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Das Kloster der toten Seelen

Электронная книга - «Das Kloster der toten Seelen». Краткое содержание книги:

Peter Tremayne ist das Pseudonym eines anerkannten Historikers, der sich auf die versunkene Kultur der Kelten spezialisiert hat. In seinen im 7. Jahrhundert spielenden historischen Romanen löst Schwester Fidelma, eine irische Nonne von königlichem Geblüt und gleichzeitig Anwältin bei Gericht, auf kluge und selbstbewußte Art die schwierigsten Fälle. Wegen des großen internationalen Erfolgs seiner Serie um Schwester Fidelma wurde Peter Tremayne 2002 zum Ehrenmitglied der Irish Literary Society auf Lebenszeit ernannt.
Aus einer kleinen religiösen Gemeinschaft sind sämtliche Mönche verschwunden, im Refektorium steht noch ihr beinahe unberührtes Mahl. Es ist, als hätte sich die Erde geöffnet und die Klosterbrüder verschlungen. Da entdeckt man sieben der Mönche ermordet auf den Klippen am Meer und unweit davon ein angelsächsisches Schiff. Trotzdem liegen die Dinge weniger klar, als sie scheinen. Und es wird entschieden gefährlich für Schwester Fidelma und Bruder Eadulf, ehe sie wissen, welche handfesten irdischen Absichten und Interessen hinter dem mystisch anmutenden Vorfall und einigen weiteren Morden in der Gegend stecken.
Aus dem Englischen von Susanne Olivia Zylla
Die Originalausgabe unter dem Titel »Smoke in the Wind« erschien 2001 bei Headline Book Publishing, London.
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Morgan hatte dafür gesorgt, daß das Schiff der Hwicce ihnen dichtauf folgte, doch die Sachsen hatten ihren Mast bei einem Unwetter während der Verfolgungsjagd eingebüßt. Also ging ihr Schiff hier in der Nähe vor Anker, weil ein Baum gefällt werden mußte für den neuen Mast. Ein weiterer Zufall wollte es, daß ich Zeuge wurde, wie Morgans Schiff in die Bucht einlief und man die toten Mönche unweit der Küste über Bord warf. Wieder waren ihnen Symbole der Hwicce mitgegeben worden.«

Clydog brach in schallendes Gelächter aus. »Der Sachse versucht, seine Mitbrüder von jeglicher Schuld reinzuwaschen. Glaubt ihm nicht. Die Sachsen haben diese Mönche auf dem Gewissen.«

Prinz Cathen lächelte ihn kalt an. »Deine eigenen Worte haben dich bereits überführt, und die Aussage Sualdas kam noch hinzu. Doch sag mir, Bruder Eadulf, warum haben die Krieger von Ceredigion nicht alle gefangenen Mönche auf einmal abgeschlachtet? Weshalb teilte man sie in Gruppen auf?«

Darauf trat Fidelma einen Schritt vor und ergriff das Wort.

»Damit man die Bevölkerung besser täuschen konnte. Einige Mönche hinterließ man tot bei den Klippen, einige sollten in Llanpadern vorgefunden werden, wenn nicht Eadulf und ich den Plan durch unsere Anwesenheit durchkreuzt hätten. Und andere behielt man zurück, um zum richtigen Zeitpunkt den Haß gegen den angeblichen Feind derart schüren zu können, daß es zu einer Katastrophe kommen mußte. Bruder Eadulf und ich sind der Meinung, daß Morgan ungefähr noch zwölf der Klosterbrüder von Llanpadern gefangenhalten könnte.«

»Unser großes Glück war«, fügte Eadulf hinzu, »daß Morgan sich nicht überzeugt hatte, daß alle Mönche, die er über Bord warf, wirklich tot waren. Einer von ihnen lebte noch.«

Eadulf log nicht. Er behielt nur für sich, daß der arme Mönch gestorben war, ehe er seine Mörder benennen konnte.

Clydogs Augen verengten sich. Prinz Cathen lehnte sich auf seinem Stuhl vor.

»Streitest du immer noch alles ab, Clydog?«

Der Prinz von Ceredigion schob verächtlich das Kinn vor. »Es ist Krieg, das ist alles«, sagte er plötzlich, als wolle er alle üblen Taten damit abtun.

Auf Cathens Gesicht zeichnete sich Zorn ab. »Krieg? Die Mönche des Klosters Llanpadern sind ermordet worden! Mein eigener Bruder, Rhun, der ehrwürdige Pater Clidro, den ich sehr gut kannte, und andere sind geopfert worden von jenen, die dieses teuflische Ränkespiel ausgeheckt haben! Blutvergießen folgt auf Blutvergießen! Haben du und dein Vater Artglys wirklich geglaubt, daß dieser verworrene Plan funktionieren würde? Selbst wenn die Krieger von Ceredigion in Dyfed einmarschiert wären, meinst du etwa, daß niemand in diesem Königreich aufgestanden wäre, sobald sich Artglys zum Herrscher von Dyfed erklärt hätte?«

»Der Plan war noch ausgeklügelter«, warf Fidelma mit leiser Stimme ein.

»Noch ausgeklügelter?« fragte Cathen. »Inwiefern?«

»Der Plan benötigte jemanden innerhalb von Dyfed, um die Unterstützung der Leute hier zu gewinnen. Es gibt mehrere kleine Verräter, die bereit waren, sich an Ceredigion zu verkaufen. Zum Beispiel Iestyn.«

»Ich bin kein Verräter!« rief Iestyn von seinem Platz aus, wo ihn Cathens Männer immer noch festhielten. »Gwlyddien ist ein Schwächling. Es ist an der Zeit, daß wir einen neuen Herrscher bekommen.«

Fidelma ignorierte ihn, gab aber Cadell ein Zeichen.

Kurz darauf führte Cadell einen hochgewachsenen Mann herein; es war Corryn, der immer noch seinen Kriegshelm trug.

»Nimm den Helm ab«, befahl sie ihm.

Als Corryn zögerte, tat es Cadell selbst.

Cathen sprang von seinem Amtsstuhl auf. Er hatte eine Hand auf sein Herz gelegt und starrte Corryn an. Der Geächtete, auf dessen Kopf nun eine Tonsur sichtbar wurde, blickte ihm mit violetten Augen zynisch entgegen.

Fidelma schaute voller Genugtuung zu Eadulf, ehe sie Corryn fragte: »Und wie möchtest du vor diesem Gericht angesprochen werden? Als Corryn, die Spinne, als Bruder Rhun von Llanpadern oder als Prinz Rhun von Dyfed?«

Gleichgültig zuckte Corryn mit den Schultern. »Das spielt keine Rolle. Es sieht so aus, als seien wir bei einem Schachmatt angelangt . Zumindest vorerst.«

Fidelma wandte sich an Prinz Cathen. »Wir tappen nicht mehr im dunkeln. Das letzte Rätsel ist gelöst«, verkündete sie. »Warum beunruhigte Clydogs Erscheinen die Mönche nicht? Warum gab es keinerlei Anzeichen für eine Verteidigung im Kloster? Weil Bruder Rhun seine Macht über die Brüder ausspielte und sie überredete, sich Clydog und seinen Männern kampflos zu fügen. An seinen Händen klebt ihr Blut.«

Cathen ließ sich betroffen auf seinen Stuhl sinken. Er betrachtete seinen Bruder voller Widerwillen und Qual. »Stimmt das, Rhun? Hast du dich mit Ceredigion verbündet, dem Feind dieses Königreiches, um deinen Vater zu stürzen und an die Macht zu gelangen? Ich kann es immer noch nicht glauben. Hast du wirklich diese schreckliche Verschwörung unterstützt?«

Corryn lächelte schief. »Du warst stets so leichtgläubig, kleiner Bruder. Derjenige, der nicht in der Lage ist, für eine Weile ein Mißgeschick zu ertragen, der verdient auch kein Wohlergehen. Ich war fähig, mein Mißgeschick zu ertragen, als ich versuchte, den Preis zu erringen, den ich ersehnte. Lange habe ich diesen Anschlag vorbereitet. Deshalb habe ich den Königshof verlassen und vorgetäuscht, Mönch zu werden. Gott, wie habe ich mich in den folgenden Monaten in der Abgeschiedenheit des Klosters gelangweilt. Als ich endlich zu Clydog und dem Boten seines Vaters in den Wald von Ffynnon Druidion gerufen wurde, war ich so glücklich wie nie zuvor.«

Cathen schüttelte ungläubig den Kopf. Er konnte es nicht fassen. Dann verhärtete sich sein Gesicht. »Es heißt, daß es kein schlimmeres Verbrechen gibt als Vaterlandsverrat, Rhun. Du hast dich als Wolf im Schafspelz erwiesen. Ich muß dich vor unseren Vater bringen, damit er dich in deiner Bosheit und listigen Täuschung selbst sieht. Nur das verlängert deine Lebenszeit ein wenig. Wenn es nach mir ginge, würde man dich sofort von der nächsten Klippe ins Meer stürzen.«

Corryn schien das nicht zu beeindrucken. »Vielleicht wäre es besser für dich, wenn du das auch tätest. Dieses schwache Königreich kann sich nicht mehr lange gegen die ehrgeizigen Absichten von Ceredigion behaupten. Non semper erit aestas!«

Die Brüder funkelten sich mit ihren Blicken an, dann winkte Cathen seinen Männern zu und zeigte auf Corryn.

»Schafft mir ... den aus den Augen.«

Als der ehemalige Mönch zur Tür geführt wurde, rief Cathen ihm plötzlich hinterher: »Vielleicht solltest du dir, Rhun, diese Zeile von Seneca zu Herzen nehmen, die du eben zitiert hast. Sicher, es wird nicht immer Sommer sein. Der Tag der Abrechnung für dich kommt in Kürze. Sollen deine Freunde aus Ceredigion nur versuchen, uns jetzt anzugreifen. Wir sind gerüstet. Sie werden vertrieben werden, wie wir sie in der Vergangenheit immer vertrieben haben; wie Rauch im Wind werden sie vergehen.«

Epilog

»Ich finde, du hast den Fall ausgezeichnet dargelegt, Eadulf«, lobte Fidelma ihren Gefährten.

Die Küste von Dyfed verschwand in der Ferne, als sie sich gegen die Heckreling des fränkischen Handelsschiffes lehnten, das nach Süden über die Bucht von St. Brides segelte. Es war ein beruhigendes Gefühl, zu spüren, wie die Wellen dumpf gegen den Schiffsrumpf schlugen, wie sich die verschwindende Küstenlinie mit den Wellen immer auf und ab bewegte, wie die dünnen Ledersegel knarrten, die für ihre Reise aufgezogen worden waren, wenn der wechselhafte Wind in sie fuhr. Der Kapitän hatte ihnen versprochen, daß sie erst wieder an der Insel Tanatos vor der Küste von Kent anlegen würden. So brauchten sie die nächsten Tage die Reise einfach nur zu genießen. Sie waren entspannt und glücklich.

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