe verletzt. Es tat nicht wirklich weh, aber er war wund — bis in die Finger- und Zehenspitzen. Die Augen brannten. Der Alkohol half, doch es würde morgen früh werden, ehe er wieder ganz er selbst war.
Wenn er Glück hatte, konnte der Brandy die Träume besänftigen, die einer Manifestation folgten. Diese Träume versetzten ihn unausweichlich in eine kalte Wildnis, eine grenzenlose, graue Wüste, und wenn er aus unangebrachter Neugier oder einfach nur aus Langeweile irgendeinen Stein aufhob, dann war darunter ein Loch, aus dem zahllose Insekten einer unbekannten, scheußlichen Art quollen, vielbeinig, mit Beißwerkzeugen bewaffnet, giftig, und seinen Arm hinaufschwärmten, um in seinen Schädel einzudringen.
Er war kein religiöser Mensch. Er hatte nie an Geister geglaubt, an Tischrücken, Astrologie oder die Wiederauferstehung Christi. Er war sich nicht sicher, ob er jetzt an so etwas glaubte. Alles woran er glaubte, hatte mit dieser einen Gottheit zu tun, die ihn mit solch schrecklicher, unwiderstehlicher Intimität berührt hatte.
Er hatte das Zeug zum Gauner und hatte gewiss nichts gegen einen profitablen Diebstahl, doch im Falle von Mrs. Sanders-Moss, nur um ein Beispiel zu nennen, war nichts dergleichen im Spiel gewesen; sie war ein Mysterium für ihn, ebenso Olivia, das Dienstmädchen, und das Memento mori in der Schuhschachtel. Solche Prophezeiungen überrumpelten ihn. Die Worte, nicht seine eigenen, waren ihm von den Lippen gefallen wie reife Früchte von einem Baum.
Wohlgemerkt, diese Worte leisteten ihm gute Dienste. Doch sie dienten noch einem anderen Zweck.
Diebstahl wäre unendlich viel leichter gewesen.
Doch er genehmigte sich noch ein Glas Brandy und tröstete sich: Der Weg zur Unsterblichkeit ist kein Zuckerschlecken.
Eine Woche verstrich. Er machte sich schon Sorge.
Dann ein Briefchen mit der Nachmittagspost.
Dr. Vale
Die Kostbarkeiten sind wieder da. Ich bin Ihnen grenzenlos dankbar.
Für kommenden Donnerstag um sechs Uhr lade ich Gäste zum Dinner und Gesprächskreis ein. Sollten Sie es einrichten können, wären Sie ein äußerst gern gesehener Gast.
u.A.w.g.