In Nomine Mortis
- Автор: Rademacher Cay
- Год: 2009
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические детективы
Электронная книга - «In Nomine Mortis». Краткое содержание книги:
»Also werde ich am nächsten Sonntag in Notre-Dame eine feierliche Messe zelebrieren. Ich werde selbst predigen. Von der Kanzel werde ich den treuen Christenmenschen dieser Stadt verkünden, dass der Sünder, welcher zwei Männer GOTTES meuchelte und deshalb SEINEN Zorn auf die gute Stadt Paris gelenkt hat, nun sicher im Kerker der Inquisition seiner verdienten Strafe harrt.«
Meister Philippe wurde noch eine Spur blasser als sonst. »Sonntag ist schon in zwei Tagen«, gab er zu bedenken.
»Ich vertraue dem Scharfsinn und der unnachgiebigen Jagdkunst der Inquisition«, antwortete der Bischof. Dann reichte er uns den Ring, auf dass wir ihn erneut küssten. »Ihr dürft Euch zurückziehen«, verkündete er.
»Also haben wir noch zwei Tage«, sagte Philippe de Touloubre, als wir den Palast verlassen hatten. »Sonst machen wir uns den Bischof von Paris zum unversöhnlichen Feind. Und wer weiß, was dann geschehen mag.«
»Fürchtet Ihr Euch nicht, Meister?«, fragte ich zaghaft. Da wandte er sich mir zu — und er lächelte so kalt, dass mir ein Schauder in die Glieder fuhr.
»Nein«, verkündete er. »Bei meinem Seelenheiclass="underline" Wir werden Pierre de Grande-Rue finden. Und der Bischof wird am Sonntag etwas zu predigen haben, dass seine Gemeinde nicht so schnell vergisst!«
*
Fast schien es mir, als habe GOTT den Inquisitor vernommen. Denn am nächsten Tag — es war der Tag des Heiligen Benedikt, des Vaters aller Mönche — kam direkt nach der Prim, da Meister Philippe und ich uns gerade bereit machten, wieder ins Viertel der Färber und Gerber zu gehen, ein gar seltsamer Bote zu uns. Der Portarius brachte uns einen Bettler, der irgendwann bei einem schrecklichen Vorkommnis beide Beine verloren hatte und der seither auf einem kleinen Karren daherrollte, auf dem er hockte und den er mit seinen schwieligen Fäusten über den Boden schob. Ich hatte ihn erst wenige Tage zuvor gesehen — er war eines der »Augen« der Inquisition. »Herr«, meldete er, »ich habe den Mann gesehen, den Ihr sucht: Der Vagant versteckt sich in einem Schuppen an der Porte Saint-Honore.«
»Bist du dir da ganz sicher?«, erwiderte der Inquisitor. »Das ist nicht in der Nähe der Schlachthöfe.«
»Nein, Herr, das ist bei der Festung des Louvre, am anderen Ende der Stadt. Doch ich schwöre es: Es war Pierre de Grande-Rue, den ich dort erblickte, als ich mich eben zum Betteln am Tor einrichten wollte.« Meister Philippe segnete daraufhin den elenden Krüppel, warf ihm ein paar Kupfermünzen zu und gebot dem Koch des Klosters, ihm ein reiches Morgenmahl aufzutragen. Dann eilten wir auf die Rue Saint-Jacques hinaus, wo uns der dicke Sergeant erwartete, denn er tat heute Dienst.
»Auf.«, rief ihm der Inquisitor zu. »Zur Porte Saint-Honore!« Wir eilten, so schnell uns unsere Füße trugen, bis zum jenseitigen Teil der Stadt. Dort wandten wir uns direkt am Ufer nach links und liefen weiter — ungeachtet der verwunderten Blicke, die uns zugeworfen wurden.
Schon von Weitem erkannte ich den Louvre. Atemlos erreichten wir das Tor im Schatten der Festung, die Porte Saint-Honore, und sahen uns um.
»Sollen wir uns aufteilen und in verschiedenen Richtungen suchen, Meister?«, fragte der Sergeant keuchend.
Der Inquisitor schüttelte den Kopf. »Das ist zu gefährlich. Einzeln können wir gegen Pierre de Grande-Rue nicht bestehen. Wir müssen zusammenbleiben.«
So näherten wir uns denn vorsichtig dem schäbigen Verschlag an der Innenseite des großen Stadttores, wo traditionell die Bettler Almosen erbaten von allen Reisenden. Bauern mit von Ochsen gezogenen, hoch aufragenden Heuwagen rumpelten über das Pflaster und nahmen uns die Sicht, dazu kamen Lastenträger, Boten und ein paar Flüchtlinge. Doch der Menschenstrom war nicht so groß, dass er unsere Sinne verwirrte.
Der Sergeant winkte einen der beiden Torwächter heran, einen jungen Mann mit einer Hellebarde. Meister Philippe erklärte ihm in hastigen Worten, wen wir jagten.
»Der große Rothaarige?«, sagte der Torwächter. »Der sucht schon seit Tagen Händler oder Vaganten, die ihn mitnehmen könnten. Doch in dieser unsicheren Zeit verlässt ja niemand mehr Paris. Wir werden ihn am Sammelplatz der Reisegruppen finden, direkt außerhalb des Stadttores, neben der Straße.«
Und tatsächlich: Kaum hatten wir die Porte Saint-Honore durchquert, erblickten wir Pierre de Grande-Rue, der im Schatten unter einer Ulme saß und döste.
»Da ist er!«, rief der Sergeant — was nicht nur überflüssig war, da wir doch alle den Vaganten schon erblickt hatten, sondern auch dumm. Denn Pierre de Grande-Rue öffnete die Augen, kaum dass er den Ruf vernommen hatte, sprang auf — und rannte davon. »Hinterher!«, rief der Inquisitor. »Ewige Verdammnis droht Euch, wenn Ihr ihn wieder entkommen lasst!«
GOTT selbst hatte uns den jungen Wächter geschickt. Denn wir waren, nachdem wir bereits durch ganz Paris geeilt waren, außer Atem und müde in den Beinen. Doch der Soldat war ausgeruht und flink.
Mit großen Sprüngen rannte er uns davon. Und ich, der ich mich keuchend mühte, sah, dass er auch schneller war als der massige Vagant.
Die Straße war jenseits der Stadtmauern ungepflastert. Gelber Staub wurde vom heißen Sommerwind aufgewirbelt und verklebte uns die Augen und kratzte in der Lunge. Doch wir ließen nicht nach. Ich dachte an Jacquette und die schreckliche Wunde in ihrer Brust und verdoppelte meine Anstrengungen. So schnell wie der Torwächter war ich nicht, doch schneller als der Sergeant und selbst als Meister Philippe — und schneller als Pierre de Grande-Rue. »Du wirst für deine Untaten büßen!«, dachte ich und ein Zorn, der eines Christen und eines Mönches erst recht nicht würdig ist, loderte in meiner Seele.
So eilten wir wohl einige Hundert Schritte dahin, bis der Mann, den wir jagten, plötzlich nach rechts von der Straße abbog. Pierre de Grande-Rue hatte sich mehrmals nach uns umgesehen und wohl erkannt, dass wir ihm immer näher kamen. Ich sah, dass etwas in seiner Rechten blitzte.
»Er hat ein Messer!«, schrie ich mit letzter Kraft dem Torwächter zu, damit dieser gewarnt war. Doch der hob im Lauf nur seine Hellebarde und rief etwas Unverständliches.
Der Vagant taumelte, dann sprang er vom Weg hinunter in einen staubigen, roterdigen Schlund am Rand der Straße: Wir waren in den Tuilerien, den Gruben, in denen Ziegel aus Ton geformt und in großen, rauchenden Ofen gebrannt wurden. Wir erblickten ein paar Arbeiter, die schweren, feuchten Ton in hölzerne Formen pressten. Schwitzende Lastenträger kamen uns entgegen, die auf ihren Rücken Paletten gebrannter Steine schleppten.
Und einer jener Träger besiegelte das Schicksal des Vaganten. Denn Pierre de Grande-Rue rannte einige Schritte weit durch die Grube, blickte sich kurz nach uns um, kam dabei jedoch ins Stolpern— und stieß mit einem der Ziegelschlepper zusammen. Beide Männer stürzten, wobei Dutzende Ziegel polternd auf den Flüchtenden fielen.
Der Vagant wand sich blutend und benommen im Staub - zu schwach, um wieder auf die Beine zu kommen. Sein Messer lag einige Schritte neben ihm im Dreck. Er wollte noch dorthin kriechen, um es zu ergreifen — und hätte es wohl unweigerlich nach dem ersten von uns geschleudert, wenn der Wächter nicht schneller gewesen wäre. Mit Riesensätzen sprang er heran, schrie unartikuliert auf - und schlug Pierre de Grande-Rue mit dem eisenbeschlagenen Stiel seiner Hellebarde auf den Kopf, dass der Vagant das Bewusstsein verlor und in den Staub sank.