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Der Prinz und der Söldner [The Vor Game - de]

Электронная книга - «Der Prinz und der Söldner [The Vor Game - de]». Краткое содержание книги:

Miles Vorkosigan, Sohn des obersten militärischen Befehlshabers auf Barrayar, verkorkst sich seine Karriere beim Militär und muß für einige Zeit verschwinden. Er erhält den Geheimauftrag, die Hegen-Nabe, ein wichtiger Wurmloch-Kreuzpunkt zwischen vier Welten, auszukundschaften und die Dendarii-Söldner, die er einst als Admiral befehligte, aus dem Raumsektor verschwinden zu lassen. Doch alles ist weit komplizierter, als es sich Miles und auch die Leser träumen lassen. Verzwickte Politik vermischt mit beinahe einer Überdosis an Action geben dem Roman eine so atemberaubende Geschwindigkeit, daß man die längst verlorengeglaubte Begeisterung für Space Operas wiederfindet. Und als er schließlich den verschollen geglaubten jungen Kaiser von Barrayar rettet, ist er der Held der Stunde …
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»Würdest du heute irgend etwas ändern?«

»Alles. Nichts. Ich hätte zweimal so schnell gelogen, wenn ich es tun müßte.«

»Du sprichst schneller mit deinem betanischen Akzent«, räumte sie ein.

»Du verstehst mich. Tue ich das Richtige? Wenn ich es schaffe. Ein Mißerfolg ist automatisch falsch.« Nicht ein Pfad in die Katastrophe, sondern alle Pfade …

Sie hob ihre Augenbrauen. »Sicher.«

Seine Mundwinkel zuckten nach oben. »Also du«, die ich liebe, »meine Lady aus Barrayar, die Barrayar haßt, bist die einzige Person in der Hegen-Nabe, die ich auf ehrliche Weise opfern kann.«

Sie neigte ihren Kopf zur Seite und erwog seine Worte. »Danke, Mylord.« Sie berührte mit ihrer Hand seinen Scheitel und verließ den Raum.

Miles zitterte.

KAPITEL 15

Miles kehrte in Osers Kabine zurück, um schnell die Dateien der Komkonsole des Admirals durchzusehen. Er versuchte, all die Veränderungen in der Ausrüstung und im Personal in den Griff zu bekommen, die stattgefunden hatten, seit er zuletzt Kommandant gewesen war. Außerdem wollte er wissen, wie die Nachrichtendienste der Dendarii und der Aslunder die Ereignisse in der Hegen-Nabe darstellten. Irgend jemand brachte ihm ein Sandwich und einen Kaffee, die er zu sich nahm, ohne es wahrzunehmen. Der Kaffee konnte ihn nicht mehr munter halten, obwohl er immer noch unter einer fast unerträglichen Spannung stand.

Sobald wir vom Dock ablegen, werde ich in Osers Bett fallen. Er sollte wohl besser wenigstens einen Teil der sechsunddreißig Stunden Transitzeit schlafen, sonst würde er bei der Ankunft mehr eine Belastung sein als Gewinn. Denn dann würde er mit Cavilo fertig werden müssen, und ihr gegenüber kam er sich vor wie ein Unbewaffneter beim Duell. Ganz zu schweigen von den Cetagandanern. Miles dachte über den historischen Dreibeinwettlauf zwischen Waffenentwicklung und Taktik nach.

Projektilwaffen für den Kampf Schiff gegen Schiff im Weltraum waren schon früh überholt gewesen durch Massenabschirmung und Laserwaffen. Massenabschirmung, die dazu entwikkelt worden war, sich bewegende Raumschiffe vor Weltraumschutt zu schützen, auf den sie bei normalen Raumgeschwindigkeiten bis zu halber Lichtgeschwindigkeit trafen, schüttelte schon ohne zusätzliche Anstrengung Projektile ab.

Die Laserwaffen ihrerseits waren durch das Aufkommen des ›Schwertschluckers‹ nutzlos geworden, einer von den Betanern entwickelten Verteidigungswaffe, die tatsächlich das feindliche Feuer als eigene Energiequelle nutzte. Ein ähnliches Prinzip versprach beim Plasmaspiegel, der in der Generation von Miles’ Eltern entwickelt worden war, das gleiche mit den Plasmawaffen kürzerer Reichweite zu machen. Nach einem weiteren Jahrzehnt würde Plasma vielleicht schon völlig außer Gebrauch sein.

Die vielversprechendste Waffe für den Kampf Schiff gegen Schiff schien in den letzten paar Jahren die Gravitationsimploder-Lanze geworden zu sein, eine Modifikation der Traktorstrahltechnologie. Dagegen gab es Abschirmungen mit künstlicher Gravitation in verschiedenen Konstruktionen, aber ihre Schutzwirkung reichte noch nicht aus. Der Imploderstrahl hinterließ scheußlich verbogene Trümmer, wo er auf Masse traf. Was er einem menschlichen Körper antat, war der schiere Horror.

Aber die Reichweite der energieverschlingenden Imploderlanze war — verglichen mit den Geschwindigkeiten und Entfernungen im Raum — wahnsinnig kurz, knapp ein Dutzend Kilometer. Nun mußten also die Schiffe kooperieren, um miteinander zu kämpfen, mußten langsamer werden, sich näher kommen und manövrieren. In Anbetracht des geringen Umfangs der Wurmlochvolumina sah es so aus, als würde der Kampf plötzlich wieder eng und nah werden, außer daß zu enge Formationen ›Sonnenwand‹-Angriffe massierter Nuklearwaffen anlockten.

So ging es immer im Kreis herum. Es deutete sich an, daß Rammen und Entern schließlich wieder zu einer praktischen Taktik werden könnten. Jedenfalls bis die nächste Überraschung aus der Werkstatt des Teufels eintraf. Miles sehnte sich einen kurzen Moment nach den guten alten Zeiten der Generation seines Großvaters, als die Menschen einander aus der Entfernung von fünfzigtausend Kilometern töten konnten. Da waren sie füreinander einfach Lichtpunkte auf dem Bildschirm gewesen, die es auszuknipsen galt. Eine saubere Angelegenheit.

Die Wirkung der neuen Imploder auf die Konzentration der Feuerkraft versprach merkwürdig zu werden, besonders wenn es um ein Wurmloch ging. Es war jetzt möglich, daß eine kleine Streitmacht in einem kleinen Gebiet ebensoviel Feuerkraft pro Kubikeinheit einsetzen konnte wie eine große Streitmacht, die ihre Größe nicht auf den effektiven Umfang herabschrumpfen konnte, obwohl natürlich der Unterschied in den Reserven noch blieb.

Eine große Streitmacht, die bereit war, Opfer zu bringen, konnte nur dauernd zurückschlagen, bis ihre schiere Anzahl die kleinere Konzentration überwältigte. Die cetagandanischen GhemLords waren nicht gegen Opfer allergisch, obwohl sie es allgemein vorzogen, mit Untergebenen zu beginnen, oder noch besser mit Verbündeten.

Miles rieb seine verkrampften Halsmuskeln. Der Summer an der Kabinentür ertönte. Miles griff über das Komkonsolenpult, um den Türöffner zu drücken. Ein hagerer, dunkelhaariger Mann Anfang dreißig mit Technikerabzeichen auf der grau-weißen Uniform der Söldner stand unsicher in der Türöffnung. »Mylord?«, sagte er mit weicher Stimme.

Baz Jesek, Technischer Offizier der Flotte. Einst flüchtiger Deserteur aus den Kaiserlich Barrayaranischen Streitkräften, dann eidgebundener persönlicher Gefolgsmann von Miles in dessen Identität als Lord Vorkosigan. Und schließlich Ehemann der Frau, die Miles liebte. Einst geliebt hatte. Immer noch liebte.

Baz. Verdammt. Miles räusperte sich verlegen.

»Komm rein, Kommodore Jesek.«

Baz schritt lautlos über die Bodenmatten und blickte abwehrend und schuldbewußt drein. »Ich bin gerade vom Reparaturtender hereingekommen und habe die Nachricht gehört, daß du wieder da bist.«

Sein barrayaranischer Akzent war durch die Jahre seines galaktischen Exils abgeschliffen, bedeutend weniger hörbar als noch vor vier Jahren.

»Zeitweilig jedenfalls.«

»Tut mir leid, daß du die Dinge nicht so wiedergefunden hast, wie du sie verlassen hattest, Mylord. Mir kommt es vor, als hätte ich Elenas Mitgift verschleudert, die du ihr mitgegeben hattest. Ich erkannte die Auswirkungen von Osers ökonomischen Manövern nicht, bis … nun ja … es gibt keine Entschuldigung.«

»Der Mann hat auch Tung ausgetrickst«, betonte Miles. Er krümmte sich innerlich, als er hörte, wie Baz sich bei ihm entschuldigte. »Ich habe gehört, es war nicht gerade ein fairer Kampf.«

»Es war überhaupt kein Kampf, Mylord«, sagte Baz langsam. »Das war das Problem.« Baz stand in Rührt-euch-Haltung. »Ich bin gekommen, um dir meinen Rücktritt einzureichen, Mylord.«

»Das Angebot wird zurückgewiesen«, sagte Miles prompt. »Erstens können eidgebundene Gefolgsmänner nicht zurücktreten, zweitens, woher bekomme ich einen fähigen Flotteningenieur binnen …« — er warf einen Blick auf sein Chrono — »zwei Stunden, und drittens, drittens … ich brauche einen Zeugen, der meinen Namen entlastet, falls die Dinge schiefgehen. Noch schiefer gehen. Du mußt mich über die Möglichkeiten der Ausrüstung der Flotte ins Bild setzen und mir dann helfen, alles in Bewegung zu bringen. Und ich muß dich darüber ins Bild setzen, was wirklich vor sich geht. Du bist der einzige außer Elena, dem ich die geheime Hälfte der ganzen Sache anvertrauen kann.«

Mühsam überredete Miles den unschlüssigen Ingenieur, sich zu setzen. Dann sprudelte er eine geraffte Zusammenfassung seiner Abenteuer in der Hegen-Nabe hervor, wobei er nur die Erwähnung von Gregors halbherzigem Selbstmordversuch ausließ, das war Gregors eigene Schmach.

Miles war ganz und gar nicht überrascht, als er erfuhr, daß Elena von seiner vorigen kurzen und wenig rühmlichen Rückkehr, seiner Befreiung und seinem neuerlichen Weggang von den Dendarii nichts erzählt hatte, daß der Kaiser inkognito dabeigewesen war, schien für Baz ein offensichtlicher und ausreichender Grund für Elenas Schweigen zu sein. Als Miles seinen Bericht beendete, war Baz inneres Schuldgefühl ganz und gar äußerster Besorgnis gewichen. »Wenn der Kaiser umgebracht wird — wenn er nicht zurückkehrt —, dann könnte das Durcheinander zu Hause jahrelang dauern«, sagte Baz. »Vielleicht solltest du Cavilo ihn retten lassen, anstatt zu riskieren …«

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