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Centurio der XIX Legion

Электронная книга - «Centurio der XIX Legion». Краткое содержание книги:

Als Lucius von dem Angebot an seinen Vater hört, ihn als Centurio zur Legion zu schicken, ist er begeistert und als sein Vater Pertinax einen Exgladiator einstellt, der ihn im Schwertkampf unterrichten soll, kennt sein Glück keine Grenzen. Bei einer Geschäftsreise in Massilia (Marseille), verläuft er sich eines Tages im Hafenviertel und wird von Straßenkindern verprügelt und ausgeraubt. Sein Vater ist über diese Schwäche seines Sohnes und die öffentliche Demütigung der Familie so wütend, dass er Lucius auf das Weingut in der Nähe von Arausio verbannt, welches er als Entlassungsgeld aus der Armee erhalten hat. Dort soll er von Saxum, einem ehemaligen Legionär und Pertinax abgehärtet und auf die Legion vorbereitet werden. Wenn Lucius versagt und den Rang eines Centurio nicht erhält, muss er für den Rest seines Lebens auf dem Weingut bleiben und dort als Verwalter arbeiten. Zwei Jahre quält sich Lucius bei Wind und Wetter durch die Ausbildung und wird endlich als Rekrut angenommen. Seine Schwierigkeiten fangen damit aber erst an. Bald ist er sich nicht mehr sicher, ob die Feinde innerhalb oder außerhalb des Legionslager gefährlicher sind. Neben den Kämpfen gegen die Raeter, Vindelicer und Germanen ist da auch noch der undurchsichtige Centurio Titus Valens. Er macht Lucius das Leben zur Hölle.
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„Das Lager muss mehr eine Festung als ein gesicherter Schlafplatz sein“, erklärte Mallius.

Lucius fügte zustimmend hinzu: „Und wir brauchen ausreichend Platz zum Kämpfen. Vitellius hat gesagt, wir müssen mit Nachtangriffen rechnen, also müssen wir schlechte Sichtverhältnisse während eines möglichen Kampfes einplanen!“

Sie kehrten zum Mittelpunkt des Lagers zurück, wo die Legionäre mittlerweile die Zelte aufgebaut hatten. Lucius befahl dem Cornicen, zum Sammeln zu blasen.

„Das erste und zweite Contubernium wird in den Wald gehen und Holz schlagen. Wir brauchen Palisadenpfähle und Fußangeln. Der Waffenmeister wird ein Feuer entfachen, um die Pfähle zu härten. Das dritte und vierte Contubernium wird die beiden äußeren Gräben und Wälle ausheben, das fünfte und sechste den Lagerwall. Das siebte Contubernium wird einen Wall um die Zelte errichten, das achte schiebt Wache. Die Allobroger werden sich um die Aufklärung kümmern“, verkündete Lucius die Einteilung. „Die Kettenhemden werden nicht abgelegt und die Waffen liegen griffbereit!“, fügte er noch hinzu, was ein Aufstöhnen bei den Männern hervorrief. Schanzen im Kettenhemd, das war die Höchststrafe!

„Angeblich sind keine Feinde in der Nähe, aber der Aussage will ich mein Leben nicht anvertrauen. Ihr etwa?“

Die Männer verneinten.

„Gut, dann macht euch an die Arbeit, ich möchte so schnell wie möglich ein gesichertes Lager haben. Zeigt den Barbaren, wozu römische Legionäre fähig sind!“

Die Männer antworteten mit zustimmendem Gebrüll und machten sich dann an die Arbeit.

Lucius hatte nun zum ersten Mal ein unabhängiges Kommando und war allein für den Lagerbau verantwortlich. Diese Verantwortung verursachte ein mulmiges Gefühl in seiner Magengrube. Er war froh, dass ihm kaum Zeit blieb, weiter darüber nachzudenken. Das Ausheben der Gräben entpuppte sich als hartes Stück Arbeit, da der Boden entgegen Sabinus’ Behauptung mit Felsen durchsetzt war. Gegen Mittag begannen Ripanus’ Männer die ersten Pfähle im Feuer zu härten.

„Wie sieht es aus, Männer?“, fragte Lucius, als er während eines Kontrollganges bei ihnen vorbeikam.

„Wird schon!“, entgegnete Ripanus und spitzte seelenruhig seinen Pfahl an. „Die Barbaren können ruhig kommen!“, sagte er und präsentierte den Pfahl.

Das Lager war für die Zahl der Männer riesig angelegt, dreißig mal dreißig Doppelschritte. Es lag talabwärts nach Osten, damit der Feind bei einem Sturm auf das Tor bergauf angreifen musste. An der Süd- und Westseite, den Seiten, an denen der Feind am ehesten erwartet wurde, hatten sie einen zweiten Graben ausgehoben, der zehn Doppelschritte vom Lager entfernt war. Die Zelte waren durch einen inneren Wall zusätzlich geschützt.

Nach der Fertigstellung dieser kleinen Festung teilte Lucius die Männer ein. Bei einem Angriff würde er mit Mallius und den ersten drei Contubernia die Südseite verteidigen, Celsonius mit zwei Contubernia die Westseite und Drusillus mit zwei Contubernia das Tor. Ein Contubernium blieb in Reserve. Ambiorix würde mit seinen Allobrogern die Rückseite sichern und die Reserve befehligen.

Noch einmal schärfte Lucius seinen Männern ein, wachsam zu sein.

Sabinus kam vor Sonnenuntergang vorbei, um das befestigte Lager zu besichtigen. Er war mit den Vorbereitungen zufrieden und berichtete, dass flüchtige Barbaren gesichtet worden waren, die sich ihrer Stellung näherten.

„Wenn überhaupt, werden sie im Tal angreifen, um ihr Hab und Gut und ihre Frauen und Kinder zu schützen. Die Krieger werden zu stolz sein, um ohne diese zu fliehen!“, verkündete er.

Lucius bezweifelte dies: „Die Mandubiner haben ihre Frauen und Kinder ausgesetzt und dem Hungertod preisgegeben, als sie von Caesar belagert wurden! Und wenn nur die Krieger durchbrechen wollen, wird es ein harter Kampf!“

„Mumpitz!“, entgegnete Sabinus. „Wenn sie die Stellung sehen, werden die Barbaren gar nicht angreifen, sondern direkt fliehen – und das ist dann eine Sache für die Reiter!“

„Centurio!“

Lucius fuhr aus dem Schlaf hoch, eine dunkle Gestalt kniete vor ihm und rüttelte an seinem Arm. „Da draußen bewegt sich was, wir bekommen Besuch!“

Lucius erkannte Celsonius an der Stimme.

„Ist gut, lass die Männer Aufstellung nehmen!“

Er tastete nach seinem Schwert und Helm und verließ das Zelt. „Mann, bin ich steif!“, grummelte er vor sich hin. „Das Schlafen im Kettenhemd ist trotz Stroh und Blättern verdammt hart!“

Lucius’ Befehl, dass niemand die Kettenhemden ausziehen durfte, zahlte sich jedoch nun aus. Um ihn herum krabbelten die Männer aus den Zelten und machten sich kampfbereit. Die ganze Einheit war in wenigen Augenblicken gefechtsklar und nahm die befohlene Aufstellung. Lucius band den Helm fest und eilte zum Südwall.

„Centurio, ein Becher Posca?“, fragte ihn ein Legionär und hielt ihm einen dampfenden Becher hin. „Danke!“

Er griff sich den Becher und nippte im Weitergehen daran. Das Essigwasser war schon kalt nicht jedermanns Geschmack, aber heiß? Andererseits wärmte es ihn auf und sorgte für einen klaren Kopf. Er warf einen Blick nach Osten, wo es sich langsam aufhellte. Bis zur Morgendämmerung konnte es nicht mehr lange dauern.

Am Südwall hockten die Männer zusammengekauert hinter dem Wall und lauschten in die Dunkelheit. Da und dort schepperte es, wo die Legionäre Aufstellung nahmen. Lucius stellte seinen Schild ab und lugte durch die Palisaden. Nichts zu sehen, nur kurz war ein undefinierbares Geräusch zu hören, ein Geraschel oder Getrappel. Und wieder Stille.

Mallius näherte sich leise: „Und?“

Lucius schüttelte den Kopf: „Nichts zu hören oder zu sehen! Aber bei dem Lärm, den wir machen, kein Wunder. Die Barbaren sind gewarnt!“

Er trank einen weiteren Schluck Posca und bot dem anderen etwas an. Mallius lehnte dankend ab. Lucius trank einen letzten Schluck, schüttete den Rest aus und richtete sich auf.

„Nun, auf geht’s!“, sagte er und ergriff seinen Schild. „Nimm acht Mann und bilde die zweite Reihe! Achte auf deine rechte Seite!“

„Du auch!“, antwortete Mallius und verschwand in der Dunkelheit.

Lucius ging die Reihe entlang und kontrollierte, ob die Männer ausreichend geschützt waren.

„Da!“, flüsterte der junge Tertinius aufgeregt und machte Anstalten, sich aufzurichten.

„Ruhig Blut!“, mahnte ihn Lucius und drückte ihn sanft wieder herunter. Er hatte die Schatten da draußen ebenfalls bemerkt, die ein Rascheln und Trappeln begleitete.

„Schilde hoch! Weitersagen!“, befahl er leise und die Legionäre stemmten die Schilde schräg gegen den Wall. Keinen Augenblick zu früh, denn das Getrappel wurde lauter und plötzlich war die Luft erfüllt von einem Sausen und Pfeifen. Rings um sie herum prasselten Speere nieder. Schreckens- und Schmerzensschreie erschollen im römischen Lager, die mit lautem Kriegsgeschrei von draußen beantwortet wurden. Jetzt waren die Schatten, die auf das Lager zustürmten, deutlich zu erkennen. Lucius stieß den Cornicen an, der neben ihm stand. Sein dunkles Hornsignal durchschnitt die Nacht. Es musste im ganzen Tal zu hören sein. Noch ehe das Echo verklungen war, sprangen seine Männer auf und brüllten ihren Schlachtruf „TIBERIUS!“, ehe sie ihre Pila auf die Angreifer schleuderten. Auf die kurze Entfernung war das Treffen keine Schwierigkeit, wie die Schmerzens- und Todesschreie auf der anderen Seite bewiesen. Die Gallier antworteten mit einem weiteren Speerhagel und warfen sich unter lautem Gebrüll auf das Lager.

Lucius gefror das Blut in den Adern. Er hätte nie gedacht, dass Menschen zu einem solchen Geschrei fähig wären. Die Legionäre waren jedoch durch Wall und Schilde besser geschützt als ihre Angreifer und erlitten keine Verluste. Sie beantworteten die wilden Schreie der Barbaren ihrerseits mit Hohngeschrei. Ambiorix’ Allobroger waren ausgeschwärmt und schleuderten brennende Fackeln unter die Angreifer. So waren diese deutlich zu sehen. Die Ersten versuchten bereits den Lagergraben zu überwinden, indem sie ihn übersprangen und auf dem Wall Halt suchten. Bei dem Versuch, sich am Wall festzukrallen, wurden sie von Lucius’ Männern niedergestochen oder mit dem Schild hinabgestoßen. Die Gallier rutschten in den Graben hinunter, wo sie die eigenen Leute behinderten oder von den Nachrückenden niedergetreten wurden. Es herrschte ein schier unübersichtliches Getümmel. Alles schrie, tobte und brüllte durcheinander.

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