Entscheidung in Sedan
- Автор: Май Карл
- Серия: Liebe des Ulanen #5
- Год: 1983
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Entscheidung in Sedan». Краткое содержание книги:
Der Nachmittag war angebrochen. In und um Malineau sah es übel aus. Man hatte die Möbel aus dem Schloß geschafft, auf einen Haufen geworfen und angebrannt. Aus Rache, daß der Wächter geschlagen und eingeschlossen worden war, hatte man auch das Wirtschaftsgebäude angesteckt. Es brannte lichterloh, und kein Mensch dachte an das Löschen.
Der Keller enthielt viel Wein. Die Franctireurs waren über den Vorrat geraten und befanden sich nun in einem aufgeregten Zustand. Die Fenster wurden zertrümmert. Man hatte nicht viel Geld gefunden und verlangte doch welches. Der General sollte es schaffen. Es war eine Deputation an ihn abgeschickt worden, welche die Kleinigkeit von einer Million Franken verlangt hatte. Er hatte mit dem Gewehr geantwortet.
Das verdoppelte den Grimm. Und nun hatte man dem Grafen das Ultimatum bekannt gegeben: Wenn er bis heute abend zehn Uhr nicht die verlangte Summe schaffe, so werde man das Schloß anbrennen und ihn im Feuer umkommen lassen.
Der Posten, den Martin niedergeschlagen hatte, war natürlich gefunden worden. Aus seiner Erzählung ergab es sich, daß jemand fortgeritten sei, um Hilfe für den Grafen zu holen. Daher hatte Berteu in der Gegend nach Etain Posten vorgeschoben, welche ihn von allem Auffälligen benachrichtigen sollten.
Er selbst saß in einem Zimmer des Schlosses und hörte mit Vergnügen auf die Schüsse, mit denen man die Belagerten in Atem hielt. Man schoß von innen nach der Tür, hinter welcher sie sich befanden, und von außen nach den Fenstern der beiden Turmzimmer.
Da kam einer der ausgesandten Späher eiligen Laufes über den Schloßplatz und begab sich zu dem Anführer.
„Sie kommen!“ rief er, noch ehe er die Tür hinter sich geschlossen hatte.
„Dummkopf! Weißt du nicht, was sich schickt? Hast du das Wort Disziplin und Subordination noch nicht gehört?“
„Disziplin?“ fragte der Mann erstaunt.
„Ja. Kommt man in dieser Weise in das Arbeitskabinett seines Stabsoffiziers gestürmt?“
„Stabsoffizier?“
„Natürlich! Ich bin ja Major.“
„Hm! Ich habe Sie für Herrn Berteu gehalten. Na, mir egal! Aber sie kommen!“
„Wer denn?“
„Der Feind.“
„Dummkopf! Feind. Wo denkst du hin! Es können ja doch nur Franzosen sein. Unsere regulären Truppen. Was für eine Gattung ist es?“
„Gattung?“
„Ja. Ist's Infanterie oder Artillerie?“
„Reiter.“
„Wie viele?“
„Vielleicht vierzig.“
„Wo?“
„Zwischen Etain und dem Dorf. Sie weideten ihr Pferde.“
„Wie? Was?“
„Ja, auf der Wiese.“
„Dann sind es keine Feinde. Wie sahen sie aus?“
„Rot.“
„Hm! Was hatten sie auf dem Kopf?“
„Pelzmützen mit einem roten Zipfel.“
„Sapperment! Das waren deutsche Husaren.“
„Na, dachte ich's doch!“
„Sie werden vorher füttern, daß die Pferde Kräfte bekommen, nämlich zum Angriff. Warte, ich werde mich selbst um diese Sache bekümmern.“ –
Die Belagerten hatten während der ganzen Nacht kein Auge zugetan. Sie mußten für jeden Augenblick gerüstet sein. Je wandalischer die Franctireurs sich zeigten, desto größer wurde die Gefahr, und als der General volle Weinflaschen in den Händen dieser Leute bemerkte, sagte er:
„Gott gebe, daß die Hilfe noch vor abend kommt! Wenn es dunkel wird, sind wir verloren. Diese Menschen werden betrunken sein, und dann sind sie vollständig unzurechnungsfähig.“
Die Worte brachten nicht geringe Besorgnis hervor. Marion blieb gefaßt; ihre Mutter war völlig teilnahmslos. Ella bangte mehr für den Großvater als für sich. Die Familie Melac verhielt sich still, befand sich aber in sehr gedrückter Stimmung, und die beiden Diener lugten voller Angst durch das Fenster nach der ersehnten Hilfe.
Freilich mußten sie sich sehr in acht nehmen, da die Franctireurs zu den Fenstern hereinschossen. Die Decke des Zimmers war mit Kugeln gespickt.
Da meinte einer der Diener:
„Exzellenz, es muß etwas los sein.“
„Warum?“
„Die Franctireurs laufen so auffällig nach dem Wald, dem Dorf entgegen.“
Der Graf überzeugte sich, daß der Diener recht hatte.
„Vielleicht kommt Monsieur Martin mit der ersehnten Hilfe“, sagte er. „Wehe dann diesen Menschen. Ein jeder Offizier unserer Armee wird sie sofort füsilieren lassen. Wenn es nur genug sind.“
„Sie kommen zurück!“ bemerkte Ella.
Man sah allerdings, daß die Franctireurs sich nach dem Schloß zurückzogen. Sie hatten ihre Waffen ergriffen und bildeten einzelne nach dem Dorfwäldchen gerichtete Abteilungen.
„Ah! Dort, Großpapa!“ rief Ella.
Sie deutete nach der Straße, welche vom Dorf durch das Wäldchen nach dem Schloß führte. Dort wurde der Zug Husaren sichtbar.
„O weh!“ sagte der Graf in fast stöhnendem Ton.
„Was? Das ist ja Hilfe.“
„Nein, Kind. Das sind preußische rote Husaren.“
„Herrgott! Preußen!“
„Ja, Feinde! Aber es ist wahr, Hilfe werden sie uns doch bringen, wenn sie sich überhaupt mit den Franctireurs einlassen.“
„Es sind Ihrer so wenig!“
„Avantgarde, Kind! Dahinter kommt das eigentliche Gros. Warten wir es ab.“
„Und du denkst, daß wir von ihnen nichts zu fürchten haben, Großpapa?“
„Nichts als Einquartierung.“
„Ah, wenn sie doch nur schnell kämen, sehr schnell.“
„Leider nicht! Sie steigen ab“, sagte Marion.
„Ja“, antwortete der General. „Sie sehen, daß sie zu schwach sind und erwarten die Ihrigen.“
„Werden diese bald kommen, Großpapa?“
„Wer kann das sagen! Ah! Schaut!“
Drüben am Waldsaum wurde ein leichtes Rauchwölkchen sichtbar, dann ließ sich ein einzelner scharfer Knall hören.
„Sie schießen!“ meinte Melac in frohem Ton.
„Ja, sie beginnen wirklich, sich zu rangieren. Kinder, sie bilden die Vorhut einer größeren Truppe. Wir scheinen gerettet zu sein, wenn nicht – – –“
„Was meinst du, Großpapa?“
„Wenn nicht unsere Truppen kommen, welche Monsieur Martin holt. Treffen diese auf die Deutschen, so sind beide so miteinander beschäftigt, daß uns die Franctireurs unterdessen massakrieren können.“
Es krachte da drüben ein Schuß. Die Husaren hatten ihre Pferde unter den Schutz der Bäume gebracht und eröffneten, selbst hinter den Bäumen steckend, ein ziemlich lebhaftes Feuer auf die Franctireurs. Sie wollten die Aufmerksamkeit derselben auf sich lenken, damit Hohenthal gut an sie herankommen könne. Die Franctireurs erwiderten das Feuer hitzig und avancierten langsam, so daß bald ein breiter Raum zwischen ihrer Rückenlinie und der Front des Schlosses entstand.
Da plötzlich stieß Liama einen lauten Ruf aus. Sie hatte am Seitenfenster gestanden, welches nach dem Park führte und deutete mit dem ausgestreckten Arm dort hinaus. Der General trat hin zu ihr und sah hinaus.
„Alle Wetter!“ rief er aus. „Rettung, Rettung! Welch ein schlauer Gedanke! Seht ihr die roten Reiter da hinter den Bäumen des Parks? Das ist eine ganze Schwadron. Der Rittmeister ist ein tüchtiger Offizier. Er lenkt die Aufmerksamkeit der Franctireurs nach vorn, hat sie unbemerkt umritten und wird sie nun überfallen. Wir sind gerettet.“
„Gott sei Dank!“ seufzte Ella.
„Ja, paßt auf, Kinder! Die Franctireurs haben keine Ahnung. Sie werden zwischen zwei Feuer kommen. Die da vorn werden sofort auch losbrechen, wenn die da im Park – – – paßt auf, paßt auf! Sie ordnen sich. Seht ihr den Rittmeister? Prächtiger Kerl! Ja, diese preußischen Reiter. Sie haben uns bei Roßbach über den Haufen geritten.“