Credo - Das letzte Geheimnis
- Автор: Престон Дуглас
- Год: 2008
- Язык: немецкий
- Жанр: Триллеры
Электронная книга - «Credo - Das letzte Geheimnis». Краткое содержание книги:
Er griff nach seiner Waffe und riss sie aus dem Halfter. Er rollte sich zur Seite und richtete den Lauf in die Menge. »Zurück!«, brüllte er.
Ein Stein traf ihn an der Brust und brach ihm mehrere Rippen. Bia feuerte blindlings in die Menge.
Ein Chor entsetzter Schreie erhob sich. »Mein Mann«, kreischte eine dieser Stimmen. »O Gott!«
Ein Baseballschläger sauste durch die Luft und traf ihn am Bein. Er feuerte noch zwei Schüsse ab, ehe der Schläger ihm den Arm zerschmetterte und ihm die Waffe aus der Hand flog.
Der kreischende Mob stürzte sich auf ihn, schimpfte, trat, schlug auf ihn ein.
Bia fiel vornüber, tastete nach der Waffe, doch ein Stiefel trat auf seine Hand und zerquetschte sie fast. Er schrie auf, rollte sich herum und versuchte, unter den Streifenwagen zu kriechen.
»Steinigt ihn! Mörder! Steinigt ihn!«
Er spürte, wie Steine und Stöcke auf ihn herabprasselten, wie sie Muskeln und Knochen trafen und auf das Metall und Glas seines Streifenwagens herabregneten. Halb erstickt vor Schmerz schaffte er es dennoch, halb unter den Wagen zu krabbeln, doch sie packten ihn am Bein und zerrten ihn zurück in den erbarmungslosen Hagel von Tritten und Schlägen. Er kreischte vor Schmerz und Grauen, rollte sich zusammen und versuchte, sich vor dieser ungezügelten Gewalt zu schützen. Das Gebrüll der Menge trat allmählich in den Hintergrund, übertönt von einem dumpfen Brüllen in seinem eigenen Kopf. Die Schläge kamen weiterhin, doch trafen sie nun jemand anderen, jemand anderes begab sich auf diese Reise, rückte immer weiter ab, weiter ab. Das Gebrüll verebbte zu einem fernen Murmeln, und dann hieß ihn wunderbare Dunkelheit und Stille willkommen.
Eddy sah zu, während sich die Menge wie ein Rudel Hunde an der Stelle drängte, wo eben noch der Polizist gestanden hatte. Er sah, wie der Mann aufzustehen versuchte, und dann war er fort, in die Tiefe gerissen vom gefährlichen Strudel der tobenden, Steine werfenden Menge.
Der seltsame rhythmische Gesang erstarb, und die Menge schien zu erschlaffen; dann wichen die Leute langsam zurück. Das Einzige, was übrigblieb, war die Dienstmütze des Polizisten und unförmige Klumpen in einer zertrampelten Uniform.
Der Mob zerstreute sich allmählich, nur eine Frau blieb zurück. Sie kniete auf dem Boden, weinte laut und hielt einen blutenden Mann in den Armen. Eddy spürte Panik in sich hochkriechen. Warum war alles so anders, als er es sich vorgestellt hatte? Warum kam es ihm so schmutzig vor?
»Dies ist Armageddon«, hörte er die tiefe, beruhigende Stimme von Doke sagen. »Es musste ja irgendwann beginnen.«
Doke hatte recht. Sie hatten die Grenze überschritten, nun gab es kein Zurück mehr. Der Kampf hatte begonnen. Gott führte ihre Hand, und Seine Entscheidungen konnten nicht hinterfragt werden. Eddy gewann neues Selbstvertrauen.
»Pastor?«, raunte Doke. »Die Leute brauchen Sie jetzt.«
»Natürlich.« Eddy trat vor und hob die Hände. »Meine Freunde in Jesus Christus! Hört mich an! MEINE FREUNDE IN JESUS CHRISTUS!«
Ein unruhiges Schweigen senkte sich herab.
»Ich bin Pastor Russell Eddy!«, rief er. »Ich bin der Mann, der den Widerchrist entlarvt hat!«
Die Menge, wie elektrisiert von der Gewalttat, drängte sich in Wellen zu ihm vor wie ein Ozean, der nach der Küste greift.
Eddy nahm Dokes Hand und hielt sie empor. »Die Könige, die Politiker, die Liberalen und die säkularen Humanisten dieser korrupten Welt werden sich in den Klüften und Felsen der Berge verstecken. Sie werden die Berge und Felsen anflehen: Fallt über uns und verbergt uns vor dem Angesichte dessen, der auf dem Stuhl sitzt, und vor dem Zorn des Lammes! Denn es ist gekommen der große Tag Seines Zorns, und wer kann bestehen?«
Ein Brüllen erfüllte die Nacht, die erregte Menge tobte.
Eddy drehte sich um, streckte den Arm aus und donnerte: »Dort, vier Kilometer östlich von hier, steht ein Zaun. Hinter dem Zaun ist eine Klippe. In dieser Klippe liegt Isabella. Und in Isabella ist der Antichrist. Er trägt den Namen Gregory North Hazelius.«
Das Gebrüll hallte von den Felsen wider, Schüsse krachten gen Himmel.
»Geht!«, schrie Eddy und schüttelte den ausgestreckten Arm. »Geht als ein Volk, angeführt vom flammenden Schwert Zions! Geht hin und findet den Widerchrist! Zerstört ihn und sein Tier! Die Schlacht Gottes, des Allmächtigen, hat begonnen! Sonne und Mond werden den Schein verlieren, und Sterne werden vom Himmel fallen!«
Er trat zurück, und die schäumende Menge wandte sich um und strömte wie eine Flutwelle über die mondhelle Mesa gen Osten; Taschenlampen und Fackeln hüpften in der Dunkelheit wie tausend glühende Augen.
»Gut gemacht«, sagte Doke. »Sie haben ihnen richtig eingeheizt.«
Eddy, der sich immer noch an Dokes starkem Arm festhielt, machte sich auf, den anderen zu folgen. Er warf einen Blick zurück und entdeckte Bia, ein zertrampeltes Häuflein im Staub – und die weinende Frau, die ihren toten Mann in den Armen wiegte.
Die ersten Opfer Armageddons.
60
Ein junger Mann Anfang zwanzig mit frischem Gesicht, ein gewisser Agent Miller, kutschierte Bern Wolf in einem Humvee vom Flugplatz zu der eingezäunten Sicherheitszone. Sie passierten mehrere durchbrochene Tore und hielten mitten auf dem Parkplatz, auf dem nur ein paar Zivilfahrzeuge standen. Alles war vom Licht starker Scheinwerfer grell erleuchtet.
Wolf blickte sich um. Soldaten sammelten sich am Rand der Mesa und befestigten Taue, um sich an der Klippe hinab zu Isabella abzuseilen. Es sah aus wie in einem Actionfilm.
»Wir warten im Fahrzeug, bis wir gerufen werden, Sir«, erklärte Miller.
»Wunderbar.« Wolf schwitzte. Er war Wissenschaftler, Computerexperte, und für so einen Blödsinn nicht geschaffen. Der Knoten in seinem Magen fühlte sich fest und schwer an. Wolf nahm sich vor, ganz dicht bei Agent Miller zu bleiben, dessen Arme so aussahen, als könnte er mühelos einen Buick stemmen. Sein Rücken und seine Schultern waren so massig, dass das großkalibrige NATO-Sturmgewehr unter seiner Achsel wie ein Plastikspielzeug wirkte.
Er beobachtete die Männer am Rand der Mesa bei ihrer Arbeit. Einer nach dem anderen befestigte sein Seil und sprang rücklings in die Tiefe, beladen mit dicken Rucksäcken. Obwohl Wolf Isabella nie selbst besucht hatte, kannte er sie wie seine Westentasche. Er hatte einige Pläne selbst entworfen und lange über den Konstruktionszeichnungen gebrütet. Er kannte außerdem die Software genau, und das Energieministerium hatte ihm einen Umschlag mit sämtlichen Abschalt-und Sicherheitscodes übergeben. Isabella auszuschalten würde kein Problem sein.
Für ihn war das Problem, die hundert Meter hohe Klippe hinunterzugelangen.
»Ich muss mal pinkeln«, sagte er.
»Direkt neben dem Fahrzeug, und beeilen Sie sich, Sir.«
Wolf erleichterte sich und stieg wieder ein.
Miller beendete gerade einen Funkspruch. »Wir sind dran, Sir.«
»Sie sind schon drin?«
»Nein. Die wollen Sie da unten haben, bevor der erzwungene Zutritt erwirkt wird.«
Der erzwungene Zutritt erwirkt wird. Wussten die Kerle eigentlich, wie lächerlich sie sich anhörten?
Miller nickte. »Nach Ihnen.«
Wolf hatte das Gefühl, als wehre sich jeder Muskel seines Körpers, als er seinen Rucksack schulterte. Trotz der grellen Beleuchtung konnte er erstaunlich viele Sterne am Himmel über sich sehen. Die Luft war frisch und roch nach Holzrauch. Als er sich vom laufenden Motor des Humvee entfernte, fiel ihm auf, wie still die Nacht hier war. Das lauteste Geräusch kam von den knisternden Hochspannungsleitungen – offensichtlich lief Isabella auf Hochtouren. Er bezweifelte, dass da unten irgendetwas ernsthaft nicht in Ordnung war. Vermutlich war das Kommunikationssystem durch einen simplen Computerfehler ausgefallen. Irgendein idiotischer Bürokrat war durchgedreht und hatte dieses Sondereinsatzkommando losgeschickt. Vielleicht wussten die Wissenschaftler im Bunker nicht einmal, was sie für einen Aufruhr verursachten.