Doch die Sünde ist scharlachrot
- Автор: Джордж Элизабет
- Серия: Inspector Lynley (de) #15
- Год: 2008
- Язык: немецкий
- Год: Blanvalet
- ISBN: 978-3-7645-0242-3
- Переводчик: Ingrid Krane-Müschen
- Жанр: Полицейские детективы
Электронная книга - «Doch die Sünde ist scharlachrot». Краткое содержание книги:
Was zunächst wie ein Unfall aussieht entpuppt sich als Sabotageakt und Mord, und die örtliche Ermittlerin Bea Hannaford steht schon bald einem ganzen Dutzend Verdächtigen gegenüber. Darunter auch der Wanderer, der von sich behauptet, Thomas Lynley zu heißen doch ausweisen kann er sich nicht. Als Hannaford bei New Scotland Yard Informationen einfordert, bekommt sie seine Dienstmarke übermittelt, die keineswegs vernichtet wurde, als Lynley nach dem tragischen Tod seiner Frau den Dienst quittiert hatte.
Hannaford bezieht den Detective Superintendent, der er nicht mehr zu sein behauptet, in ihre Ermittlungen ein. Und tatsächlich hat Lynley bereits einen ersten Verdacht. Nur einePerson, weiß er, kann ihm auf unbürokratischem Weg mehr Informationen beschaffen.Und er ruft Barbara Havers an…
Das bedeutete allerdings auch, dass nichts an dem Cottage gerade war — insbesondere nicht die Fenster, deren Rahmen für die nicht eben rechtwinkligen Fensteröffnungen handgefertigt worden waren. Lynley erkannte das zu seinem Schrecken erst, als er die Überreste der zerbrochenen Scheibe entfernt hatte und die neue Scheibe in den Rahmen hielt. Die vermeintlichen Horizontalen waren in Wirklichkeit leicht schräg, stellte er fest — gerade schräg genug, um den Einbau zu einer Herausforderung werden zu lassen.
Er hätte an beiden Seiten messen sollen, ging ihm auf. Verlegen stieg ihm eine zarte Röte ins Gesicht.
»Oje«, bemerkte Daidre. Und dann, als fürchtete sie, die Bemerkung könnte einen Mangel an Vertrauen ausdrücken: »Ich nehme an, wir brauchen…«
»Kitt.«
»Wie bitte?«
»Es ist lediglich eine größere Menge Kitt auf der einen Seite erforderlich. Das sollte unser Problem beheben.«
»Oh, wunderbar«, erwiderte sie. »Fabelhaft.« Sie entfernte sich umgehend in Richtung Küche und murmelte vor sich hin, sie würde erst einmal Tee kochen…
Er hatte seine liebe Mühe mit der Aufgabe. Mit dem Kitt, dem Spachtel, der Scheibe, dem Einsetzen ebenjener und mit dem Regen, der ihm verdammt noch mal hätte sagen sollen, dass er sich vergebens an etwas nahezu Unmöglichem abmühte. Sie blieb in der Küche. Und zwar so lange, dass er zu dem Schluss kam, sie machte sich womöglich nicht nur über seine Unfähigkeit lustig, sondern wäre selbst in der Lage gewesen, das Fenster im Handumdrehen zu reparieren. Immerhin war sie die Frau, die ihn beim Dartspiel in Grund und Boden gestampft hatte.
Als sie endlich wieder zum Vorschein kam, war es ihm tatsächlich gelungen, die Glasscheibe einzusetzen. Allerdings war unübersehbar, dass irgendwer Geschickteres nötig war, um seine Reparatur auszubessern. Er gestand sein Scheitern ein und entschuldigte sich. Er werde nach Pengelly Cove fahren, erklärte er, und, wenn sie ihn begleiten wolle, mit einem Abendessen alles wiedergutmachen.
»Pengelly Cove? Warum gerade dorthin?«, fragte sie.
»In einer Polizeiangelegenheit«, antwortete er.
»Detective Inspector Hannaford glaubt, in Pengelly Cove seien Antworten zu finden? Und sie hat Sie darauf angesetzt? Warum nicht einen ihrer eigenen Beamten?«, wollte Daidre wissen.
Als er mit seiner Antwort zögerte, brauchte sie nur einen Moment, um die richtigen Schlüsse zu ziehen. »Ah«, und sie tippte sich mit dem Zeigefinger an die Schläfe. »Sie sind nicht mehr verdächtig. Ist das denn klug von ihr?«
»Was?«
»Sie von der Liste der Verdächtigen zu streichen, nur weil Sie Polizist sind? Ziemlich kurzsichtig, oder?«
»Ich glaube, sie hätte Schwierigkeiten, ein Motiv zu finden.«
»Verstehe.« Ihr Tonfall hatte sich verändert, und er wusste, dass sie sich den Rest zusammengereimt hatte: Er selbst mochte nicht länger verdächtig sein, sie — Daidre — hingegen schon. Vermutlich wusste sie, dass es dafür einen Grund gab, und vermutlich auch, welchen.
Er fürchtete schon, sie würde seine Einladung ausschlagen, aber das tat sie nicht, und das freute ihn. Er suchte nach einem Weg, um die Wahrheit über sie zu erfahren und was sie verbarg, und die beste Methode schien ihm zu sein, ihr Vertrauen auf einem gemeinsamen Ausflug zu gewinnen.
Der geeignete Zugang zu ihr, so stellte sich bald heraus, waren Wunder. Sie hatten die Küste verlassen und schlängelten sich durch Stowe Wood auf dem Weg zur A39, als er sie fragte, ob sie denn tatsächlich an Wunder glaube. Zuerst runzelte sie die Stirn über die Frage. Dann fiel es ihr wieder ein: »Ach ja. Die Ausdrucke aus dem Internet, die Sie gesehen haben. Nein, ich glaube nicht daran. Aber ein Freund von mir, ein Kollege im Zoo — der Affenpfleger, um genau zu sein, — plant eine Reise für seine Eltern. Denn sie glauben an Wunder und brauchen gerade dringend eines.«
»Sehr freundlich von Ihnen, dass Sie ihm helfen.« Er sah zu ihr hinüber. Ihr Gesicht hatte sich gerötet. »Ihrem…« Welche Rolle mochte dieser Kollege wohl in ihrem Leben spielen?, überlegte er. Geliebter, Freund, Expartner? Woher kam diese Reaktion?
»Ein Freundschaftsdienst«, sagte sie, als hätte er seine Fragen ausgesprochen. »Bauchspeicheldrüsenkrebs. Es besteht eigentlich keine Hoffnung mehr auf Heilung, dabei ist er noch gar nicht alt — Paul sagt, sein Vater sei erst vierundfünfzig, — aber sie wollen eben nichts unversucht lassen. Ich glaube, es ist sinnlos, aber wer bin ich, dass ich das einschätzen könnte? Also habe ich ihm gesagt, ich würde… na ja, nach dem Ort mit den erfolgversprechendsten statistischen Zahlen suchen. Ziemlich albern, oder?«
»Nicht unbedingt.«
»Doch, natürlich ist es das, Thomas. Wie will man statistisch an einen Ort herangehen, der hauptsächlich von Mystizismus und tiefem, womöglich unangebrachtem Gottvertrauen lebt? Wenn ich in dieser einen bestimmten Quelle bade, sind meine Heilungschancen dann größer, als wenn ich meine Bitte auf ein Stück Papier schreibe und es einer Heiligenstatue zu Füßen lege? Was, wenn ich die Erde von Medjugorje küsse? Oder ist es am Ende doch am besten, ich bleibe zu Hause und bete zu irgendwem, der gerade einen Beschleuniger für sein Heiligsprechungsverfahren gebrauchen könnte? Denn die sind es doch, die ein Wunder brauchen, um ihren Heiligenschein zu kriegen. Wäre das nicht die beste Methode? Es würde auf jeden Fall Geld sparen, das auszugeben wir uns eh nicht leisten können.« Sie atmete tief durch, und er warf ihr einen raschen Blick zu.
Sie hatte sich mit dem Rücken gegen die Autotür gelehnt, und ihr Gesicht wirkte angespannt. »Tut mir leid«, fügte sie leise hinzu. »Ich übertreibe ein bisschen. Aber es ist so schrecklich, wenn man miterleben muss, wie Leute ihren gesunden Menschenverstand ausschalten, sobald sie in eine Krise geraten. Wenn Sie wissen, was ich meine.«
»Ja«, sagte er gleichmütig. »Zufälligerweise weiß ich in der Tat, was Sie meinen.«
Sie legte die Hand vor den Mund. Sie hatte kräftige Hände, die sicher ordentlich zupacken konnten, die Hände einer Ärztin, mit kurzen, sauberen Nägeln. »O mein Gott. Es tut mir so furchtbar leid! Ich hab's schon wieder getan! Manchmal rede ich schneller, als ich denke.«
»Das ist schon in Ordnung.«
»Das ist es nicht. Sie hätten alles getan, um sie zu retten. Es tut mir leid.«
»Nein. Was Sie gesagt haben, ist absolut richtig. In einer Krise geraten die Menschen ins Taumeln, sehen sich orientierungslos um auf der Suche nach einer Lösung. Und diese Lösung ist in ihren Augen immer das, was sie wollen, und nicht unbedingt das, was für alle anderen das Beste ist.«
»Trotzdem. Es war nicht meine Absicht, Sie zu verletzen. Ich will niemals irgendwen verletzen…«
»Danke.«
Er wusste nicht, wie er von diesem Punkt auf ihre Lügen überleiten sollte, es sei denn, er tischte ihr selber ein paar auf, aber das lehnte er entschieden ab. Es war schließlich Bea Hannafords Aufgabe, Daidre Trahair bezüglich ihrer vorgeblichen Route von Bristol nach Polcare Cove zu befragen. Und ebenso lag es bei Bea Hannaford, Daidre zu erklären, dass die Polizei inzwischen über ihren mutmaßlichen Mittagsstopp in einem nicht existenten Pub Bescheid wusste, und es lag bei Hannaford zu entscheiden, wie sie dieses Wissen einzusetzen gedachte, um die Tierärztin zu einem wie auch immer gearteten Geständnis zu bewegen.
Er nutzte das längere Schweigen, um ihre Unterhaltung in eine andere Richtung zu lenken. »Wir hatten mal eine Gouvernante. Habe ich das schon erwähnt? Wie aus dem neunzehnten Jahrhundert. Sie blieb nur so lange, bis meine Schwester und ich rebellierten und ihr in der Guy-Fawkes-Nacht Frösche ins Bett gesetzt haben. Und zu der Jahreszeit waren Frösche nicht leicht zu finden, glauben Sie mir.«