Witiko
- Автор: Штифтер Адальберт
- Язык: немецкий
- Жанр: Классическая проза
Электронная книга - «Witiko». Краткое содержание книги:
»Was sagt meine erlauchte Herzogin dazu?« fragte der Herzog.
»Lasse das Mädchen heute abends zu mir in meinen Hof kommen, damit ich mit ihm spreche«, antwortete die Herzogin.
»So machet die Sache nach Euerm Sinne in das Reine«, sagte der Herzog, »die Jungfrau wird uns von unsern Vorräten hier wenig wegzehren. Aber Rownos Wille muß gehört werden, und seinen Rechten muß Genüge geschehen.«
»Wenn das Gespräch zu Ende ist«, sagte Dimut, »so werde ich jetzt mit meinem Bruder reden.«
»Es ist zu Ende«, sprach der Herzog, »rede mit ihm.«
»Ich aber rede nicht mit ihr«, rief Rowno von seinem Platze, »ich bitte den erlauchten Herzog um ein Wort meiner Stimme zu ihm.«
»Du hast jederzeit die Erlaubnis, mit mir zu reden«, sagte der Herzog.
»Hoher Herr«, rief Rowno, »ich bin kein Krieger deiner Zupe Daudleb, was wir gegen die Zupanei schuldig sind, haben wir erfüllt, und Lubomir ist mit allen Zupenkriegern zu dir gegangen, ich bin ein freier Mann in Rowna, dem Eigen unserer Sippen, ich bin freiwillig mit den Rownakriegern in die Schlacht auf dem Berge Wysoka gegangen, bin dir freiwillig nach Prag gefolgt, und bleibe freiwillig bei dir. Ich bitte dich, erlauchter Herzog, um die Vergunst, daß ich vor der ganzen Versammlung reden darf.«
»Wenn es notwendig ist, so rede«, sagte der Herzog.
»Du wirst selber sehen, daß es notwendig war, wenn ich gesprochen habe«, entgegnete Rowno.
»So komme hervor, und sprich«, sagte der Herzog.
Rowno ließ seinem Pferde den Stachel spüren, es setzte sich in Bewegung, die Männer machten eine Gasse, und er ritt durch dieselbe vorwärts bis zu dem Herzoge. Dort stellte er sich den vier Männern gegenüber, die mit Dimut gekommen waren. Er war wie einer von ihnen. Er hatte wie sie ein dunkelwollenes weites gegürtetes Gewand an, trug ein Schwert, und hatte auf dem Haupte eine rauhe Wolfshaube. Er richtete sich aber hoch empor, sah die Männer an, und rief mit lauter Stimme: »Du, Wentimir, und du, Diš, und du, Meneš, und du, Walchun, reitet ungesäumt über diesen Berg hinab, und reitet ohne einen andern Aufenthalt fort, als zu eurer und eurer Pferde Erquickung notwendig ist, reitet immer fort, bis ihr in Rowna angekommen seid. Dort stellt euch unter die Herrschaft Bustins, den ich zur Verteidigung des Turmes zurückgelassen habe, und sagt, euer Urteil, daß ihr Rowna verlassen habt, werde ich sprechen, wenn ich aus diesem Streite werde nach Hause zurückgekehrt sein, und sagt, Bustins Urteil, daß er euch fortgelassen hat, werde ich zu derselben Zeit sprechen.«
Er schwieg, und die versammelt waren, schwiegen, und warteten.
Die vier Männer wendeten ihre Pferde um, und suchten einen Weg nach abwärts. Keiner sprach ein einziges Wort. Man machte ihnen Platz, und man sah sie nach dem Tore gegen den Burgflecken hinab reiten. Sie waren bald nicht mehr zu sehen. Jetzt war nur mehr Rowno allein mit einer Wolfshaube auf dem Platze.
Er sprach nun zu Dimut: »Wenn ich von dieser Stelle fort reite, wirst du mir folgen.«
»Ich werde dir folgen«, antwortete Dimut.
Nach diesen Worten wendete er sich zu dem Herzoge, und sagte: »Erhabener Fürst und Herzog! Du siehest, daß ich vor allen, die hier sind, sprechen mußte, weil die Sünde des Ungehorsams vor allen begangen worden ist. Das Land und die Leute müssen wissen, daß die Wladyken Gerechtigkeit üben, weil sonst das Land und die Leute zu Grunde gingen. Wer gegen seinen Obern seinen eigenen Willen verlangt, ist ein Unterdrücker.«
»Du hast recht getan, so zu sprechen«, sagte der Herzog, »ich bin ja auch ein Wladyk, gegen den seine Sippen jetzt ihren eigenen Willen verlangen, und diese Sippen fügen sich nicht so wie die deinigen, darum dieser Kampf entstanden ist. Ich denke nun, du wirst, wenn hier in Prag oder bei Prag alles ausgeordnet ist, und du wieder in deine Heimat zurück gekehrt bist, Bustin, den du zum Führer deiner Burg zurück gelassen hast, bestrafen, daß er Männer leichtfertig aus derselben gelassen, und du wirst ihn belohnen, daß er die Torheit deiner Schwester unschädlich gemacht hat, und du wirst die vier Männer strafen, daß sie ihren Platz verlassen haben, und du wirst sie belohnen, daß sie deiner Schwester in Gefahren beigestanden sind.«
»Hoher Herzog, höre mich an«, sagte Rowno, »da lebt in der Burg Daudleb der edle Zupan Lubomir. Er hat seine Sippen in den Ämtern. Da ist sein Sippe Wentislaw der Zupenrichter, sein Sippe Rastislaw der Meier, sein Sippe Widimir der Schreiber, sein Sippe Kodim der Kämmerer, sein Sippe Momir der Zöllner, und da ist seine Base die Kleideralte. Mit diesen richtet und rüstet er alles, die Pflege der Zupanei, die Gerechtigkeit, die Zier und Ordnung des Krieges, und sie sind ihm untertan, und er hält sie in der Zucht. Ich bin kein Zupan, ich bin ein Wladyk des Waldes; aber ich will in meinen Sippen das Recht erhalten, wie ein Zupan, und werde nach der Gerechtigkeit sprechen, wie Lubomir.«
»Wenn dieser Mann seinen Wert so genau betrachtet, und auch so eifrig ist in den Taten des Krieges, so können wir auf ihn bauen«, sagte die Herzogin.
»Das können wir«, entgegnete Wladislaw, »er hat es auf dem Berge Wysoka erwiesen. Rowno, du hast dir an Lubomir ein gutes Vorbild des Rechten gewählt, und denke, daß jeder, der ein Zupan ist, einmal keiner gewesen ist.«
»Ich bin in den Krieg gegangen«, sagte Rowno, »daß das Recht werde, daß der Unterdrücker gestraft werde, und daß ein kleiner Mann sich etwa dehnen könne.«
»So strebe darnach«, sagte der Herzog, »und mit deiner Schwester rede nach deinem Rechte und deinem Ansehen, damit das, was wir mit ihr vorhaben, deine Billigung erhält.«
»Sie wird meinen Befehlen folgen«, antwortete Rowno.
»So sprecht mit einander, zeige uns vor Abend deinen Beschluß an, und jetzt entferne dich«, erwiderte der Herzog.
Rowno verneigte sich, bedeutete Dimut, ihm zu folgen, wendete sein Pferd, und ritt wieder unter die versammelten Menschen hinein. Dimut grüßte, wie Frauen von Pferden zu grüßen pflegen, gegen den Herzog und die Herzogin, und folgte ihrem Bruder.
Wladislaw sagte nun. »Die Versammlung ist schon zu lange aufgehalten worden, es ist billig, daß wir sie schließen, seid nicht ungünstig des Verzuges, hohe Herren, und seid für das Erscheinen bedankt.«
Er und die Herzogin bestiegen ihre Pferde, und entfernten sich.
Die Versammlung ging auseinander, und die Leute sahen teils dem Herzoge und der Herzogin, teils Dimut und ihrem Bruder nach, und zerstreuten sich dann.
Als der nächste Tag gegen das Ende ging, kamen mehrere Männer von dem Berge Wysoka an. Es waren die Männer, die Wladislaw zur Besorgung der Verwundeten und Begrabung der Toten zurückgelassen hatte. Die Begraber sagten, es seien in der Nacht, die auf die Schlacht gefolgt ist, ruchlose Menschen gekommen; denn am Morgen haben sie sehr viele nackte Tote gefunden, und nur einen Teil mit Gewändern. Sie haben alle zur Ruhe bestattet, und auch manchen Feind, weil sie ihn nicht kannten, geborgen. Die Feinde haben desgleichen getan, und fromme Priester sind herbei gekommen, und haben geholfen. Die für die Verwundeten sorgten, sagten, es seien mildtätige Frauen und Brüder mit Labung und Tragen gekommen, und denen haben sie einige gegeben, andere haben sie mitgenommen, und haben sie in abgelegene Häuser, wenn ein Mensch in ihnen zu finden war, oder in die Stadt Prag gebracht. Die Feinde sind noch immer weit entfernt, und die Gegend zwischen Suchdol und Prag ist leer.
Von den Leuten des Waldes kamen auch einige Männer. Sie sagten, daß sie Norbert unter den Büschen begraben haben. Dann haben sie Tesin von Prachatic und Arnold vom schwarzen Bache und auch einige Leute von den untern Friedberghäusern und den Steingewänden begraben, weil sie gelobt haben, im Kriege einander beizustehen. Und weil sie Verantwortung geben müssen, so haben sie an den Gräbern aller gebetet, und ein Pfarrer hat mitgebetet. Wenhart vom Dürrwalde hat einen Haufen Männer um sich versammelt, und sie haben gesagt: arme Leute können hier nichts mehr erwerben, sie gehen in die Heimat, weiter von diesem Berge werde ihnen schon jemand Nahrung geben, und immer wieder so, bis sie zu ihren Sippen kommen.