Der Prinz und der Söldner [The Vor Game - de]
- Автор: Буджолд Лоис Макмастер
- Год: 1994
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne Verlag
- ISBN: 3-453-07274-X
- Переводчик: Michael Morgenthal
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Der Prinz und der Söldner [The Vor Game - de]». Краткое содержание книги:
Jole blickte schnell über die Schulter zurück, verzog nachdenklich die Augenbrauen und folgte Yegorov nach draußen. Bevor sich die Türen schlossen, erhaschte Miles noch einen Blick auf den blonden Leutnant, wie er sich auf einem Sessel im Vorzimmer niederließ und den Kopf in der entspannten Pose eines Mannes zurücklehnte, der sich auf ein langes Warten einrichtet. Jole konnte manchmal geradezu übernatürlich höflich sein.
»Elena.« Mit einer gewissen Anstrengung riß sich Graf Vorkosigan von Miles los, um Elenas beide Hände mit einem kurzen festen Griff zu umfassen. »Geht es dir gut?«
»Ja, Sir.«
»Das freut mich … mehr als ich sagen kann. Cordelia läßt dich herzlich grüßen, sie hofft das Beste für dich. Falls ich dich sehen sollte, so sollte ich dich daran erinnern … ah — ich muß die Worte richtig zusammenbekommen, es war einer ihrer schlauen betanischen Sprüche — ›Dein Zuhause ist dort, wo man, wenn du dort hingehen mußt, dich aufnehmen muß.‹«
»Ich kann direkt ihre Stimme hören«, sagte Elena und lächelte.
»Übermitteln Sie ihr meinen Dank. Sagen Sie ihr … ich werde mich daran erinnern.«
»Gut.« Graf Vorkosigan drang nicht weiter in sie. »Setzt euch, setzt euch«, er winkte sie zu Stühlen, die er bequem an das Komkonsolenpult herangezogen hatte, und setzte sich selbst. Für einen Augenblick schaltete er quasi in einen anderen Gang, und seine Gesichtszüge entspannten sich, dann konzentrierte er sich wieder mit aller Aufmerksamkeit. Gott, er sieht müde aus, erkannte Miles, für den Bruchteil einer Sekunde fast todmüde. Gregor, du hast viel zu verantworten. Aber Gregor wußte das ja.
»Was ist die neueste Nachricht bezüglich des Waffenstillstands?« fragte Miles.
»Er hält noch, danke. Die einzigen cetagandanischer Schiffe, die nicht dorthin zurückgesprungen sind, vor wo sie kamen, hatten beschädigte Necklin-Stäbe oder beschädigte Steuersysteme oder verletzte Piloten.
Oder alles drei. Wir lassen sie zwei dieser Schiffe reparieren und dann mit Kernbesatzungen hinausspringen, die übrigen sind nicht mehr zu retten. Ich schätze, daß der kontrollierte kommerzielle Verkehr in sechs Wochen wieder aufgenommen werden kann.«
Miles schüttelte den Kopf. »So endet der Fünftage-Krieg. Ich habe nie einen Cetagandaner von Angesich zu Angesicht gesehen. All die Mühe und all das Blutvergießen, nur um zum Status quo ante zurückzukehren.«
»Nicht für alle. Eine Anzahl höherer Offiziere der Cetagandaner wurden in ihre Hauptstadt zurückgerufen, um ihrem Kaiser ihr ›unbefugtes Abenteuer‹ zu erklären. Man erwartet, daß ihre Entschuldigungen fatal sein werden.«
Miles schnaubte. »Es geht doch eher darum, daß sie für ihre Niederlage büßen. ›Unbefugtes Abenteuer‹ — glaubt das überhaupt jemand? Warum macht man sich überhaupt die Mühe?«
»Das ist Raffinesse, mein Junge. Einem Feind, der sich zurückzieht, sollte man soviel von seinem Gesicht überlassen, wie er davontragen kann. Laß ihn nur nicht irgend etwas anderes davontragen.«
»Ich habe gehört, daß du die Polianer eingewickelt hast. Die ganze Zeit erwartete ich, daß Simon Illyan persönlich auf der Bildfläche erscheinen würde, um uns verlorene Knaben nach Hause zu holen.«
»Er wollte unbedingt kommen, aber es gab keinen Weg, wie wir beide die Heimat zur selben Zeit verlassen konnten. Die wackelige Tarnung, die wir über Gregors Abwesenheit gebreitet hatten, hätte jeden Augenblick zusammenfallen können.«
»Wie habt ihr übrigens das geschaukelt?«
»Wir suchten einen jungen Offizier aus, der Gregor sehr ähnlich sah, sagten ihm, es gebe ein Attentatskomplott gegen den Kaiser und er solle den Köder spielen. Segen über ihn, er machte sofort bereitwillig mit. Er — und sein Sicherheitsteam, dem die gleiche Geschichte erzählt worden war — haben die nächsten paar Wochen damit verbracht, ein geruhsames Leben drunten in Vorkosigan Surleau zu führen und die besten Speisen zu schnabulieren — allerdings gab es dann eine Magenverstimmung.
Schließlich schickten wir ihn auf eine ländliche Campingreise, als die Anfragen aus der Hauptstadt immer drängender wurden. Die Leute werden es bald spitzkriegen, da bin ich mir sicher, wenn sie es nicht schon spitzgekriegt haben, aber jetzt, da wir Gregor wieder haben, können wir das Ganze erklären, wie immer wir wollen. Wie immer er will.« Graf Vorkosigan blickte einen Augenblick auf seltsame Weise finster drein, seltsam deshalb, weil er nicht gänzlich unzufrieden zu sein schien.
»Ich war überrascht«, sagte Miles, »obwohl sehr glücklich, daß du deine Streitkräfte so schnell an Pol vorbeigebracht hast. Ich fürchtete, sie würden dich nicht durchlassen, bis die Cetagandaner in der Nabe wären. Und dann wäre es zu spät gewesen.«
»Ja, also gut, das ist der andere Grund, weshalb ich gekommen bin anstatt Simon. Da ich Premierminister bin und früherer Regent, war es für mich vollkommen angemessen, einen Staatsbesuch auf Pol zu machen. Wir stellten schnell eine Liste zusammen mit den fünf wichtigsten diplomatischen Zugeständnissen, die sie seit Jahren von uns haben wollten, und schlugen sie als Tagesordnung vor. Da alles sehr förmlich und offiziell und einwandfrei war, war es dann vollkommen angemessen für uns, meinen Besuch mit der Jungfernfahrt der Prinz Serg zu verbinden.
Wir befanden uns im Orbit von Pol und pendelten immerzu hinauf und hinunter zu offizieller Empfängen und Parties« — seine Hand rieb unbewußl seinen Unterleib in einer Schmerz abwehrenden Geste —, »wobei ich noch verzweifelt versuchte, durch Reden unseren Weg in die Nabe zu erreichen, ohne daß wir auf jemand schießen müßten, als die Nachricht von dem cetagandanischen Überraschungsangriff gegen Vervain eintraf.
An diesem Punkt bekamen wir plötzlich ganz schnell die Erlaubnis weiterzufahren. Und wir waren nur Tage, nicht Wochen, vom Schauplatz entfernt. Die Aslunder dazu zu bringen, daß sie gemeinsame Sache mit den Polianern machten, war eine delikatere Angelegenheit. Gregor überrascht mich, wie er das hinkriegte. Die Vervani waren kein Problem, sie waren zu dem Zeitpunkt hochmotiviert sich Verbündete zu suchen.«
»Wie ich höre, ist Gregor jetzt sehr populär auf Vervain.«
»Er wird in ihrer Hauptstadt gerade gefeiert während wir hier miteinander reden, glaube ich.« Graf Vorkosigan blickte auf sein Chrono. »Sie sind ganz verrückt nach ihm. Ihn im Taktikraum der Prinz Serg mit in den Kampf fliegen zu lassen, war vielleicht eine bessere Idee, als ich dachte. Vom rein diplomatischen Standpunkt aus gesehen.«
Graf Vorkosigan schaute ziemlich zerstreut drein.
»Es … hat mich überrascht, daß du ihm erlaubt hast, mit euch in die Kampfzone zu springen. Das hatte ich nicht erwartet.«
»Nun ja, wenn du darauf zu sprechen kommst, der Taktikraum der Prinz Serg mußte wohl zu den am stärksten verteidigten paar Kubikmetern im ganzen Lokalraum von Vervain gehört haben. Er war … er war …«
Miles beobachtete fasziniert, wie sein Vater versuchte, die Worte vollkommen sicher auszusprechen, und statt dessen an ihnen herumwürgte. Ihm ging ein Licht auf. »Das war nicht deine Idee, oder? Gregor war auf seinen eigenen Befehl hin an Bord!«
»Er hatte verschiedene gute Argumente, um seine Haltung zu rechtfertigen«, sagte Graf Vorkosigan. »Der Propagandaaspekt scheint Früchte zu tragen.«
»Ich dachte, du wärest zu … vorsichtig. Um ihm das Risiko zu gestatten.«
Graf Vorkosigan studierte seine breiten Hände. »Ich mochte diese Idee gar nicht, nein. Aber ich habe einmal einen Eid geschworen, einem Kaiser zu dienen. Der moralisch gefährlichste Augenblick für einen Vormund kommt dann, wenn die Versuchung, ein Marionettenspieler zu werden, am vernünftigsten erscheint. Ich wußte immer, dieser Moment mußte … nein. Ich wußte, falls dieser Moment nie käme, dann hätte ich meinen Eid am tiefsten verfehlt.« Er hielt inne. »Es war trotzdem ein Schock für mich. Das Loslassen.«