Ein Kampf um Rom
- Автор: Дан Феликс
- Язык: немецкий
- Жанр: Историческая проза
Электронная книга - «Ein Kampf um Rom». Краткое содержание книги:
verloren. Darum schweig' ich von solchen Dingen zu euch.
Aber ihr macht mich nicht mehr anders mit meinen bald hundert Jahren. Tut ihr, was ihr wollt, ich tue, was ich muß.»
«Nun», sprach Graf Teja nachgebend, «auf euer Haupt die Schuld. Aber wenn dieser letzte Amaler dahin... » -
«Dann ist das Gefolge seines Schwures frei.»
«Vielleicht», schloß Witichis, «ist es ein Glück, daß auch uns dein Eid die Wahl erspart: denn gewiß wollen wir keinen Herrscher, den du nicht anerkennen könntest. Gehen wir denn, das Volk zu beschwichtigen, und tragen wir diesen König solang er zu tragen ist.»
«Aber keine Stunde länger», sagte Teja und ging zürnend hinaus.
Zweites Kapitel
Am nämlichen Tage noch wurden Theodahad und Gothelindis mit der alten Krone der Gotenkönige gekrönt.
Ein reiches Festmahl, besucht von allen römischen und gotischen Großen des Hofes und der Stadt, belebte den weiten Palast Theoderichs und den sonst so stillen Garten, den wir als den Schauplatz von Athalarichs und Kamillas Liebe kennengelernt. Bis tief in die Nacht währte das lärmende Gelage. Der neue König, kein Freund der Becher und barbarischer Festfreuden, hatte sich frühe zurückgezogen.
Gothelindis dagegen sonnte sich gern in dem Glanz ihrer jungen Herrlichkeit: stolz prangte sie auf ihrem Purpursitz, die goldne Zackenkrone im dunkeln Haar. Sie schien ganz Ohr für die lauten Jubelrufe, die ihren und ihres Gatten Namen feierten. Und doch hatte ihr Herz dabei nur eine Freude: den Gedanken, daß dieser Jubel hinunterdringen müsse bis in die Königsgruft, wo Amalaswintha, die verhaßte, besiegte Feindin, am Sarkophage ihres Sohnes trauerte.
Unter der Menge von jenen Gästen, die immer fröhlich sind, wenn sie bei vollen Bechern sitzen, war doch auch so manches ernstere Gesicht zu bemerken: mancher Römer, der auf dem leeren Thron da oben lieber den Kaiser gesehen hätte: so mancher Gote, der in der gefährlichen Lage des Reiches einem König wie Theodahad nicht ohne Sorge huldigen konnte.
Zu letzteren zählte Witichis, dessen Gedanken nicht unter dem kranzgeschmückten Säulendach der Trinkhalle zu weilen schienen. Unberührt stand die goldne Schale vor ihm, und auf den lauten Zuruf Hildebads, der ihm gegenüber saß, achtete er kaum. Endlich - schon leuchteten längst im Saale die Lampen und am Himmel die Sterne - stand er auf und ging hinaus in das grüne Dunkel des Gartens.
Langsam wandelte er durch die Taxusgänge dahin: sein Auge hing an den funkelnden Sternen. Sein Herz war daheim bei seinem Weibe, bei seinem Knaben, die er monatelang nicht mehr gesehen. So führte ihn sein sinnendes Wandeln an den Venustempel bei der Meeresbucht, die wir kennen. Er sah hinaus nach der flimmernden See - da blitzte etwas dicht vor seinen Füßen im schwachen Mondlicht: es war eine Rüstung, daneben die kleine, gotische Harfe: ein Mann lag vor ihm im weichen Grase, und ein bleiches Antlitz hob sich ihm entgegen.
«Du hier, Teja? Du warst nicht beim Fest.»
«Nein, ich war bei den Toten.»
«Auch mein Herz weiß nichts von diesen Festen: es war daheim bei Weib und Kind», sagte Witichis, sich zu ihm niedersetzend.
«Bei Weib und Kind», wiederholte Teja seufzend.
«Viele fragten nach dir, Teja.»
«Nach mir! Soll ich sitzen neben Cethegus, der mir die Ehre nahm, und neben Theodahad, der mir mein Erbe nahm?»
«Dein Erbe nahm?»
«Wenigstens besitzt er's. Und über den Ort, wo meine Wiege stand, ging seine Pflugschar.»
Und schweigend sah er lange vor sich hin.
«Dein Harfenspiel - es schweigt? Man rühmt dich unsres Volkes besten Harfenschläger und Sänger!»
«Wie Gelimer, der letzte König der Vandalen, seines Volkes bester Harfenschläger war. Aber mich würden sie nicht im Triumph einführen nach Byzanz!»
«Du singst nicht oft mehr?»
«Fast niemals mehr. Aber mir ist, die Tage kommen, da ich wieder singen werde.»
«Tage der Freude?»
«Tage der höchsten, der letzten Trauer.»
Lange schwiegen beide.
«Mein Teja», hob endlich Witichis an, «in allen Nöten von Krieg und Frieden hab' ich dich gefunden treu, wie mein Schwert. Und obwohl du soviel jünger als ich und nicht leicht der Ältere sich dem Jüngling verbindet, kann ich dich meinen besten Herzensfreund nennen. Und ich weiß, daß auch dein Herz mehr an mir hängt als an deinen Jugendgenossen.»
Teja drückte ihm die Hand: «Du verstehst mich und ehrest meine Art, auch wo du sie nicht verstehst. Die andern - und doch: den einen hab' ich sehr lieb.»
«Wen?»
«Den alle lieb haben.»
«Totila!»
«Ich hab' ihn lieb wie die Nacht den Morgenstern. Aber er ist so helclass="underline" er kann's nicht fassen, daß andre dunkel sind und bleiben müssen.»
«Bleiben müssen! Warum? Du weißt, Neugier ist meine
Sache nicht. Und wenn ich dich in dieser ernsten Stunde bitte: lüfte den Schleier, der über dir und deiner finstern Trauer liegt, so bitt' ich's nur, weil ich dir helfen möchte. Und weil des Freundes Auge oft besser sieht als das eigene.»
«Helfen? Mir helfen? Kannst du die Toten wieder auferwecken? Mein Schmerz ist unwiderruflich wie die Vergangenheit. Und wer einmal gleich mir den unbarmherzigen Rädergang des Schicksals verspürt hat, wie es, blind und taub für das Zarte und Hohe, mit eherner, grundloser Gewalt alles vor sich niedertritt, ja, wie es das Edle, weil es zart ist, leichter und lieber zermalmt, als das Gemeine, wer erkannt hat, daß eine dumpfe Notwendigkeit, welche Toren die weise Vorsehung Gottes nennen, die Welt und das Leben der Menschen beherrscht, der ist hinaus über Hilfe und Trost: er hört ewig, wenn er es einmal erlauscht, mit dem leisen Gehör der Verzweiflung den immer gleichen Taktschlag des fühllosen Rades im Mittelpunkt der Welt, das gleichgültig mit jeder Bewegung Leben zeugt und Leben tötet. Wer das einmal empfunden und erlebt, der entsagt einmal und für immer und allem: nichts wird ihn mehr erschrecken. Aber freilich - die Kunst des Lächelns hat er auch vergessen auf immerdar.»
«Mir schaudert. Gott bewahre mich vor solchem Wahn! Wie kamst du so jung zu so fürchterlicher Weisheit?»
«Freund, mit deinen Gedanken allein ergrübelst du die Wahrheit nicht, erleben mußt du sie. Und nur, wenn du des Mannes Leben kennst, begreifst du, was er denkt und wie er denkt. Und auf daß ich dir nicht länger erscheine wie ein irrer Träumer, wie ein Weichling, der sich gern in seinen Schmerzen wiegt - und damit ich dein Vertrauen und deine schöne Freundschaft ehre, vernimm -, höre ein kleines Stück meines Grams. Das größere, das unendlich größere behalt' ich noch für mich», sagte er schmerzlich, die Hand auf die Brust drückend -«es kommt wohl noch die Stunde auch für dies. Vernimm heute nur, wie über meinem Haupte der Stern des Unheils schon leuchtete, da ich gezeugt ward. - Und von all den tausend Sternen da oben bleibt nur dieser Stern getreu. Du warst dabei -du erinnerst dich - wie der falsche Präfekt mich laut vor allen einen Bastard schalt und mir den Zweikampf weigerte: - ich mußte es dulden, ich bin noch Schlimmeres als ein Bastard. - -