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Das Schwert des Königs

Электронная книга - «Das Schwert des Königs». Краткое содержание книги:

Sturmklinge heißt das gottgegebene Königsschwert, von Zwergenhand geschaffen. Und nach den überlieferten Gesetzen darf nur der Besitzer der heiligen Waffe Anspruch auf den seit Zwergengedenken unbesetzten Thron des unterirdischen Reiches Thorbardin erheben. Als Sturmklinge gestohlen wird, bricht der junge Zwerg Stanach Hammerfels auf, die unersetzliche Waffe wiederzufinden. Tod und Verderben lauern am Rand seines Weges auf ihn, und nicht nur der Frieden im Zwergenreich hängt am Erfolg von Stanachs gefährlicher Mission...
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Obwohl Realgars volles Gewicht an ihm hing, biß Hornfell die Zähne zusammen und zog. »Laß los!« flüsterte Stanach.

Hornfells Griff löste sich. Seine Hände rutschten an Realgars Arm zu seinem Handgelenk hoch, und seine Finger berührtem Sturmklinges Heft genau in dem Moment, als Realgar seinen Kopf zurückwarf und schrie. Der Zauberer fiel, und Hornfell warf sich vor, um Sturmklinge zu retten.

Der Stahl blitzte, während Hornfell ihn vor dem Fall bewahrte.

Stanach schloß die Augen. Er mußte beißende Tränen hinunterschlucken. Einen Augenblick lang wußte er nicht, ob sein Herz sich vor Freude oder vor Trauer zusammenzog.

Jetzt lagen nicht mehr Hauks Hände auf Stanachs Armen, sondern Lavims. Hauk war zu Hornfell geeilt. Immer noch taumelnd nach dem Tritt des Theiwars sah Stanach sich verwirrt nach dem Kender um. Lavim sagte etwas, aber Stanach begriff es nicht.

»Langsam«, flüsterte der Zwerg rauh. »Langsam, Lavim.« Lavim zog an Stanachs linker Hand. »Komm jetzt, Stanach«, drängte er. »Du mußt jetzt mitkommen.«

Der Zwerg sagte kein Wort. Er hatte keine Kraft mehr, um mit Lavim zu streiten, und ging deshalb einfach mit. Er hörte Kelidas leise, ängstliche Stimme. Als er sich nach ihr umsah, verschwamm das Bild.

An der offenen Tür von Nordtor entdeckte er sie, wo sie neben Tyorl kniete, um ihn zu stützen. Ihr graues Lederhemd war dort, wo sie verletzt worden war, zerrissen. Sie sagte etwas zu Lavim, und der Kender lief mit blassem, runzligem Gesicht zum Tor und schrie nach Kern.

Von dort, wo er stand, konnte Stanach Kelidas kummervollen Gesichtsausdruck und das Zittern ihrer Hände sehen, als sie die Finger an Tyorls Hals legte und nach seinem Puls tastete, der – falls es ihn noch gab – nur schwach sein konnte. Zu viel Blut tränkte die Lederkleidung des Elfen.

Er hörte Hauks Stimme hinter sich. Stanach drehte sich um. Hauk starrte auf Sturmklinge, das in Hornfells Hand lag.

Langsam legte Hornfell das Schwert neben Tyorl. Der haßerfüllte Blick, den Hornfell kurz auf das Königsschwert warf, ließ Stanachs Herz vor Kälte zittern. Die Saphire auf Sturmklinges Heft fingen das schwindende Licht ein. In der Tiefe der flachen Klinge pulsierte das Feuer von Reorx’ Schmiede.

Wortlos nahm Hauk Lavims Platz ein und legte Tyorl seine zitternden Finger auf den Arm. Seine Lippen bewegten sich stumm, als sie den Namen des Freundes wiederholten, der so weit gewandert war, um ihn aus Realgars Folterkammer zu retten. In Hauks Augen stand die tiefste Trauer, die Stanach je gesehen hatte.

Zaghaft berührte er Kelida an der Schulter. »Lyt Chwaer.« Er hockte sich neben sie.

»Ich habe Lavim zu Kernbal geschickt.« Ihre Stimme brach vor Trauer. »Es wird nichts mehr helfen. Tyorl wird sterben. Stanach.«

Stanach legte die Arme um sie, um sie zu stützen, solange sie Tyorl hielt. »Es tut mir leid«, murmelte er.

Kelida lehnte sich an seine Schulter und verbarg ihr Gesicht in seinem dicken, schwarzen Bart.

Stanach streichelte ihre Schulter, und sein Blick begegnete dem von Hauk. Die Ungläubigkeit in den Augen des Waldläufers, als er zu begreifen versuchte, daß sein Freund wirklich starb, ließ ihn plötzlich sehr jung wirken.

Tyorl bewegte sich. Seine Lippen bewegten sich, als wenn er etwas sagen wollte. Dann glitt seine Hand in Kelidas, und sie wandte sich ihm zu. In ihren grünen Augen glitzerten Tränen. Vorsichtig, um ihm keine Schmerzen zu bereiten, beugte sich Kelida vor und küßte ihn sanft.

»Ach«, hauchte Tyorl, »du hast mir schon einmal einen Abschiedskuß gegeben – in Langenberg.« Er hob die Hand und strich ihr durchs Gesicht und durchs Haar. »Kelida.«

Stanach merkte, wie sie Tyorls fallende Hand ergriff. Kelida schluchzte, und Stanachs Herz schmerzte vor stummer Trauer.

Sturmklinges Stahl hatte Tyorl getötet.

32

Sturmklinge. Königsschwert aus Bruchstücken der Dämmerung mit einem Mitternachtsstern.

Obwohl es ihm gehörte, hatte Hornfell sich das Schwert seit dem Kampf vor drei Tagen in Nordtor noch nicht an die Hüfte geschnallt. Obwohl die Zwerge von Thorbardin ihn – teils überglücklich, teils skeptisch – als Regenten anerkannt hatten, würde er sein Amt erst in sieben Tagen antreten. Es wäre unpassend, das Königsschwert schon vorher zu tragen.

Hornfell hob den Deckel der Vitrine, in der Sturmklinge lag. Der mit rauchfarbenem Samt und rotschimmerndem Satin ausgepolsterte Kasten enthielt die Königsschwerter der Hochkönige von Generationen.

Jetzt enthält er das eines Prinzregenten, dachte er, und zwar hier in der Halle der Lehnsherren, gut bewacht, aber für alle zugänglich, die es sehen, bewundern und bestaunen wollen.

Sie waren gekommen, als wollten sie den Segen einer Reliquie erbitten. Die Halle der Lehnsherren war noch nie so streng bewacht gewesen wie in diesen letzten beiden Tagen. Leibgarden aus jeder der sechs Zwergenstädte standen Tag und Nacht rund um die Uhr gemeinsam Wache.

Hornfell trat von der Truhe und dem langen Schaukasten zurück, der jedesmal, wenn er ihn ansah, mehr einer Bahre glich. Er fragte sich, ob je ein Königsschwert so teuer erkauft worden war wie Sturmklinge.

Als die Theiware, die die Stadt der Klar angriffen, davon erfuhren, daß ihr Lehnsherr tot war, hatten sich ihre Formationen aufgelöst, und sie waren zurück in ihre schwarzen Städte geflüchtet.

Aus diesem Durcheinander, dachte Hornfell jetzt, würden die Theiware sich erst dann wieder erheben können, wenn sie ihre blutigen, inneren Querelen beendet hatten, um unter den Überlebenden einen neuen Anführer zu wählen.

Obwohl Ranze keine Zählung der Gefallenen zuließ, hatten seine Daergars einen raschen, ungestümen Ausfall gegen die Flüchtlinge in den Ackerhöhlen gewagt. Sturm hatte sie jedoch sauber am Südeingang der Ackerhöhlen festgenagelt, während Caramon von Norden auf sie eingedrungen war. Tanis und seine Offiziere hatten sich gut bewährt.

Das war das Ende der Revolution. Ranze behauptete weiterhin, er hätte seine Stadt nur verteidigt, weil er glaubte, die Ausländer würden den Aufstand der Theiware zum Plündern und Brandschatzen nutzen. Niemand konnte ihm nachweisen, daß er mit Realgar verbündet war.

Hornfell erschauerte und merkte, wie seine Augen von dem Königsschwert angezogen wurden. Versilberter Goldgriff, makellose Saphire und eine Klinge aus feinstem Stahl mit Flammenherz: Es hatte so viele Leben gekostet!

Seine Seele war tief erschöpft, und er wußte nicht, ob seine Regentschaft den Tod so vieler Zwerge aus seiner Sippe, so vieler Freunde und Fremder wert war, die ihr Leben dafür gelassen hatten.

Hinter sich hörte er Schritte. Hornfell drehte sich um, weil er plötzlich an Pfeifer dachte. Fast hätte er den Namen des Magiers laut ausgesprochen, doch er hielt inne, als er Lavim, den Kender, hinter einer breiten, hohen Säule auftauchen sah.

Hornfell starrte den Kender an. Er war an vierundzwanzig bewaffneten Wachen vorbeigekommen, und keine von ihnen hatte mehr als einen huschenden Schatten wahrgenommen!

Der Kender grüßte Hornfell unbekümmert und voller Zutraulichkeit. »Wißt Ihr, Sir, man sucht Euch schon überall. Es ist schon fast Sonnenuntergang. Sie warten alle im Tal der Lehnsherren auf Euch. Ich hatte gedacht, Ihr wärt vielleicht hier, darum kam ich Euch holen. Außerdem wollte ich doch noch mal einen Blick auf Sturmklinge werfen.« Er zeigte auf das Königsschwert. »Ich habe das Ding da ein paar Wochen lang vor den Augen gehabt. Ich muß schon sagen, da drin sieht es ganz anders aus.«

Hornfell lächelte. »Wie sieht es denn aus?«

»Hm, größer, glaube ich.«

Lavim trat näher an die Vitrine, um besser sehen zu können. Hornfell ließ ihn nicht aus den Augen. Obwohl Lavim unterhaltsam und einfallsreich war, blieb er doch immer noch ein Kender.

»Nein«, sagte Lavim und berichtigte seine Aussage. »Nicht größer. Nur – weiß nicht, nicht wie Kelidas Schwert. Oder Hauks. Oder wessen auch immer.« Lavim zuckte mit den Schultern und schaute dann mit zusammengekniffenen Augen in eine dunkle Ecke an der fernen Decke. »Richtig. Seins.«

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