Das Schicksal der Zwerge
- Автор: Хайц Маркус
- Серия: die zwerge #4
- Язык: немецкий
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Das Schicksal der Zwerge». Краткое содержание книги:
Schreiend wich Alysante zurück, die Hand legte sich an den Griff des Dolches. Sie stach mit der Klinge zu und traf das Scheusal, das nach ihrem Leben trachtete. »Nein! Hör auf!«, bat das Ungeheuer und hielt ihr drei Seerosen hin. »Ich bin es doch: Fanaril!«
Der Schrecken wich, und ihr von Angst verklärter Blick erkannte den Liebsten, der aus einem Schnitt über der Brust blutete. »Bei Sitalia! Verzeih mir!«, stieß entsetzt hervor. »Ich dachte...« Fanaril betrachtete die flache Wunde. »Nur ein Kratzer«, beruhigte er sie und reichte ihr die Blumen. »Ich bin selbst schuld. Ich hätte dich nicht erschrecken sollen.« Alysante drückte ihm einen erleichterten Kuss auf die Lippen, ehe sie ihm seine Kleidung im Austausch für sein Geschenk gab. »Tu das nie wieder«, bat sie ihn. »Du weißt, was sie trotz seiner Schönheit über den Teich sagen.« Sie zitterte, als sie ihren Dolch verstaute. »Ich dachte, eine Bestie hätte dir unter Wasser aufgelauert und wollte nun mich fressen, bevor ich Hilfe holen konnte.«
Fanaril lachte schallend. »Es ist nur ein Teich, über den die Alten Geschichten erzählen, die nicht wahr sind, nichts weiter.« Plötzlich starrte er auf die Wellen, seine Augen wurden größer. »Da!«, rief er aufgebracht. »Schau! Da ist etwas!«
Die Elbin schnellte herum. »Wo?«
Und schon stieß ihr Liebster sie kopfüber ins Wasser!
»Da ist eine Nixe!«, lachte Fanaril von Neuem, während sie in den schwarzen Fluten versank.
Die Seerosen trieben an der Oberfläche, hüpften auf und ab. Alysante erschien nicht wieder.
»Ich weiß, was du vorhast«, grinste der Elb. »Aber mir wirst du keinen Schrecken einjagen.« Er trat nahe ans Ufer und spähte in das finstere Wasser, um sie zu entdecken. Tatsächlich konnte er ein helles, schmales Oval ausmachen. Ein Gesicht, das sich rasch näherte.
»Ich sehe dich!«
Fanaril hielt sich bereit, sie bei den Schultern zu packen und sie gleich wieder nach unten zu drücken.
Das Wasser spritzte hoch, als sie die Oberfläche durchstieß und aus den Fluten auftauchte. Fanaril empfing sie mit einem Gelächter, damit seine Liebste sofort merkte, dass ihr Versuch, ihm einen Schrecken einzujagen, misslungen war.
Aber seine Hände trafen nicht auf nackte Schultern. Sie ertasteten hartes Leder! Einen Atemzug lang blickte er in das hübsche, aber kalte Gesicht einer unbekannten Elbin, dann fuhr ihm ein eisiger Blitz durch den Magen, und Wärme breitete sich in ihm aus. Fanaril erkannte das lange Schwert, das sie ihm durch den Leib gerammt hatte, und brach tödlich verletzt zusammen.
Die Elbin erhob sich aus dem Mondteich und wischte sich mitder Linken die langen schwarzen Haarsträhnen aus dem Antlitz, blickte sich am Ufer um und verschwand lautlos im nahen Wald.
Im gleichen Augenblick sprang Alysante aus dem Weiher. Ihr kläglicher Versuch, den schrecklichen Schrei einer Bestie nachzuahmen, ging in ihrem eigenen Lachen unter. »Ich kann das nicht«, prustete sie und rieb sich das Wasser aus den Augen. »Hat sich mein Liebster zu Tode erschrocken?«, fragte sie kichernd, als sie Fanaril da liegen sah. Erst als sie das Rot und den Schnitt in seinem Gewand bemerkte, verstand Alysante, dass seine Gleichgültigkeit nicht vorgetäuscht war.
Sie sank neben ihm auf die Knie und untersuchte seine Verletzung, dabei schaute sie sich immer wieder um, ob sich der Angreifer in der Nähe befand. »Sitalia, rette ihn! Fanaril, öffne die Augen! Du musst wach bleiben...«
Das Plätschern von herabtropfendem Wasser in ihrem Rücken warnte die Elbin, dann fiel ein breiter Schatten über sie, und ein Pferd schnaubte.
Alysante sah über die Schulter und zückte zum zweiten Mal an diesem Abend mit fliegenden Fingern ihren Dolch.
Hinter ihr standen zwei gewaltige schwarze Hengste mit dunklem Sattelzeug, die rot leuchtenden Augen funkelten sie hasserfüllt an. Mitten auf der Stirn sah sie den Stumpf eines abgesägten Horns, und als die Nachtmahre weiter aus dem Wasser schritten, blitzte es unter ihren Hufen auf, und der Teich leuchtete ringsherum.
Alysante wusste, wem sie gegenüberstand.
Auf den Rücken der Nachtmahre saßen zwei schwarzhaarige Albae-Zwillinge in finster-prächtigen Rüstungen, die rechte Hand des Vordersten hielt ein gewaltiges langes Schwert. So schnell, dass sie seinen Bewegungen nicht zu folgen vermochte, senkte er die Waffe, die Spitze legte sich auf Herzhöhe gegen ihren Rücken. Die Feuchtigkeit lief an der Waffe herab und gegen ihr dünnes, nasses Leibchen; nun wurde ihr kalt vor Furcht.
»Sag, wer du bist, Elbenweib«, verlangte er barsch zu wissen. Sie nannte ihm zitternd ihren Namen. »Ist deine Siedlung weit von hier?« Jetzt schwieg sie und bekam prompt das Schwert zu spüren, das ihr schmerzhaft in die Rippen stach. Warmes Blut lief aus der schmalen Wunde hervor und färbte den Stoff rot. »Antworte!« Alysante drehte sich unter dem Schwert weg und rannte auf den nahen Wald zu. Sie musste die Freunde warnen!
Unter Tränen der Verzweiflung und der Angst hetzte sie durch das Dickicht. Ihre Gedanken wirbelten umher. Sie sah den toten Fanaril vor sich, spürte seinen klebrigen Lebenssaft an ihren Fingern und konnte sich nicht erklären, woher die Albae kamen. Hatten sie auf dem Grund des Mondteichs geschlafen? Hatte sie Tion über die Berge an den Zwergen vorbeigeschleudert?
Sie keuchte schwer und dachte vieles durcheinander - bis ihr bewusst wurde, dass sie die Reiter geradewegs zu den Letzten ihres Volkes führte!
Alysante erklomm den nächsten Baum, um ihre Flucht in den Ästen und Zweigen fortzusetzen und keine Spur auf dem Boden zu legen; sie sprang von einem Baum zum nächsten.
Endlich gelangte sie nach Atem ringend und mit schmerzenden Armen an den Rand der Siedlung. Sie sah den rettenden Schein der Laternen, welche die filigran gearbeiteten Häuser am Boden und in den uralten Palandiellbuchen in warmes Licht tauchten.
Erleichtert stieg sie von dem Baum herab und wollte auf die Gebäude zugehen. Eine starke Hand packte sie im Nacken, schleuderte sie hart zu Boden, ein Stiefel stellte sich in ihr Genick und drückte sie gnadenlos in den Waldboden.
»Du wurdest vorhin von Tirigon gefragt, ob deine Siedlung weit entfernt von dem Teich sei«, raunte ihr die Angreiferin ins Ohr. »Ich werde ihm deine Antwort überbringen, Elbenweib.« Ein Dolch glitt mit einem schleifenden Geräusch aus der Scheide. »Nun sende ich dich zu deinem Liebsten. Sei dir gewiss, dass der Rest deiner Verwandtschaft noch in dieser Nacht folgen wird.«
Alysante versuchte, einen letzten Schrei auszustoßen, um die Freunde zu warnen, da zuckte die Doppelklinge herab und führte sie in das Land, in dem Fanaril mit Tränen der Verzweiflung auf sie wartete...
Es war sehr still in der Küche geworden.
Ingrimmsch wunderte sich, wie gut Lombrecht erzählen konnte, und das trotz der wenigen Zähne.
»Auf diese Weise«, sprach Lombrecht getragen, »gelangten die Albae wieder in das Geborgene Land.« »Kamen sie nicht unter Führung ihres Kaisers Aiphatön aus dem Süden?«, wandte Slin ein und gab den anderen beiden Zwergen durch einen Blick zu verstehen, dass er sehen wollte, wie viel die einfachen Menschen über die Albae wussten.
Ingrimmsch machte sich seinen eigenen Reim auf die Erzählung. Barskalin hatte angedeutet, dass die Albae aus dem Norden eingefallen waren. Lombrecht hatte ihnen wiederum die Sage zu ihrer Rückkehr berichtet. Ein wahrer Kern.
Lombrecht stieß schnaubend die Luft aus. »Es wird behauptet, dass sie aus dem Süden kommen. Aber ich kenne diese Sage, und sie gefällt mir sehr gut. Aiphatön hat die andere Geschichte sicherlich erfunden, um seinen eigenen Ruhm zu mehren. Wir wissen doch alle, dass der Magus nicht zu schlagen ist.«
»Hat die Sage denn auch eine Erklärung, weswegen die Schwarzaugen so einfach aus dem Wasser steigen, als könnten sie darin atmen wie die Fischlein?« Der bloße Gedanke an einen schwarzen Teich ließ ein mulmiges Gefühl aufkommen.