Unter Dunklen Sternen. Das Siegel des Verräters
- Автор: Уильямс Майкл
- Серия: Das Heldenlied der Drachenlanze #3
- Год: 1994
- Язык: немецкий
- Переводчик: Imke Brodersen
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Unter Dunklen Sternen. Das Siegel des Verräters». Краткое содержание книги:
Von drinnen glaubte ich Schreie zu hören.
Ich kämpfte mit den duftenden, grünen Zweigen um mich herum. Noch einmal versuchte ich, mich von meinem Bruder loszureißen, um die Burg zu erstürmen und die bedrängte Maid zu retten, wie das jeder gute Ritter in jeder alten Geschichte tun würde. Doch Alfrik hielt mich nur noch fester, zog wieder sein Messer und drückte es mir unangenehm in die Rippen. Es war erfrischend, nicht der feigste Pfadwächter zu sein.
Im unsteten Mondlicht sah ich den Schatten rasch auf das Tor zuhuschen. Zwei brüllende Wachen liefen fast gleich schnell, als sie verzweifelt versuchten, ihm den Weg abzuschneiden.
Der Schatten legte an Tempo zu, als wenn ihn etwas von innen lenkte und mit wachsendem Willen und Dringlichkeit antrieb. Er traf sie mit einem scharfen, klatschenden Geräusch, wobei sie umfielen.
Ihre Schreie waren unbeschreiblich.
Da hörte ich wieder die Schreie aus dem Fenster über mir dringen. Sie waren nicht mehr erstickt, sondern nur irgendwie gedämpft, als wenn die, die schrie, weit weg war, und als wenn der Ton mich aus der Ferne und viel zu spät erreichte.
Der Schatten wurde immer kleiner, als er durch das Tor in den Außenmauern des Schlosses verschwand und von da aus irgendwo in den Ebenen verschwand. Die Richtung war mir nicht klar.
»Alfrik!« rief ich laut. Hinter mir war nichts zu hören, außer brechenden Zweigen, Schluchzen und dem Geräusch, wie etwas Großes und Trampliges in der Finsternis verschwand.
»Verdammt!« murmelte ich und wollte meinem Bruder folgen. Die Schreie über mir hielten mich davon ab.
Wenn ich heute daran denke, scheint es das Dümmste zu sein, was ich je getan hatte, zumindest bis dahin. Na ja, dem Skorpion beim Diebstahl der Rüstung zu helfen, war vielleicht fast genauso genial.
Ich hielt mich an dem Weinspalier an der Turmwand fest und kletterte so zu Lady Enids Fenster hoch, wo ich mich über die Fensterbank hievte und hineinkippte.
Danielle di Caela lag gefesselt auf dem Bett und schrie mit panisch verzerrtem Gesicht. Jetzt war mir klar, daß Lady Enid in den Schatten von Kastell di Caela zu irgendeinem dunklen Ziel verschleppt wurde. Den Zweck konnten nur die Götter kennen.
Aber ich wußte, daß der Skorpion irgendwo in den nächsten Tagen seine schlimmste Drohung wahr machen würde.
Eigentlich konnte ich nur noch ins Erdgeschoß des Südostturms gelangen, aber nicht mehr die Treppen hoch laufen, die außen an ihm hochführten. Dennoch rannte ich die Stufen hoch, wobei ich zwei oder drei Mal anhielt, um Luft zu holen, und mich fragte, wie Muriel di Caela je all diese Katzen dort hochgeschafft hatte. In mir wuchs das Gefühl der Verzweiflung, weil ich – obwohl ich diesen ewig hohen Turm hoch lief – bestimmt nicht mehr sehen würde, was ich so dringend sehen wollte.
Ich war fast an der Spitze des Südostturms, als ein Fenster mir einen Blick auf die Ebenen im Osten des Schlosses gewährte. Ich stellte mich auf die Zehenspitzen, blinzelte und schaute zum Horizont hin.
Wo das rote Licht von Lunitari einen dunklen Schatten anstrahlte, der sich eilig auf die Trotylhalde zu bewegte. Den Weg dahinter kannten nur die Götter.
Zum Schlupfwinkel des Skorpions