Admiral Bolithos Erbe: Ein Handstreich in der Biskaya
- Автор: Кент Александер
- Год: 1983
- Язык: немецкий
- Год: Ullstein
- ISBN: 3-550-06375-X
- Переводчик: Kurtz Klaus D.
- Жанр: Морские приключения
Электронная книга - «Admiral Bolithos Erbe: Ein Handstreich in der Biskaya». Краткое содержание книги:
Dann wandte Allday sich ab und ließ den Blick über das mit Menschen vollgepackte Deck der Odin schweifen. Von denen da unten würde kaum einer auf den Beinen bleiben, wenn die Falle der Franzosen hinter ihnen zuklappte und sie von jeder Hilfe abschnitt. Oder war genau das Bolithos Absicht? Sich zu opfern, den Feind dabei aber so zu schwächen, daß Herrick nur einen ihm gleichwertigen Rest vorfinden würde, sobald er erst heran war?
«Allmächtiger Gott!«entfuhr es ihm.
Ein Sergeant der Seesoldaten, der mit seinen Scharfschützen in der Nähe wartete, wandte sich grinsend nach Allday um.»Nervös, Kamerad?«fragte er.
Allday zog eine Grimasse.»Nicht die Spur. Ich finde nur kein ruhiges Plätzchen für meinen Mittagsschlaf.»
Aber dann fuhr er doch zusammen, als er Inch zum Master sagen hörte:»Mr. M'Ewan, sobald wir auf eine halbe Kabellänge heran sind, will der Konteradmiral anluven. Danach wenden wir und greifen das zweite Schiff in der französischen Schlachtlinie an.»
Der Master nickte so krampfhaft, als würde sein Kopf von Marionettenfäden gezogen.
«Was soll das nun wieder bedeuten?«zischte der Sergeant.
Aber Allday antwortete ihm nicht. Er verschränkte die Arme und bemühte sich, das Gehörte zu verdauen. Odin würde also anluven und dann praktisch vor dem Bugspriet des Gegners in den Wind drehen. Dann hoffte sie zu wenden und zwischen den beiden ersten Linienschiffen durchzustoßen. Wenn alles gutging. Es war ein riskantes Manöver, bei dem Odin binnen weniger Minuten zu einem hilflosen Trümmerhaufen zusammengeschossen werden konnte. Aber alles war besser, als gleichzeitig von beiden Seiten unter Nahbeschuß zu geraten.
Schließlich bequemte er sich doch zu einer Antwort.»Es bedeutet, mein scharfsinniger Freund, daß du mit deinen Leuten bald eine Menge zu tun kriegst.»
Bolitho ließ die ansegelnde Schlachtlinie nicht aus den Augen, lauerte auf jedes Anzeichen, auf ein blitzschnelles Flaggensignal, mit dem Remond seinen plötzlich erwachten Verdacht verraten könnte. Sicherlich mußte er doch auf eine Überraschung gefaßt sein? Weshalb sonst würde sich ein leichtes Linienschiff mit nur 64 Kanonen fünf mächtigen Kriegsschiffen stellen?
Er erinnerte sich an Remonds dunkles, ledernes Gesicht, seine intelligenten Augen.
Dann befahl er:»Kapitän Inch, lassen Sie die untere Batterie mit Doppelkugeln laden. Und die Achtzehnpfünder des Oberdecks bitte mit Kettenkugeln. «Er hielt Inchs Blick fest.»Wenn wir anluven, muß das erste Schiff entmastet sein.»
Dann blickte er zum Großmaststander auf. Der Wind blieb stetig in Richtung und Stärke. Gut. Fast hätte er sich umgedreht und achteraus gespäht, bremste sich aber gerade noch rechtzeitig. Die Offiziere und Mannschaften seiner Umgebung hätten dies als Unsicherheit mißverstanden, als blicke ihr Oberbefehlshaber sich hilfesuchend um. Am besten strich er Herrick ganz aus seinen Gedanken. Der tat bestimmt sein Bestes.
Graham, der Erste Offizier, baute sich grüßend vor Inch auf.»Dürfen die Trommler und Pfeifer wegtreten, Sir?»
Bolitho warf einen schnellen Blick auf die rot uniformierten Musikanten. Er hatte sich so konzentriert, daß kein Ton ihrer Instrumente an sein Ohr gedrungen war.
Dankbar hastete der Musikzug unter Deck, von einem Chor höhnischer Stimmen begleitet.
Wieder eine Detonation auf dem Führungsschiff, und dann warf die Kugel etwa drei Kabellängen querab eine Gischtfontäne auf.
Der französische Kommandant mußte wirklich nervös sein. Vielleicht beobachtete er ihn gerade jetzt mit seinem Teleskop. Bo-litho trat von den Besanbetings weg, damit das Sonnenlicht von seinen hellen Goldepauletten besser reflektierte. Sollte er seinen Feind doch sehen, dachte er grimmig.
Dann wandte er sich ab, um einer Schar kreischender Möwen nachzuschauen, die unterhalb der Heckgalerie vorbeistrichen. Die jedenfalls waren den täglichen Kampf ums Überleben gewohnt, dachte er.
«Der französische Admiral trimmt seine Bramsegel, Sir«, meldete Inch.
Bolitho sah, daß der Bug des Flaggschiffs sich langsam am Heck des Führungsschiffs vorbeischob. Also hatte er Remonds Absicht richtig erraten. Nun hing alles von den Männern in seiner Nähe ab.
«Kapitän Inch, was jetzt kommt, muß sehr präzise ausgeführt werden. «Lächelnd berührte er seinen Arm.»Aber ich brauche Ihnen ja nicht zu sagen, wie Sie Ihr Schiff zu führen haben, wie?»
Inch strahlte vor Freude.»Vielen Dank, Sir!«Dann wandte er sich wieder seinen Leuten zu.»Mr. Graham, bemannen Sie die Brassen. «Dann schoß sein Zeigefinger vor, als wolle er einen Leutnant unten auf dem Batteriedeck aufspießen.»Mr. Synge! Sind beide Batterien wie befohlen geladen?»
Der Leutnant spähte zum Achterdeck hinauf und antwortete nervös:»Aye, Sir! Ich — ich habe nur die Vollzugsmeldung vergessen,
Sir.»
Inch funkelte den unglückseligen Leutnant böse an.»Freut mich zu hören, Mr. Synge. Ich dachte schon, Sie halten mich für einen Hellseher.»
Die Männer an den nächsten Kanonen kicherten, verstummten aber sofort, als der Leutnant mit rotem Gesicht zu ihnen herumfuhr.
Bolitho sah den Franzosen entgegen — fast ohne jede Emotion, wie er zu seiner Überraschung feststellte. Denn nun hatte er sich festgelegt. Wie die Sache auch ausgehen mochte, jetzt konnte er keinen Rückzieher mehr machen, selbst wenn er das gewollt hätte.
«Klar zur Wende!»
Die Männer an den Brassen und Schoten duckten sich und ließen die Muskeln spielen, als machten sie sich bereit zu einem Ringkampf.
«Ruder nach Lee!»
«Fiert weg — holt dicht!»
Bei dieser rauhen Behandlung schien das Schiff einen Augenblick zu bocken, aber dann — nach einer kleinen Ewigkeit — drehte es gehorsam den Bug zum Wind.
Grahams Befehle schienen von überall her zu kommen.»Hol über den Baum! Fier auf die Bram-Bulins!»
An jeder Kanone stand ein Stückmeister und spähte durch seine Stückpforte auf den viereckigen Ausschnitt der leeren See hinaus, unberührt vom Donnern der Segel, dem Knarren der Blöcke und dem Stampfen vieler Füße über seinem Kopf.
Bolitho konzentrierte sich auf das französische Führungsschiff und sah mit kalter Genugtuung, daß es seinen Kurs eisern beibehielt, obwohl der Kommandant sich doch eigentlich hätte fragen müssen, was der Engländer mit seinem Manöver bezweckte.
Folgsam luvte Odin weiter an, auch wenn sie mit ihren schlagenden Segeln und schwingenden Rahen für jede Landratte ein chaotisches Bild bieten mußte. Aber sie fuhr sich nicht fest, ihre Restfahrt schob sie zuverlässig durch den Wind auf den anderen Bug, und als die Rahen wieder angebraßt wurden und die Segel steifkamen, begann sie langsam, aber unaufhaltsam den ansegelnden Feindschiffen ihre Steuerbordseite zu präsentieren.
Graham brüllte durch sein Sprachrohr:»Einzelfeuer!»
Inchs Säbel zischte durch die Luft nach unten, und eine nach der anderen krachten die Kanonen der Odin auf beiden Decks; aus der unteren Batterie spuckten sie die gewaltigen Doppelkugeln, aus der oberen fuhren kreischend die Kettenkugeln.
Bolitho hielt den Atem an, als die Kugeln der vordersten Kanonen ihr Ziel fanden. Ein Beben lief durch das französische Schiff, als sei es — wie zuvor das Wachschiff — auf Grund gelaufen. Aber die Beschießung hörte nicht auf, die Leutnants schritten weiter von
Kanone zu Kanone, während eine Abzugsleine nach der anderen gespannt wurde. Das gleiche Bild mußte sich auf dem unteren Batteriedeck bieten, wo es im geschlossenen Raum und mit den wild hantierenden, halbnackten Männern eher noch infernalischer zuging. Sie feuerten, sprangen zurück, wischten aus, luden nach, stopften und feuerten abermals.
Die Spur der Kettenkugeln ließ sich leicht verfolgen: Bolitho sah das ganze Vorgeschirr des Feindes mit Segeln und laufendem Gut in Fetzen gehen und die gebrochene Fockmaststenge über die Seite in die See fallen, wo sie hinter einem hohen Gischtvorhang verschwand. Ihr totes Gewicht wirkte sich sofort wie ein übergroßer Treibanker aus, und Bolitho beobachtete, wie der Bug des feindlichen Schiffes unkontrolliert herumschwang und in den Wind drehte.