Sand
- Автор: Herrndorf Wolfgang
- Год: 2011
- Язык: немецкий
- Год: Rowohlt
- Жанр: Современная русская и зарубежная проза
Электронная книга - «Sand». Краткое содержание книги:
Während in München Palästinenser des Schwarzen September das Olympische Dorf überfallen, geschehen in der Sahara mysteriöse Dinge. In einer Hippie-Kommune werden vier Menschen ermordet, ein Geldkoffer verschwindet, und ein unterbelichteter Kommissar versucht sich an der Aufklärung des Falles. Ein verwirrter Atomspion, eine platinblonde Amerikanerin, ein Mann ohne Gedächtnis — Nordafrika 1972.
Ein mitreißender Agententhriller — und noch viel mehr: ein literarisches Abenteuer, ein außerordentlicher Roman. (rowohlt)
«Nein, niemand, Mutter», sagte sie.
«Ja, gut», sagte sie.
«Dann hätte ich es heute Morgen nicht probiert», sagte sie.
Carl versuchte, sich vorzustellen, was Helens Mutter auf der anderen Seite des Ozeans wohl sagte. Dann dachte er wieder an das Holzgewehr. Er drehte und wendete es im Geiste hin und her.
«Ja … ja. Nein, ist nicht aufgetaucht und taucht auch nicht mehr auf. Ganz sicher. Ich hab mit der Firma telefoniert, sie schicken einen neuen. Drei neue wären natürlich besser … drei sind immer besser als einer, ja … sofort, wann denn sonst? Ich geh jetzt an den Strand … so wie überall … ja. Carthage ist gut. Grüß ihn von mir», sagte Helen und hängte auf.
«Wer ist Carthage?», fragte Carl.
Helen antwortete nicht.
«Wer ist Carthage?»
«Mein Hund. Und denk dran: Wenn ich wiederkomm, ist der Bungalow leer.»
Sie schulterte ihre Badesachen und ging hinaus.
Carl sammelte die Papierschnipsel vom Boden auf, legte sie mit zittrigen Fingern noch einmal zusammen und sah, was er zuvor schon gesehen hatte: lächerliche Ausweise eines lächerlichen «Tugendkomitees». Er wischte sie wieder vom Tisch, trat auf die Terrasse hinaus und sah einer bereits sehr winzigen Helen hinterher, wie sie zwischen den Pinien verschwand. Das Meer rollte in schmalen Wellen auf den Strand. Kaum war Helen verschwunden, tauchte ein Mann auf dem Weg auf und blieb zwischen den Bäumen stehen. Er war sehr weit entfernt, doch hatte Carl den undeutlichen Eindruck, als starre er ihn an. Ein, zwei Minuten, dann drehte der Mann sich um und ging den Weg zurück zum Strand.
Carl ließ sich in einen Liegestuhl sinken. Er spürte eine bleierne Müdigkeit. Irgendetwas Unbegreifliches hatte ihn zutiefst erschöpft. In seinem Kopf rasten die Gedanken nicht mehr, sie stolperten nur noch hilflos umher. Aus Angst, Helen noch weiter zu verärgern, wenn er ihrem Gebot nicht Folge leistete, drückte er sich ächzend aus dem Stuhl wieder hoch, trottete von der Terrasse den Weg hinunter zur zweiten Terrasse und kletterte dort über die Brüstung. Hangabwärts taumelnd sah er sich im Unterholz nach einem geeigneten Platz zum Schlafen um und sank im Schutze eines Rutenginsters hin. Das Licht war körnig. Er lag auf dem Bauch. Dann drehte er sich auf den Rücken. Von Zeit zu Zeit schreckte er hoch, als habe ein Gedanke ihn gestreift, aber immer wieder überwältigte ihn die Lethargie. Einen Entschluss zu fassen fühlte er sich nicht imstande. Sein Blick wanderte zu den schwankenden Baumkronen, zwischen denen der Abendhimmel stand wie violettes Glas, und er wünschte sich, er wäre tot.
50. CONTRAZOOM
Was die Götter angeht, so ist es mir unmöglich, zu wissen, ob sie existieren oder nicht, noch, was ihre Gestalt sei. Die Kräfte, die mich hindern, es zu wissen, sind zahlreich, und auch die Frage ist verworren und das menschliche Leben kurz.