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Eine letzte Breitseite: Kommodore Bolitho im östlichen Mittelmeer

Электронная книга - «Eine letzte Breitseite: Kommodore Bolitho im östlichen Mittelmeer». Краткое содержание книги:

1798 — vor Korfu und Alexandria: Unter der Führung seines Flaggschiffs «Lysander» kreuzt Kommodore Richard Bolitho durch das Mittelmeer, während sich die französische Flotte vor Korfu sammelt. Bald ist er sich über die Absichten des Feindes im klaren: Die Franzosen wollen die Eroberung Ägyptens und damit den Zugang zum reichen Indien.
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«Aha.»

Bolitho blickte auf die Karte. Selbst unter Berücksichtigung der Abdrift durch den Sturm konnte ihre Position nicht allzusehr von der Berechnung abweichen. Der Bug der Osiris zeigte ungefähr nach Nordost, und bei etwas Glück würden sie die höchste Bergkette an der Südspitze von Korfu noch vor Einbruch der Dunkelheit in Sicht bekommen. Die Buzzard war vor dem Sturm davongesegelt. Javal würde sich also beeilen, wieder zum Geschwader zu stoßen, und konnte sogar schon an diesem Tag auftauchen; er mußte jedoch von Süden kommen, nicht von Nordwesten wie dieses unbekannte

Schiff.

«Wie gefällt es Ihnen im Midshipmanslogis der Osiris?«fragte Bolitho.

Der Junge sah an ihm vorbei auf den hohen Umriß der Nicator, die achtern etwa drei Kabellängen entfernt segelte.»N… nicht besonders, Sir. Man behandelt mich ja soweit ganz anständig, aber.»

Bolitho nickte nachdenklich. Ebenso wie die Leutnants kamen auch die meisten Midshipmen der Osiris aus guten Familien. Es war deutlich zu merken, daß sich Farquhar Offiziere wie Kadetten sehr sorgfältig ausgesucht hatte. Daß ein Kommandant den Sohn eines alten Freundes als Midshipman einstellte oder jemandem aus anderen Gründen einen Gefallen tun wollte, war durchaus üblich. Farquhar hatte anscheinend für sein Schiff von diesem Gewohnheitsrecht ausgiebig Gebrauch gemacht.

Breen schien sich verpflichtet zu fühlen, noch etwas zu sagen.»Ich denke dauernd an diesen Matrosen, Larssen. Aber ich bin schon wieder in Ordnung, Sir. Tut. tut mir leid, daß ich mich damals so angestellt habe.»

«Das braucht Ihnen nicht leid zu tun. Ein Degen muß sich biegen können. Wenn er zu starr ist, bricht er gerade dann, wenn man ihn am nötigsten braucht.»

Warum versuchte er, Breen vor dem Unvermeidlichen zu bewahren? Jeder mußte das früher oder später durchmachen. Er erinnerte sich, was er seinerzeit als junger Leutnant nach einer Seeschlacht empfunden hatte. Wenn die Kanonen donnerten und der wilde Kampf tobte, blieb keine Zeit, den Toten Achtung zu erweisen oder sich um die Verwundeten zu kümmern. Die Toten, ob Freund oder Feind, gingen über Bord, und die Schreie der Verwundeten verstärkten nur den Kampfeslärm. Wenn die Kanonen dann schwiegen und die Schiffe auseinandertrieben, so zerschossen, daß keiner wußte, war er Sieger oder Besiegter, dann war die See mit treibenden Leichen bedeckt. Manchmal, wenn der Wind während des Gefechtes abflaute, als hätte er Angst vor der Wildheit des Kampfes, schwammen sie noch zwei Tage lang um das Schiff, und man mußte mit ihrem Anblick leben. An dergleichen dachte er oft und würde es nie vergessen.

«Hier — trinken Sie ein Glas Ingwerbier«, sagte er freundlich. Der arme Breen mit seinen rauh geschrubbten Händen und seinem schmuddeligen Hemd glich eher einem Schuljungen als einem Offizier des Königs. Aber wer in seinem Städtchen oder seinem Dorf hatte Malta gesehen? Hatte ein Seegefecht mitgemacht? Und wie viele hatten überhaupt eine Ahnung von der Stärke und Reichweite der Flotte, von ihrem Material und ihren Männern?

Farquhar, ein Teleskop in der Hand, stand im Türrahmen und warf einen kalten Blick auf den Jungen, der eben genüßlich einen Schluck nahm.

«Das Segel ist wieder außer Sicht, Sir.»

«Die Lysander kann es nicht gewesen sein?»

«Zu klein. «Farquhar scheuchte Breen mit einer kurzen Kopfbewegung hinaus und fuhr fort:»Eine Brigg, meint der Ausguck. Ein guter Mann. Irrt sich kaum.»

Jetzt, da der Sturm vorbei war, hatte sich Farquhar wieder besser in der Gewalt. Vielleicht spielte er das alte Wartespieclass="underline" danebenstehen und sehen, was aus Bolitho wurde.

Dieser ging ans offene Heckfenster, lehnte sich hinaus und blickte in die kleinen, blasenwerfenden Wirbel, die um das Ruder spielten. Ein schöner klarer Himmel, und die scharfe Kimm hinter dem dicken Rumpf der Nicator blieb leer. Die Brigg mußte mehr von den beiden Linienschiffen gesehen haben als diese von ihr.

«Sagen Sie den Ausgucks, sie sollen besonders gut aufpassen. Schicken Sie ihnen auch Teleskope hinauf.»

«Sie halten die Brigg für ein französisches Schiff, Sir?«fragte Farquhar neugierig.»Sie kann uns doch wenig schaden.»

Er sah Farquhar unbewegt an.»Vielleicht. Mein Schwager in Falmouth besitzt eine große Farm und viel Land. Er hat auch einen Hund. Wenn ein Wilderer oder Vagabund sich auf seinem Grund und Boden sehen läßt, spürt der Hund ihn auf. Aber er bellt nicht und beißt nicht — bis der Fremde in Schußweite einer Flinte kommt.»

Farquhar starrte auf die Karte nieder, als gäbe es da etwas Besonderes zu sehen.»Sie meinen, sie verfolgt uns, Sir?»

«Schon möglich. Die Franzosen haben hier viele Freunde. Die sind nur zu gern bereit, Nachrichten zu übermitteln, denn das könnte ihnen das Leben erleichtern, wenn die Trikolore ihren Besitz erst vergrößert hat.»

Unsicher erwiderte Farquhar:»Und selbst wenn dem so ist, Sir, können die Franzosen doch nicht wissen, wie stark wir in Wirklichkeit sind.»

«Sie sehen jedenfalls, daß wir keine Fregatte haben. Wenn ich ein französischer Admiral wäre, fände ich diese Information sehr wertvoll.»

Er ging zur Tür. Aus der Tiefe seines Hirns stieg eine Idee auf.»Rufen Sie doch mal Ihren Segelmacher, ja? Ich komme gleich nach oben.»

Auf dem Achterdeck hielten mehrere Matrosen neugierig mit der Arbeit inne und werkten dann mit vermehrtem Eifer weiter. Vielleicht dachten sie, Bolitho sei von seinem Fieber noch etwas durcheinander. Er ließ sich von der leichten Brise abkühlen und lächelte vor sich hin. Immer noch trug er sein spanisches Hemd und hatte es abgelehnt, sich von Farquhar etwas zum Anziehen zu leihen. Seine Sachen waren noch auf der Lysander. Wenn er Herrick fand, bekam er auch seine Sachen. Und Herrick würde er finden.

«Sir?«Der Segelmacher trat herzu und beäugte ihn ebenso neugierig wie mißtrauisch.

«Wieviel Ersatzleinwand haben wir? Ausbesserungsmaterial meine ich, keine neuen Segel.»

Nervös blickte der Mann Farquhar an, doch dieser befahl kurz:»Sag schon, Parker!»

Der Segelmacher zählte eine lange Liste von Rollen, Stücken und Abschnitten auf — erstaunlich, was der Mann alles im Kopfe hatte.

«Danke, äh, Parker. «Bolitho ging zur Steuerbordlaufbrücke und sah von dort aus zum Vorschiff.»Ich will für jede Bordwand eine lange Bahn Leinwand, die längs der Webleinen gespannt wird. Zusammengenäht aus Segeltuch oder dergleichen, irgendwelchen Stücken, die wir vielleicht für Sonnensegel oder als Windschutz aufgehoben haben. «Er sah ihm unbewegt in das verwirrte Gesicht.»Könnt ihr das hinkriegen?»

«Ja, das heißt, es ginge schon, wenn. «Hilfeflehend blickte er seinen Kommandanten an.

Der ließ ihn nicht im Stich.»Wozu das, Sir? Ich glaube, wenn der Mann wüßte, was Sie vorhaben, und, nebenbei bemerkt, ich auch, dann würde es die Sache sehr erleichtern.»

Bolitho lächelte sie beide an.»Wenn wir Vorschiff und Achterschiff auf diese Weise verbinden und dann die Leinwand in der Farbe des Schiffsrumpfes bemalen, mit schwarzen Quadraten in regelmäßigen Abständen — «, er lehnte sich über die Reling und deutete auf die Stückpforten der Achtzehnpfünder — ,»dann könnte die Osiris als Dreidecker durchgehen, nicht wahr?»

Erstaunt schüttelte Farquhar den Kopf.»Verdammt, Sir, das mag klappen. Aus einiger Entfernung würden wir wie ein Erster-Klasse-Schiff aussehen, ganz bestimmt! Dann werden die Frogs sich die Köpfe darüber zerbrechen, wie viele Schiffe wir eigentlich hier haben.»

Bolitho nickte.»Unter Land segelnd, hätten wir vielleicht eine Chance. Aber auf eine Schlacht im offenen Gewässer können wir uns nicht einlassen, ehe wir nicht genau über die Stärke des Feindes Bescheid wissen. Ich möchte bezweifeln, daß die Franzosen viele Linienschiffe hier haben. Brueys wird sie sich aufheben, um seine Transporter zu schützen. Aber wissen muß ich es.»

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