Das erste Gesetz der Magie
- Автор: Гудкайнд Терри
- Год: 2006
- Язык: немецкий
- Переводчик: Caspar Holz
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Das erste Gesetz der Magie». Краткое содержание книги:
Gleich mit seinem ersten Roman hat Terry Goodkind einen großartigen internationalen Erfolg bei Lesern und Kritikern erzielt.
Darken Rahl hatte die Hände hinter dem Rücken verschränkt und trat langsam näher. Demmin wartete hinten bei den Bäumen, entfernt von der Rasenfläche. Der Meister blieb an der Grenze von Rasen und weißem Sand stehen und blickte auf den Jungen hinunter. Er lächelte.
»Wie heißt du, mein Sohn?«
Der Junge blickte mit bebender Unterlippe zu Rahl auf. Sein Blick schweifte zu dem großen Mann hinten bei den Bäumen. Es war ein Blick voller Angst. Rahl drehte sich um und sah zum Kommandanten hinüber.
»Laß uns allein. Und bitte nimm die Wachen mit. Ich möchte nicht gestört werden.«
Demmin verbeugte sich und ging. Die Wachen folgten. Darken Rahl drehte sich wieder um, betrachtete den Jungen und ließ sich dann auf den Rasen nieder. Er zog seine Kleider am Boden zurecht und lächelte den Jungen an.
»Besser?«
Der Junge nickte. Seine Lippe bebte noch immer.
»Fürchtest du dich vor dem großen Mann?« Der Junge nickte. »Hat er dir weh getan? Hat er dich berührt, wo er es nicht hätte tun sollen?«
Der Junge schüttelte den Kopf. Die Augen blieben in einer Mischung aus Angst und Wut auf Rahl geheftet. Eine Ameise krabbelte vom weißen Sand auf seinen Hals.
»Wie heißt du?« fragte Rahl noch einmal. Der Junge antwortete nicht. Der Meister sah ihm fest in die braunen Augen. »Weißt du, wer ich bin?«
»Darken Rahl«, antwortete der Junge mit schwacher Stimme.
Rahl grinste genüßlich. »Vater Rahl«, verbesserte er.
Der Junge starrte ihn an. »Ich will nach Hause.« Die Ameise erforschte sein Kinn.
»Natürlich, das möchtest du«, sagte Rahl, im Ton voller Mitgefühl und Sorge. »Bitte glaube mir, ich werde dir nicht weh tun. Du bist lediglich hier, weil du mir bei einer wichtigen Zeremonie helfen sollst. Du bist ein Ehrengast, der die Unschuld und Kraft der Jugend repräsentieren soll. Man hat dich ausgewählt, weil Leute erzählt haben, was für ein feiner Junge du bist, was für ein sehr, sehr guter Junge. Alle hatten eine hohe Meinung von dir. Sie haben mir erzählt, wie klug und stark du bist. Haben sie die Wahrheit gesagt?«
Der Junge zögerte, seine schüchternen Augen sahen fort. »Ja, ich glaube schon.« Er sah Rahl wieder an. »Aber ich vermisse meine Mutter, und ich will nach Hause.« Die Ameise zog ihre Kreise auf seiner Wange.
Darken Rahl blickte sehnsüchtig in die Ferne und nickte. »Ich verstehe. Ich vermisse meine Mutter auch. Sie war eine so wunderbare Frau, und ich habe sie sehr geliebt. Sie hat gut für mich gesorgt. Wenn ich eine Aufgabe zu ihrer Zufriedenheit erledigt hatte, hat sie mir oft etwas besonders Leckeres zu essen gekocht, was immer ich wollte.«
Die Augen des Jungen wurden größer: »Das tut meine Mutter auch.«
»Mein Vater, meine Mutter und ich, wir hatten eine wunderbare Zeit zusammen. Wir alle haben uns geliebt, und wir hatten sehr viel Spaß zusammen. Meine Mutter hat immer so fröhlich gelacht. Sobald mein Vater anfing zu prahlen, machte sie sich über ihn lustig, und dann lachten wir alle drei. Manchmal bis uns die Tränen in die Augen traten.«
Die Augen des Jungen leuchteten auf, er lächelte ein wenig. »Warum vermißt du sie? Ist sie fortgegangen?«
»Nein«, Rahl seufzte. »Sie und mein Vater sind vor ein paar Jahren gestorben. Sie waren beide alt. Die beiden hatten ein gutes Leben zusammen. Trotzdem, ich vermisse sie. Ich verstehe also, wie du deine Eltern vermißt.«
Der Junge nickte vorsichtig. Seine Lippe hatte aufgehört zu beben. Die Ameise krabbelte ihm auf die Nase. Er verzog sein Gesicht, und versuchte, sie abzuschütteln.
»Wir wollen jetzt so viel Spaß haben wie möglich, dann bist du wieder bei ihnen, ehe du dich's versiehst.«
Der Junge nickte erneut. »Ich heiße Carl.«
Rahl lächelte. »Es ist mir eine Ehre, dich kennenzulernen, Carl.« Er streckte die Hand aus und wischte die Ameise vom Gesicht des Jungen.
»Danke«, sagte Carl erleichtert.
»Deswegen bin ich hier, Carl. Ich will dein Freund sein und dir helfen, so gut ich kann.«
»Wenn du mein Freund bist, gräbst du mich dann aus und läßt mich nach Hause gehen?« Seine Augen glitzerten feucht.
»Schon bald, mein Sohn, schon bald. Ich wünschte, ich könnte es gleich jetzt tun, aber die Menschen erwarten, daß ich sie vor den bösen Menschen beschütze, die sie töten wollen. Also muß ich tun, was ich kann, um zu helfen. Du mußt mir dabei helfen. Du wirst ein wichtiger Bestandteil der Zeremonie sein, die deine Mutter und deinen Vater vor den bösen Menschen schützen werden, die sie töten wollen. Du möchtest doch verhindern, daß deiner Mutter oder deinem Vater etwas Schlimmes zustößt, oder?«
Die Fackeln flackerten und zischten. Carl dachte nach.
»Doch, schon. Aber ich will nach Hause.« Seine Lippe begann wieder zu beben.
Darken Rahl streckte die Hand aus und strich dem Jungen beruhigend übers Haar, kämmte es mit den Fingern, strich es wieder glatt. »Ich weiß, aber versuche, tapfer zu sein. Ich werde nicht zulassen, daß dir jemand etwas tut, das verspreche ich. Ich werde dich bewachen und beschützen.« Er lächelte Carl voller Wärme an. »Hast du Hunger? Möchtest du etwas essen?«
Carl schüttelte den Kopf.
»Also gut. Es ist spät. Ich werde dich jetzt ruhen lassen.« Er erhob sich, strich seine Kleider glatt, wischte das Gras ab.
»Vater Rahl?«
Rahl hielt inne und sah noch einmal nach unten. »Ja, Carl?«
Eine Träne rollte Carl über die Wange. »Ich habe Angst hier alleine. Kannst du nicht bei mir bleiben?«
Der Meister betrachtete den Jungen mit einem tröstlichen Blick. »Aber natürlich, mein Sohn.« Darken Rahl ließ sich wieder auf dem Rasen nieder. »Solange du willst. Die ganze Nacht, wenn du möchtest.«
20
Ringsum erglühte grünes Licht, während sie sich vorsichtig und schleppend durch das Geröll am Hang arbeiteten, über oder unter Stämmen hindurchkletterten und Äste zur Seite traten, wenn es nötig war. Der schillernde, grüne Lichtschild der Grenzwälle bedrängte sie von beiden Seiten, während sie sich vorantasteten. Dunkelheit lag schwer über allem, bis auf die unheimliche Beleuchtung, die ihnen das Gefühl gab, sie seien im Innern einer Höhle.
Richard und Kahlan waren zur gleichen Zeit zum selben Entschluß gekommen. Die beiden hatten keine andere Wahl gehabt. Zurück konnten sie nicht, und am gespaltenen Felsen konnten sie auch nicht bleiben. Nicht, solange die Greifer und Schattenwesen Jagd auf sie machten. Also mußten sie weiter voran. In den Schlund.
Richard hatte den Stein der Nacht weggesteckt. Zum Auffinden des Pfades war er nutzlos, da kein Pfad vorhanden war, außerdem machte er es schwierig, die Stelle zu erkennen, wo das Licht der Grenze in den grünen Lichtschild überging. Für den Fall, daß er schnell wieder gebraucht wurde, hatte er ihn nicht in den Lederbeutel zurückgesteckt, sondern ihn einfach in seine Tasche fallen lassen.
»Wir lassen uns von den Wällen der Grenze den Weg zeigen«, hatte er gesagt. Seine ruhige Stimme hallte aus der Dunkelheit zurück. »Geh langsam, und mache keinen Schritt mehr, wenn ein Wall dunkler wird, sondern geh ein Stück zur Seite. So können wir zwischen ihnen bleiben und durch den Paß gelangen.«
Kahlan hatte keinen Augenblick gezögert. Die Greifer und die Schattenwesen bedeuteten den sicheren Tod. Sie hatte Richards Hand ergriffen, als sie in den grünen Lichtschein zurückgingen.
Schulter an Schulter hatten sie den unsichtbaren Durchgang betreten. Richards Herz klopfte, er versuchte, nicht darüber nachzudenken, was sie jetzt taten: blind zwischen den Wällen der Grenze herumlaufen.
Zwischen den Wällen des Todes.
Wie die Grenze aussah, wußte er, weil Chase ihn ja in ihre Nähe gebracht hatte, und später hatte das finstere Monster versucht, Kahlan hineinzuziehen. Sobald er einen der dunklen Wälle betrat, gab es kein Zurück. Wenn sie jedoch im grünen Schimmer zwischen den Wällen blieben, dann hatten sie wenigstens eine Chance.
Kahlan blieb stehen und stieß ihn nach rechts. Sie befand sich dicht am Wall. Dann tauchte er auf der rechten Seite auf. Sie suchten die Mitte und gingen weiter. Wenn sie langsam und vorsichtig gingen, konnten sie zwischen den Wällen bleiben und auf einer dünnen Linie des Lebens wandeln, mit dem Tod auf jeder Seite. Seine Jahre als Führer waren ihm hier keine Hilfe. Richard gab es schließlich auf, Reste des Pfades zu entdecken und ließ sich statt dessen vom Druck des Walles zu beiden Seiten leiten. Der Druck wurde zu seinem Führer. Es ging langsam voran. Von dem Pfad war keine Spur zu sehen, ebensowenig von den Hügeln ringsum, da war nur diese enge Welt aus leuchtend grünem Licht, wie eine Blase des Lebens, die hilflos durch ein uferloses Meer aus Finsternis und Tod trieb.