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Headhunt - Feldzug der Rache (German Edition)

Электронная книга - «Headhunt - Feldzug der Rache (German Edition)». Краткое содержание книги:

Nur nicht den Kopf verlieren, heißt es für Special Agent Aloysius Pendergast und Lieutenant Vincent D'Agosta: In New York treibt ein Serienkiller sein Unwesen, der die Köpfe seiner Opfer als Trophäen behält. Doch er hinterlässt kaum verwertbare Spuren, und die Ermordeten scheinen nichts gemeinsam zu haben – außer Geld, Macht und keinerlei Skrupel. Geht im Big Apple ein Rächer um? Eine Welle der Hysterie stürzt die ganze Stadt ins Chaos. Mittendrin Pendergast und D'Agosta, die kaum einen Schritt weiterkommen und nicht ahnen, dass die Motive des Killers finsterer sind als die neun Kreise der Hölle.
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Er stellte sich auf und schoss – die Kugel durchschlug das Schloss. Er untersuchte es, rüttelte an der Tür, stellte fest, dass ein Teil des Schlosses noch klemmte, und knackte es samt Riegel mit einem zweiten Schuss. Die Tür schwang auf – dahinter zeigte sich ein langer, leerer Kellergang.

Noch sechs Kugeln.

Er betrat den Gang und folgte den Spuren bis in den hintersten Flügel des Kellergeschosses. Pendergast machte sich inzwischen nicht einmal mehr die Mühe, leise aufzutreten oder seine Fährte zu verwischen. Er hatte einfach keine Zeit mehr dafür. Das war der Zeitpunkt der Jagd, an dem das Wild anfing, sich bedrängt zu fühlen. Einen Menschen zu jagen, dachte Ozmian, ist wirklich nicht anders, als einem verletzten Löwen nachzusetzen. Je mehr er Pendergast in die Ecke trieb und beunruhigte, desto eher würde er in Panik geraten, die Fähigkeit verlieren, nachzudenken, und zu einem nur reagierenden Nervenbündel werden. Pendergast befand sich jetzt in diesem Stadium. Er war ein Mann, dem die Ideen ebenso wie die Kugeln ausgegangen waren. Irgendwann würde er tun, was alle gejagten Tiere am Ende taten: aufhören davonzulaufen, sich umdrehen und sein letztes Gefecht liefern.

Während Ozmian den Gang entlangging und der Spur folgte, bemerkte er, wie düster dieser Teil des Kellergeschosses war, wie seltsam beunruhigend mit seinen kahlen Betonschalsteinwänden, durchzogen von Feuchtigkeit, regelmäßig durchbrochen von kalkfarbenen, fensterlosen Türen auf beiden Seiten. Jede Tür war nummeriert und mit einem schmutzigen Schild versehen:

RAUM EECT-1

RAUM EECT-2

RAUM EECT-3

Was bedeuteten die Bezeichnungen? Wozu dienten diese Räume?

Die Spuren endeten an der Tür zu einem Raum, der als EECT-9 gekennzeichnet war. Ozmian untersuchte den Boden unmittelbar vor der Tür und las die Spur: Sein Jagdwild hatte innegehalten, dann die Tür geöffnet und das Zimmer betreten, wobei es immer noch kein Täuschungsmanöver vornahm, und die Tür hinter sich geschlossen. Zwar hatte Ozmian keine Ahnung, was sich in dem Raum befand, doch er spürte, dass er klein war und höchstwahrscheinlich eine Sackgasse darstellte, ohne Fluchtmöglichkeit für Pendergast. Es war wie Fische in einer Tonne abknallen. Andererseits, rief sich Ozmian in Erinnerung, war sein Wild außergewöhnlich schlau und durfte nicht unterschätzt werden. Alles konnte ihn auf der anderen Seite dieser Tür erwarten. Außerdem hatte der Mann noch eine Kugel übrig.

Äußerst vorsichtig, an einer Seite stehend, machte Ozmian einen kleinen Test mit seinem Jagdwild. Er legte die Hand auf die Klinke und drückte sie herunter, wissend, dass Pendergast diese Bewegung auf der anderen Seite sehen würde.

Bumm! Genau wie er gehofft hatte, hatte Pendergast seine letzte Kugel vergeudet und blindlings durch die Tür geschossen. Jetzt war er unbewaffnet, abgesehen vom Messer. Er sah auf die Uhr: noch acht Minuten, bevor Pendergasts Partner zerfetzt werden würde.

Es war eine denkwürdige Jagd gewesen, doch das Ende war nah.

»Pendergast?«, sagte Ozmian durch die geschlossene Tür. »Tut mir leid, dass Sie Ihre letzte Kugel vergeudet haben.«

Stille.

Zweifellos wartete der Mann mit dem Messer in der Hand, ähnlich wie jener angeschossene Löwe im Mopanebusch gehockt hatte, bereit für den letzten verzweifelten Kampf.

Er wartete.

»Die Zeit läuft ab. Nur noch sechs Minuten, bis Ihr Freund in die Luft fliegt.«

Endlich sagte Pendergast etwas. Seine Stimme klang zittrig und hoch. »Kommen Sie rein und kämpfen Sie, statt sich hinter der Tür zu verstecken wie ein Feigling.«

Seufzend, jedoch ohne seine Deckung im Geringsten aufzugeben, hob Ozmian die Waffe, wobei er mit der Linken die Taschenlampe so an den Lauf hielt, dass sie dorthin wies, wohin die Waffe zielte. Dann stieß er mit einem wüsten Fußtritt die Tür auf und drehte sich in den Raum. Im Bruchteil einer Sekunde deckte er den Raum ab und rechnete mit einer verzweifelten und vergeblichen Messerattacke aus irgendeiner Ecke.

Stattdessen hörte er eine Stimme, die leise und freundlich aus der Dunkelheit heraus sagte:

»Willkommen, tapferer kleiner Mann, im Raum des Glücklichseins

Die Worte waren wie ein Messer, das in den tiefsten Teil seines Gehirns gestoßen wurde.

»Wie geht es dir heute, tapferer kleiner Mann? Komm rein, komm nur rein, sei nicht so schüchtern! Wir sind alle Freunde hier, wir lieben dich und sind hier, um dir zu helfen.«

Die Worte waren ihm auf der Stelle vertraut und doch auf eine so groteske Weise seltsam, dass sie ähnlich einem großen Erdbeben den Bunker seines Gedächtnisses aufsprengten, sodass eine Flut an Erinnerungen herausströmte: kochend heiß, weiß glühend bildeten sie in seinem Kopf einen strudelnden Malstrom und löschten alles auf ihrem Weg aus. Ozmian taumelte, kaum fähig, sich auf den Beinen zu halten.

»All die freundlichen Ärzte hier möchten – möchten es so sehr – dir helfen und dazu beitragen, dass es dir wieder besser geht, damit du zu deiner Familie zurückgehen, du wieder in die Schule, zu deinen Freunden und dem Leben eines normalen Jungen zurückkehren kannst. Komm, komm nur, tapferer kleiner Mann, und nimm Platz auf unserem Glücklichsein-Stuhl …«

Da ging plötzlich ein Licht an, und es bot sich ihm ein Anblick, der sowohl haarsträubend als auch auf eigenartige Weise vertraut war: ein gepolsterter Stuhl, losgeschnallte Riemen an den Lehnen und Beinen, mit einem Metalldrehtisch daneben. Ausgelegt auf dem Tisch waren spezielle Utensilien: eine Gummimundsperre, Gummistifte, Riemen und Halsbänder, eine schwarze Ledermaske, ein Stahlhalsband – alles schwach erhellt vom Schein des gelblichen Lichts. Und alles überragend, körperlos, sah man einen Helm aus Nirostastahl, eine glänzende Kuppel mit Kupferstutzen und geringelten Drähten, die an einem ausfahrbaren Gelenkarm befestigt waren.

»Komm, kleiner tapferer Mann, und nimm Platz. Lass dir von den netten Ärzten helfen! Es wird nicht wehtun, nicht im Geringsten, und hinterher wird es dir so viel besser gehen, wirst du so viel glücklicher sein – und einen Schritt näher daran, nach Hause gehen zu können. Das Beste an alledem ist, dass du dich an nichts erinnern wirst, an nichts, schließe also die Augen, denk an zu Hause, und es wird vorüber sein, bevor du es weißt.«

Ozmian schloss wie in einer hypnotischen Trance die Augen. Er spürte, wie ihm der Arzt sanft etwas Schweres aus der Hand nahm, dann führten ihn diese einfühlsamen Hände auf den Ledersitz. Widerstandslos nahm er Platz, sein Verstand war leer. Er spürte, wie ihm die Schnallen und Gurte um Handgelenke und Fußknöchel gelegt wurden, spürte, wie sie angezogen wurden, spürte, wie ihm die Ledermaske übers Gesicht gezogen wurde. Er hörte das Quietschen der metallenen Gelenke, als sich der Stahlhelm auf seinen Kopf senkte, eisig kalt, doch seltsam beruhigend. Er spürte, wie der Arzt etwas aus der Brusttasche zog, und dann hörte er ein leises Klicken.

»Und nun schließ die Augen, mein tapferer kleiner Mann, es fängt gleich an …«

64

Das Lämpchen am Zünder, der mit einem Gurt an Vincent D’Agosta festgebunden war, war erst drei Minuten bevor der Timer die Zweistundenmarke erreichte, von Rot auf Grün gewechselt. Das war verdammt knapp, und D’Agosta spürte, wie sich seine riesengroße Erleichterung mit Verärgerung darüber mischte, dass Pendergast so lange benötigt hatte, um diesen Dreckskerl Ozmian zu töten. In den vergangenen zwei Stunden, in denen er gewartet und angestrengt gelauscht hatte, hatte er aus dem riesigen, südlich gelegenen Krankenhausgebäude sowohl mehrere Schusswechsel gehört als auch das spektakuläre und furchterregende Geräusch, das von einem teilweisen Einsturz jenes Gebäudes herrühren musste. D’Agostas Besorgnis hatte zugenommen, als Pendergast Ozmian nicht in den ersten zehn Minuten kaltgemacht hatte, und der Einsturz des Gebäudes schockierte und beunruhigte ihn, denn er deutete auf einen Kampf ungeheuren Ausmaßes hin. Er hatte die Angst seines Lebens verspürt, während er zusah, wie die Zeit ablief.

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