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Im Auftrag Seiner Majestät

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Im Auftrag Seiner Majestät
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Der Baron sah dem Kapitän eine Minute lang forschend in das Gesicht, machte dann eine wegwerfende Gebärde und sagte in beinahe beleidigendem Ton:

„Ah, Sie haben einen Mißerfolg gehabt?“

„Leider!“

„Und wollen denselben beschönigen?“

„Fällt mir gar nicht ein.“

„Oh doch fällt es Ihnen ein! Sie haben gar nicht gestoßen, oder vielleicht haben Sie ganz und gar auf das Unternehmen verzichtet. Sie sind zu feig gewesen, und um sich bei mir zu entschuldigen, sagen Sie, daß der Mann einen Panzer getragen habe!“

Die Augen des Kapitäns blitzten zornig auf, und seine Lippen öffneten sich, um seine Zähne zu zeigen. Es war abermals jenes gefährliche, raubtierartige Fletschen, welches ihm bis in das späteste Alter eigen blieb. Er erhob sich langsam und drohend.

„Baron!“

Er sagte nur dies eine Wort, aber es lag in ihm ein Grimm, vor welchem selbst Reillac zurückschreckte. Er drückte sich fest an die Lehne seines Stuhls und fragte:

„Was beliebt?“

„Wenn Sie noch einmal von Feigheit sprechen, so beweise ich es an Ihrem eigenen ‚Menschenfleisch‘, daß wirklich nur ein Panzer imstande ist, meinen Stoß aufzuhalten!“

„Donnerwetter, Sie drohen mir?“

„Ja“, sagte der Kapitän einfach, indem er sich wieder niedersetzte.

„Das verbitte ich mir.“

„Pah! Dieses Verbitten hilft Ihnen nicht das mindeste, wenn Sie fortfahren, mich in dieser impertinenten Weise zu beleidigen.“

„Aber Sie wollen mich doch nicht glauben machen, daß Königsau wirklich einen Panzer getragen habe?“

„Glauben Sie es oder nicht! Ich mache mir den Teufel daraus“, sagte der Kapitän.

„Aber wie sollte er denn auf diesen Gedanken gekommen sein! Das ist mir unbegreiflich.“

„Mir ebenso.“

„Sollte er geahnt oder gar vermutet haben, daß er etwas zu befürchten hat?“

„Vielleicht. Fragen Sie ihn.“

„Oder tragen diese deutschen Offiziere während der Feldzüge einen Panzer unter ihrem Waffenrock, um während des Gefechts gegen Hieb und Stich gesichert zu sein?“

„Dummheit! Diesen Gedanken kann nur einer haben, der nicht Militär ist.“

„Inwiefern?“

„Der Soldat darf nur die vorgeschriebenen Sachen und Waffen tragen.“

„Ah, wirklich?“

„Ja. Übrigens würde man einen Beweis großer Feigheit darin sehen, wenn ein Husar den Stahl eines Kürassiers anlegen wollte. Es wäre ganz um seine Ehre geschehen.“

„In der Tat? Das habe ich wirklich nicht gewußt.“

„Und sodann gibt es einen sehr naheliegenden Gedanken, auf welchen Sie allerdings nicht gekommen sind, ein Beweis, daß es mit Ihrer Menschenkenntnis nicht weit her ist.“

„Sie werden spitz, Kapitän! Das verbitte ich mir! Welchen Gedanken meinen Sie?“

„Selbst wenn es einem Husaren erlaubt wäre, die Eisenweste zu tragen, so ist der Krieg jetzt doch beendet, wie Sie wissen. Wie kommt dieser verdammte Kerl darauf, mitten im Frieden, und zwar gerade heute, einen solchen Schutz anzulegen?“

„Allerdings unbegreiflich. Sollte er so scharfsinnig sein? Er ist doch ein Deutscher!“

„Sie sprechen den Deutschen also die Fähigkeit ab, scharfsinnig zu sein?“

„Vollständig.“

„Da bedaure ich Sie.“

„Ah, wie kann ein Barbar Scharfsinn besitzen?“

„Gehen Sie zu den Indianern und zu anderen unzivilisierten Leuten. Diese werden Ihnen Beweise eines Scharfsinns geben, der Ihr größtes Erstaunen erregt.“

„Hm, das ist wahr.“

„Und zudem sind die Deutschen vielleicht gar nicht so große Barbaren, wie wir denken.“

„Verlaufen wir uns nicht in allgemeinen Betrachtungen; das kann uns hier ganz und gar keinen Nutzen bringen; bleiben wir vielmehr bei unserem Gegenstand! Also Sie sagen wirklich, daß sie Fiasko gemacht haben und daß Königsau ihnen entkommen ist?“

„Ja.“

„Alle Teufel! Und nur des Panzers wegen, den er getragen hat?“

„Nur aus diesem Grund“, nickte der Kapitän ergrimmt.

„Erzählen Sie!“

„Er war, ganz wie wir vermutet hatten, bei meiner Schwester und ging sehr spät fort.“

„Sie lauerten ihn ab?“

„Ja.“

„Welche Waffe hatten Sie?“

„Meinen gläsernen venezianischen Dolch.“

„So ein Stilett ist ein fürchterliches Ding. Wann ging er?“

„Es war bereits Mitternacht. Ich folgte ihm auf dem Fuße.“

„Trafen Sie noch in der Rue d'Ange auf ihn?“

„Nein, ich wollte dies vermeiden. Erst am Ende der nächsten Straße ereilte ich ihn. Aber denken Sie sich mein Erstaunen, als ich bemerkte, daß er rückwärts ging.“

„Rückwärts? Auf Sie zu?“

„Nein. Er ging seinen Weg fort, aber mit dem Gesicht nach rückwärts gewendet.“

„Alle Wetter! Höchst eigentümlich! Höchst sonderbar!“

„Ja; er hatte mich erwartet.“

„So hat er Sie kommen gehört und sich zur Verteidigung vorbereitet.“

„Er konnte mich nicht kommen hören, denn ich hatte mich meiner Stiefel entledigt.“

„Sie gingen in Strümpfen?“

„Ja.“

„So ist der Anschlag verraten gewesen.“

„Fast möchte ich dies glauben. Aber wer soll dies getan haben? Ich natürlich nicht.“

„Und ich noch weniger. Ich habe gegen keinen Menschen eine Äußerung getan, welche auch nur im geringsten auf unser Vorhaben Bezug gehabt hätte.“

„Ich auch nicht.“

„So ist es unbegreiflich, ja geradezu ein Wunder, daß er unsere Absicht erraten hat. Sie müßten, als Sie ihn mit dem Marschall bei Ihrer Mutter sahen, eine Drohung ausgestoßen haben, infolge derer er auf unsere Fährte gekommen ist?“

„Ist mir nicht eingefallen! Übrigens wissen Sie ja selbst, daß, als ich ihn sah und sprach, von dem Anschlag gegen ihn noch gar keine Rede war. Wir haben uns ja erst besprochen, als ich von ihm nach meiner Wohnung zurückgekehrt war, in welcher Sie mich erwarteten.“

„Dann ist die Sache nur um so undurchdringlicher. Aber erzählen Sie weiter. Also er stand bereit, Sie zu empfangen. Sie bemerkten, daß er einen Panzer trug, und verzichteten infolgedessen jedenfalls sofort auf den geplanten Angriff?“

„Das fiel mir gar nicht ein! Es wäre jedenfalls gut gewesen, wenn ich so gedacht hätte, denn dann wäre er über meine Absicht im unklaren geblieben. Übrigens habe ich den Panzer nicht bemerkt, da es ja dunkel war. Er rief mich an, und ich warf mich trotzdem auf ihn. Ich stieß mit aller Kraft nach seinem Herzen. Ich hätte es sicherlich getroffen; aber der Dolch glitt ab, und die Spitze brach. Erst daran merkte ich, daß er den Panzer trug.“

„Der Teufel soll ihn holen! Aber gab es denn keine andere Stelle des Körpers, an welcher ihm ein tödlicher Stoß beizubringen war, zum Beispiel am Hals?“

„Pah! Dazu kam ich nicht. Wir gerieten miteinander in einen Ringkampf. Er hielt meinen Arm fest, und zudem kam eine Person hinzu, deren Gegenwart ich am allerwenigstem vermutet hätte.“

„Wer?“

„Raten Sie!“

„Ich bin nicht allwissend. Wer war es?“

„Hören Sie, und staunen Sie: Es war – meine Schwester.“

Der Baron fuhr überrascht empor.

„Unmöglich!“ rief er.

„Haben Sie doch die Güte, zu ihr zu gehen, um sich bei ihr zu erkundigen, ob es wahr ist.“

„Aber wie kommt die dazu, ihm nachzulaufen?“

„Das weiß der Teufel!“

„Es ist kein Zweifel. Sie haben beide geahnt, daß er sich in Gefahr befindet. Margot ist ihm heimlich gefolgt, weil sie Besorgnis um ihn gefühlt hat.“

„Nur auf diese Weise läßt es sich erklären.“

„Also diesem deutschen Laffen läuft sie nach!“ meinte der Baron zornig. „Ich aber werde mit Verachtung abgewiesen. Ah, ich werde ihnen einen Salat einschneiden, den sie schlecht verdauen sollen. Wie ging es weiter?“

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